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TOP 1000 REZENSENTam 20. Oktober 2012
Mit dem Auto hat der Mensch ein Bewegungsmittel bzw. künstliches Lebewesen erschaffen, das gleichzeitig ein Avatar seines Besitzers ist. Nicht zuletzt deshalb ist das Automobildesign die unangefochtene Königin des Designs und übt auf fast alle Menschen von Kindheit an eine ungebremste Faszination aus. Design ist dabei schwieriger als Kunst, da es sich in der Regel bewähren muss und damit den Kriterien der Praxis ausgeliefert ist. Design erfüllt seine Aufgabe meist dann, wenn bei den Ingenieuren Verständnis für die Formensprache erzeugt werden kann und bei den Designern Verständnis für die Lösungen zwischen technischen Zwängen, wie Aerodynamik, Produktion, Gesetzes- und Kundenanforderung erweckt werden kann. Und das ist auch die Intention der Autoren, die mit diesem Buch sowohl die Welt des Designs als auch die Welt der Technik dem Interessierten näher bringen möchten.

Bezüglich der Autoren sollte erwähnt sein, dass Prof. Dr.-Ing., Dr.-Ing. EH Hans Hermann Braess früher als Forschungsleiter bei BMW und als Professor an der TU München tätig war. Prof. Dr.-Ing. Ulrich Seiffert war der ehemalige Forschungs- und Entwicklungsvorstand der Volkswagen AG.

Dieses Buch knüpft in vielen Aspekten an das Buch "Kritik am Auto" von Prof. Otl Aicher an, dem ehemaligen Rektor der HFG Ulm. Viele Aspekte werden dabei ausführlicher ausgearbeitet und sind eher sachlich nüchtern als philosophisch.

Im ersten Kapitel werden zunächst die Meilensteine einer 120 jährigen Automobilgeschichte (z.B. Citroen DS, Citroen 2 CV, Citroen 11CV, VW Käfer, der Urporsche, der Urjeep, Studebaker Starliner, Mercedes 300 SL, NSU Ro 80, Autonova Fam, VW Golf I, Renault Espace, usw.) beleuchtet. Dabei werden auch die ersten Automobile der Geschichte recht ausführlich betrachtet. Dazu zählen z.B. das erste gasbetriebene Fahrzeug des Jahres 1884 aus Frankreich von Edouard Delamare - Debouteville oder der Benz Patentmotorwagen aus dem Jahr 1885. Interessant sind auch die Erläuterungen zum Einfluss der Vereinigten Staaten, die neben Citroën als erste das Transportation Design als Disziplin etablierten, auf das internationale Design. So war beispielsweise der Chevrolet Corvair aus dem Jahr 1960 Vorbild für den NSU Prinz, den Sunbeam Stiletto, den Fiat 1300, den BMW 1600 - 2 oder den russischen ZAZ 968. Opel kreierte den Kapitän von 1938 nach dem Vorbild eines in Hollywood beliebten Luxuswagens, dem Cord 810 Westchester.

Auch der Einfluss des Bauhaus auf das Transportation Design bleibt nicht unberücksichtigt, denn selbst Walter Gropius, der erste Rektor des Bauhaus, entwarf für die Frankfurter Adler Werke beispielsweise den Standard 6a und 8. Die Bedeutung des Bauhaus - Designs für das deutsche Automobildesign wird immer wieder auch in den nachfolgenden Kapiteln aufgegriffen, da es letztendlich auch einen wichtigen Beitrag für den Erfolg der deutschen Automobilhersteller leistete. Dabei ist auch heute noch der sehr erfolgreiche VW Golf ein Kind dieser Schule. Der Golf ist zwar weniger emotional angelegt (aber hoher Wiedererkennungswert im Sinne eines Corporate Designs, gute Materialanmutung, einfache klare, konvexe Form, aber kein richtiges Gesicht) als beispielsweise ein Alfa Romeo 159, der vermutlich auch von seinen Besitzern daher besser gepflegt wird und dennoch seltener verkauft wird.

Nach dem historischen Exkurs werden grundsätzliche Fragen von Design und Technik des Gesamtfahrzeugs sowie die Bedeutung des Designs beim Kunden erörtert. Dabei wird auch der gesamte Designprozess ausführlich beleuchtet, vom Imageboard, über Scribbles, Tape - Renderings, Claymodelle bis zum fertigen Modell.

Im zweiten Kapitel werden die Chefdesigner vieler Autohersteller oder Designfirmen zu Wort gebeten, um ihre Denkweisen, Strategien sowie Traditionen und Identitäten ihrer Marken zu erörtern. Ergänzt wird dieses Kapitel durch spezielle Fragen von Cabrios (z.B. Einfluss von Dachöffnungsmechanismen auf die Erscheinung) und Freizeitmobilen. Es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Sichtweisen und Darstellungen der Designchefs sind. Wer mit Gestaltung ein wenig vertraut ist, wird meines Erachtens auch die Spreu im Weizen erkennen. Zum Weizen zählt vor allem der Beitrag des italienischen Designers Walter de Silva, der heute der Konzernchefdesigner der Volkswagen Gruppe (VW, Audi, Seat) ist. Zum Spreu zählt nach meiner Ansicht der auch hier hochgelobte Christopher Bangle, der sich mittlerweile nach vielen gestalterischen Irrtümern schlau geirrt hat und damit auch irgendwie noch zum Weizen sortiert werden kann. Seine Flops werden natürlich weder in Bild noch Wort erwähnt. Der Beitrag von Bangle ist auch der kürzeste, wobei nicht immer in der Kürze auch die Würze liegt. Mittlerweile hat Bangle aber BMW wieder verlassen. Im Weiteren werden neben Audi (de Silva) und BMW (Bangle) noch die Designphilosophien von Mercedes (Peter Pfeiffer), Chrysler (Trevor Creed) und Opel (Friedhelm Engler), Renault (Patrick Le Quement zum Modernismus) und Giorgetto Giugiaro dargestellt. Natürlich verraten die Designchefs nicht explizit ihre Rezepte, aber wer zwischen den Zeilen lesen kann und die Abbildungen studiert, wird einiges über die Zutaten selbst ermitteln können.

Der dritte Teil vertieft die designrelevanten Teilgebiete, von Aerodynamik und Ergonomie, über Farben, Lacke, Armaturen, Bedienelemente, Verglasung und Beleuchtung bis hin zu computerunterstützten Entwicklungsmethoden.

Im Anhang findet man noch einen sogenannten Designatlas, in dem verschiedene Kühlergrille, verschiedene Räder, Beleuchtungen, Stoßstangen, Verglasungen, und Armaturenbretter von unterschiedlichsten Fahrzeugen über jeweils drei Seiten gesammelt abgebildet sind. Gestaltungsparameter sucht man vergeblich. Mit Hilfe des überflüssigen Designatlas könnte man sich aber zumindest ein Auto zusammenwürfeln. : -)

So wird auch in diesem Buch, wie auch in fast allen anderen Büchern in diesem Segment, den Gestaltungskriterien kaum Beachtung geschenkt. Nach Auffassung des Verfassers könne man im Sinne einer Gestalttheorie drei Kriterien für die Formbeurteilung artikulieren: 1. objektive, 2. wahrnehmungspsychologische und 3. semantische Kriterien. Nach Auffassung der Autoren gibt es im Gegensatz zu Prof. Dr. Arnheims (Harvard University) Meinung keine wirklichen einheitlichen Standpunkte für eine Gestalttheorie und vereinfachend postuliert man den Satz (Vgl. Seite 47): "Eine Fahrzeugform wird immer mehr sein als die Summe seiner einzelnen Elemente." Solche Aussagen dienen dann letztendlich als Argument dafür, sich nicht differenziert mit der Gestaltungsgeometrie auseinandersetzen zu müssen. Letztendlich ist die Auflistung von Modellen oder historischen und technischen Fakten ja auch weniger arbeitsintensiv bei der Erstellung eines Fachbuchs als sich differenziert mit Gestaltungsparametern auseinanderzusetzen. Auf Seite 242 äußert sich zu diesem Thema auch noch Prof. Dr. rer. nat. Heiner Bubb (TU München), der als Physiker Schönheit als Gefallen abtut, das von Mode und Zeitgeist bestimmt sei und sich daher strengen naturwissenschaftlichen Untersuchungen entziehen würde. Seine nachfolgenden Aussagen im Kaptitel Komfort und Diskomfort (alle anderen von Bubb verfassten Kapitel zur Designgeschichte sind faktisch durchaus fundiert) sind meines Erachtens entweder oberflächlich oder peinlich für ein Fachbuch, das sich mit Design beschäftigt, denn letztendlich sollte auch der studierte Physiker und Professor für Ergonomie wissen, dass Ingenieurwissenschaften letztendlich auch nur vereinfachte Berechnungsmodelle anbieten, die mit der Wirklichkeit auch nicht viel zu tun haben, aber für unsere Belange ausreichend genau sind.

Wahrnehmungspsychologische Phänomene, wie z.B. der Goldene Schnitt, das Kindchenschema, Linienführungen, usw. sind statistisch, auch von Hirnforschern, ausführlichst untersucht worden. Als Binominalverteilung betrachtet können meiner Ansicht nach daher ausreichend Parameter genannt werden, die für Vorentwürfe hilfreich sind und an denen man Entwürfe zumindest beurteilen bzw. einer Feinabstimmung unterziehen könnte. Im Kontext zur Bionik als Entwurfsidee gibt auch Walter De Silva Hinweise im Kapitel: "Audi Design: Persönlichkeit und Familie." Die Abstraktion einer zum Sprung bereiten, geduckten Katze oder ein Adlerblick, eine Karosserie mit konvexen und nicht konkaven Formen, die an menschliche Körperteile erinnern, sind Bestandteile des neuen Audidesigns, das mit dem großen Single Frame Kühlergrill durch Walter de Silva eingeläutet wurde. Bei BMW orientiert man sich nach Bangles Aussagen derzeit an der Faltkunst der Origamitechniken im Design.

Es wird viel über Mode und Trends der verschiedenen Jahrzehnte geschrieben, aber leider fehlt es irgendwie an einer profunden Analyse eines erfolgreichen Designs oder weniger erfolgreichen Designs. Die aktuellen Modelle hätten dazu viel Diskussionsstoff geboten.
Sei es das BMW Bangle Heck, welches mit seinem Buckel auf dem Kofferraum scheiterte oder das missglückte Gesicht des ersten Rolls Royce unter BMW Aufsicht. Der Rolls Royce kam mal wieder in die Diskussion, nachdem die Chinesen ein billiges Duplikat präsentierten. Das führte auch in der Zeitschrift Auto Bild zu einigen Leserbriefen, in denen man sich zwar über die Unverschämtheit der Chinesen empörte, aber auch erkannte, dass die chinesische Frontgestaltung besser gelungen war. Und da wären wir wieder bei der Gestaltungsgeometrie, die in diesem Buch überhaupt nicht berücksichtigt wird. So hätte man hier über Quadrat, Rechteck und Kreis im Gleichgewicht sprechen können. Die Limousine des letzten 5er BMW hatte ein schräg herabfallendes Heck, welches noch optisch durch eine hochgezogene Diagonale des Stoßfängers stabilisiert wurde. Das sind allerdings alles gestalterische Schwachpunkte, die man hätte vermeiden können. Beim Zafira spricht man bei der Frontgestaltung von Boomrang - Design. Dabei wird die Front durch die Pfeilwirkung gequetscht. Und deshalb möchte ich der Empfehlung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung widersprechen. Das Buch geht inhaltlich eben nicht weit über das Stadium der Äußerung "gefällt mir" hinaus. Das Buch ist dennoch inhaltlich interessant, weil es die Verzwickungen im Autodesign verdeutlicht und auch interessante Details aus der Historie liefert, aber entspricht letztendlich dennoch mehr einem niedrigeren Preisniveau auf dem Büchermarkt, von dem es zum Zeitpunkt dieser Rezension noch weit entfernt ist.

Wer sich mit Gestaltungsgeometrie auseinandersetzen möchte, muss daher noch auf Literatur aus den Bereichen der Bildhauerei, Kunst oder Architektur zurückgreifen. Positiv sind mir dazu Bücher von Prof. Dr. Rudolf Arnheim (Harvard University), Wolfgang Metzger, Prof. Dr. Jürgen Weber (TU Braunschweig) oder von Prof. Axel Seyler (Hochschule Ostwestfalen) aufgefallen. Ein paar nützliche, aber versteckte Hinweise findet man auch in dem Buch Design Basics von Prof. Dr.-Ing. Heufler, z.B. anhand seiner Empfehlungen oder der dort abgebildeten Moodboards. Das Buch von Heufler ist meines Erachtens trotz vieler Schwächen derzeit noch das Beste zu den Grundlagen des Designs auf dem Büchermarkt.
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am 21. Oktober 2012
Kann dieses Buch wärmstens weiterempfehlen. Sehr viele gut aufbereitete Beiträge. Ideal für Personen, die sich noch nicht so intensiv mit dem Thema Automobildesign auskennen und in diesem Bereich eine Studien/Bachelorarbeit anfertigen wollen.
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am 5. November 2009
dieses Buch ist nicht für Hobby-Auto-Maler! Da dieses Buch hauptsächlich mit Fakten vollgepackt ist, welche zur Funktionellem Design führt!

Leider ein Fehlkauf meiner Seits! =(

Grüße
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