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am 22. Mai 2014
In drei Sprachen und Bildern, die den Leser jedes für sich emotional mitnehmen und ebenso jedes für sich eine klare, tiefe, Geschichte zu erzählen verstehen hat sich Gerd Ludwig (ergänzt durch ein Essay von Michael Gorbatschow) der noch heute nachwirkenden, zentralen technischen Katastrophe der Moderne angenommen.

„Tschernobyl …. Der Krieg aller Kriege. Nirgendwo ist der Mensch in Sicherheit“.

Gerade auch da nicht, wo er technisch meint, alles unter Kontrolle zu haben. Mit drastischen Folgen, von denen die Bilder im Buch ihre ganz eigene Sprache sprechen, von denen Bilder und erläuternde Texte viel zu erzählen wissen.

Schon das erste, zweiseitig gesetzte Großbild mit dem Foto Lenins, von Staub und kleinen Bruchstücken übersät mit der zerstörten, daneben liegenden Puppe bietet in seiner Symbolkraft von menschlichem „Plan“, technischem Versagen, von Hybris und indirekt sichtbaren Leid eine bewegende Komposition.

„Der Atomunfall von Tschernobyl war vielleicht noch mehr als die von mir begonnen Perestroika die wirkliche Ursache für den Zusammenbruch der Sowjetunion….. sie stellte…. einen historischen Wendpunkt dar: Es gab die Zeit vor der Katastrophe und die Zeit nach der Katastrophe“.

Eine Einschätzung Gorbatschows, der man nach der Lektüre und Betrachtung dieses schon in der Form monumentalen Bildbandes nur vollständig zustimmen kann.

Einmal im Jahr, 10 Tage nach Ostern, zur Feier des „Gedenkens der Toten“, ist der einzige Tag im Jahr, an dem die ehemaligen Bewohner der Zone zurückkehren dürfen, um das Fest zu feiern. Ein Tisch mit einfachen Speisen, ein altes Ehepaar inmitten toter Bäume, an denen die Zerstörung mehr nur zu ahnen als direkt sichtbar sich zeigt erzählt ebenso seine Geschichte des Verlustes, wie der einbeinige Mann, die kahlköpfige, Dermatitis geplagte Patientin, an deren Blick man das existentielle Trauma des Geschehens ablesen kann.

Zerstöre Gänge, abgewrackt wirkende Schalttafeln, Bilder eines verwüsteten Klinikraumes voller Gitterbettchen und zerfetzter Kuscheltiere. Ein Haufen benutzter Gasmasken bildet den eindrucksvollen Schlusspunkt dieses Werkes, in dem zuvor „Kerzen der Hoffnung“, mehr aber noch jene Szene mit dem orthodoxen Priester, der ein einsames Grab segnet oder auch die kleine „Feier am Rande“ den Kontrast spürbar in den Raum bringen: Einerseits die Wucht der Zerstörung apokalyptischen Ausmaßes und andererseits die „kleine Flamme“ des Lebens, Inseln in den Ruinen. Neben, wiederum, einem einsamen, roten Mädchenschuh auf dem äußeren Fensterbrett eines zerstörten Hauses.

Es ist nicht nur eine Geschichte eines Unfalles oder der Blick auf Überlebende, den Gerd Ludwig in faszinierende Bilder bannt. Es ist eine Grundgeschichte von Menschen und Technik, von der „Nicht-Sicherheit“ des Menschen, vom „Nicht hören wollen“ aufgrund eigenen Ehrgeizes oder dem Durchsetzen eigener Pläne und Ziele um jeden Preis, die zerstörte Landschaft, zerstörte Häuser, zerstörte Maschinen, Computer, Flugzeuge und schweres Gerät zurücklassen, ebenso, wie zerstörte Menschen.

Bilder wie aus einem apokalyptischen Endzeitroman oder Film. Mit zwei Kindern vor antik anmutenden Untersuchungsröhren.

Bilder, die unter die Haut gehen.

„Ein Freund ist gestorben……er wurde immer dicker, schwoll an, wie ein Fass. Und ein Nachbar….Der war auch dort gewesen, als Kranfahrer“.

Texte und Bilder, die das leisten, was vielfache Features in den Medien meist nur mit Distanz vor Augen geführt haben. Den Betrachter mitten hinein zu bringen in das Geschehen und seine Folgen. Ungeschminkt und nachhaltig wirkend.
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am 25. Juli 2014
Als Nachgeborene von Tschernobyl wollte ich aus Gerd Ludwigs Buch gerne mehr über das Unglück und seine Folgen lernen. Der eindrucksvolle Bildband zeigt dem Betrachter nicht nur die physischen Folgen der Katastrophe mit Aufnahmen des Trümmerhaufens im Inneren des Reaktors, sondern beschäftigt sich auch auf eindringliche Weise mit seinen menschlichen und sozialen Konsequenzen. Die Bilder der Opfer von Tschernobyl, jung und alt, sind emotional, eindringlich und tief berührend. Sie sind eine Warnung vor den Gefahren und Risiken von Atomenergie - in vielerlei Hinsicht.

Besonders beeindruckt hat mich beim Betrachten und Lesen des Buchs, dass Gerd Ludwig seit über 20 Jahren regelmäßig in den Raum Tschernobyl zurückkehrt. Berichterstattung über einen solch langen Zeitraum hinweg geschieht in einer Zeit schneller Medienzyklen leider viel zu selten. Die allmählichen Veränderungen in der Region anhand der Bilder nachverfolgen zu können, fand ich daher besonders interessant und als Betrachterin sehr erhellend.

Druck und Verarbeitung lassen nichts zu wünschen übrig. Die Größe des Buchs und der Abbildungen sind großartig, sie geben den detailreichen Aufnahmen viel Raum. Ich bin, auch nach mehrmaligem Durchblättern, tief beeindruckt.
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am 29. Juli 2014
Rezension: Gerd Ludwig - Der lange Schatten von Tschernobyl.

In der Edition Lammerhuber ist der neueste Foto-Bildband des Fotografen Gerd Ludwig mit dem Titel „Der lange Schatten von Tschernobyl“ erschienen. Gerd Ludwig ist ein renommierter und international anerkannte Fotograf, dessen fotografische Projekte ihn schon in viele Länder geführt haben. Was er von seinem Fotoprojekt Tschernobyl an Bildern und Eindrücken - verbunden mit ausgezeichneten, schonungslosen und kompetenten Texten - dem Betrachter vorführt, kommt einem visuellen Menetekel gleich. Bis in den Bauch der Atomruine von Tschernobyl hat er seinen eigenen Körper Gefahren - durch die weiterhin mörderische Strahlenbelastung - ausgesetzt, um für uns Betrachter diesen Höllenschlund in den Fokus zu nehmen. Geradezu apokalyptische Szenarien im Reaktor und in der Umgebung präsentiert der Fotograf Gerd Ludwig und verdeutlicht dabei das bis heute anhaltende Leid der betroffenen Bevölkerung rund um den Reaktor von Tschernobyl. Auch der zweite und extrem teure Sarkophag um den zerborstenen Reaktor von Tschernobyl kann uns letztlich nur temporär in „Sicherheit“ wiegen. Die Bilder von Gerd Ludwig vom Reaktorunglück in Tschernobyl sind authentisch und nachhaltig, denn sie zeigen die ganze Tragödie dieses Unglücks und sind dazu geeignet, dass auch der letzte Befürworter der nuklearen Energiegewinnung in Zweifel gerät. Kein geringerer als Michail Gorbatschow kommt in einem bemerkenswerten Essay zu diesem Bildband zu Wort.

Gerd Ludwig: Der lange Schatten von Tschernobyl. Edition Lammerhuber, A-Baden 2014, Hardcover im Schuber, Format 29 x 31 cm, 252 Seiten, 127 Fotos, Text in englischer, französischer und deutscher Sprache.

Rezension: © Willi Wilhelm, Bornheim, Juli 2014.
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am 27. Juli 2014
Wenn das Buch auf dem Tisch liegt und man auf diese Fotos schaut, fragt man sich, wie weit der wahre Ort des Geschehens entfernt liegt. Von Deutschland aus ist es nicht besonders weit. Nur rund 1300 Kilometer sind es von Berlin, und man wäre in Tschernobyl. Dennoch sind es Welten, die uns von diesen Bildern trennen. Die Gesichter, in die wir blicken. Die Geschichten, die sie erzählen. Gerd Ludwig ist über hohe Barrieren geklettert und hat sich mit Geigerzähler in diese nahe, ferne Welt gewagt. Auf ein Terrain, das verseucht war, ist. Ein Reporter im allerbesten Sinne, der ausgräbt. Über Monate, über Jahre. Der Blicke hinter die Kulissen der Kulissen wirft. Dies nicht ohne Gefahr, ohne Risiko. Seine Fotos erzählen von Geschichten hinter den Geschichten. Sie zeigen Fürchterliches, Unfassbares. Dies niemals mit der kalten Ästhetik des Abstands. Aus Ludwigs Fotos spricht die unverfälschte Nähe zum Thema, ein tiefer, harter Blick. Vor allem: Immer hat Ludwig ein Auge für jene Kinder, Frauen und Männer, die diese Hölle überstehen mussten und noch immer überstehen müssen. Darin liegt die enorme Wucht dieses Buchs. Es erzählt alles über den Wahnsinn des Menschen. Man schlägt das Buch zu und muss schweigen. Erschreckend. Großartig.
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am 22. Mai 2014
Der auf dem Buchrücken und Einband in Ko-Autorengröße angeführte Gorbatschow hat eine Nennung nicht verdient, sein "Essay" füllt zwei (!) der 252 Seiten und geht über die pauschalen Lippenbekenntnisse, die er seit Jahrzehnten zu dem Themenkomplex abgibt, nicht hinaus.

Die "redigierte Dokumente der CIA", die auf der Verlagsseite für den Verkauf des Buches ins Rennen geschickt werden, sind so klein abgedruckt, dass man sie nicht lesen kann - lesen kann man aber sehr wohl den Link, der zum kostenpflichtigen Download der Dokumente führt. Es handelt sich bei den "Dokumenten" um einen eindeutigen Lückenfüller im Buch, um ein aufgeblasenes Verkaufsargument, schärfer ausgedrückt - um Betrug am Käufer.

Ludwigs Ausführungen zu den Fotos sind schwammig, manchmal - wahrscheinlich in Ermangelung besseren Wissens - weit von den Fakten, Gepflogenheiten und Realitäten der Ukraine entfernt. Nach 20 Jahren Auseinandersetzung mit dem Thema hätte ich mehr erwartet; auch von den Fotos.
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am 30. Juni 2014
Haben auch Apokalypsen ein Verfallsdatum in unserem Gedächtnis, wenn sich keine staatliche Erinnerungskultur um sie rankt? Es ist still geworden um Tschernobyl, um jene Katastrophe, die am 26. April 1986 geschah, als ein Brand in Reaktorblock 4 ausbrach, radioaktiver Fall out 100 000 Quadratkilometer Land in der Ukraine und Weißrussland verseuchte, 250 000 Menschen evakuiert werden mussten, viele starben, für Abertausende ein Leiden begann, das anhält bis heute. Jetzt ist dieser Brand wieder ausgebrochen: in einem Buch. Einem Buch mit den Fotos des deutschen Fotografen Gerd Ludwig, der 1993 und 2005 in Tschernobyl war, 2011 und 2013, insgesamt neunmal. Tiefer drin in dieser Horrorzone war kein anderer westlicher Fotograf, sensibler als Ludwig hat kein anderer die Opfer fotografiert, geduldiger ist keiner an diesem Thema geblieben. Es ist ein gespenstisches Buch über eine „fürchterliche Lektion“, wie Michail Gorbatschow das Reaktorunglück von Tschernobyl im Vorwort nennt. Und es ist ein Mahnmal, das zu Herzen geht. Und darum ist dieses Buch unbedingt empfehlenswert
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