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Ausweitung der Kampfzone Broschiert – April 2001

3.6 von 5 Sternen 116 Kundenrezensionen

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Jeder gegen jeden
"Wir sagen ja zur modernen Welt", konnte die Münchner Band Freiwillige Selbstkontrolle Anfang der 80er Jahre noch selbstironisch singen. "Ich liebe diese Welt nicht", wütet der namenlose Ich-Erzähler im Erstlings-Roman des Franzosen Michel Houellebecq, "ich liebe sie ganz entschieden nicht."

Die Stationen seiner Odyssee durch die Vorhölle der modernen Angestellten-Welt am Ende der 90er sind allerdings auch kaum geeignet, von dieser Haltung nur ein Quentchen abzurücken. Keine Hoffnung, nirgends: Der EDV-Spezialist einer Pariser Softwarefirma, jung, beruflich erfolgreich, zugleich bindungslos und depressiv, protokolliert mit bösem Röntgenblick eine Gesellschaft, die pausenlos plappernd leerläuft. Ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, der sich mehr und mehr in einen Kriegsschauplatz verwandelt. Sex stellt für Houellebecq in diesem Kampf jeder gegen jeden nur ein "zweites Differenzierungssystem" dar, das zwar vom ökonomischen abgekoppelt, aber "mindestens ebenso erbarmungslos" funktioniert: "Die Unternehmen kämpfen um einige wenige Jungakademiker; die Frauen kämpfen um einige wenige junge Männer; die Männer kämpfen um einige wenige Frauen. Das Maß an Verwirrung und Aufregung ist beträchtlich."

Der Frontberichterstatter Houellebecq weiß nur zu gut, daß die herkömmliche Form des Romans nicht geeignet ist, die Indifferenz oder das Nichts zu beschreiben, und folglich geht es ihm auch nicht darum, sein Talent mit "sublimen Beschreibungen verschiedenartiger Seelenzustände" zu vergeuden. Film noir statt Eric Rohmer: Wenige Episoden, skizzenhaft hingeworfen, reichen aus, um am Ende der Versuchsanordnung ein vernichtendes Urteil zu sprechen: "Das Lebensziel ist verfehlt." Mit diesem Wissen, ahnt man, geht es jetzt noch 20, 30, 40 Jahre weiter, bis zum Ende. Die Hoffnung, jemals rettendes Ufer zu erreichen, ist dahin.

Zugegeben, manchmal verwechselt der angry young man vor lauter Böse-Sein-Wollen auch die Provokation mit deren Attitüde. Dennoch: Mit sparsamsten Mitteln, auf wenig mehr als 150 Seiten, gelingt Houellebecq ein eindrucksvolles, wiewohl reichlich desillusionierendes Psychogramm unserer Verlorenheit, unseres Selbstbetrugs und unserer unstillbaren Manie, glücklich sein zu wollen. Literatur, schrieb Kafka, sei die Axt für das gefrorene Meer in uns. Houellebecq, am Ende des Jahrhunderts, hantiert mit Sprengsätzen. --Niklas Feldtkamp -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

" Houellebecq ist ein literarischer Provokateur; wohl einer der begabtesten. " Joseph Hanimann, Frankfurter Allgemeine Zeitung -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch.

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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Format: Gebundene Ausgabe
In Ausweitung der Kampfzone erzählt Michel Houellebecq von einer Welt, in der jegliches menschliches Verhalten den Marktgesetzen unterworfen ist, und von denjenigen, die nicht über genügend Tauschmittel (gutes Aussehen, Erfolg, Geld) verfügen, um an diesem Leben teilzunehmen.
Die äußere Handlung des Romans ist schnell erzählt. Ein kleiner Angestellter eines Software-Unternehmens wird im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums - zusammen mit einem Kollegen namens Tisserand - auf eine Dienstreise geschickt, um Software-Schulungen durchzuführen. In einer Reihe episodenhafter Geschehnisse wird die Hoffnungslosigkeit und Verlorenheit des Protagonisten in der Welt deutlich.
Wie Camus' Held Meursault in „Der Fremde" ist auch die Hauptperson in Houellebecqs Roman ein Franzose, der bar aller Bindung und ohne Liebe gleichgültig dahinlebt. Auch der Ton der beiden Werke gleicht sich. Dem „Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß nicht." setzt Houellebecq ein: "Von Zeit zur Zeit bleibe ich am Straßenrand stehen, rauche eine Zigarette, weine ein bißchen und fahre weiter." entgegen. Es gibt weitere Parallelen zum Werk Camus', und auch eine gewisse Nähe zu Sartres „Der Ekel" lässt sich nicht leugnen, aber dennoch setzt „Ausweitung der Kampfzone" nicht die Reihe französischer existenzialistischer Nachkriegsromane fort, denn anders als Antoine Roquentin in Sartres „Der Ekel" versucht Houellebecqs Protagonist nicht, seinem Ekel in und vor der Welt auf den Grund zu gehen, sondern nimmt ihn mit fatalistischer Gelassenheit als unabänderlich hin.
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Format: Taschenbuch
Ein Freund brachte mich dazu mir den Roman "Plattform" zu kaufen und so kam ich dann - weil ich von Plattform begeistert war - auch zur "Ausweitung der Kampfzone" - ein Buch das mich nicht weniger begeistert hat.
Das Werk von Houellebecq ist getragen von der Sehnsucht und Unmöglichkeit der Liebe in unserer hochgradig individualiserten Welt.
In "Ausweitung der Kampfzone" geht es um einen mittleren Angestellten, der seine berufliche Position gefunden hat aber aufgrund seiner Einsamkeit in schwere Depressionen verfällt.
Der Protagonist ist Informatiker und gewinnt seiner gut bezahlten Arbeit keinerlei Erfüllung ab. Als ihm ein Teilnehmer eines Fortbildungskurses den er durchführen muss, um eine neue Software in den Behörden des französischen Agrarministeriums einzuführen, entgegenhält, dass die Software nur eine Beschäftigungstherapie für die Pariser Bürokratie ist, die auf dem Land nicht benutzt wird, hat der Protagonist nichts zu erwidern. Die Vorführung der Sinnlosigkeit des eigenen Schaffens führt zu keinem Aufbäumen mehr.
Unser Held interessiert sich schließlich nicht für seine Arbeit.
Er ist einsam auf der Suche nach Freundschaft und vor allem auf der Suche nach Liebe. Eine tiefe unerfüllbare Leidenschaft.

Der Roman ist in seinem depressiven Grundton fast schon erdrückend. Daher ist er auch für viele Leser nicht zu empfehlen. Ich bin auch noch einige Tage nachdem ich das Buch weggelegt habe manchmal niedergeschlagen von der Sinnlosigkeit des Lebens, die einem dieses Buch vermitteln will (im Übrigen mit Erfolg!).

Zur Handlung selbst ist genug geschrieben worden, weswegen ich mich auf anders beschränken möchte.
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Format: Taschenbuch
Zum Inhalt:
Der namenlose Erzähler ist ein alternder, desillusionierter Informatiker, der den Auftrag bekommt, die Einführung einer neuen Software im Landwirtschaftsministerium zu übernehmen. Ihm zur Seite steht dabei Tisserand, ein hässlicher, vorlauter Mann, der sich selbst als Offenbarung für die Frauenwelt sieht, wobei diese dies jedoch bisher nicht entdeckt zu haben scheint.

Doch im Grund bietet dieses Gerüst nur den Aufhänger für die tristen, lebensverneinenden Schilderungen und Gedanken des Erzählers, der, in der selbst geschaffenen sozialen Isolation gefangen, dem Leben keinen tieferen Sinn und sich selbst keinen Daseinszweck bescheinigen kann.

Die Depressionen des Erzählers steigern sich im Verlauf der Geschichte umso mehr, als ihm auch die letzten sozialen Bindungen abhandenkommen.

Rezension:
Der Roman-Erstling Houellebecqs, lange wollte ich ihn schon gelesen haben, nachdem Die Möglichkeit einer Insel" und auch Elementarteilchen" mich zu begeistern wussten. Die geschilderte Tristesse, die Überlegenheit der Schönen und Jungen gegenüber der alternden, der hässlichen Bevölkerung als System sozialer Hierarchien in punkto Sexualität wird mit einer derartigen Vehemenz dargebracht, als unabänderlich verkauft, und macht dabei den Verdruss des Erzählers deutlich, der es leid ist, in dieser den erdachten Marktgesetzen unterworfenen Gesellschaft einen der unteren Ränge zu bekleiden und somit nichts wert zu sein. Dies alles schildert die Figur Houellebecqs mit einer Sprachgewalt die Ihresgleichen sucht.
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