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Der Chronist der Winde: Roman Taschenbuch – Ungekürzte Ausgabe, 1. April 2002

4.5 von 5 Sternen 103 Kundenrezensionen

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Eine magische Aura umweht den afrikanischen Straßenjungen Nelio: Noch nie hat jemand gewagt, ihn zu verprügeln. Vielleicht weil aus dem 10-Jährigen, dem sich die irdischen Abgründe viel zu früh erschlossen haben, eine greise Weisheit spricht. Jetzt aber liegt Nelio mit schweren Schusswunden auf dem Dach eines ärmlichen Theaters. Dort erzählt er -- zwischen kräftezehrenden Fieberschüben -- dem Bäckerjungen José Antonio Maria Vaz sein Leben. Das beginnt mit der Erinnerung an die Banditen, die sein Dorf niederbrannten, seine Schwester töteten und vor denen er geflüchtet ist, als sie ihn zwingen wollten, einen Verwandten zu erschießen. Und es endet bei den Straßenkindern in der Stadt, denen Nelio zu einem an Fairness und Reife geradezu übermenschlichen Anführer wurde: Gestohlen jedenfalls wird nicht unter seinem Regime; bestenfalls -- in der Villa eines verreisten Entwicklungshelfers -- der Kühlschrank leer gegessen.

Henning Mankell -- mit seinen Stories um den Kult-Kommissar Kurt Wallander dauerhaft auf den einschlägigen Bestseller-Listen vertreten -- präsentiert sich also seinen Fans hier nicht als Krimi-Autor, sondern als poetischer Anwalt der Chancenlosen: Derer, die gezwungen sind, "das Leben roh zu essen". Trotz aller Tragik des Sujets gleitet der Romancier, der dem heimischen Schweden zeitweise den Rücken kehrt, um in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo Theaterstücke zu inszenieren, aber nicht in schwermütige Betroffenheitsprosa ab. Es darf -- mit anderen Worten -- auch gelacht werden: Über die Tomaten- und Zwiebelkulturen beispielsweise, die in Mandiocas Hosentaschen hervorragend gedeihen. Oder über den schwerfälligen Tristeza, der eine Bank gründen will und dem Nelio für den Fall, dass er seine Denkgeschwindigkeit steigert, erst einmal ein Paar Turnschuhe verspricht.

Vor allem aber bekennt sich Der Chronist der Winde -- in Schweden mit dem Sveriges-Radio-Romanpreis 1996 ausgezeichnet -- bedingungslos zur Kraft der Träume: "Man kann fliegen, ohne sichtbare Flügel zu haben, dachte Nelio. Die Flügel sind in uns, wenn uns vergönnt ist, sie zu sehen." --Christine Wahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Wer immer dem Chronisten der Winde zugehört hat, wird Afrika anders sehen.«
Elmar Krekeler, Die Welt

»Die Geschichte des Straßenkindes Nelio hat die Sachlichkeit eines Dokuments und den universellen Glanz einer Legende. Ein Buch von internationalem Rang.«
Sydsvenska Dagbladet

»Eine besondere Qualität des Romans liegt darin, dass der Autor Nelios Geschichte in einer dichten, poetischen und zuweilen auch ausgesprochen humorvollen Weise erzählt.«
Stiftung Lesen 19.03.2008

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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Von Anonymus am 10. Januar 2016
Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Nette Struktur/ Aufbau. Sprachlich schlicht, teilweise redundant. Obwohl das Thema hinlänglich bekannt ist, bleibt man trotzdem gern bis zum Ende dran.
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Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
habe dieses Buch schon mehrfach verschenkt.
Mankell schafft einen Blick auf Schicksal und Menschen und auf die kleinen Dinge.
Mal ein ganz anderer Mankell
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Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
Eines der besten Bücher die ich gelesen habe.
Ein sterbendes Kind erzählt seine Geschichte.
Ich verschenke es immer wieder!
Danke an Henning Mankell
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Format: Taschenbuch
Der Chronist der Winde wurde mir von meinem Physiklehrer ans Herz gelegt und schien damit schon jede Möglichkeit verloren zu haben, wirklich gut zu sein.

Doch das war ein vorschneller Trugschluss, wie mir bald nach Beginn der Lektüre klar werden sollte, denn was der Autor dem Leser eröffnet, ist unglaublich.

Der kleine Straßenjunge Nelio liegt auf dem Dach eines Hauses, Nacht für Nacht, und starrt in den Himmel. Ihm bleiben nur noch zehn Tage, denn die Schusswunde, die langsam aber sicher zu faulen beginnt, frisst schleichend das Leben aus dem mageren Körper. Nelio aber will nicht in das Krankenhaus gebracht und behandelt werden - stattdessen erzählt er dem Bäckergesellen, der ihn findet, seine Geschichte, die stellvertretend für die aller Straßenkinder Afrikas steht, eine Geschichte, die trotz ihrer Einfachheit fesselt und einmal ein ganz anderes Bild des armen Landes zeigt. Das Bild aus den Augen der Ärmsten...

Henning Mankell weiß, was er schreibt, er lebt selber ja auch in Afrika und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen darüber aufzuklären, wie es dort ist. Zumindest in diesem Buch, und das gelingt ihm hervorragend. Auch für die, die seine Kriminalromane nicht mögen, ist "Der Chronist der Winde" geeignet.

Das einzige Manko ist, wie eigentlich immer bei Mankell, die Kennzeichnung der wörtlichen Rede, die mich persönlich sehr irritiert, doch der Inhalt des Romans wiegt das alles hundertmal auf.
1 Kommentar 48 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein Feedback senden...
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Format: Kindle Edition Verifizierter Kauf
Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dass Mankell hier ein Märchen erzählt und keinen nüchtern-realistischen Roman, kann man den "Chronisten der Winde" gut lesen und nimmt Einiges mit über afrikanische Geschichte und das Leben in einer großen süd-afrikanischen Hafenstadt.

Leider macht die -- aus meiner Sicht -- miserable deutsche Übersetzung von Verena Reichel die Geschichte für mich kaputt. Da wird die deutsche Grammatik teilweise ignoriert und so schlechtes Deutsch abgeliefert, dass es mir manchmal kalt den Rücken runter gelaufen ist. Schöne sprachliche Bilder wirken in der beinahe technischen Übersetzung plump und fehl am Platz, und einige Übersetzungen kommen mir einfach falsch vor, auch wenn ich das schwedische Original leider nicht lesen kann -- seit wann, beispielsweise, "probiert" man ein Stück mit einem Theater-Ensemble und "probt" es nicht? Darüber hinaus ist die kindle-Ausgabe nicht schön gemacht. Die linksbündige Formatierung sieht für mich unordentlich aus und im Druckbuch getrennte Worte haben nur ihren Bindestrich verloren, nicht aber ihre Trennungsschreibweise -- so liest man in der kindle-Ausgabe von "trokkenen" Winden, und nicht von "trockenen". Insgesamt kommt mir diese kindle-Ausgabe sehr lieblos und schlampig gemacht vor -- schade, weil die Geschichte durchaus Potential hatte, zu einem außergewöhnlichen Buch zu werden.

Fazit: Wer die sprachliche Ebene nicht braucht, um sich von einer Geschichte verzaubern zu lassen, kann im "Chronisten der Winde" ein zauberhaftes Buch finden. Mich hat die deutsche Übersetzung leider entsetzt und mir den Spaß am Lesen verdorben.
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Format: Taschenbuch
"Der Chronist der Winde" ist mein erstes Afrika-Buch, das ich von Mankell gelesen habe, und ich bin tief berührt und nachhaltig beeindruckt.

Mankells einfühlsame und zugleich realistische Sprache trägt die Geschichte des Straßenjungen Nelio. Dieser ist in einem Theater von zwei Kugeln tödlich verwundet worden und hat nur einen Wunsch: Er möchte auf das Dach des Hauses. Sein Vater riet ihm, wenn das Leben zu schwer werde, soll er die Sterne betrachten und sich dem Himmel öffnen. Der Bäcker José Antonio Maria Vaz erfüllt ihm diesen Wunsch. Er hat schon viel von Nelio gehört, den trotz seines jungen Alters eine geheimnisvolle und magische Aura umgibt.

Dort oben auf dem Dach der Bäckerei erzählt Nelio in neun Nächten seine Lebensgeschichte. Wie er einem Trupp von Banditen entkommen konnte, jedoch seine Familie und sein Zuhause verlor, eindrucksvolle Begegnungen auf seinem Weg in die Stadt...

Es ist Mankell gelungen das Schicksal eines afrikanischen Straßenkindes so zu erzählen, dass der Leser zugleich mit den Kindern mitfühlen und auch äußerste Achtung empfinden kann. Er legt diesen Kindern Worte voller Weisheit in den Mund, die die Seele des Lesers nachchaltig berühren und zu einem Lebensbegleiter werden können.
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