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Böse Philosophen: Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung Gebundene Ausgabe – 7. März 2011

4.5 von 5 Sternen 14 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

undefined (2011-03-03)

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Chez M. Holbach
Als Thiry d'Holbach 1748 aus den Niederlanden nach Paris zurückkehrte, brachte er neue Ideen und einen großen Hunger nach intellektuellen Entdeckungen mit. Durch das Vermögen seines Onkels finanziell abgesichert, hatte Holbach sich auf keinen Beruf festgelegt und war unsicher, welchen Weg er einschlagen sollte. Er heiratete und erwarb eine Lizenz als Rechtsanwalt, übte diesen Beruf allerdings nie aus. Stattdessen begann er, in seinem Haus eine wissenschaftliche Bibliothek aufzubauen, und sammelte nicht nur Kunstwerke, sondern auch Tausende von Gesteinsproben für seine wissenschaftliche Arbeit. Er suchte nach einer geistigen Herausforderung, und als er von der Encyclopédie hörte, zögerte er nicht, dem Herausgeber seine Mitarbeit anzubieten. Im Laufe der Jahre sollte er Hunderte von Artikeln beitragen, ursprünglich zu ideologischen und anderen wissenschaftlichen Fragen, dann aber auch, mit äußerster gebotener Vorsicht, zu so kontroversen Fragen wie Priester und Theokratie.
Holbach war kein Mensch, der gerne tatenlos herumsaß, und er verstand es auch, seinen Wohlstand zu konstruktiven Zwecken zu nutzen, aber trotz seiner dauernden Beschäftigung wurde ihm bewusst, dass er für das Leben eines Privatgelehrten nicht geeignet war. Er brauchte Gesellschaft und neue Ideen, das angeregte Hin und Her einer offenen Diskussion. Solche Diskussionen fanden in den Akademien statt, aber dort schienen sie ihm zu trocken zu sein; Gesellschaft gab es in den verschiedenen Salons, aber der Ton dort war dem Baron oft zu unverbindlich und völlig ungeeignet für intensive philosophische Diskussionen: Respektable Damen moderierten die höfliche Konversation und die Vorlesungen aus neuen Werken. Kontroversen gab es nur hinter vorgehaltener Hand.
Den Baron verlangte es nach etwas Intensiverem, ein Nachhall der nächtelangen Studentenfeiern seiner Leidener Tage, und endlich Bebaron Paul Thiry d'Holbach wurde auch der "chef des café de l'europe" genannt. Im Verborgenen war er auch ein wichtiger atheistischer Autor. anonymer Stich
nach einer Zeichnung von Charlesnicolas Cochin, ca. 1758. Foto: Sammlung des Autors
schlossen Holbach und seine Frau, diese Erinnerungen selbst zu neuem Leben zu erwecken. Die Gruppe der Enzyklopädisten, zu denen Holbach inzwischen auch selbst gehörte, eignete sich ideal als harter Kern von Gästen für seinen neuen Salon. Die Kombination von Holbachs Bescheidenheit und Großzügigkeit und Diderots intellektuellen Verbindungen und seiner mitreißenden Redekunst erwies sich als enorm erfolgreich, und schon bald folgten einige der führenden Köpfe unter den jüngeren und progressiven Wissenschaftlern seiner Einladung. Sie alle schätzten es, dass sie hier freier sprechen konnten als irgendwo sonst, dass Fragen, die es in der offiziellen Kultur nicht gab, hier bei Wein und Essen angeregt und kontrovers diskutiert wurden. Besonders Diderot machte sich bald diesen Ort zu eigen, an dem er ungehindert seiner größten Leidenschaft frönen konnte: mit Freunden zu sprechen, Gegner zu provozieren und all diejenigen zu unterhalten, die bislang weder zur einen noch zur anderen Gruppe gehörten.
Mehrere von Holbachs regelmäßigen Gästen während der frühen 1750er Jahre schrieben auch für die Encyclopédie. Da waren Jean-Jacques Rousseau, der über musikalische Fragen schrieb, der Literaturkritiker Jean-Francois Marmontel, der draufgängerische Charles Georges Le Roy, Leutnant der königlichen Jagd und Aufseher für Parks und Wälder, zu dessen Beiträgen hirsch, JAgd und instinkt gehörten, der Berufsoffizier Jean-Francois de Saint-Lambert, der auch als Dichter von sich
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reden machte, und der Ingenieur und Historiker Nicolas-Antoine Boulanger.
Oft wurde an so einem Abend aus einem Werk vorgelesen, an dem einer der Gäste gerade arbeitete, Briefe von Freunden oder bekannten Wissenschaftlern wurden vorgetragen und diskutiert, und schon bald ging es zum Essen und zu einer immer weiter ausufernden Unterhaltung über Politik, Philosophie und Geschichte. Tratsch und große Ideen flogen über Kreuz, Nachrichten aus fremden Ländern wurden mit der Situation in Frankreich verglichen, Wissenschaftler berichteten über neue Experimente oder interessante Theorien. Die Atmosphäre, in der all dies stattfand, war zugleich freier und weniger förmlich als in vielen anderen Salons, in denen eine Dame den Ton bestimmte. Unter den Mitarbeitern der Encyclopédie herrschte ein anderes Gesprächsethos, und Madame Holbach war klug genug, nicht zu versuchen, der überwiegend männlichen Versammlung in ihrem Haus ihren Stempel aufzudrücken. Während die meisten Gastgeberinnen sich bemühten, zwischen den Temperamenten und Ansichten ihrer männlichen Gäste zu vermitteln, und ihre eigene Meinung taktvoll zurückhielten, war der Hausherr dieses Salons einer der radikalsten Geister von allen.
Eine weitere Attraktion des Holbachschen Salons waren sein Weinkeller und die beneidenswerte Reputation seines Kochs. Leider lässt sich nicht sagen, was an einem bestimmten Abend auf Holbachs Tisch aufgetragen wurde, denn weder Rezepte noch Küchenbücher oder Haushaltsrechnungen aus seinem Haus sind überliefert. Trotzdem kann man sich ein relativ gutes Bild von der großbürgerlichen Küche dieser Zeit machen, wenn man zum Beispiel Vincent de la Chapelles Le cuisinier moderne aus dem Jahr 1735 aufschlägt, das auch mehrere Beispielmenüs für une bonne table bourgeoise beinhaltet, ein kleines Abendessen für 14 bis 20 Personen in einem Stadthaus, gedacht nicht für einen Hochadeligen, sondern für einen wohlhabenderen Gastgeber wie Holbach, der gutes Essen liebte und für seine Großzügigkeit bekannt war, ohne extravagant zu sein. La Chapelle schlägt vor, das Gedeck um einen Aufsatz in der Mitte des Tisches herum zu planen:
Ein Menu
Für vierzehn Gäste, das auch für zwanzig zum Abendessen reicht
Erster Gang In der Mitte des Tisches ein Gedeck, das während des gesamten Ganges bleibt
An den beiden Enden zwei Suppen 1 Kohlsuppe 1 Gurkensuppe
4 Entrées für die 4 Ecken der Tischmitte 1 Taubenpastete 1 Gericht aus zwei poulets a la reine mit einer appetitlichen Sauce 1 kalte Brust in Hühnerfrikassee 1 Ochsenschwanz in Eintopf 6 hors-d'ouvres für die beiden Seiten und die 4 Ecken des Tischmittelpunkts 1 Schale gegrilltes Lammfleisch 1 Ochsengaumen in schmalen Streifen 1 schwarze Hasenpastete 1 Blumenkohl in Brot 2 hors-d'ouvres mit kleinen anregenden Patés für die beiden Seiten des Tischmittelpunkts
Zweiter Gang 2 Zusätze für die beiden Suppen
1 aus Stücken von Rinderfleisch 1 Kalb, am Spiess gegrillt
Dritter Gang Braten und Nebengerichte gemeinsam
4 Bratengerichte an den 4 Ecken des Tischmittelpunkts
1 mit Huhn 1 mit drei Fasanen 1 mit 18 Lerchen 1 mit einer Rouen-Ente
2 Salate
2 Nebengerichte für beide Enden
1 Fleischpastete 1 kalte Pastete
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4 kleine Nebengerichte für die 4 Ecken
1 Rahmgebackenes 1 kleine grüne Bohnen 1 Trüffel im Bouillon 1 Himbeergelee
Vierter Gang Dessert
Für die beiden Enden des Tischmittelpunkts
2 grosse Schalen mit Früchten
Für die beiden Seiten
2 Schalen mit Waffeln
Für die 4 Ecken
4 diverse Früchtekompotts 4 Schalen mit unterschiedlichen Konfitüren
Zu so einem Menü gehörten noch die angemessenen Weine (Holbach liebte guten Burgunder), und so überrascht es auch nicht, dass Diderot sich in Briefen ständig über seine Verdauung beklagt: "Ich werde rund wie ein Ball, wie Sie mich verachten werden!" (an Sophie Volland, 20. Oktober 1760); "meine Galle ist geschwollen, ich habe angefangen zu moralisieren" (22. September 1761); "Ich habe gefressen wie ein junger Wolf ... Ich habe Weine mit allen möglichen Namen getrunken; eine Melone von unglaublicher Perfidie erwartete mich; und glauben Sie wirklich, dass es möglich war, diesem enormen Eis zu widerstehen? Und dann die Liköre; und dann der Kaffee, und dann eine vermaledeite Verdauung, die...

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Der Wiener Historikers Philipp Blom studierte Geschichte, Philosophie und Judaistik in Wien und Oxford und promovierte in Geschichte. In seinem Buch "Böse Philosophen" beschäftigt er sich mit den Vordenkern der Aufklärung - und kommt zu einem radikalen Schluss: Es wird systematisch verdrängt, dass wir unsere Werte nicht der Religion verdanken, sondern der Aufklärung - und zwar nicht der eines Jean Jaques Rousseau, sondern der des radikaleren Denis Diderot. Der Buchtitel ist ironisch zu verstehen, denn für den Autor sind diese Intellektuellen keineswegs böse, sondern die zukunftsweisenden Köpfe der Epoche.

Als die "radikalen Aufklärern" bezeichnet Blom die Clique von Freunden, die sich im Pariser Salon des Barons Holbach trafen und bei Essen und Trinken "philosophierten". Die besten Köpfe Englands, wie Adam Smith, Lawrence Sterne oder David Hume, drängten sich, zu diesem Kreis Zugang zu erhalten. In dieser lockeren Atmosphäre eines Pariser Salons entstand in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Idee der "radikalen Aufklärung". Darunter versteht Blom die radikale Abwendung von dem leidenden und zu Tode gefolterten Gott des Christentums, sowie die radikale Zuwendung hin zum Leben "nach der Natur", hin zur Erforschung der Naturgesetze. Denn diese radikalen Aufklärer sahen in der Religion den Feind von Freiheit, Vernunft, Wahrheit, Lust und Ethik. Eine Gesellschaft, die sich aus der schuldbeladenen christlichen Moral ableitet, bedeutete für sie Versklavung.

Als Gegenpol zu dieser Gruppe um Diderot und Holbach baut der Historiker Blom zwei Figuren auf, die bis heute unser Bild von der Aufklärung prägten und zu Unrecht dominierten: Voltaire und Rousseau.
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Verifizierter Kauf
Eine ausführliche Darstellung der radikalen Aufklärung, also des Denkens jener Philosophen, die im Salon des Barons Holbach versammelt waren. Eine sehr parteiische Darstellung, das muss man sagen, wer nicht zu den positiven Gestalten des Buches gehört, bekommt so einiges ab (Voltaire zum Beispiel, noch schlimmer ergeht es Rousseau), aber da immer rational nachvollziehbar argumentiert wird, ist es dem Leser auch leicht möglich, sich sein eigenes Urteil zu bilden, bzw. den Plan zu fassen, das noch beinmal nachzulesen. Die leidenschaftliche Zuneigung des Autors zu den radikalen Aufklärern berührt sehr sympathisch und macht die Lektüre zu einem höchst erfreulichen Erlebnis: Man lern eine Menge über das 18. Jahrhundert und Denkströmungen, die fast aus dem Bewusstsein gedrängt worden sind; man ist angehalten, die sich immer wieder durchsetzende Geringschätzung des Aufklärung zu überdenken und zu revidieren; man gewinnt vor allem viel Einblick in das Leben und das Werk von Diderot. Das alles erlebt man in einem Text, der einem das Gefühl gibt, direkt mit den großen Männern in Holbachs Salon zu verkehren, eingeführt von einem Kenner (Philipp Blom), der es versteht, auf sehr sympathische Weise über sehr komplexe Gegenstände zu reden und Lust macht, sich weiter damit zu befassen.

Auch literarisch ein Genuss, brillant geschrieben, gut lesbar, unterhaltsam und gelegentlich mit einer Prise Humor angemessen gewürzt. (Die wenigen sprachlichen Ungenauigkeiten sind zu verschmerzen. Mit der falschen Verwendung des Wortes »ultmativ«, die uns Marketing-Fuzzis mit ihren mangelnden Englischkenntnissen beschert haben, wird man sich in Zukunft wohl abfinden müssen. Nur schade, dass uns auf diese Weise das Wort »ultimativ«, für das es keinen Ersatz gibt, abhanden kam.)
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Es tut gut dieses Buch zu lesen, in einer Zeit wo das Oberhaupt der katholischen Kirche ohne erheblichen Widerspruch zu ernten behaupten kann, dass der Atheismus Schuld sei an den Völkermorden des 20. Jahrhunderts. Wo beide Kirchen für sich reklamieren, dass unsere Leitkultur eine christliche ist und abstreiten, dass die Elemente dieser Leitkultur wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte gegen die christliche Ideologie erkämpft wurden. Und wo auch in einer evangelischen Predigt ohne Widerspruch gesagt werden kann, dass ein Werte- und Verantwortungs-bewußtes Leben nur in Verbindung mit einem Gottesglauben zu führen sei (welcher Gott auch immer: so liberal ist man ja inzwischen in manchen Kirchenkreisen). Für den, der dieser Überheblichkeit der Kirchen widerspricht, heißt dieses Buch "Gute Philosophen", denn der Widerspruch gegen diese Überheblichkeit ist mindestens so alt wie die französische Aufklärung. Von dieser handelt Philipp Bloms Buch.

Es ist ein bunter Bilderbogen der Zeit etwa von 1740 bis 1780 in Frankreich und zugleich ein philosophischer Exkurs über die Ideen, die von dem Salon des Barons Paul-Henri Thiry d'Holbach in Paris ausgingen. Er war ein Anziehungspunkt für europäische Intellektuelle. Dort wurden Gedanken in vertrautem Kreis ausgesprochen, die nicht ungefährlich waren und einen sogar den Kopf kosten konnten: dass es keinen Gott gibt, dass er eine Erfindung der Menschen sei. Man diskutierte darüber, dass Religion in der Funktion die Welt zu erklären gescheitert und in der Funktion der Gesellschaft Regeln zu geben entbehrlich sei.
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