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Kundenrezensionen

3,8 von 5 Sternen
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am 23. Juni 2014
Spannender und intensiver, vom Hintergrund her monströser als Inherent Vice, hat mich dieser Roman richtig gepackt und ein Pynchon-Revival bei mir ausgelöst. Bleeding Edge ist relativ zugänglich, fast ein page turner, und gehört für mich neben Gravity's Rainbow, Vineland und Against the day in die Topriege der Pynchon-Romane. Wer einen New York- und 9/11-Roman sucht, ist hier richtig. Wer glaubt, Lethem könne schreiben und sein Chronic City sei cool, der soll sich mal das hier reinziehen. Ich fühle mich, als hätte ich gerade ein paar Wochen im Big Apple verbracht, nicht dem aktuellen natürlich, sondern dem um 2001 und noch etliche davor. Jewish and Italian Cafes and Diners. Binge shopping, wall streeting, gentrification, das einzig Kontinuierliche der permanente Wandel. NY nostalgisch und als Alptraum. Alles da: US-Geo- und Netzpolitik, Paranoia, Verschwörungstheorien, lustige Liedertexte (Toi-hoi-let!), Pop- und Gegenkultur (von Akte X, Friends und den Schlümpfen bis hin zu Urge Overkill und Burzum), sowie tausend kleine Alltagsbeobachtungen, Überlegungen und Witze. Durch ihre familiäre Situation wirkt die Hauptfigur Maxine mit (Ex-)Ehemann und zwei Kids im Schulalter so geerdet, normal und menschlich wie man das selten hat bei Pynchon. Ich würde mal sagen Oedipa Maas'ens Tupperware Party having come full circle... Und dann natürlich die Sprache: Diese Sätze, dieses Vokabular, diese Wortkreationen! Herein ins Über-Hirn dieses Mannes. Ganz groß!
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...a pandemonium of commentary there may not be time in the projected age of the universe to read all the way through" (388 f.). Die Blurbs, die auf der Rückseite von Paperback-Ausgaben zu lesen sind, sind zumeist redundanter Quatsch: inhaltsleeres Gefasel, dass dies jetzt aber echt und für alle Zeiten der beste Roman sei, der jemals geschrieben worden ist etc.pp. Ein Blurb zu Thomas Pynchons 2013 erschienenen Roman „Bleeding Edge“ jedoch bildet da eine höchst lobenswerte Ausnahme: "Reading 'Bleeding Edge' [...], you may realize it as the 9/11 novel you never knew you needed", heißt es da kurz und knapp und trifft den Nagel auf den Kopf: Pynchon, der Großmeister der amerikanischen Literatur der vergangenen Jahrzehnte, die mysteriöse Lichtgestalt der Postmoderne, hat hier wieder ein irres Universum an Charakteren erschaffen, die sich im New York des Jahres 2001 mit den großen und kleinen, lösbaren und unlösbaren Herausforderungen der menschlichen Existenz auseinandersetzen müssen.

Der Roman beginnt im Mai 2001, im Zeitraum vor den Anschlägen und nach dem Platzen der Dotcom-Blase. Maxine Tarnow, ihres Zeichens private Betrugsermittlerin, wird auf Gabriel Ice aufmerksam gemacht, der eine Computersicherheitsfirma mit dem absurden Namen hashslingrz leitet, die trotz des Crashs erfolgreicher denn je zu sein scheint. Maxine taucht ab in die damals aufblühende Welt des Internets und stößt dabei auf Dinge, die nicht nur ihren Verstand übersteigen. Im Zentrum des Ganzen steht das Programm „DeepArcher“, eine Art Darknet der digitalen Frühzeit, etwas, was ihr die Nerds als "bleeding-edge technology" vorstellen: "No proven use, high risk, something only early-adoption addicts feel comfortable with" (78). Und so gerät sie in eine Welt voller Nerds, Fußfetischisten, von Hitlers Geruch Besessener, russischer Mafiosie und vielen mehr, bis der Terror zuschlägt – im Roman lediglich in einigen wenigen Sätzen abgehandelt –, und davor und danach tauchen Menschen auf, verschwinden, werden wiedergefunden - mal tot, mal lebendig – manchmal aber auch nicht. Zunehmend stellt sich Maxine die Frage, wer in diesem Chaos eigentlich die Kontrolle hat: die Unterwelt, Ice, DeepArcher, das Internet? Die Verbindungen, die sie zwischen dem digitalen Universum und dem Terror in der analogen Realität aufdeckt, sind verstörend.

Pynchons Romane entziehen sich einer konventionellen Plot-Analyse, der Star ist die Erzählung! Keiner ist gleichzeitig so düster, so spannend, so witzig, so allumfassend wie das schreibende Mysterium, das angeblich seit vielen Jahren in New York leben soll, von dem es aber nur einige wenige alte, undeutliche Fotos gibt. Pynchon gelingt es immer, das Wesen unserer Zeit in diesem verspielt-düsteren Chaos so treffend zum Ausdruck zu bringen, dass es fast schon unheimlich ist. Die Idee, die unheimliche Macht des Internets und 9/11 nebeneinanderzustellen, ist so einfach wie genial, hätte furchtbar schiefgehen können, hat hier aber zu einem kleinen Meisterwerk geführt. „Bleeding Edge“ ist erst der siebte Roman, den Pynchon in mehr als vierzig Jahren geschrieben hat, doch enthält er auch wieder Einfälle und Formulierungen, die für ein ganzes Schriftstellerleben reichen. Es wird Zeit, dass er endlich mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wird.
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TOP 500 REZENSENTam 2. Oktober 2013
New York, Frühjahr 2001. Maxine Tarnow, alleinstehende Mutter zweier munterer Söhne, verdient ihren Lebensunterhalt mit der Jagd auf Wirtschaftsbetrüger. Sie kann sich über Auftragsmangel nicht beklagen, was nicht zuletzt daran liegt, dass man ihr vor einiger Zeit wegen nicht ganz sauberen Interessenkonfliktmanagements die Lizenz entzogen hatte: Man kommt in diesem Beruf wesentlich schneller zum Ziel, wenn man nicht die Bürde des Berufsethos' mit sich herumschleppen muss.

Auch die Nachbeben der frischgeplatzten Internetblase eröffnen ein weites Feld für ihre Profession, als ein alter Bekannter bei ihr auftaucht, ein kleiner Filmemacher, der gerade eine Werbedoku für eine Computersicherheitsfirma namens hashslingrz dreht und der dort auf Dinge gestoßen ist, die ihm sehr merkwürdig vorkommen. Kaum hat sich Maxine der Sache angenommen, entdeckt sie zahlreiche sehr große und sehr gut versteckte Geldflüsse, unter anderem auch auf Konten im mittleren Osten. Ihre Nachforschungen bleiben den Betroffenen allerdings nicht verborgen, und Maxines Bekanntenkreis erweitert sich recht schnell, vor allem um Menschen, mit denen man eigentlich lieber keinen Umgang hat. Verängstigte Angestellte, finstere Agenten, selbst ein Pärchen von russischen Slapstick-Mobstern namens Misha und Grisha bevölkern die Szene. Es ist ein reges Kommen und Gehen, wobei manche, die gehen, dann nicht mehr gehen können. Wenn Thomas Pynchon sich nicht meistens lustige Namen hätte einfallen lassen, wäre es manchmal schwierig gewesen, die Übersicht zu behalten. Und ganz nebenbei erfahren wir auch noch eine Menge über die jüdische Shopping- und Eating-Szene New Yorks, denn dieser Aspekt von Maxines Leben kommt auch nicht zu kurz.

Es ist schon faszinierend zu lesen, wie Maxine der immer schmerzhafter werdende Spagat zwischen Beruf und Familie gelingt, und wie sie es zwischendurch dann auch noch schafft, mit Hilfe ihrer Entreprenerd-Freunde in die tiefsten, gefährlichen Tiefen des Internets abzutauchen, dorthin, wo die wirklichen Geheimnisse der Welt hinter Serien von Firewalls verborgen sind. Die Zusammenhänge, die dabei aufgedeckt (bzw. vom Autor listig ins Spiel gebracht) werden und die in den Angriff auf das WTC münden, werden der nicht kleinen Gemeinde von Truthers Freude machen. Das kann man gut finden, muss man aber nicht.

Meine Schwierigkeiten hatte ich auch mit den zahlreichen Dei ex machina, die Maxine bei ihren Nachforschungen vorangebracht haben, sowie manchen anderen Ungereimtheiten der Story, darunter Maxines sehr seltsamen Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dem anderen Geschlecht, welche ich hier nicht weiter ausführen möchte, um mich nicht der Spoilerei schuldig zu machen.

Dennoch kann man nur staunen, wie sich ein Autor in diesem fortgeschrittenen Alter noch in einem Milieu bewegt, das man normalerweise eigentlich wesentlich jüngeren Generationen zuordnet. Zumindest einen auf ewig im Neuland befindlichen Laien wie mich hat das sehr beeindruckt. (Vielleicht wird man aber auch zwangsläufig zum Netzexperten, wenn man sich so vom Meatspace zurückzieht wie Thomas Pynchon.) Eine wandelnde Filmdatenbank ist er auch, und zwar von solchen, die es gibt (erkennbar am nachgestellten Entstehungsjahr), und solchen die es - leider - nicht gibt (z. B. mit Anthony Hopkins als Mikhail Baryschnikoff - das wäre was gewesen: Hannibal in Tights). Das ganze natürlich illuminiert von Pynchons brillantem kulturellen und politischen Referenzfeuerwerk, das man entweder bestaunen oder, wenn man richtig gut Bescheid weiß, verstehen und genießen kann.
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am 5. Februar 2014
Die Eckpunkte der Handlung hat Felix Richter hier im Forum ja schön zusammengefasst. Dazu aber noch ein paar Ergänzungen.

Was das Thema angeht, bleibt Pynchon seiner Linie einiger seiner großen Romane treu: "V.", "Gravity's Rainbow" und "Mason and Dixon" rekonstruieren teils narrativ, teils metanarrativ den Hintergrund historischer Katastrophen. Die erstgenannten Romane den Nationalsozialismus und die Technokratie der Waffenexperten, der letztgenannte die Grenzziehungen, die dann im amerikanischen Bürgerkrieg ex- oder implodierten. "Bleeding Edge" reiht sich insofern in diese Reihe ein, als hier der Hintergrund der Anschläge vom 9/11 ausgeleuchtet wird. Sicherlich ist der Anschlag auf die Twin Towers nicht mit Bürgerkrieg und Weltkrieg zu vergleichen, er markiert aber eine ähnliche Zäsur im Selbstverständnis der jüngeren Moderne.

Ähnlich wie in den anderen Romanen geschieht die narrative Aufarbeitung des zentralen Themas nicht einfach in Form einer erzählten Ursachenrekonstruktion. Die erzählte Welt ist nicht bloß der Gegenstand, des Romans. Die Geschichte rekonstruiert vielmehr eine Welt, in der das forschende und paranoide Erzählen den Gang der Ereignisse maßgeblich prägt. Es erschafft zum guten Teil erst jene Welt, in die sich der Roman dann selbst einschreibt, als Erzählung in einer Welt der Erzählungen. Er fabuliert also nicht einfach, sondern erzählt und reflektiert, welche Konsequenzen es hat, wenn man Geschehnisse zu Geschichten verdichtet. Er ist also ambivalent Fiktion ebenso wie Metafiktion, Geschichtsschreibung und Metahistory. Jede Figur macht sich erzählend ihren Reim auf die vielen Geheimnisse, die irgendwie alle auf einen Internetmogul namens Gabriel Ice verweisen. Menschlich offenbar ein Unsympath, ein Strechlimosinenmacho mit piepsstimmigem Frauchen, irgendwie wohl engstens mit dem militärisch industriellen Apparat vernetzt. Vielleicht auch nur ein sehr mächtiger Krimineller, der sich bei Bedarf die nötigen Richter einfach kauft. Daneben gibt es aber auch Bezüge, angedeutete Komplott und Plot-Strukturen, die in den arabischen Raum verweisen. Und auch die russische Mafia spielt irgendwie mit, vielleicht auch der russische Geheimdienst. Leute, die einiges wussten, sterben. Es ist also nicht alles nur Paranoia.

Der Vergleich mit den früheren großen Romanen Pynchons reicht aber noch weiter: In "Gravity's Rainbow" und in "Mason and Dixon" gab es jeweils eine Art Leitmotiv bzw. ein zentrales epistemisches Thema. In "GR" war es die Technik der V-Waffen, um die sich organisatorisch, technologisch, wissenschaftlich, kulturell und erkenntnistheoretisch eine ganze Welt zu formieren schien. In "M&D" ging es um die Grenzziehungen und die unterscheidende, die diskriminierende Vermessung der Welt (die Mason-and-Dixon-Linie, die Unterscheidung zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Hochkultur und Volkstümlichen etc.). Hier nun rückt das Internet als höcht ambivalente Errungenschaft in den Mittelpunkt der Handlung. Zum einen wird es reflektiert als Hort der totalitär beherrschten Scheinfreiheit. Als Raum, der zentral gelenkt wird von Leuten wie Gabriel Ice, die nicht nur massenhaft Geld damit verdienen, sondern auch für den militärisch-industriellen Komplex zu arbeiten scheinen. Hier liegt der Roman ungefähr auf einer Linie mit Dammbecks Film über die Entstehung des Internets aus dem Geist der amerikanischen Militärstrategie Das Netz. Zum anderen hat das Netz auch für Maxine, die Protagonistin, noch eine durchaus utopische Dimension. Jenseits der kulturindustriellen Bilderwelt der vorgestanzten Konsumangebote taucht sie ab in die zunächst noch unerforschten Weiten von "Deep Archer", in ein unter den normalen Netzen liegendes Universum versunkener Programmreste. Ein offenes Medium, das hier als Freiraum für Fluchtphantasien erscheint. Eine Kunstwelt aus digitalen Höhlen und Gängen, von der aber nicht ganz klar ist, wie sie funktioniert, wer sie lenkt, wer wen beobachtet. In Ansätzen erinnert Deep Archer an Thoreaus Vision von der Wildnis jenseits der Zivilisation. Aber erstens ist es hier kein Jenseits der Technik, sondern eine Übersteigung derselben, ein Indifferenzpunkt zwischen Programm und Weißem Rauschen. Und weiter gehend als Thoreaus "pond" ist es auch ein Raum der Entgrenzung, in dem sogar die Möglichkeit einer Kommunikation mit jüngst Verstorbenen möglich scheint. Aber Pynchon wäre nicht Pynchon, wenn er das nicht alles als Wunsch und Imagination reflektieren und ironisieren würde.

Neben dieser typischen pynchonesquen Verwicklung aus Fiktion und Metafiktion ist der Roman aber auch darum spannend, weil er ein sehr lebendiges Bild von New York zeichnet. Wenn man nicht schon oft da war, ist es sinnvoll sich einen Stadtplan ins Zimmer zu hängen, um die ganzen Wege und Orte der Handlung einordnen zu können. Wenn man dem Roman aufmerksam folgt, weiß man hinterher ziemlich gut, was es für Insider heißt, wenn man in diesem oder jenen Teil Manhattans wohnt oder bewegt. Sehr differenziert - und integraler Teil des New York-Bildes - ist auch die Sprache: Immer wieder sehr prägnante Phrasen, die in wenigen Worten recht komplexe Aussagen kondensieren. Eine lakonisch-intelligente Präzision, die ziemlich gut den Jargon der intellektuell etwas fitteren New Yorker Mittelschicht abbildet.

Und irgendwie immer wieder witzig und nett auch die thematischen und atmosphärischen Wechsel zwischen der Welt von Verbrechen und mörderischem Komplott auf der einen Seite und dem ganz normal chaotischen Leben der Privatdetektivin mit Kindern, einem Ex, der dann doch nicht so Ex ist, und verschiedenen kurzen Affären, von denen nicht so klar ist, wie kurz sie nun eigentlich sind. Viel verrückter Alltag im alltäglichen methodischen Wahnsinn der Ostküstenmetropole.

Sicher. Dass die Handlung als Handlung nicht so spannend nach vorn treibt, das ist wohl so. Maxine ist nicht Philipp Marlowe und Pynchon zitiert Chandler eher, als dass er ihn imitieren würde. Insgesamt tut das eher mittlere Tempo dem Roman aber keinen Abbruch: ein riesiges und spannend gezeichnetes Universum verschiedener Handlungsstränge und skurriler Situationen. Ein tolles Buch.
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am 11. Juni 2014
As a native speaker of German I do not get all of the NYC slang idioms but I do get those in Yiddish. So I guess some of the native American readers sometimes get lost as well, so many characters, so much goin on. But still, every chapter, every paragraph and almost every sentence is just a pleasure to read. Again and again there were moments of pure enlightenment for me. Pynchon's style is so unique and intriguing that I think the reader's immediately entangled with Maxine's state of mind which often enough is confusion. Technically spoken it is a 3rd person narrative and main character's (Maxine) point of view. But: Pynchon has a way of telling things that dissolves the borders between author, character, and reader. And these three plus the novel itself become an integer unity. An open reader enters into a new kind of existence. It is in a way psychology, yes it is.
Great read indeed.
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VINE-PRODUKTTESTERam 12. November 2014
Maxine Tarnow ist eine private Betrugsermittlerin und sie hat gut zu tun in diesem New Yorker Frühsommer 2001. Die erste Dotcom-Blase ist geplatzt; die Überlebenden versuchen zu retten, was zu retten ist, egal mit welchen Mitteln. Maxine beschäftigt sich mit einem Unternehmen, das Sicherheitssoftware herstellt und dessen zwielichtigem Chef, einem milliardenschweren Computer-Nerd. Dazu ihr Nebenjob als Mutter und Beinahe-Ehefrau; das Schicksal hat ihr kein leichtes Päckchen geschnürt.

Sie taucht ein in die verstörenden Tiefen des Internets und findet dort Bedrohliches, das sie nicht immer versteht, ihr aber trotzdem Angst macht. Auch im real life häufen sich merkwürdige Begebenheiten, sie trifft auf die russische Mafia und bald gibt es den ersten Toten. Und dann sind da noch die seltsamen Videos, die man ihr zuspielt, in diesen ersten Tagen des Septembers 2001…

Ich bin eigentlich eher skeptisch mit Begriffen wie »Kultautor«, und ein solcher ist Thomas Pynchon ohne Zweifel, nicht nur, weil er die Öffentlichkeit konsequent scheut. Also war »Bleeding Edge« meine erste Begegnung mit ihm, aber es wird nicht die letzte gewesen sein, so viel ist sicher. Faszinierend sind seine geschliffene Sprachgewalt und der spielerische Umgang mit Worten, ebenso die Vielzahl der Charaktere, deren bisweilen skurrile Geschichten genüsslich ausgebreitet werden. Trotzdem behält der Plot eine gewisse Stringenz bei, die Geschehnisse werden zügig vorangetrieben, und das gelingt bei einem Werk dieses Umfangs nicht vielen Schriftstellern.

Und so ist »Bleeding Edge« viel mehr als ein weiterer 9/11-Roman, obwohl das natürlich ein zentrales Thema des Buches ist und auch die entsprechenden Verschwörungstheorien nicht fehlen dürfen in einer zutiefst neurotischen Gesellschaft, die detailliert beschrieben und seziert wird. Die ungeheure Dichte von Sprache und Handlung verlangt dem Leser einiges ab, aber wenn er sich darauf einlässt, wird er reichlich belohnt, von mir eine klare Empfehlung!
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am 26. August 2015
Das Buch ist natürlich wie jeder Pynchon für den Inhalt 5 Sterne wert, aber die Schrift ist für die Taschenbuchausgabe so arg verkleinert worden, dass es selbst für meine sonst ausgezeichneten Augen eine Zumutung ist. Mein Rat: Lieber Hardcover oder Kindle kaufen.
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am 16. Februar 2014
Not Pynchon's best. But totally his signature is obvious. Catchy and mysterious. A little bit too much into NYC slangism!
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am 6. Oktober 2014
Wenn in diesem Buch postuliert wird, dass "das Internet" quasi schon den Keim des Bösen in sich trage, weil es eine Entwicklung aus der "Teufelsküche" des Militärs sei und somit weder neutral oder gar unschuldig, so ist dies schlichtweg Unsinn, der nicht mehr als völlige Unkenntnis der Sachlage offenbart.

Zum Einen: Das Internet ist ein Werkzeug! So wie ein Messer oder eine Lampe. Es kann daher weder böse noch gut sein und schon gar nicht eine Ausgeburt des Teufels. Es ist so gut oder schlecht wie die Menschen, die es nutzen. Aber es ist eben so schön einfach, die Schuld bei einer abstrakten Sache zu suchen, die sich nicht wehren kann, statt sie bei SICH SELBST zu suchen!

Zum Anderen: Die technische Basis des Internet geht zwar auf eine militärische Entwicklung von 1962 (paketvermitteltes Netz - Arpanet) zurück, jedoch ist das, was wir heute als "Internet" bezeichnen das World Wide Web, das auf eine wissenschaftliche Idee von Tim Berners-Lee aus dem Jahre 1989 am CERN in Genf zurückgeht, der lediglich seine vielen wissenschaftlichen Dokumente besser ordnen wollte und so HTML und damit die "Webseite" erfand. Dies hatte nichts, aber auch GAR nichts mit dem "teuflischen" Militär zu tun, wie in diesem Buch der Anschein erweckt wird. Wer aus reiner Effekthascherei die Wahrheit verbiegt, hat es nicht verdient, auch nur einen Stern für sein Buch zu erhalten - sei es sonst auch noch so spannend und gut geschrieben. Trostlos, dass selbst kluge Menschen wie Denis Scheck einem so populistischen Unsinn auf den Leim gehen!
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am 4. November 2013
Never mind the critics, but for me this was one of the worst books I've ever had the misfortune to open.
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