Kundenrezensionen
Am 23.Oktober des Jahres 2077 gingen auf der Welt, wie wir sie ungefähr kennen, die Lichter, in Form von auf die Kontinente herabregnenden Atomraketen, für lange Zeit aus. Auserwählte konnten in einigen Vaults, unterirdischen Bunkeranlagen, die Jahrzehnte hindurch fristen, sahen aber unter Umständen das Sonnenlicht nie wieder. Die Geschichte von "Fallout 4" spielt 210 Jahre nach der menschengemachten Katastrophe und versetzt uns in ein alternatives Jahr 2287, in welchem wir mit unserer Spielfigur in einem Vorort Bostons, aus einem Jahrhunderte andauernden Kälteschlaf erwachen. Angetrieben wird unser Charakter von der Suche nach seinem Sohn, der während der unfreiwilligen, langen Ruhepause im Säuglingsalter von dubiosen Gestalten entführt wurde. In der verstrahlten und zerstörten Welt suchen wir in Ruinen nach Hinweisen, Hilfsmitteln und Verbündeten, die uns bei der Aufgabe helfen, den Sohnemann wieder in die Arme zu schließen.Nebenbei unterstützen wir diverse Interessensgruppen beim Erreichen ihrer Ziele und leisten damit einen Beitrag zur Etablierung einer neuen Regionalordnung, die sich entweder unter dem Banner der Minutemen (einer Art militante Bürgerwehr, die sich aus Einwohnern des "Commonwealth", also der Region rund um das fiktive Boston, zusammensetzt und eine gemeinschaftliche neue Struktur errichten möchte), der Railroad (Kämpfer für die Gleichbehandlung und den besonderen Schutz künstlicher Menschen, so genannter "Synths"), der Stählernen Bruderschaft (eine äußert militärisch, fast schon totalitär, engagierte Truppe, die den Einsatz sämtlicher Technologie für sich beansprucht) oder des Instituts (eine wissenschaftlich orientierte Gruppierung, die nicht vor dem Ersetzen von Führungsfiguren des Ödlands durch institutstreue, künstliche Lebensformen, die in ihrem Sinne handeln, zurückschreckt) versammeln werden wird. Generell nehmen die Synths und ihre Evolution handlungstechnisch eine große Rolle ein und wir bestimmen maßgeblich mit, ob man den künstlichen Menschen im Laufe der Zeit mit Respekt, Furcht oder auch Hass gegenüberstehen wird. Eine Menge Verantwortung also, aber das sind wir als Kenner der Rollenspielreihe ja durchaus gewohnt.Die beiden Story-DLCs "Far Harbor" und "Nuka World" machen zwei weiter Gebiete erkundbar und erzählen weitestgehend in sich geschlossene Stories. Während wir im ersten Zusatz, auf der Suche nach einem vermeintlich aus dem Commonwealth entführten Kind, eine abgelegene Insel erforschen, deren Bewohner von einem stetig wiederkehrenden, radioaktiven Neben bedroht werden, verschlägt es uns in "Nuka World" in einen isoliert liegenden Vergnügungspark, in dem sich diverse Raiderbanden eingenistet haben, um von dort ausgehend, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Klarer Fall von Größenwahn, aber wir haben ja noch ein Wörtchen mitzureden...oder wir schließen uns ihnen bei diesem Vorhaben einfach an und werden der King des Commonwealth.Wie auch in "Fallout 3" und "Fallout: New Vegas" erleben wir die Geschehnisse aus der Ego-Perspektive, was das Spiel über weite Strecken eher wie einen Ego-Shooter, als ein tatsächlich waschechtes Rollenspiel, wirken lässt. Da wir aber nach wie vor auf das VATS-Kampf-/Zielsystem, in dem wir Aktionspunkte in gezielte Attacken auf Körperbereiche unserer Gegner umwandeln, zurückgreifen können, hat sich dieser Kritikpunkt schon im Vorfeld erledigt. Wer also in dieser Hinsicht mit den erwähnten Vorgängern warm wurde und die eingängige Steuerung mit Maus und Tastatur kennt, wird sich hier nicht großartig umstellen müssen - auch Neulinge sollten das an für sich intuitive System schnell verinnerlichen. Bei den Quests hingegen fällt die relative Menge von Füllaufgaben auf, bei denen man quasi in Endlosschleife immer wieder verschiedene Orte der Karte nach Gegenstand x durchsuchen oder alle Gegner vor Ort eliminieren soll. Zum Aufleveln des Charakters durchaus sinnvoll, aber nach einiger Zeit stellt sich gepflegte Langeweile ein. Entspannend hingegen ist die neu geschaffene Möglichkeit, sich in bestimmten Arealen eine eigene Siedlung aufzubauen oder eine bereits vorhandene Gemeinschaft mit einem Ausbau vor Ort zu unterstützen. Dabei wechselt man in ein Ego-Baumenü und darf sich seinen kühnsten Konstruktionsträumen aus dem vorgegebenen, aber recht umfangreichen, Baukasten hingeben. Offiziell ist der Siedlungsbau leider begrenzt, aber dank der MOD-fähigkeit der PC-Version gibt es da bereits einige verfügbare Abhilfen. Stichwort "Ausbau": Natürlich wird auch der eigene Charakter durch den Erwerb von Erfahrungspunkten ein immer besserer Abenteuer, der durch den Erwerb von Punkten und der Verteilung dieser auf diverse Attribute (Stärke, Intelligenz...) und sich daraus ergebende Fähigkeiten (z.B. besseres Zielen mit bestimmten Waffengattungen oder Verbesserungen der Widerstände), immer besser wird. Im Vergleich zu den Vorgängern werten wir diese aber selbst auf. Auch Waffen und Rüstungen dürfen in zahlreicher hinsicht modifiziert werden, so dass wir uns eine Menge individueller Knarren oder Schlagwerkzeuge herstellen können. Lobenswert!Technisch war "Fallout 4" bereits zu seinem Erscheinen nicht ganz taufrisch, was auch die gerade ablaufende Diskussion rund um "Fallout 76" wieder ans Tageslicht kehrt. Trotz des visuellen Mankos ist auch der vierte Besuch in der postapokalyptischen Welt kein Verursacher von redensartlichem Augenkrebs und eine zu realistische Grafik wäre den teils augenzwinkernden Ereignissen gegenüber auch nicht ganz angebracht. Ein weiterer Vorteil ist die mittlerweile recht stabile Lauffähigkeit auf technisch nur noch "halbmodernen" Systemen (bei mir i5 4690k, 16GB RAM, 4GB GTX 960), die butterweiches Spielen in Full-HD und WQHD ermöglicht. Tontechnisch kann man ebenfalls nur wenig bemäkeln, insbesondere die deutschen Sprecher, unter anderem Bernd Vollbrecht als männliche Spielerfigur, Jürgen Thormann (u.a. Standard-Synchronstimme von Michael Caine, Sprecher von Ian McKellen in den "X-Men"-Filmen) oder Dietmar Wunder (Standard-Synchronstimme von Daniel Craig und Adam Sandler), zaubern einen Hauch von Hollywood ins heimische Zockerreich.Zwischen all den Lorbeeren kann "Fallout 4" jedoch eine entscheidende Schwäche nicht verbergen: Es verfügt über keine herausragende Erzählung und verschenkt damit eine Menge Spannungspotential. Im direkten Vergleich mit "New Vegas", inklusive dessen herausragener DLCs, fehlt da einiges. Zwar kann dieser Mangel mit dem erzählerisch stringenteren und kompakteren "Far Harbor" ein wenig ausgeglichen werden, aber dieses macht nur einen Bruchteil der weit über 200 möglichen Spielstunden aus, nach denen man aber auch noch nicht jeden Grashalm im Ödland umgedreht hat. Unterm Strich reicht das nicht ganz zur Spitzenwertung, aber "Fallout 4" ist bei weitem kein schlechtes Spiel. Es stagniert halt auf hohem Niveau, stellt Fans aber im Grunde nach wie vor zufrieden und sorgt für ein selten erreichtes Verhältnis zwischen Kaufpreis und Spielzeit. Ein wahres Feierabend-Monstrum, das sich zudem eine entscheidende Stärke mit z.B. "Skyrim" teilt: Es ist hervorragend einteilbar, man kann jederzeit unterbrechen und ist nicht hektisch versucht, noch die eine oder andere Sache unbedingt abschließen zu müssen. Für Väter und andersweitig Vielbeschäftigte, die nur für eine gewisse Zeit in eine andere Welt abtauchen wollen, also optimal geeignet.
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