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Damals in Nagasaki. Roman Taschenbuch – 1. September 2001
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| Taschenbuch, 1. September 2001 | 3,30 € | — | 3,30 € |
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- Seitenzahl der Print-Ausgabe224 Seiten
- SpracheDeutsch
- Herausgeberbtb
- Erscheinungstermin1. September 2001
- Abmessungen11.99 x 1.65 x 18.54 cm
- ISBN-103442727383
- ISBN-13978-3442727384
- Lexile-Bewertung1030L
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Produktbeschreibungen
Pressestimmen
"Mit seinem Roman 'Damals in Nagasaki' rückt Kazuo Ishiguro unter die besten der jungen englischen Erzähler." (David White, New Society )
Klappentext
DIE ZEIT
"Mit seinem Roman 'Damals in Nagasaki' rückt Kazuo Ishiguro unter die besten der jungen englischen Erzähler."
David White, New Society
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Sie besuchte mich Anfang des Jahres, im April, als die Tage noch kalt und feucht waren. Vielleicht hatte sie länger bleiben wollen, ich weiß es nicht. Aber mein Landhaus und die Stille hier machten sie nervös, und ich merkte bald, daß sie sich nach ihrem Londoner Leben zurücksehnte. Ungeduldig hörte sie sich meine klassischen Schallplatten an und blätterte Zeitschriften durch. Sie wurde oft angerufen. Dann schritt sie, die schmächtige Gestalt in enge Kleider gezwängt, über den Teppich und schloß sorgsam die Tür hinter sich, damit ich das Gespräch nicht mithören konnte. Nach fünf Tagen reiste sie ab.
Sie erwähnte Keiko erst am zweiten Tag. Es war ein grauer, windiger Morgen, und wir hatten die Sessel näher ans Fenster gerückt, um zuzusehen, wie draußen im Garten der Regen fiel.
»Hattest du erwartet, daß ich dort sein würde?« fragte sie. »Bei der Beerdigung, meine ich.«
»Nein, ich glaube nicht. Ich habe nicht gedacht, du würdest kommen.«
»Ich war ganz durcheinander, als ich es hörte. Ich wäre fast gekommen.«
»Ich habe nie erwartet, daß du kommen würdest.«
»Die Leute wußten gar nicht, was mit mir los war«, sagte sie. »Ich habe es keinem erzählt. Ich glaube, es war mir peinlich. Sie hätten es nicht verstanden, sie hätten nicht begriffen, wie mir dabei zumute war. Schwestern, meint man immer, stehen sich nahe, nicht wahr. Auch wenn man sich nicht besonders mag, steht man sich nahe. Aber so war es ja nicht bei uns. Ich kann mich nicht mal erinnern, wie sie jetzt aussah.«
»Ja, es ist lange her, seit du sie gesehen hast.«
»Ich kann mich nur erinnern, daß ich mich in ihrer Gegenwart immer unglücklich fühlte. An mehr kann ich mich nicht erinnern. Aber ich war trotzdem traurig, als ich es hörte.«
Vielleicht war es nicht nur die Stille, die meine Tochter nach London zurückzog. Denn wenn wir auch nie lange bei Keikos Tod verweilten, so war er uns doch stets gegenwärtig, wann immer wir miteinander sprachen.
Anders als Niki hatte Keiko nur japanisches Blut in den Adern, und mehr als eine Zeitung griff diese Tatsache prompt auf. Die Engländer sind vernarrt in die Vorstellung, wir Japaner hätten eine Neigung zum Selbstmord, als mache das jede weitere Erklärung überflüssig. Denn das war alles, was sie berichteten: Daß sie Japanerin war und sich in ihrem Zimmer erhängt hatte.
Am selben Abend stand ich am Fenster und sah ins Dunkel hinaus, als ich Niki hinter mir sagen hörte: »Woran denkst du gerade, Mutter?« Sie saß drüben auf der Couch, mit einem Taschenbuch auf den Knien.
»Ich dachte an jemanden, den ich einst kannte. Eine Frau, die ich einst kannte.«
»An jemanden, den du kanntest, als du|... bevor du nach England kamst?«
»Ich kannte sie, als ich in Nagasaki lebte, falls du das meinst.« Sie sah mich unverwandt an, deshalb fügte ich hinzu: »Vor langer Zeit. Lange bevor ich deinen Vater kennenlernte.«
Sie schien zufrieden und wandte sich mit einer vagen Bemerkung wieder ihrem Buch zu. Niki ist ein anhängliches Kind, was sie auf mancherlei Art beweist. Sie war nicht nur gekommen, um zu sehen, wie ich mit der Nachricht von Keikos Tod fertig geworden war. Es gab noch einen anderen Grund für sie. In den letzten Jahren hatte sie gewisse Seiten meiner Vergangenheit schätzen gelernt, und sie wollte mir letztlich sagen, daß sich nichts verändert habe, daß ich die Wahl, die ich damals traf, nicht bereuen solle. Kurz, sie wollte mir versichern, daß ich keine Schuld an Keikos Tod trage.
Ich habe keine große Lust, jetzt lange bei Keiko zu verweilen. Es bringt mir wenig Trost. Ich erwähne sie hier nur, weil dies die Begleitumstände von Nikis Besuch im April waren und weil ich mich während dieses Besuches nach all den Jahren wieder an Sachiko erinnerte. Ich habe Sachiko nie gut gekannt. Unsere Freundschaft dauerte eigentlich nicht mehr als ein paar Wochen, in einem Sommer vor vielen Jahren.
Die schlimmste Zeit war schon vorbei damals. Die amerikanischen Soldaten waren so zahlreich wie immer - denn es war Krieg in Korea -, aber in Nagasaki waren dies, nach dem, was vorangegangen war, Tage der Ruhe und der Erleichterung. Die Welt war in einem Zustand der Veränderung.
Mein Mann und ich wohnten im Osten der Stadt, eine kurze Straßenbahnfahrt vom Stadtzentrum entfernt. In unserer Nähe floß ein Fluß, und ich hatte einmal gehört, daß vor dem Krieg am Flußufer ein kleines Dorf gestanden hatte. Aber dann war die Bombe gefallen, und danach blieben nur noch verkohlte Ruinen übrig. Der Wiederaufbau hatte begonnen, und mit der Zeit waren vier Betongebäude errichtet worden, jedes mit ungefähr vierzig Wohnungen. Unser Block war als letzter gebaut worden und markierte den Punkt, an dem das Wiederaufbauprogramm zum Stillstand gekommen war. Zwischen uns und dem Fluß lag unbebautes Gelände, etliche Morgen trockenen Lehms und Abzugsgräben. Viele Leute klagten, das sei gesundheitsschädlich, und die Entwässerungsanlage war in der Tat widerwärtig. Das ganze Jahr hindurch waren dort kraterförmige Löcher mit abgestandenem Wasser gefüllt, und in den Sommermonaten wurden die Moskitos unerträglich. Von Zeit zu Zeit sah man Beamte Messungen vornehmen oder sich Notizen machen, aber die Monate vergingen, und nichts geschah.
Die Bewohner der Häuserblocks waren meist junge Ehepaare wie wir, die Männer hatten gute Stellungen bei expandierenden Firmen. Viele der Wohnungen gehörten den Firmen, die sie zu einem annehmbaren Preis an ihre Angestellten vermieteten. Alle Wohnungen waren gleich: Die Fußböden waren mit Tatami ausgelegt, die Badezimmer und Küchen nach westlichem Muster eingerichtet. Die Räume waren klein und in den warmen Monaten schwer kühl zu halten, doch im großen und ganzen machten die Bewohner einen zufriedenen Eindruck. Und doch erinnere ich mich an eine unverkennbare Atmosphäre der Flüchtigkeit, als warteten wir alle auf den Tag, an dem wir in eine bessere Bleibe umziehen könnten.
Eine einzige Holzhütte hatte sowohl die Verheerungen des Krieges als auch die Planierraupen der Regierung überlebt. Ich konnte sie von unserem Fenster aus sehen, sie stand einsam am Rand des unbebauten Geländes, fast am Flußufer. Es war eine Hütte, wie man sie häufig auf dem Land findet, mit einem fast bis zur Erde reichenden Ziegeldach. Wenn ich nichts zu tun hatte, stand ich oft am Fenster und blickte hinüber.
Nach der Aufmerksamkeit zu urteilen, die Sachikos Ankunft erregte, war ich nicht die einzige, die zu der Hütte hinüberblickte. Man rätselte viel darüber, ob die zwei Männer, die man dort eines Tages arbeiten sah, von der Regierung waren oder nicht. Später erzählte man sich, daß eine Frau mit ihrer kleinen Tochter dort wohne, und ich sah sie selbst mehrmals, wenn sie sich ihren Weg über das von Gräben durchzogene Gelände bahnten.
Es war Anfang des Sommers - ich war damals im dritten oder vierten Monat schwanger -, als ich zum erstenmal den großen amerikanischen Wagen sah, der, weiß und zerbeult, über das unbebaute Gelände auf den Fluß zurumpelte. Es war schon Abend, und die Sonne, die hinter der Hütte versank, leuchtete einen Augenblick auf dem Metall auf.
Eines Nachmittags dann hörte ich an der Straßenbahnhaltestelle zwei Frauen über die Frau reden, die in das baufällige Häuschen am Fluß gezogen war. Die eine erzählte ihrer Bekannten, wie sie die Frau am Morgen angesprochen und eine eindeutige Abfuhr erfahren habe. Ihre Begleiterin stimmte ihr darin zu, daß die Neue einen unfreundlichen Eindruck mache - wahrscheinlich sei sie eingebildet. Sie müsse bestenfalls dreißig sein, meinten sie, denn...
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Produktinformation
- Herausgeber : btb; Genehmigte Taschenbuchausg., 1. Aufl. Edition (1. September 2001)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 224 Seiten
- ISBN-10 : 3442727383
- ISBN-13 : 978-3442727384
- Abmessungen : 11.99 x 1.65 x 18.54 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1,808,110 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 89,272 in Gegenwartsliteratur
- Nr. 165,672 in Literatur (Bücher)
- Nr. 511,651 in Unterhaltungsliteratur
- Kundenrezensionen:
Informationen zum Autor

Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er später Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller »Was vom Tage übrigblieb«, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 50 Sprachen übersetzt. Er erhielt 2017 den Nobelpreis für Literatur. Der Autor lebt in London.
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Etwas mehr Erklärungen zu Vorgängen von früher hätte ich erwartet, das Ende lässt mich etwas ratlos und unfertig zurück.
Ärgerlich: bei 90% des Buches, als ich die Auflösung erwartete, war es aus, und es folgte ein Auszug zu anderem Buch vom Autor. Stört mich sehr.
Immer wieder taucht Etsuko in ihre Vergangenheit ab, die Zeit als sie mit Keiko schwanger war. Sie erinnert sich an eine Frau, die für einen Sommer ganz in ihrer Nähe wohnte und mit der sie eine seltsame Freundschaft verband.
Etsuko erlebt die traumatische Stille in der sich die Menschen nach dem Krieg befanden erneut und muss erkennen, dass sie auch jetzt nach dem Tod der Tochter in einer unheilvollen Stille gefangen scheint.
Ishiguro erzählt das Schicksal einer Frau mit einfachen und doch beklemmenden Worten, er lässt uns tief in die geschundene japanische Volksseele nach dem verlorenen Krieg blicken und zeigt, wie schmerzhaft, das Aufbrechen einer in sich abgeschlossenen Kultur durch eine gänzlich andere Kultur sein kann. Dabei bedient sich der Autor keiner Wertungen für oder gegen die eine oder andere Kultur, er zählt vielmehr die Unterschiedlichkeiten auf und betont das Nicht-Verstehen der jeweils anderen Seite.
Ein Buch das sanft berührt und es vermag das Gefühl der Leere nach einem großen Verlust spürbar zu machen.
In seinem ersten und wohl persönlichstem Roman schreibt Ishiguro über eine in England lebende Japanerin, die sich an ihr Leben in Nagasaki kurz nach dem Ende des Weltkrieges zurück erinnert. Dabei denkt sie an ihre ehemalige Nachbarin und ihre Tochter, sowie ihrem damaligen Mann und den Schwiegervater.
Ich muss sagen, so richtig abholen konnte mich diese Geschichte nicht. Etsuko, die Erzählerin, wirkte auf mich sehr reserviert und langweilig. Die Dialoge waren getunkt in Überhöflichkeit und Desinteresse am Gegenüber. Alles was interessant war, wurde nur am Rand oder gar nicht erwähnt: Die Hintergründe zum Tod der Tochter, Wie Etsuko nach England kam, was aus ihrer Nachbarin Sachiko und deren Tochter wurde. Es gab nur ein Kapitel, das mein Interesse geweckt hat und die einzige sympathische Person war für mich der Schwiegervater. Für mich persönlich war der Roman zu oberflächlich und ich hätte mir gerne mehr Inhalt gewünscht und vor allem viel mehr Emotionen. Emotionen habe ich hier vergeblich gesucht. Sehr schade!
Alles, was später seinen charakteristischen Ton ausmachen wird, ist hier voll entfaltet. Die magischen Atmosphären und Szenerien, die einfach und knapp evoziert werden und fast immer Unbestimmtheiten und Unschärfen enthalten, unchronologische, mäandernde Rückblenden und Erinnerungen, welche die Gegenwart zu erklären versuchen, aber sich im Spiel von Vergangenheit und Gegenwart auch jederzeit delegitimieren und dekonstruieren können. Die Sprache ist zart, leise, die Dialoge haken nicht selten und gleiten in Kommunikationsstörungen hinein, die mit „japanischer Höflichkeit“ nicht von der Stelle kommen und sich im Kreise drehen. Ödnis und Melancholie können bedrohlich anwachsen. Katastrophen kommen vor. Aber sie werden nicht in den Mittelpunkt der Beobachtung gestellt, sondern werfen nur Schatten. Der Bombenabwurf über Nagasaki und seine Folgen. Der Selbstmord Keikus. Fragen nach Schuld und Verantwortung verdämmern im Zwielicht von persönlicher und strukturell-historischer Schuld. Und fast immer bleibt dass oft furchterregende und grausige Geschehen versiegelt von einer tief verinnerlichten Tugend, schonend mit einander umzugehen, Verletzungen zu vermeiden, Respekt zu erweisen. Susanne Mayer, Literaturkritikerin der „Zeit“, hat die Protagonisten Ishiguros „ Menschen in kontrollierter Verzweiflung“ genannt.
Der Roman erzählt die Geschichte von Etsuko und Sachiko. Etsuko ist jung verheiratet und mit ihrem ersten Kind schwanger. Sie trifft auf die ältere Sachiko und deren heranwachsende, schwierige Tochter Mariko. Sachiko will mit ihrem amerikanischen Freund den Sprung nach Amerika wagen. Sie ist beherzt, tatkräftig und zuversichtlich. Über den offensichtlichen, manchmal krassen Widerstand der Tochter gegen das Amerikaprojekt wie auch den Freund der Mutter, Frank, setzt sie sich willensstark und scheinbar unsensibel weg. Etsuko wirkt neben der vitalen Sachiko eher blass, schüchtern, fast devot. Später wird sie nach der Trennung vom japanischen Ehemann Jiro – die Trennung bleibt im Unklaren – mit ihren Töchtern Keiko und Niki de Emigration nach England durchsetzen, dem englischen Freund folgend. Keiko, die schon in der ersten Familie eine Außenseiterin war, zurückgezogen, schroff und widerständig, scheitert zu Beginn ihres Studiums, entfernt von zu Hause, und erhängt sich. Der Selbstmord der Tochter ist der Angelpunkt des Romans. Erstaunlicherweise wird weder er selber geschildert oder erinnert, noch stellen Mutter oder Schwester Niki Überlegungen und Vermutungen dazu an. Unmittelbar ist er so gut wie kein Thema.
Die ganze Auseinandersetzung und Reaktualisierung des unlösbaren Problems, eines immer wieder umkreisten Schuld- und Verantwortungsgefühls, geschieht über die Projektion auf Sachiko und ihrer Tochter Mariko. Etsuko durchläuft alle Phasen ihrer Freundschaft mit der älteren Sachiko. Sie selber war damals erst mit der Ältesten, Keiko, schwanger. Sachikos Verhältnis zu Mariko ist schwierig, defizient. Ungehorsam und freche Anmaßung übergeht die Mutter mit stoischer Beherrschung. Auf der anderen Seite scheint sie sich um Fernbleiben und vor allen Dingen die Übersiedlung nach Amerika, also die neue Umgebung und den neuen Stiefvater für Mariko, wenig Sorgen zu machen. Sie scheint unempathisch. Das erfährt eine grausige Steigerung in der Szene, in welcher sie in Gegenwart der Tochter ihre geliebten Katzenjungen ertränkt, die man nicht auf die Reise mitnehmen könne.
Langsam drängt sich der Eindruck auf, dass die Erinnerung an Sachiko und ihr schwieriges Verhältnis zur Tochter nur eine Folie für Etsuko ist, sodass sie die konkrete Erinnerung an Keiko und ihren endlichen Suicid unberührt lassen kann. In einer späten Szene, in der Etsuko sich um Mariko bemüht und ihre Ängste wegen der Amerikaübersiedlung zerstreuen will, versucht sie ihr zu vermitteln, dass sie ja sicher zurückkämen, wenn es ihr dort nicht gefalle. Aus dem „ihr werdet dann sicher zurückkommen“ wird im Text ein einziges Mal die erste Person: „w i r werden dann sicher zurückkommen“. Ein Schlüssel zur Möglichkeit, dass Sachiko vielleicht gar nicht existiert, sie ein Phantom ist und Etsuko und Sachiko ein und dieselbe Person sind.
Ein bemerkenswerter Erstlingsroman, hochpoetisch und streng komponiert, der die frühe Meisterschaft Ishiguros schon unter Beweis stellt.





