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Kommentar: gebunden Suhrkamp, 2000. 2036 S. Als Mängelexemplar gekennzeichnet, Lagerspuren vorhanden
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Chronik der Gefühle Gebundene Ausgabe – 2. Oktober 2000

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

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Immer wieder hat Alexander Kluge müde Zeitgenossen daran erinnert, dass sie insbesondere Eigentümer von Lebenszeit und Eigensinn sind. Als Ingenieur unter den Poeten und Poet unter den Anthropologen hat er nun sein Opus magnum zusammengestellt. Seine Chronik der Gefühle liest sich wie eine ständige Verführung durch den historischen Augenblick. Sie ist ein Steinbruch voller kurzer Geschichten -- jede nur so lang wie die Beobachtung scharf und der Gedanke dicht ist. Geschichten vom Umgang mit der Zeit, den Epochen und ihren Brüchen. Figuren, die auf den Kanten der Umbrüche balancieren. Es ist ein Buch über den Kampf mit der Zeit, die bedrängen und überraschen kann: Ein Banker, der die Nerven und damit die Liebe zu einer Afrikanerin verliert; Heiner Müllers letztes Angebot vor seinem Tod, für ein geheimes Quellwasserprojekt zu dichten; die verschwundenen Filmrollen, die vor der Bombadierung in den Kellern Wiens die finale Götterdämmerung der Philharmoniker dokumentieren.

Kluge ist der Nomade des Erzählens, ein unermüdlicher Sammler, ständig en detail, ohne sich darin zu verlieren. Er mutet seinen Lesern die Last und Lust einer Fülle von Perspektiven auf Privates, Krieg und Kunst zu. Eine Fülle, die gerade durch ihre Disparatheit besticht. Und wenn Form und Inhalt auch ständig miteinander Krieg führen, so doch ohne Sieger, immer in einem offenen System.

Für Kluge sind es die Gefühle, die nebeneinander gestellt und unkommentiert die einzigen legitimen Orientierungspunkte in der Geschichte sind, die nicht lügen. Sie reagieren zeitverschoben auf Geschichte. Zum Zeitpunkt der Bombardierung Halberstadts musste der Junge Kluge unentwegt an die Klavierstunde des nächsten Tages denken. Erst viel später wird ihm die Bedeutung dieses Ereignisses bewusst und spürbar. Kluges Chronik der Gefühle spinnt ein gewaltiges Netz dieser Verschiebungen. Die insgesamt 2040 Seiten seiner "Chronik" sind genaugenommen unchronologisch angeordnet. Man kann getrost springen, auslassen und neu ansetzen und damit Kluges eigentliches Anliegen einer "subjektiven Chronik" mit Eigensinn verwirklichen. --Marcus Welsch -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, ist Jurist und Filmemacher; als sein wichtigstes Werk aber sieht er seine Bücher. »Wenn ich im Jahre 2015 schreibe, liegen die kommenden fünfzehn Jahre unseres Jahrhunderts schon vor meinen Augen. Insgesamt ergibt sich damit, da ich 1932 geboren wurde, eine Chronik über rund hundert Jahre.« Für sein Werk erhielt er viele Preise, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Theodor-W.-Adorno-Preis und zuletzt, 2014, den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf.

»Ich bin und bleibe in erster Linie ein Buchautor, auch wenn ich Filme hergestellt habe oder Fernsehmagazine. Das liegt daran, daß Bücher Geduld haben und warten können, da das Wort die einzige Aufbewahrungsform menschlicher Erfahrung darstellt, die von der Zeit unabhängig ist und nicht in den Lebensläufen einzelner Menschen eingekerkert bleibt. Die Bücher sind ein großzügiges Medium und ich trauere noch heute, wenn ich daran denke, daß die Bibliothek in Alexandria verbrannte. Ich fühle in mir eine spontane Lust, die Bücher neu zu schreiben, die damals untergingen.«
Alexander Kluge (Dankesrede zum Heinrich-Böll-Preis, 1993)


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Format: Taschenbuch
Alexander Kluge hat in dieser Textsammlung seine seit den 60er Jahren geschaffenen Prosawerke zusammengefasst und mit einigen wenigen neueren Texten ergänzt, ähnlich wie bei seinem theoretischen Werk in dem Zweiteiler "Der unterschätzte Mensch". Hier liegen also gesammelte Werke und nicht etwa ein einheitlicher Roman o.ä. vor. Die einzige Klammer, die das Werk (bedingt) zusammenhält, ist die Persönlichkeit des Autors mit ihren immer wiederkehrenden Leidenschaften z.B. für Geschichte und soziale Gerechtigkeit aber auch ihr Interesse für den einzelnen Menschen. Man sollte die einzelnen Geschichten für sich nehmen und nicht nach einem roten Faden im Gesamtwerk suchen, der sich aufgrund seiner Disparatheit jedenfalls auf Textebene nicht finden lässt. Viele Geschichten sind sehr knapp, fast protokollartig gehalten und erreichen dadurch gelegentlich die Dichte und den Charakter der Geschichten eines Raymond Carver. Ihr Verdienst ist es, vergessenes Leben festzuhalten, den Blick auf übersehene Winkel in Geschichte und Gegenwart zu lenken, die auch unser Leben betreffen. Wer die Spielfilme Alexander Kluges kennt, wird bei der Lektüre von der Chronik der Gefühle (Fiction) vielleicht ebenso enttäuscht, wie der Zuschauer seiner Fernsehsendungen von dem anderen Mammutwerk "der unterschätzte Mensch" (Non-Fiction). Beim Sehen vor allem der Fernsehsendungen denkt man immer: dieser Mann hält etwas zurück, etwas Großes, ein umfassendes Theoriegebäude, einen alternativen Ideenkomplex zur Erklärung von Allem. Hier ist es nun, wie schon vermutet, etwas großes und umfangreiches, aber etwas anderes als erwartet. Vielleicht besteht das Große nur aus solch kleinen Bausteinen von Leben und kleinen Geschichten darüber. Wieder bleibt das Gefühl von etwas Ungesagtem, Außenvorgelassenem. Es ist nicht der große Wurf. Was wird Alexander Kluge noch herausbringen?
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Format: Audio CD Verifizierter Kauf
Auf diesen fantastischen CDs sind kleine und kleinste Prosa-Stückchen versammelt, die vorgelesen manchmal nur Sekunden oder höchtstens Minuten dauern. Es finden sich kurze, bestürzend lebensnahe Dialoge, reportagehafte Trouvaillen (wie über den hingerichteten Elefanten auf Coney Island), historische Randnotizen, Portäts fiktiver Beziehungen, Selbstgespräche etc. Die Gedrängtheit, Knappheit und Dichte des Stils erzeugt eine grosse Spannung, insbesondere dann, wenn die Texte jäh und elliptisch enden. Und wie in Borges' Essays oder in W.G. Sebalds Romanen ist das Wieder-Erzählen, das Aufheben und Betrachten von verlorenenen und verblassten Geschichten und von scheinbar unbedeutenden Begebenheiten eine Rebellion gegen das menschliche Vergessen, die Zerstörung und die Indifferenz. Im Hörer erfährt der Stoff so eine magische Verwandlung, die erzählerische Bewegung erzeugt eine Ahnung von Geheimnis, einen Nachgeschmack von Trauer und bitterer Nostalgie ... aber nicht erschrecken! Kluges geniale Texte bestechen auch und gerade durch ihren Humor, die Virtuosität im Querlesen, das nüchterne -fast psychotische- Kurs-Halten auch in den verstiegensten Spekulationen.
Der verlebte Kontra-Alt Hannelore Hogers und die wohlbekannte Stimme des Autor selbst interpretieren diese Texte angemessen schnörkellos.
Sehr schön. Kaufen1
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Format: Taschenbuch
Dokumenthafte, semifiktionale, kleine, lose und auf verschlungenen Wegen miteinander zusammenhängende Fragmente hauptsächlich zur deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Geschichten voll mit Theorie und Abstraktion, mit Gedanken, nein, mit Denken selbst! Das auf 2000 Seiten. Was könnte trockener und anstrengender und langweiliger erscheinen als das? Doch Kluges Buch war über ein Jahr lang mein ständiger, geliebter Begleiter. Es bereitet Freude! Jeder Satz erstaunt und begeistert. Kluge ist nicht nur ungeheuer klug, übersprudelnd vor Einsichten und Ansichten, die die Welt neu sehen lassen, er ist auch ein Dichter. Nie erschien mir die Welt poetischer als in den Erzählungen und Beschreibungen, in den fiktiven Dialogen dieses Buches voll trunkener Nüchternheit. Kluge schafft die Vermählung von Vernunft und Poesie. Schönheit, die intelligent ist, oder Intelligenz, die schön ist.
Als Zitat eine Bildunterschrift:
"Sie wollte ihm die Schlüssel geben, er nahm sie nicht. Gerda Baethe, 1928. "Vollversammlung der Gefühle". Ließen sich die Gefühle an einem Fleck versammeln, wie eine Stadt, wäre dies "die menschliche Erfahrung." Gerda Baethe: "Eine Liebesgeschichte wäre es, wenn ich gleichzeitig ich selbst und mein Geliebter wäre."
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
"die welt schätzt bloß das werk nach dem gewicht, nicht nach der zeit, worin es ist zustandegebracht worden" schreibt der physiker g.c. lichtenberg: über 2 kilogramm bringen die beiden bücher auf meine küchenwaage - und zeit haben die jeweils über 1000 seiten des doppelwerkes beim autor und beim leser sicherlich auch nicht zu knapp verschlungen: dennoch muss zugegeben werden, lichtenberg hat mit GEWICHT wahrscheinlich doch nicht die grammzahl gemeint. aber das andere gewicht hat die textsammlung auch: kluge spricht von einem inneren licht, von einer SEELENLAMPE, von orientierungslichtern, die die "leidenschaftliche beharrlichkeit" erzeugen, die ein menschenleben SINNvoll mache. und so lotet er den INNEREN KOMPASS aus, den die betrachtung so mancher biographie aufdecken kann. "ihr leben ist ein räuberhaufen von anfängen" schreibt kluge im kapitel "ein fester charakter" - zugegeben, manchmal ist es schwer, den faden im labyrinth des lebens nicht zu verlieren. manche fremde macht-ausübung kippt ein konzept aus der bahn, stülpt eine luftdichte MACHTGLOCKE über alle, die entkommen wollen. folgerichtig geht kluge auch dem KANTschen wunsch nach allgegenwärtiger gerechtigkeit nach - ironischerweise am beispiel des etwas zwangsneurotischen kriminalrats scheliha (band II, seite 688ff), der im januar 1945 in gegenrichtung (überrannt von fliehenden deutschen und nachrückenden russischen truppen) einem mörder und gutsbesitzer hinterherjagt. "wenn die gerechtigkeit untergeht, so hat es keinen wert mehr, dass menschen auf erden leben" (KANT). anbetracht gewisser zeitumstände (gerade bei der plünderung von museen in bagdad neu-erlebt) kommt das recht öfters ins wanken.Lesen Sie weiter... ›
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