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Der Baum der Erkenntnis: Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens Taschenbuch – 1. Februar 2009
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- Seitenzahl der Print-Ausgabe288 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberFISCHER Taschenbuch
- Erscheinungstermin1. Februar 2009
- Abmessungen12.5 x 1.69 x 19 cm
- ISBN-10359617855X
- ISBN-13978-3596178551
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Produktbeschreibungen
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Francisco J. Varela (geboren 1646 in Santiago de Chile) wurde, zusammen mit Humberto Maturana, vor allem für die Einführung der Theorie der Autopoiesis bekannt. Er war in Kontakt mit führenden Bewusstseinsforschern wie Daniel Goleman und Heinz von Foerster und versuchte, nicht zuletzt durch seine Bekanntschaft mit dem Dalai Lama, Brücken zum Buddhismus zu schlagen. Er lehrte bis zu seinem frühen Tod im Jahre 2001 am Centre national de la recherche scientifique (CNRS).
Produktinformation
- Herausgeber : FISCHER Taschenbuch; 9. Edition (1. Februar 2009)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 288 Seiten
- ISBN-10 : 359617855X
- ISBN-13 : 978-3596178551
- Originaltitel : El arbol del conocimiento
- Abmessungen : 12.5 x 1.69 x 19 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 54,607 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 8 in Erkenntnis (Bücher)
- Nr. 42 in Evolution (Bücher)
- Nr. 94 in Biologie allgemein (Bücher)
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Über die Autoren

Humberto R. Maturana, Jahrgang 1928, studierte Medizin, promovierte in Biologie und arbeitete danach am Massachusetts Institute of Technology (MIT). 1960 kehrte er an die Universität von Santiago zurück, wo er als Professor für Biologie wirkte und das von ihm gegründete Laboratorium für experimentelle Erkenntnistheorie und Biologie der Erkenntnis leitete. Als einer der führenden Vertreter des modernen Systemdenkens ist er Autor zahlreicher Bücher, darunter auch der gemeinsam mit Francisco J. Varela verfasste Bestseller „Der Baum der Erkenntnis“ und die Studie „Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit“. Zuletzt veröffentlichte er eine Sammlung seiner wichtigsten Aufsätze unter dem Titel „Biologie der Realität“ und, zusammen mit Bernhard Pörksen, das Buch „Vom Sein zum Tun. Die Ursprünge der Biologie des Erkennens“.

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DER NEUE; DIREKTE ANGRIFF DER MODERNEN NATURWISSENSCHAFT AUF DIE "FESTUNG DES BEWUSSTSEINS"
In Wilsons neuem Buch hat der Sinn des menschlichen Lebens für ihn viel mit der Geisteswissenschaft zu tun, denn „wenn man behaupten kann, unsere Spezies hat eine Seele, dann wohnt sie in den Geisteswissenschaften“. Darin liegt für Wilson die Zukunft des Menschen – aber erst nach dem die Naturwissenschaft oder Biologie der Geisteswissenschaft gezeigt hat, wie es wirklich geht. „Seit über zweitausend Jahren mühen sich die Philosophen, das Bewusstsein zu erklären. Genau das ist ja auch ihr Job. Da sie keine Ahnung von Biologie haben, sind sie – eigentlich verständlicherweise – zu keinem Ziel gekommen“. Die bisherigen Geisteswissenschaften betrachtet Wilson daher als „in einem kleinen Käfig des Bewusstseins“ steckend, die darin allein, also ohne die Biologie, das eigentliche Mensch-Sein grundsätzlich nicht begründen können.
Der Weg und das Mittel zu dieser von der Biologie geführten Geisteswissenschaft besteht für Wilson in dem „Brain-Activity-Map-(BAM-)Projekt“ als „direkten Angriff auf die Festung, den Darwin für unmöglich erklärt hatte“. Darin konzentrieren sich die Neurowissenschaftler auf „den Gral der Naturwissenschaften, der heller leuchtet und den sie eher verstehen können [als den freien Willen]: die physikalische Grundlage des Bewusstseins, das ja den freien Willen mit umfasst“, denn „es gibt für die Menschheit kein wichtigeres wissenschaftliches Forschungsprojekt, als das Phantom des bewussten Denkens dingfest zu machen“.
Wilson vergleicht dieses Vorhaben mit dem Human Genome Projekt oder der Mondlandung. Ziel dabei ist die Kartierung jedes Neurons in Echtzeit. Die gesamten Denkprozesse – rational und emotional, bewusst, vorbewusst und unbewusst, sowohl punktuell als auch im Zeitverlauf – sollen auf eine physikalische Grundlage gestellt werden. Wenn auf diese Weise, so schließt Wilson sein Buch nach dem Sinn des menschlichen Lebens (allerdings nicht sehr konkret), „die heuristische und analytische Kraft der Naturwissenschaften sich mit der introspektiven Kreativität der Geisteswissenschaften verbinden lässt, dann wird das menschliche Leben einen unendlich produktiveren, interessanteren Sinn bekommen“.
EINE MIT DEN ALTEN GEISTESWISSENSCHAFTEN KOMPATIBLE THEORIE DER MODERNEN NEUROBIOLOGIE
Eine alternative, gegensätzliche Erklärung des menschlichen Seins von der Biologie her liefern die beiden Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela mit ihrem Buch „Der Baum der Erkenntnis“. Darin sehen sie die Geisteswissenschaften nicht als gescheitert an, sondern behaupten vielmehr in Übereinstimmung mit der zweitausendjährigen Königsdisziplin der Geisteswissenschaft, dem Platonismus oder Idealismus: „Wenn wir die Existenz einer objektiven Welt voraussetzen, die von uns als den Beobachtern unabhängig und die unserem Erkennen durch unser Nervensystem zugänglich ist, dann können wir nicht verstehen, wie unser Nervensystem in seiner strukturellen Dynamik funktionieren und dabei eine Repräsentation dieser unabhängigen Welt erzeugen soll“.
Mit dieser Aussage wird die scheinbar reale (physikalische) Grundlage negiert, von der das BAM-Projekt ausgeht, um das Problem des Geistes zu lösen. In der idealistischen Perspektive ist die scheinbar so reale physikalische Grundlage schon Ausfluss und Teil des Bewusstseins, so dass das Bewusstsein von dieser physikalischen Grundlage her gar nicht erklärt werden kann. Unterstützung und Bestätigung erfährt das idealistische Verständnis dabei ausgerechnet von der Physik, genauer gesagt der Quantenphysik, bei der die Realität der physikalischen Grundlage alles andere als geklärt ist. Ganz im Gegenteil spielt hier bei der Deutung der Messergebnisse der Idealismus eine Rolle, ja die oben zitierte Aussage von Maturana und Varela kann so auch auf die Quantenphysik angewendet werden. In der Quantenphysik werden die ungewollt aufgetauchten idealistischen Deutungen jedoch aus ideologischen Gründen nicht akzeptiert, man hält daher in der Naturwissenschaft lieber an einem nur noch »hypothetischen Realismus« fest (wobei dieser Ausdruck als Erkenntnis und Erfahrung im Grunde schon ein Widerspruch in sich ist).
Aufgrund dieses nur noch »hypothetischen Realismus« der Naturwissenschaft und ihrer seit einhundert Jahren vergeblichen Bemühungen um das Verständnis der Realität hinsichtlich der physikalischen Grundlage unserer Welt muss im Gegensatz zu Wilsons Aussage festgestellt werden, dass die moderne Naturwissenschaft bei der Klärung der physikalischen Grundlage dieser Welt nicht „zu einem Ziel gekommen ist“. So spricht in einem SPEKTRUM-Interview mit dem bezeichnenden („Holzweg“)Titel „We are barking up the wrong tree“ der Quantenphysiker Anton Zeilinger direkt die Philosophen an, um die physikalischen Forschungsergebnisse in der nach wie vor offenen Frage nach der Realität zu klären. Aufgrund der langen Erfolgslosigkeit hinsichtlich des Verständnisses von Realität hat man den Verdacht, in dieser Frage irgendwie auf dem „Holzweg“ zu sein.
Mit dem „Evangeliums“-Begriff in diesem Interview deutet Zeilinger an, dass die moderne Naturwissenschaft (wie schon die Religion) dogmatisch und ideologisch an einem Realitätskonzept festhält, dass sich durch ihre eigenen Versuche schon lange nicht mehr halten lässt. „Was ist Realität?“. Diese Frage kann die Naturwissenschaft in Hinsicht auf die physikalische Grundlage dieser Welt ganz offensichtlich allein nicht beantworten. Sie ist dabei nach einhundert Jahren Quantenforschung auf die Hilfe der Geisteswissenschaft angewiesen. Warum sollte dann die Naturwissenschaft, wenn sie die physikalische Grundlage schon nicht klären kann, mit dieser ungeklärten Grundlage das Problem des Bewusstseins lösen können? Diese Ansicht und Erwartung ist sehr vermessen.
Maturana und Varela beschreiben ihren erkenntnistheoretischen Weg als eine „Gratwanderung“ zwischen den „Strudeln“ des Idealismus oder Solipsismus (Charybdis) und dem „Ungeheuer“ des Objektivismus oder Repräsentationismus (Szylla). Im Alltag können wir nur von einem Realismus ausgehen, genauso wie wir immer noch sagen, dass die Sonne es ist, die auf- und untergeht. Doch wie verhält es sich an den Grenzen der von uns erkannten Welt? Nach dem idealistischen Ansatz von Maturana und Varela bringt jedes bewusste Sein zu jedem Augenblick nicht nur die Farben in unserer Wahrnehmung hervor, sondern die gesamte von uns in Zeit und Raum erkannte Welt (mitsamt dem eigenen Sein darin). Die scheinbare Realität dieser Welt liegt von dieser Perspektive her vor allem in der Interaktion und Kommunikation mit dem in dieser Welt erkannten Sein.
Sowohl anderes in dieser Welt erkanntes Bewusstsein als auch das eigene Sein darin besitzen in der idealistischen Perspektive jedoch nur den für uns unvorstellbaren und paradoxen Status des punktuell und einzigartig Hervorgebrachten, denn andererseits wäre es wieder ein Realismus mit den scheinbar real und unabhängig vom Bewusstsein existierenden Bewusstseinsarten. Mit dieser idealistischen Form der »Viele-Welten-Theorie« (wobei dieser Ausdruck darin schon wieder der realistischen Perspektive bei der „Gratwanderung“ entspricht) wäre nicht nur das grundlegende philosophische Problem der Qualia bzw. des phänomenalen Bewusstseins gelöst, sondern auch die Frage der Quantenphysik, wo und wie die mathematisch gefasste Welt der Quanten in die von uns erfahrene, bewusste und scheinbar reale Makrowelt übergeht, nämlich im jeweiligen Bewusstsein (wie in dem naturwissenschaftlichen Gedankenexperiment „Schrödingers Katze und Wigners Freund“).
DIE ALTE, VERGESSENE LÖSUNG DES BEWUSSTSEINS IN DEN GEISTESWISSENSCHAFTEN
Bei Wilsons Argumentation muss nicht nur seine Grundlage kritisch hinterfragt werden, mit der er das Problem des Bewusstseins zu lösen trachtet, sondern er irrt darin, dass die Geisteswissenschaften in ihrer zweitausendjährigen Geschichte nicht zu „einem Ziel gekommen“ sind. Das sind sie nämlich, das Problem ist nur, dass sich die allermeisten Menschen diese Art von Ziel oder Lösung nicht vorstellen können oder wollen, vor allem da sie letztlich gar nicht vorstellbar ist. Im Fall des heliozentrischen Weltbildes konnte unsere Sinnestäuschung durch eine darüber liegende Perspektive mit Hilfe unserer Vorstellungskraft gelöst, erkannt und gewusst werden. Genau das geht aber im Fall unserer grundlegenden Seins- und Erkenntnisstrukturen nicht (da sie apriori da sind). Doch ist das ein nicht zu akzeptierender Makel, oder nicht vielmehr ein Anzeichen für eine wahrhaft geistige Lösung? Existieren wir, im Gegensatz zu allem anderen Sein in dieser Welt, in realer und substantieller Weise, und müssen dann, wie in der Religion, das Reale und Substantielle unseres Seins erkennen und wissen können?
Wie es auch anders geht und als gleichzeitiger Nachweis dafür, dass die Geisteswissenschaften sehr wohl zu einem Ziel und Sinn gekommen sind, lässt sich in der Philosophie und Religion finden, konkret im Neuplatonismus und in der von der Antike bis zum späten Mittelalter bestehenden sogenannten »negativen Theologie« im Christentum. »Negativ« deshalb, weil eben das Göttliche hier im Gegensatz zur dogmatischen Religion in keinem Bild und keiner Vorstellung erfasst werden kann, sondern darüber nur in verneinenden Begriffen gesprochen werden kann, wie: Gott ist keine Person, ist nicht gut, nicht weise usw. Diese Theologie benutzt zwar im Christentum die christlichen Begriffe wie »Vater«, »Sohn« usw., doch das, was sie damit aussagt, ist neuplatonisch. Nach dem Verbot der philosophischen Schulen im alten Griechenland lebte die griechische Philosophie praktisch im christlichen Gewand der negativen Theologie bis ins späte Mittelalter weiter.
So ist bei Meister Eckhart, mit dem erst diese negative Theologie im Mittelalter durch den Inquisitionsprozess gegen ihn ihr Ende fand, das Göttliche keine Person, die als »Übervater« vorstellbar und verehrbar ist, sondern ausdrücklich das unvorstellbare neuplatonische »einige Eine«. Bei dem Philosophen Jens Halfwassen heißt es in seinem Buch „Plotin und der Neuplatonismus“ über diese Eine und sein Verhältnis zur Welt (das genau so auch bei Eckhart zu finden ist): „Für Plotin gründet auch der Geist in dem absoluten Einen, das selbst «jenseits des Geistes» (epekeina nou) und «jenseits des Seins» (epekeina tês ousias) steht. Die Transzendenz des absoluten Einen nicht allein über alles Sein, sondern auch über alles Denken bildet zugleich die Grundlage für eine genuin philosophische Mystik, die Plotin ausgebildet hat. Denn wenn das Eine alle Denkbarkeit transzendiert, dann kann es nur noch dadurch erreicht werden, dass das Denken auch sich selbst übersteigt und im Heraustreten aus sich selbst (ekstasis) mit dem Einen selbst unterschiedslos Eins wird, in einer differenzlosen Einung.“
Es ergibt sich nach Halfwassen die Paradoxie, dass das Absolute, Reale, das Alles begründet, in der Konsequenz dieser negativen Theologie selber nur noch als Nichts gedacht werden kann. In dem «jenseits des Geistes» gibt es nicht einmal Erkenntnis und Bewusstsein: „Plotin verhüllt diese Paradoxie keineswegs. Sie enthält den höchsten Gedanken des Platonismus in sich: die reine Transzendenz des Absoluten und ihre Auslegung durch eine konsequent negative Dialektik oder negative Theologie.“ Diese „reine Transzendenz des Absoluten“ hat direkt etwas mit der Relativität und Geschaffenheit unseres Seins zu tun, genauso wie das dogmatische Wissen um ein Göttliches immer etwas mit dem Glauben an die Substanzhaftigkeit und Ewigkeit unseres Seins zu tun hat. Daher läuft die negative Theologie auf die letztendliche Einheit allen Seins hinaus, während im dogmatischen Christentum an der auf ewig festgeschriebenen Trennung allen Seins mit der Vergöttlichung des personalen Seins (als scheinbare »Rettung«) festgehalten wird.
Im Neuplatonismus wurde jedoch versucht, trotz der grundsätzlichen Unerkennbarkeit des göttlichen Einen dieses in einem besonderen, nach Eckhart „nichterkennenden Erkennen“ bestmöglich zu erkennen. Das „Übersteigen des Denkens“ wurde dabei sozusagen systematisch in so etwas wie eine Formel und einen Sinn gebracht. Für diesen Vorgang der „genuin philosophischen Mystik“ als das von Plotin genannte Übersteigen des Denkens und des Heraustretens aus den weltlichen Strukturen und nachfolgender Erkenntnis dieses Geschehens im Wiedereinsetzen der weltlichen Strukturen an der Grenze zwischen Welt und jenseitigem Einen steht im Neuplatonismus der trinitarische Erkenntnisprozess dieser negativen Theologie. Das Trinitarische im Bezug zum Göttlichen war also ursprünglich keine Erkenntnis oder Erfindung der jüdisch-christlichen Tradition, denn, so stellt Halfwassen fest: „Es gehört zu den merkwürdigsten Ironien der Geschichte, dass ausgerechnet der erklärte Christenfeind Porphyrios mit seinem trinitarischen Gottesbegriff, den er aus der Interpretation der Chaldäischen Orakel entwickelte, zum wichtigsten Anreger für die Ausbildung des kirchlichen Trinitätsdogmas im 4. Jahrhundert wurde“.
Aus dem, was für den damals vorherrschenden Neuplatonismus und die darauf gründende christliche negative Theologie die einzig mögliche Form der höchsten (nichterkennenden) Erkenntnis des göttlichen Einen an der Grenze zwischen Welt und jenseitigem Einen war, machte die christlich-jüdische Tradition ein neues vorstellbares, dogmatisches Gottesbild mit göttlichen Personen inmitten der Welt. Von diesem dogmatischen Gottes- und Weltbild sind wir bis heute geprägt, selbst wenn wir uns gar nicht mehr dazu bekennen und auch in der modernen Naturwissenschaft, wenn wir es auf keinen Fall akzeptieren können, dass diese von uns erkannte Welt letztlich nicht real sein soll. Während das Gottesbild im jüdischen Monotheismus allerdings noch klar und eindeutig war, ist es im Christentum sozusagen nur ein Zwischending oder Kompromiss, der weder mit der jüdischen Tradition des Monotheismus noch mit der philosophischen der Griechen vereinbar ist. Darüber hinaus hat dieses neue Gottesbild das ursprüngliche, philosophische Verständnis der Trinität verboten, erst in der Antike durch die Schließung der philosopischen Schulen und später im Inquisitionsprozess gegen Meister Eckhart. Vor allem auch deswegen erscheint es so, als ob „die Geisteswissenschaften zu keinem Ziel gekommen sind“.
Ganz in dieser neuplatonischen, philosophischen Relativierung des Seins sind bei Eckhart wie schon bei Plotin in Erweiterung zu Kant die Kategorien Zeit und Raum untrennbar mit der des Seins verbunden. Das in Zeit und Raum getrennte Sein ist die geschaffene Grundstruktur der Welt, d.h. erst Zeit und Raum konstituieren die Getrenntheit eines Seins von der zugrundeliegenden Einheit, ebenso wie umgekehrt Zeit und Raum nur an einem von anderem Sein getrennten Sein erfahrbar werden. (In Zeit und Raum getrenntes) Sein ist somit eine Kategorie der Welt, das göttliche „einige Eine“ ist bei Eckhart wie bei Plotin dagegen ein „überseiendes Sein“ und in der Nichtvorstellbarkeit eine „überseiende Nichtheit“ als „reine Transzendenz des Absoluten“. „Die Transzendenz des absoluten Einen nicht allein über alles Sein, sondern auch über alles Denken“ hängt im Neuplatonismus direkt mit der Relativität von Sein und Denken bzw. mit der der weltlichen Seins- und Erkenntnisstrukturen zusammen. Wenn die weltlichen Strukturen in Teilen real wären, müsste der Übergang vom Realen oder Absoluten des Einen in diese Strukturen darin erkennbar, wissbar und und in diesem Sinne erfahrbar sein. Das ist aber offensichtlich nicht der Fall.
Worin daher die Konsequenz der Möglichkeit des von Plotin genannten „Hinaustretens“ aus den weltlichen Strukturen oder „Übersteigens“ der weltlichen Strukturen als «jenseits des Geistes» und «jenseits des Seins» liegt, zeigt sich in der folgenden Aussage Eckharts, die darin faktisch mit der neurobiologischen Erkenntnis von Maturana und Varela übereinstimmt: „Dort, wo niemals Zeit eindrang, niemals ein Bild hineinleuchtete: im Innersten und im Höchsten der Seele erschafft Gott die ganze Welt. Alles, was Gott erschuf vor sechstausend Jahren [bzw. nach heutigen weltlichen Erkenntnissen vor 14 Milliarden Jahren], und alles, was Gott noch nach tausend Jahren erschaffen wird, wenn die Welt (noch) so lange besteht, das erschafft Gott im Innersten und im Höchsten der Seele. Alles, was vergangen ist, und alles, was gegenwärtig ist, alles, was zukünftig so ist, das erschafft Gott im Innersten der Seele.“
Mit dieser göttlichen Erkenntnis, für die bei Eckhart im trinitarischen Prozess an der Grenze zwischen Welt und Jenseits das Sohn-Sein steht, befreit sich erst der Geist aus dem „kleinen Käfig des [in den weltlichen Grundstrukturen von Sein, Zeit und Raum gefangenen] Bewusstseins“ oder der platonischen Höhle, so dass Eckhart in Hinblick auf das dogmatische Sohn-Verständnis ketzerisch sagen kann: „Er gebiert mich als seinen Sohn und als denselben Sohn. Ich sage noch mehr: Er gebiert mich nicht allein als seinen Sohn; er gebiert mich als sich und sich als mich und mich als sein Sein und als seine Natur. Im innersten Quell, da quelle ich aus im Heiligen Geiste; da ist ein Leben und ein Sein und ein Werk.“ „Die reine Transzendenz des Absoluten“ bleibt (für die weltlichen Strukturen) in diesem trinitarischen Prozess stets erhalten (da sie ja überstiegen werden), bzw. es mündet in einem Selbsterkenntnisprozess des Absoluten mit Hilfe der weltlichen Strukturen. Trotz dieses trinitarischen Erkenntnisprozesses an der Grenze zwischen Welt und Jenseits ist „das letzte Endziel“ ganz gemäß der negativen Theologie nach Eckhart dabei wesenhaft stets „das verborgene Dunkel der ewigen Gottheit“, und das „ist unerkannt und ward nie erkannt und wird nie erkannt werden“.
Mit heutigen Vorstellungen und Begriffen ausgedrückt heißt diese in der Antike gefundene Lösung, dass die Strukturen von Welt und (der substantiellen) Realität so strikt voneinander getrennt sind, dass wir in der Welt nicht einmal wissen, ob es diese substantielle Realität überhaupt gibt, geschweige denn, dass wir sie innerhalb unseren weltlichen Strukturen erkennen, wissen und „dingfest“ machen können. Eine substantielle Realität als Absolutes lässt sich vor allem nicht innerhalb unserer weltlichen Erkenntnisstrukturen fassen, so dass es räumlich »hinter« oder »über« bzw. zeitlich »nach« der Welt liegt. Es hat vielmehr direkt etwas mit unserem Sein und Erkennen zu tun, d.h. solange »wir« eine Welt hervorbringen, gibt es die absolute Realität darin nicht. Es verhält sich wie die beiden verschiedenen Deutungen ein und derselben Zeichnung in den sogenannten Vexierbildern: In einer Deutung ist nichts von der jeweils anderen zu finden, bzw. in Bezug auf die neuplatonische Relativierung des Seins: In der einen Deutung hat es die jeweils andere nie (als Sein) gegeben. Einzig Vergänglichkeit und Tod restlos aller weltlicher (Seins)Erscheinungen sind in der »Deutung« unserer Welt Hinweise oder Zeugen für eine überweltliche Realität.
Doch weil alle weltlichen Strukturen letztlich gar nicht real und substantiell vorhanden sind, sondern nach idealistischer Lehre geistig hervorgebracht, endet dieser Prozess nicht nur stets im Tod oder der Vergänglichkeit, sondern er kann zumindest für einen Augenblick (oder Eckharts „Funken“) in einem lebendigen Sein zum Aussetzen gebracht oder überstiegen werden, was dadurch auf geistige Weise ein Heraustreten aus den weltlichen Strukturen ist. Das ist als apriorischer »Deutungswechsel« darin gleichzeitig die differenzlose und wesenhafte Verschmelzung mit der dadurch nicht mehr transzendenten Realität des Absoluten, dem Einen, in dem es eine Welt nie gegeben hat – genau wie beim apriorischen Wiedereintreten der weltlichen Strukturen das Absolute oder Eine nur eine bloße, verrückte Idee ist. Der trinitarische Prozess steht für die Unvereinbarkeit der beiden »Deutungen«, der weltlichen Struktur und dem Realen, Einen, Absoluten.
Erst mit dem urknallmäßigen, apriorischen Wiedereinsetzen der weltlichen Strukturen in einem lebendigen Sein kann das Verschmelzen mit der göttlichen Einheit in einem Bild erkannt werden – doch ist die Einheit nicht mehr. Dieses Bild erscheint als höchste Erkenntnis in der Welt, das sich paradoxerweise jedoch nur dann als wahr erweist, wenn es in einem armen und Heiligen Geist mit der gesamten im Geist geschaffenen Welt wesenhaft wieder vergeht, so dass das erkennende Sein darin mit der Einheit wiederum verschmilzt – um daraus in einem lebendigen Sein urknallmäßig wieder zu entstehen usw.
Außer im Tod können wir nur auf diese geistige, trinitarische Weise (als geistiger Tod und geistige Geburt) erfahren, was Realität ist. In dieser dynamischen, fortlaufenden und geistigen trinitarischen Erkenntnis liegt das Ziel, an das die Geisteswissenschaft in der Antike gelangt ist und darin auch der Sinn des menschlichen Seins. Hinsichtlich der materiell-technischen Entwicklung ist unser Geist zwar dem der alten Griechen überlegen, doch was das Bewusstsein und sein Bezug zu der von uns darin erkannten Welt angeht, sind uns die alten griechischen Philosophen weiterhin haushoch überlegen, so hoch, dass wir das nicht einmal erkennen, selbst dann nicht, wenn die mathematischen Ausdrücke in der Quantenphysik es uns sagen. Kant hat das in der neuzeitlichen Aufklärung erkannt und darin praktisch schon die Probleme der Quantenphysik mit dem idealistischen Verständnis der Realität vorweggenommen, wenn er sagt:
„Ins Innere der Natur dringt Beobachtung und Zergliederung der Erscheinungen, und man kann nicht wissen, wie weit dieses mit der Zeit gehen werde. Jene transzendentalen Fragen aber, die über die Natur hinausgehen, würden wir bei allem dem doch niemals beantworten können, wenn uns auch die ganze Natur aufgedeckt wäre, da es uns nicht einmal gegeben ist, unser eigenes Gemüt mit einer anderen Anschauung, als der unseres inneren Sinnes, zu beobachten. Denn in demselben liegt das Geheimnis des Ursprungs unserer Sinnlichkeit. Ihre Beziehung auf ein Objekt, und was der transzendentale Grund dieser Einheit sei, liegt ohne Zweifel zu tief verborgen, als daß wir, die wir sogar uns selbst nur durch inneren Sinn, mithin als Erscheinung, kennen, ein so unschickliches Werkzeug unserer Nachforschung dazu brauchen könnten, etwas anderes, als immer wiederum Erscheinungen, aufzufinden, deren nichtsinnliche Ursache wir doch gern erforschen wollten“ (Immanuel Kant, Kritik der Reinen Vernunft, B 334):
Da das menschliche Sein wie das der gesamten Welt nur geschaffen oder konstruiert ist, kann es innerhalb dieser Welt keinen Sinn finden, auch wenn es irgendein Bild des Absoluten noch so dogmatisch in der Welt verehrt. Den wahren Sinn findet es erst durch das Heraustreten aus den weltlichen (Grund)Strukturen, was darin gleichbedeutend mit dem Vollzug der substantiellen, jenseitigen Realität und Einheit ist, egal ob als Tod oder geistiges „Heraustreten“ aus der Höhle des Bewusstseins.
DAS SICH ABZEICHNENDE UMFASSENDE HERAUSTRETEN AUS DEM "KLEINEN KÄFIG DES BEWUSSTSEINS"
Die idealistischen Lösungen sind bis auf wenige Ausnahmen wie die von Maturana und Varela heute ganz vergessen. Mit seinen technischen Erfolgen kann der Mensch diese Welt scheinbar beliebig nach seinen Vorstellungen gestalten, ohne eine idealistische Einsicht in das wahre Wesen seines Seins und desjenigen der von ihm erkannten Welt zu benötigen. Doch das scheint nur so und kann sich sehr schnell und effektiv ändern. Wilson thematisiert diesen Weg sogar in seinen Büchern, wenn er schreibt, dass wir gedankenlos die Biosphäre zerstören und damit unsere eigenen Aussichten auf dauerhafte Existenz, so dass die Entwicklung des Menschen als „Fortschreiten eines kopflosen, gefräßigen Molochs, der sich von der Biomasse genau des Lebens ernährt, das er zerstört“ letztlich ein Angriff auf den Menschen selbst ist. „Wir sind ein evolutionäres Mischwesen, eine Chimärennatur, wir leben dank unserer Intelligenz, die von den Bedürfnissen des tierischen Instinkts gesteuert wird. Deswegen zerstören wir gedankenlos die Biosphäre und damit unsere eigenen Aussichten auf dauerhafte Existenz“ sagt er in seinem Buch „Die soziale Eroberung der Erde“. Dort bekennt er seinen eigenen, allerdings ausdrücklich nur „blinden Glauben“, dass die Erde sich, „wenn wir es wollen, im 22. Jahrhundert in ein dauerhaftes Paradies für den Menschen verwandeln lässt“. Ist diese Erwartung mehr als ein blinder Glaube?
Von der idealistischen Perspektive her kann der Mensch aufgrund seiner Geschaffenheit in seinen Strukturen nicht zur Ruhe oder zu einem Ziel kommen, er muss immer weiter wachsen, egal ob auf geistige oder materielle Weise auch in einer begrenzten Biosphäre. Einen wirklichen, substantiellen Sinn kann er nur im Heraustreten aus diesen Strukturen finden. Dieses Heraustreten aus der geschaffenen weltlichen Struktur wurde im Neuplatonismus und der negativen Theologie von einigen wenigen Menschen elegant und human auf geistige Weise als dynamischer göttlicher Erkenntnisprozess erreicht. Doch die menschliche Entwicklung läuft auch ohne das geistig erreichte idealistische Ideal auf ein „Heraustreten“ aus den scheinbar so realen weltlichen Strukturen zu - nur auf im Verhältnis zu den geistigen Fähigkeiten des Menschen äußerst dumme, animalische Weise als Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen in einer begrenzten Biosphäre. Auch das ist darin zweifellos ein sogar sehr effektiver Weg zur höchsten Erkenntnis, vielleicht als idealistische Offenbarung im umfassenden und endgültigen physischen Scheitern der angestrebten realistischen Selbstverwirklichung viel effektiver, umfassender und tiefgehender, als es eine bloße Lehre je könnte.
Wenn auf der „Gratwanderung“ nach Maturana und Varela der idealistische Teil ignoriert wird, erzeugt das in der Welt gesetzmäßig stets paradoxe Ergebnisse. Das trifft dann nicht nur auf die Quantenphysik zu, sondern auch auf den Versuch des Menschen, mit seinem Realismus in dieser Welt einen Himmel auf Erden anzustreben - und eine Hölle auf Erden zu erhalten. Hier trifft der christliche Armageddon-Begriff zu, nur dass dabei keine weltlichen Strukturen gerettet, verewigt und vergöttlicht werden, sondern ganz im Gegenteil umfassend und ohne ein Wiedereintreten aufgehoben werden, um mit dem wahren Absoluten und Göttlichen als Ende dieser Welt endgültig zu verschmelzen. Das wird aus physikalischen oder astronomischen Gründen auf jeden Fall in irgendeiner Form letztlich eintreten, doch wenn es vom Menschen selbst herbeigeführt wird, indem er bei der angestrebten Verwirklichung seiner weltlichen Träume eigenhändig seine Biosphäre zerstört, von der er nur scheinbar getrennt ist, wären das die idealen Voraussetzungen dazu, seinen „Holzweg“ zu erkennen und die idealistische Wahrheit größtmöglich zu vollziehen – trotzdem oder gerade weil der moderne Mensch mit seinem großen Glauben an das Reale und Absolute seines Seins sich das überhaupt nicht vorstellen kann.
Ich bin persönlich absolut davon gefesselt, auf welche Art und Weise sich mir Assoziationen beispielsweise zwischen Informationsverarbeitungsprozessen auf höherer (neuronaler / sensorischer / kortikaler) Ebene und zellulärerer Ebene zu erschließen scheinen. Dies macht ja auch Sinn, da unsere kleinste, funktionelle Einheit ja die Zelle ist. Daraus dann wieder Rückschlüsse auf die Wahrnehmung zu wagen ist für mich ein äußerst fruchtbares Unterfangen.
Der einzige (kleine) Wermutstropfen ist hier die Sprache. Ja, es macht durchaus Sinn die Syntax dem theoretischen Gedankengebilde anzupassen. Es fragt sich nur, wie weit man dabei geht bzw. wie das umgesetzt wird. Wenn rekursive, reziproke Interaktionen zusammen mit autopoietischen Phönomenen in einen einzigen, ewig langen, verschachtelten Satz gepackt werden, kann das schon mal sehr ansträngend zu lesen sein. Das regt zwar zum Nachdenken, mich manchmal auch zum Hinsetzen und umschreiben an. Der Lerneffekt ist dann zwar größer aber ist die Übersetzung stellenweise sehr holprig und hier und dort sogar grammatikalisch falsch.
Dennoch volle Punktzahl!
sehr wissenschaftlich und detailliert erklären Manturana und Varella ihre Forschungsergebnisse im Zusammenhang mit der Erkenntnistheorie. Dabei nehmen Sie nicht den klassischen weg des Philosophischen Verständnisses der Erkenntnis selbst sondern den Biologischen und Neurologischen Entwicklungsprozess als Grundlage zur Erklärung, wie ein Organismus entsteht welcher zu einem Erkenntnisprozess fähig ist.
Das Buch ist sehr wissenschaftlich detailliert und somit keine Überblickslektüre sondern eher etwas für den fortgeschrittenen Interessierten.
Es werden sehr viele bekannte Ansätze aus der Psychologie auf völlig neuem Weg erlangt, jedoch unter den etwas anderen Gesichtspunkten selten zu diesen Verknüpft. Dies erfordert etwas Vorwissen auf der Seite des Lesers, beschenkt diesen aber dafür mit neuen Betrachtungsweisen auf schon bekannte Psychologische Konzepte der Erkenntnistheorie (ich denke hier vor allem an den Konstruktivistischen Ansatz).
Für fortgeschrittene Leser im Bereich der Erkenntnistheorie hält dieses Buch viele neue Erkenntnisse bereit.
Die Autoren hingegen haben einen Plan. Sie stellen das universelle Prinzip dar, dass sie (und viele andere führende Wissenschaftler) in der Biologie und damit auch in der Gesellschaft gefunden haben. Dieses Prinzip und was dadurch entstanden ist sind qualifiziert, klar und verständlich präsentiert. Die Autoren haben damit Großes geleistet. Lesbar, wenn auch kein Lesebuch. Verständlich und ohne wissenschaftliche Überfrachtung. Eine gewisse Vorbildung ist jedoch nötig.
Menschen, die unter theologisch-dogmatischen Blockaden leiden, werden an diesem Buch wohl keine Freude finden. Wer Alles beim Alten lassen möchte, kann sich die Lektüre ersparen. Wer aber nach Erkenntnis strebt, wird wahrscheinlich fündig.
Liebe Autoren, ich danke euch.







