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Auf 9 CDs liest der Verleger und Autor Michael Krüger W.G.Sebalds Meisterwerk "Austerlitz"; es ist eine vollständige Lesung, die am Ende von CD Nr. 9 um einen Ausschnitt aus einer Live-Lesung Sebalds, kurz vor seinem Tod (2001), ergänzt wird. Ein Erinnerungsbuch, eine Lebensreise zurück........... der Ich-Erzähler begegnet Jacques Austerlitz 1967 in der Wartehalle der Antwerpener Centraalstation (Hauptbahnhof) und beginnt ein Gespräch mit ihm. Aus dem kurzen Treffen entstehen viele weitere, es wird eine Gesprächsreise zurück im Leben von Austerlitz, der als Kleinkind mit einem " Kindertransport" aus Prag nach England kam (uns so den 2.Weltkrieg überlebte).

Michael Krüger liest äußerst ruhig, mit seiner warmen, hypnotischen Stimme. Er verläßt den Tonfall seiner Erzählstimme nicht. Hört man seiner Stimme lange, und sehr lange, auf einmal zu, dann verschwimmen die Bilder, die durch seine Stimme erzählt werden. Der Tonfall der Erinnerung, gelegentlich auch wehmütig, kommt dem Hörer wie ein Traum vor. Ein fast schon verblasster Traum. Oft sind die Sätze so, dass man sie nicht ganz versteht (wenn die eigene Aufmerksamkeit schon etwas nachgelassen hat) - aber das ist hier der Charme der Lesung, und des Hörbuchs. Im Hörbuch kann man nicht einfach so zurückblättern, wie man es im gedruckten Buch machen würde. Sebalds Bücher (nicht nur Austerlitz), sind perfekt zum Vorlesen lassen. Dazu kann man jedoch keine laute Stimme brauchen; ein lauter, aufdringlicher Sprecher würde Sebalds Text zerstören. Ich habe Sebald (als Autor) auch durch eine Lesung entdeckt: Bruno Ganz las 2001 am Berliner Ensemble aus Sebalds Italienbuch "Schwindel. Gefühle". Ein Schauspieler wie Ganz ist natürlich auch perfekt dafür.

Fazit: eine ruhige Lesung, fast ein Traum.

(J. Fromholzer )
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„Austerlitz“ ist die fiktive Geschichte des etwa 60jährigen Jacques Austerlitz. Der jüdische Gelehrte stammt aus Prag, seine Herkunft blieb ihm aber lange Zeit unbekannt. Nun im Alter, als er in eine tiefe Lebenskrise gerät, beginnt er seine Herkunft zu erforschen. Lange - viel zu lange - hat er diese Spurensuche hinausgeschoben.

Als namenloser Ich-Erzähler begleitet der Schriftsteller W.G. Sebald dabei den rätselhaften Eigenbrötler, dessen Weg ihn von Antwerpen nach London, von Paris nach Marienbad und von Prag ins KZ Theresienstadt führt. Der Roman versucht, diesen Erinnerungsprozess nachzuzeichnen. Gleichzeitig blättert Sebald damit ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte auf. Neben der außergewöhnlichen Geschichte ist es auch der beeindruckende Erzählstil, der den Leser gefangen nimmt. Aber ihm auch einiges abfordert - durch ellenlange Sätze und Absätze. Das erfordert stets ein gerüttelt Maß an Aufmerksamkeit.

Mit der vorliegenden, vollständigen Lesung kann sich der Leser (Hörer) nun zurücklehnen und die Geschichte und die Sprache auf sich einwirken lassen. Sebalds Verleger und Freund Michael Krüger, der gelegentlich auch als Sprecher fungiert, gelingt es dabei, Austerlitz‘ Identitätssuche mit ihren vielen Erinnerungen, Eindrücken, Bildern und Reisebeschreibungen hörbar zu machen. Es ist eine hr-Produktion aus dem Jahre 2017. Komplettiert wird das Hörbuch (9 Audio-CDs mit einer Gesamtspieldauer von ca. elf Stunden) durch eine Originalaufnahme: eine englische Live-Lesung (2001) eines Ausschnittes durch den Autor selbst - vor Studenten des Poetry Center in New York. Ein Muss für jeden Sebald-Leser, der die „Austerlitz“-Atmosphäre genießen will.
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am 17. November 2014
alles super
im Übrigen schreibe ich mir keinen Wolf. Und damit basta für alle anderen Meldungen von Amazon für immer
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Sebalds Roman befasst sich mit den Schäden, die durch das Trauma der Judenvernichtung im Dritten Reich in den Nachgeborenen angerichtet wurden, er schreibt einen magisch eindringlichen Stil, der an Handke und Thomas Bernhard erinnert.
Der Ich-Erzähler begibt sich aus ihm "selber nicht recht erfindlichen Gründen" (5) in den Sechzigern nach Belgien, wo er in der Antwerpener Centraal Station im "Salle des pas perdus" den ebenfalls allein reisenden Austerlitz, der mit baugeschichtlichen Studien beschäftigt ist, kennen lernt. Die beiden treffen sich über die Jahre hinweg immer wieder, erst zufällig, dann auf Verabredung, und Austerlitz erzählt dem Sprecher bald seine Geschichte, die im Wesentlichen das Buch ausmacht: Er wurde als kleines Kind mit einem Kindertransport von Prag nach England geschickt, weil seine jüdischen Eltern fliehen mussten bzw. deportiert wurden, und entkommt so ihrem Schicksal. Er wächst auf bei dem walisischen Prediger Elias und dessen Frau, bis die Zieheltern sterben und er in der Schule zum ersten Mal von seiner Herkunft erfährt. Austerlitz kann studieren und wird Dozent an einer englischen Hochschule, bis er sich auf die Suche nach seiner Identität und Herkunft macht: Er findet in Prag sein ehemaliges Kindermädchen wieder, das ihm von seinen Eltern erzählt. Er geht ihren Spuren, besonders denen der Mutter in Theresienstadt, nach, und entschwindet am Ende aus dem Leben des Erzählers, als er in Paris dem toten Vater weiter nachforscht.
So weit in dürren Worten der Inhalt. Das Buch handelt im tieferen Sinn von dem Problem der verlorenen Identität und dem verzweifelten Versuch Austerlitz', dieser nachzuforschen. Als Kind erlebt er die schreckliche Gefühlsstarre im Haus des Predigers, an der schließlich die Frau stirbt und die den Mann in den Wahnsinn treibt. Es dauert lange, bis Austerlitz begreift, dass er psychisch zugrunde zu gehen droht, er spricht von "meiner im Laufe der Zeit immer krankhafter werdenden Verschließung in mich selber" (169). Ohne zu wissen warum, ist er angezogen von Bahnhofshallen, Festungs- und Bunkeranlagen, Museen, Friedhöfen, in denen er sich den überwiegend unheimlichen Atmosphären im Zwielicht überlässt, für die er suggestive, surrealistische Bilder und Beschreibungen findet. Er lebt nicht in der Gegenwart, sondern in zeitlosen Räumen, es ist ihm, "als gäbe es überhaupt keine Zeit, sondern nur verschiedene, nach einer höheren Stereometrie ineinander verschachtelte Räume, zwischen denen die Lebendigen und die Toten, je nachdem es ihnen zumute ist, hin und her gehen können" (265). Träume vermischen sich mit wirklichen Erlebnissen und umgekehrt, unablässig macht er Schwarzweißfotos, die vielfach im Buch abgebildet sind und die für Austerlitz (wie für den Leser) lebendig werden: "Man habe den Eindruck..., es rühre sich etwas in ihnen, als vernehme man kleine Verzweiflungsseufzer,... als hätten die Bilder selbst ein Gedächtnis und erinnerten sich an uns, daran, wie wir, die Überlebenden, und diejenigen, die nicht mehr unter uns weilen, vordem gewesen sind." (262). Austerlitz' psychischer Zustand verschlimmert sich, er begreift, dass seine Verfallenheit an Bilder, sein manischer Drang, seine Beobachtungen in ein System zu bringen, es ihm unmöglich machen, "auch nur die niedrigste Stufe der Selbsterkenntnis" zu erlangen (306). Auch eine junge Frau, Marie, kann ihn nicht aus seiner Verstörung herausreißen, schließlich muss er wegen panischer Angstattacken im Krankenhaus behandelt werden, bis er entlassen wird, nur um seinen Nachforschungen weiter nachzugehen.

So wie der Sprecher bzw. Austerlitz in den Sog der Bilder bzw. unablässig in Zustände des Schreckens, des Staunens, des Erinnerns, der Halluzinationen gerät, so widerfährt es auch dem Leser bei der atemlosen, in weiten Satzperioden kunstvoll ausbalancierten Prosa, die zeitlos wirkt. Wenn man nach Sebalds persönlicher Motivation fragt, so scheint sie darin zu liegen, dass er dem ungeliebten Vater dessen Nazi-Vergangenheit und dessen Schweigen nach dem Krieg vorwarf, mehr noch, es den Deutschen generell vorwarf (vgl. Wikipedia). Von daher wird verständlich, dass er dieses Schweigen durchbrechen wollte und seine Gefühle dabei in einer Gestalt wie Austerlitz objektivierte.

Sebalds Protagonist ist in einer Situation, in der sich mittlerweile gewissermaßen die gesamte gegenwärtige Generation (die Kinder der Opfer wie die der Täter) befindet: Man muss, will man das ganz Unbegreifliche verstehen, wie Austerlitz ausgehen von Erzählungen, Fotos, Informationen und sich auf den schmerzlichen Prozess des Vergegenwärtigens einlassen. Indem sich der Erzähler dieser Recherche so vorbehaltlos überlässt, schafft er bedrückende, unvergessliche Bilder, die dem Leser einen nachhaltigen Eindruck von dem Grauen der vergangenen Ereignisse vermitteln.
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am 8. November 2013
Dachte ich hätte die Deutsche Version gekauft, aber an hat mir ein englisches Exemplar aus der UK geschickt! Sehr schade!
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am 23. Oktober 2006
This is the first Sebald book I have read, and from the first page to the last I found it fascinating. Firstly, the writer's style is unsurpassable: simply fantastic; secondly, the book is so full of information and detail, it can't help but be intriguing -- Sebald even includes images (he was a keen photographer and collector of old images) which give the story another dimension.
The book is like a documentary, a novel, a history book and an encyclopaedia ... all wrapped up in the most amazing prose.
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am 18. Dezember 2003
This book tells the story of Jacques Austerlitz. In 1939, he was sent to England on a Kinderstransport and placed in a foster family. His parents quickly erase from Jacques all knowledge of his identity and he grows up ignorant of his past. Later in life, Austerlitz made a career as a historian of architecture and found the past returning to haunt him - having avoided all clues that might reveal his origin. He is thus forced to explore what happened to him fifty years before. And so begins a journey into the darkest moments of European history. This book combines fiction, memoir, travelogue and philosophy. It is also richly illustrated with very moving pictures and photographs. Sebald is one of the most extraordinary writers of the 20th century and Austerlitz's story is mesmeric.
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am 19. August 2008
Das erste Buch, bei dem ich während des Lesens eingeschlafen bin. Das ist mir nie vorher passiert. An diesem Buch wirkt absolut alles konstruiert und künstlich.
Es gibt keine Absätze, damit fängt es schon mal an. Ich habe lange überlegt, warum das so gewollt sein könnte, bin aber zu keinem Ergebnis gekommen. Es gibt sehr gute Gründe, warum man irgendwann Absätze als Hilfsmittel für den Leser eingeführt hat. Ich sehe schon, dass nun jemand auf die Idee kommen könnte, ein Buch ohne Interpunktion, ohne Wortzwischenräume und ausschließlich in Großbuchstaben herauszubringen.
Der Roman ist eine Erzählung in der Ich-Form. Der Erzähler gibt wieder, was Austerlitz gesagt hat, der wiedergibt, was Vera gesagt hat, die wiedergibt, was Austerlitz' Mutter gesagt oder getan hat. Die Erzählebenen sind auf Satzebene verwoben. Häufig kommt ein '..., sagt Austerlitz, sagt Vera, ...' vor.
Meist sind die Sätze derart verschachtelt, dass selbst ein Titus Livius vor Neid erblassen würde. Im klassischen Latein mag das guter Stil gewesen sein. Im Deutschen empfinde ich das als künstlich und sogar als abstoßend.
Ein Stern reicht für dieses Machwerk vollkommen.
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