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am 9. Juni 2017
Stefan Zweig geht mit Calvin hart ins Gericht. Er zeichnet ihn als Diktator und Mörder, der andere Meinungen in Glaubensangelegenheiten nicht gelten läßt, obwohl er selbst einst aus Frankreich fliehen mußte, als der Staat das kirchenkritische Plakat eines Pfarrers "als Anschlag auf die öffentliche Ordnung in Frankreich und als persönliche Beleidigung des Königs gewertet" hat (Reiner Rohloff: Johannes Calvin, Göttingen 2011, S. 22).

Calvin errichtete in Genf ein Spitzelregime, in der es keine Privatsphäre mehr gab. Seine Schergen sollten nicht nur Verhalten und Äußerungen, sondern auch die Gesinnungen überwachen. Zweig kommentiert: "Mit einem Sprunge hat Calvin die katholische Inquisition überholt, die immerhin erst auf Anzeigen oder Denunziationen ihre Spitzel und Späher aussandte" (S. 57). Jeder galt als verdächtig, wenigstens einmal monatlich mußten sich alle einem stundenlangen Verhör unterziehen. Die Wohnungen wurden durchsucht, Kleidung und Frisur wurden kontrolliert, die Post wurde geöffnet, auch auswärtige Äußerungen wurden nach Genf gemeldet, Angestellte und Kinder wurden nach Dienstherren und Eltern ausgefragt. Die Kritik an der Diktatur Calvins galt als schwerstes Verbrechen.

Wie war das möglich? Zweigs Antwort: durch organisierten Terror. "Gleich in den ersten fünf Jahren von Calvins Herrschaft werden in der verhältnismäßig kleinen Stadt dreizehn Menschen gehenkt, zehn geköpft, fünfunddreißig verbrannt, außerdem sechsundsiebzig Personen von Haus und Hof gejagt, die vielen nicht eingerechnet, welche rechtzeitig dem Terror entflohen sind" (S. 64). In den Gefängnissen wird bis zum Selbstmord der Gefangenen gefoltert. Es gibt so viele Verbote, daß sich jeder schuldig fühlen und in ständiger Angst leben muß, ertappt zu werden. "Ein Bürger hat bei einem Taufakt gelächelt: drei Tage Gefängnis. Ein anderer ist, von der Sommerhitze ermüdet, bei der Predigt eingeschlafen: Gefängnis. Arbeiter haben zum Frühstück Pasteten gegessen: drei Tage bei Wasser und Brot." Usw. (S. 65). Eine der Folgen: 200 Jahre lang, bis zu Rousseau, gab es keine bedeutenden Künstler mehr in Genf.

Zweig erzählt nicht nur die Fakten, sondern er philosophiert auch darüber. Einerseits kommt er zu dem Schluß, daß "die Geschichte [...] weder moralisch noch unmoralisch" handelt und weder die Bösen bestraft noch die Guten belohnt (S. 185). Andererseits stellt er fest, daß gerade im Calvinismus die "Idee der politischen Freiheit" geboren wurde, daß Puritaner die Verfassung der USA und die französische Menschenrechtserklärung "entscheidend" beeinflußt haben (S. 223). Ausgerechnet nach Genf floh später Voltaire. Descartes und Spinoza verfaßten ihre Werke im protestantischen Holland.

Der Held dieser Geschichte, Sebastian Castellio, ist heute nahezu vergessen. Von ihm handelt Zweigs Buch.
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am 12. März 2017
Dieses Buch über die Freiheit des Geistes, für humanistische Toleranz und wider jegliche Form des Extremismus und rechthaberischer Engstirnigkeit ist heute aktueller den je ... Das Buch handelt zwar von Calvin, aber er steht nur stellvertretend für all jene, die keine andere Meinung als ihre eigene "Ideologie" gelten lassen wollen.
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am 7. April 2009
Stefan Zweig widmet sich in "Castellio gegen Calvin" innerhalb seines Werkes nicht zum ersten Mal dem Zeitraum der Reformation. Auch in diesem historischen Essay lässt er anhand zweier Protagonisten und Symbolfiguren dieser mittelalterlichen Epoche die Prinzipien von Totalität/Ideologie und Toleranz/Menschlichkeit gegeneinander laufen und zeigt auf, dass man sich immer gegen Despotie und Unterdrückung wehren kann und sollte, auch wenn der äußerliche Widerstand lebensbedrohlich wird.
Sehr präzise ist die Moral herausgearbeitet, die uns an unser Gewissen mahnen soll, dass keine noch so gut klingende (politische) Sache durch Gewalt zu erzwingen sein kann und es vielmehr andersherum gehen müsse, dass Menschen sich ihre Wahrheit selbst wählen und mit ihren differierenden Weltanschauungen friedlich koexistieren können. Das gerade Menschliche heißt zu lernen den Andersdenkenden zu achten (ganz im Sinne von Rosa Luxemburg: "Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden)
Zweig stellt sich somit gegen jedwede Gesinnungsdiktatur und sagt: " Unsere Welt hat Raum für viele Wahrheiten und nicht nur für eine, und wenn die Menschen wollten, könnten sie ..." usw. (S.156)
Ebenso fordert Zweig das ein, was Karl R. Popper tendenziell mit der "intellektuellen Redlichkeit" meinte, auch wenn sich dies hier besonders auf die Exegese der Bibel und auf Religionsfreiheit bezieht: "Alle Wahrheiten, insbesondere aber die religiösen, seien bestreitbar und vieldeutig, 'darum ist es anmaßend, über die Geheimnisse, die Gott allein angehören, mit solcher Rechthaberei zu streiten, als ob wir teilhätten an seinen verborgensten Plänen, und es ist Hochmut, sich eine Gewissheit über Dinge vorzutäuschen und vorzuspiegeln, von denen wir im Grunde nichts wissen".

Unser menschliches Wissen ist begrenzt und noch viel mehr unser individuelles Wissen und wenn wir glauben, wir hätten das Recht aufgrund unserer Annahmen und Meinungen andere Menschen zu unterdrücken, dann fehlt uns die gesunde Ehrfurcht vor dem was Wissen an sich darstellt, wie dies Sokrates am eindruckvollsten in der Philosophiegeschichte verkörperte.
Der Zusammenprall von Gewissen und Gewalt ist humanistisch immerschon vorgeschrieben und Zweig macht klar: "...Blut beschmutzt jede Idee, Gewalt erniedrigt jeden Gedanken." (S.158) und warnt somit exemplarisch vor jederlei extremistischer Auslegung und Handhabung von Weltbildern und -anschauungen.

Zweig's historische Erzählung ist reich an sprachlichen Bildern, aber auch Fragen und Imperativen. Er hält die humanistische Idee hoch, auch wenn manchmal das Idealistische ein bisschen zu aufgeladen wirkt, so zeigt sich darin nicht nur seine Zeit, sondern auch darüberhinaus die unsrige, denn das "sinnvolle Paradox" ist ja, dass man das, was man die humanistische Idee nennen könnte nicht überbetonen kann, auch wenn sich die Ergebnisse nicht immer gleich zeigen. Zweig schreibt: "Weil die Gewalttätigkeit sich in jedem Zeitalter in andern Formen erneut, muß auch der Kampf gegen sie immer wieder von den Geistigen erneuert werden; nie dürfen sie flüchten hinter den Vorwand, zu stark sei zur Stunde die Gewalt und sinnlos darum, sich ihr im Wort entgegenzustellen. Denn nie ist das Notwendige zu oft gesagt und nie die Wahrheit vergeblich. Auch wenn es nicht siegt, so erweist doch das Wort ihre ewige Gegenwart, und wer ihr dient in solcher Stunde, hat für seinen Teil bewiesen, daß kein Terror Macht hat über eine freie Seele und auch das unmenschlichste Jahrhundert noch Raum für die Stimme der Menschlichkeit." (S.160)

Dieses Buch gehört in jeden Haushalt, denn es führt das menschliche Gewissen nicht auf Gott oder irgendetwas zurück, sondern auf dessen Träger. Der Mensch ist für sein Handeln im de facto sokratischen Sinn (daimonion) selbstverantwortlich und kann entgegen jeder Prägung weitestgehend autonom die Entscheidung fällen, ob er zum Töten bereit ist oder sich seinem (positiv gemeinten) Unwissen gemäß auf die sicherlich schwierige Komplikation einlässt gewaltfrei zu handeln und jeden Anderen zu behandeln, wie er selbst behandelt werden möchte.
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am 20. März 2017
Ich bekam das Buch vor wenigen tagen geschenkt. Schon beim einleitenden Kapitel Stefan Zweigs stockte mir der Atem - wann soll dieses Buch geschrieben worden sein? 1936? Kaum zu glauben, wenn man solche Sätze liest wie

(...)
Zweifellos lebt im Grunde der menschlichen Natur ein geheimnisvolles Verlangen nach Selbstauflösung in der Gemeinschaft, unaustilgbar bleibt unser Urwahn, es könne ein bestimmtes religiöses, nationales oder soziales System gefunden werden, das allgerecht für alle der Menschheit endgültig Friede und Ordnung schenke. Dostojewskis Großinquisitor hat es mit grausamer Dialektik bewiesen, daß die Mehrzahl der Menschen die eigene Freiheit eigentlich fürchtet, und tatsächlich sehnt sich aus Müdigkeit angesichts der erschöpfenden Vielfalt der Probleme, angesichts der Kompliziertheit und Verantwortlichkeit des Lebens die große Masse nach einer Mechanisierung der Welt durch eine endgültige, eine allgültige, eine definitive Ordnung, die ihr jedwede Denkarbeit abnimmt. Diese messianische Sehnsucht nach einer Entproblematisierung des Daseins bildet das eigentliche Ferment, das allen sozialen und religiösen Propheten die Wege ebnet: immer braucht nur, wenn die Ideale einer Generation ihr Feuer, ihre Farben verloren haben, ein suggestiver Mann aufzustehen und peremptorisch zu erklären, er und nur er habe die neue Formel gefunden oder erfunden, und schon strömt das Vertrauen von Tausenden dem angeblichen Volkserlöser oder Welterlöser entgegen – immer erschafft eine neue Ideologie (und dies ist wohl ihr metaphysischer Sinn) zunächst einen neuen Idealismus auf Erden. Denn jeder, der Menschen einen neuen Wahn der Einheit und Reinheit schenkt, holt zunächst aus ihnen die heiligsten Kräfte heraus: ihren Opferwillen, ihre Begeisterung. Millionen sind wie in einer Bezauberung bereit, sich nehmen, befruchten, ja vergewaltigen zu lassen, und je mehr ein solcher Verkünder und Versprecher von ihnen fordert, desto mehr sind sie ihm verfallen. Was gestern noch ihre höchste Lust, ihre Freiheit gewesen, das werfen sie ihm zuliebe willig weg, um sich nur noch widerstandsloser führen zu lassen, und das alte taciteische »ruere in servitium« erfüllt sich aber und abermals, daß in einem feurigen Rausch der Solidarität die Völker sich freiwillig in Knechtschaft stürzen und die Geißel noch rühmen, mit der man sie schlägt.
(...)

Erinnert Sie das an aktuelle politische Entwicklungen? Ja, mich auch.

Die Kernaussage ist und bleibt für mich in diesem Buch jener Satz, der unumstößlich der Menschheit ins Gebetbuch geschrieben werden muss: "Einen Menschen töten heißt nicht, eine Lehre verteidigen, sondern: einen Menschen töten«

Ein Buch wie ein Ausrufezeichen!
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am 9. Juli 2012
Diesen Text von Stefan Zweig habe ich nicht gekannt, beim Stöbern im e-book Angebot bin ich über die vielen guten Rezensionen auf ihn gestoßen. Habe mit Begeisterung das Buch gelesen und kann es nur jedem weiterempfehlen!
Es ist ein zeitloses Werk, hat nichts eingebüßt an Aktualität, im Gegenteil: Es ist Ermahnung in unseren Tagen, Humanität und Freiheit und Menschenrecht als oberste Priorität der Weltordnung zu verteidigen und von Generation zu Generation die Idee weiterzugeben, dass die geistige Freiheit, der zwischenmenschliche Respekt, die Achtung vor der Würde des Einzelnen Grundlage der Gesellschaft sein müssen und als solche bewahrt. Das Werk entlarvt die Tyrannei, es entlarvt die Verführung der Macht, es gibt stellvertretend für Millionen, die leiden mussten und auch heute leiden, einem der Opfer ein Gesicht, schafft in einem Fall ein Stück Gerechtigkeit. Absolut lesenswert!
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am 29. Oktober 2012
Stefan Zweig kleidet sein Manifest für die Zivilcourage in eine Romanbiographie: nachdem Genf reformiert und Jean Calvin zum Stadtprediger ernannt worden war, stellte sich für die gelehrte Welt seiner Zeit ziemlich deutlich, daß dieser Mann keine Wahrheit neben der von ihm verkündeten Wahrheit zu dulden gewillt war, daß seine gegenüber der katholischen Kirche erhobene Forderung nach Toleranz in dem Moment Schall und Rauch war, als er selbst an der Macht und gefordert war, diese Toleranz zu gewähren und daß er zur Durchsetzung seines geistigen und weltlichen Machtanspruches auch zu sehr kleinlichen und äußerst hinterhältigen Mitteln zu greifen geneigt war. Ein rein theologischer Disput mit dem Arzt und Gelehrten Servet(ius) führt dazu, daß Calvin diesen, als er sich in Genf aufhält (warum ist unklar), verhaften lässt und einen inszenierten Prozeß durchführen lässt (O-Ton in der sonntäglichen Kanzelrede zum wünschenswerten Urteil inbegriffen), der mit der Verurteilung Servets zum Feuertod und einer anschließenden Verbrennung endet. Damit ist Servet der erste, der von den Protestanten (die zeitgleich in Frankreich und anderen Ländern noch als Ketzer verfolgt und verbrannt wurden!) als Ketzer verfolgt und verbrannt wurde. Der Aufschrei der gelehrten und der protestantischen Welt dagegen war leise, aber er ist nach fünfeinhalb Jahrhunderten immer noch vernehmbar. Zweig schildert vor allem das Schicksal des Sebastian Castellio, der (nachdem auch er in früheren Jahren mit Calvins Führungsanspruch aneinandergeraten war) in Basel ein Manifest gegen diesen Justizmord veröffentlicht hat. Das Fazit, daß der Preis für ein gutes Gewissen ein sehr hoher sein kann, sich davon aber niemand abhalten lassen darf, tröstet allerdings kaum. Aber daß die Diktatoren aller Länder bis heute nicht begriffen haben, daß ihre gefährlichsten Gegner die sind, die sie mit Umbringen-Einsperren-Verbannen in die Knie zwingen wollen, das verstehe wer will. Und ich würde mir wünschen, das Reformationsmuseum in Genf hätte so viel Mut und würde auch diese Geschichte erzählen, statt nur die Sonnenseiten der Reformation zu beleuchten.

Das Buch wurde im Jahre 1936 fertiggestellt, nachdem Stefan Zweig aus Österreich nach London emigriert war. Das sollte man beim Lesen im Hinterkopf behalten, denn die wenigen einzelnen (Sebastian Castellio und Miquel Servet), die hier gegen den bereits übermächtigen Vertreter einer totalitären Idee (Calvin) antreten, sind in den allgemeingültigen Aussagen des Buches (die allerdings knapp die Hälfte des Textes ausmachen) nur Platzhalter für die Vertreter totalitärer Ideen im 20. Jahrhundert (wobei der Autor keine Vorstellung davon hatte, daß bis 1936 nur ein Bruchteil aller denkbaren Greuel des Jahrhunderts stattgefunden hatte). Damit spiegelt sich das Buch sehr geschickt (und ohne, daß dies manieriert wirkt) jenes anderes Buch, das Sebastian Castellio (alias Martin Bellius) als Manifest der religiösen Toleranz verfasst hatte: "De haereticis an sint persequendi…“ – (ob man Ketzer verfolgen muß oder wie man mit ihnen umgehen sollte), das den entscheidenden Anstoß, den Justizmord Calvins an Servet, überhaupt nicht erwähnte.
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am 23. Juni 2016
Elementare Wahrheiten.
'Ewig erneut sich dieser Fluch aller religiösen und politischen Ideologien, daß sie in Tyranneien ausarten, sobald sie sich in Diktaturen verwandeln.'

'Ist es einer Doktrin einmal gelungen, sich des Staatsapparats und all seiner Pressionsmittel zu bemächtigen, dann schaltet sie unbedenklich den Terror ein; ...'

'Immer und überall ist eine dogmatische Gewaltherrschaft, die aus einer Freiheitsbewegung ihren Aufstieg nahm, härter und strenger gegen die Idee der Freiheit als jede ererbte Macht.'

So schrieb Stefan Zweig 1936 speziell über Calvin und seine Terrorherrschaft, aber offensichtlich meinte er es allgemein und ohne den Bezug zum Zeitgenössischen (seinem und unserem) zu verbrämen.

Die Mücke der Story ist ein Toleranzprediger, den heute kaum noch jemand kennt. Der Elefant ist die ideologisch-religiöse Diktatur der Calvinisten.
Die Parallelen gelten ebenso für Zweigs Zeit (Faschisten, Nazis, Bolschewiken), wie für modernere Fundamentalismen aller Art, ob Maos Kulturrevolution oder die der Ayatollahs.

Zweig geht dem Beispiel Calvin mit von mir nicht erwarteter Klarheit nach. Einen luzideren Text gegen ideologische Tyrannei kann ich mir nicht denken.

'...immer ist in jedem Kriege der Pazifist in den eigenen Reihen gefährlicher als der militanteste Gegner.'
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am 30. August 2015
Kurz gesagt: Es geht um den Kampf zwischen Vernunft (des Gelehrten castellio)und die totalitäre Macht (des Despoten Calvin). Natürlich ist es umso interessanter dass Zweig diesen Roman 1936 veröffentlichte

"In Wahrheit aber ist keine Anstrengung, die aus reiner Gesinnung unternommen war, vergeblich zu nennen, kein moralischer Einsatz von Kraft geht jemals völlig im Weltall verloren."
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am 21. April 2015
Die Geschichte vom verbohrten Calvin und seinem liberalen Gegenspieler Castellio mit ihren unverblümten Bezügen zur Zeit des Nationalsozialismus (und aktuellen Parallelen etwa zum IS) ist allein schon fesselnd und lesenswert. Aber das Tüpfelchen auf dem i ist Zweigs Stil - zum Niederknien elegant. Sehr lehrreiche und anregende Lektüre.
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am 17. Juli 2016
Stefan Zweig hat sich eines bis dahin völlig vergessenen Falles angenommen: Des Konflikts zwischen Castellio und Calvin, entzündet an Calvins politisch motiviertem Mord des Gelehrten Servet. Calvins religiöse Schreckensherrschaft,gekennzeichnet durch Überwachung, Denunziation und Terror steht in krassem Gegensatz zu den Toleranzaufrufen Castellios. Den Inhalt mag man der Produktbeschreibung und anderen Rezensionen entnehmen. Wichtig ist eins: Liest man dieses Buch heute, so fällt auf, daß religiös motivierter Extremismus und religiöser Terror unter dem Deckmäntelchen irgendwelcher heiligen Schriften nicht neu sind. Was man heute den Extremisten anderer Religionen vorwirft, haben wir in unseren Breiten schon durchgemacht, vor 500 Jahren.
Das ist sicher ein schwacher Trost für jegliche Opfer zu jeglicher Zeit.
Dieses Manifest für Konzilianz und Toleranz ist einger der wertvollsten Texte, die ich in den letzten Jahren lesen durfte und sollte in der heutigen Welt mehr Beachtung erfahren.
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