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Vorausgesetzt, es existierte im Denken eine Schwierigskeitsskala, die von der 1 hoch bis zur 10 reichen würde, dann hätte sich dieser Band eine glatte 11 verdient. Agamben musste sich dann auch von einem französischen Kritiker anhören, dass der Band permanent auf der Stelle trete, ohne je zu einem greifbaren Ergebnis zu kommen. So als wäre dies nicht das größte Kompliment für einen philosophischen Text. In diesem Sinne sollte man sich nicht von der Schwierigkeit dieses Buches erschrecken lassen. Manche Lektüre dauern eben länger als andere. Und einfache Antworten haben in der Philosophie sowieso noch nie zu etwas geführt.

In dem für Agamben so typischen Stils des subtilsten Auf-der-Stelle-Tretens wird hier in 6 Abschnitten, die Problematik der traditionellen Definition des Ausnahmezustands ausgeschritten. Der Ausnahmezustand steht für Agamben für ein Spannungsfeld unserer Kultur, in der zwei entgegengesetzte Kräfte wirken: eine, die einrichtet und setzt, und eine, die deaktiviert und ent-setzt. Der Ausnahmezustand ist der Punkt ihrer höchsten Spannung und zugleich das, was sie, indem sie mit der Regel zusammenfallen, ununterscheidbar zu werden droht. Leben im Ausnahmezustand, heißt deshalb für Agamben, die Erfahrung beider Möglichkeiten zu machen (p. 103) und dennoch im Versuch nie abzulassen, das Funktionieren der Maschine zu unterbrechen, die den Okzident derzeit in den weltweiten Bürgerkrieg führt (ebd.)

Eingestiegen wird in die Problematik des Ausnahmezustands - wie es sich gehört - mit Carl Schmitts klassischer Definition aus der Politische Theologie von 1922: Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet. Agamben beschließt diesen Abschnitt mit den Worten: Es sieht ganz danach aus, als enthielte das Recht einen wesensmäßigen Bruch, der zwischen Norm und Anwendung verläuft und der im Extremfall nur per Ausnahmezustand gekittet werden kann, also durch Schaffung einer Zone, in der die Anwendung des Rechts suspendiert wird, aber das Gesetz als solches in Kraft bleibt (p. 40). In den weiteren Abschnitten geht es nun darum, diese Zone hier genauer zu erfassen, ohne die onto-theologische Strategie (p 72) zu verfolgen, die darauf aus ist, das reine Sein im Logos einzufrieden, um die Beziehung zwischen anomischer Gewalt und Recht im Ausnahmezustand zu gewährleisten (p. 72).

Agamben diskutiert in den folgenden Abschnitten viele klassische Texte angefangen etwa von Walter Benjamins Text Zur Kritik der Gewalt, den Derrida schon in seinem Text Force de loi, auf so unnachahmliche Weise traktiert hatte, über Überlegungen zum Zusammenhang von Fest, Trauer und Anomie ausgehend von einem wichtigen Text von H.S. Versnel, über Franz Kafka, dessen Figuren für Agamben soviel mit der gespenstischen Form des Ausnahmezustands zu tun haben (p.77).

Er wirft in dem Abschnitt Gigantomachie rund um eine Leere die folgende (und für das Buch entscheidende) hochbrisante Frage auf: Was passiert mit dem Gesetz nach seiner messianischen Erfüllung? Und antwortet. Es handelt sich natürlich nicht um einer Übergangsphase, die nie zu ihrem Ende gelangt, und ebensowenig um den Prozess einer unendlichen Dekonstruktion, der das Recht in einer gespenstischen Welt aufrechterhält und zugleich nicht mehr mit ihm zu Rande zu kommen vermag. Entscheidend ist hier, dass das nicht mehr praktizierte, sondern studierte Recht nicht Gerechtigkeit ist, sondern nur die Pforte, die zu ihr hinführt. Einen Weg zu Gerechtigkeit zu bahnen heißt nicht Auslöschung, sondern Deaktivierung und Untätigkeit des Rechts also einen anderen Gebrauch vom Recht zu machen. (...) Eines Tages wird die Menschheit mit dem Recht speln wie Kinder mit ausgedienten Gegenständen, nicht um sie wieder ihrem angestammten Gebrauch zuzuführen, sondern um sie endgültig von ihm zu befreien. Die Befreiung ist die Aufgabe des Studium oder des Spiels. (p. 76-77).

Abschließend kann man sagen, dass das Buch vor allem für souveräne Leser geeignet ist, die sich nicht durch provokante Thesen - wie die über die Deaktivierung des Rechts - schockieren lassen. Und Leser, die die Geduld aufbringen, sich lange mit einem kleinen aber mächtigen Buch zu beschäftigen.
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am 27. Oktober 2016
In Ausnahmezustand rekurriert Agamben erneut auf den Begriff des Ausnahmezustandes. Der Ausnahmezustand erweise sich als „herrschende[s] Paradigma des Regierens“ in der gegenwärtigen Politik. Er ist die Struktur, in der Leben und Politik miteinander verbunden werden, so die Überzeugung Agambens. Der Ausnahmezustand steht nicht außerhalb der Rechtsordnung, ist aber ebensowenig ihr immanent, wie Agamben betont. Er betont, dass der moderne Ausnahmezustand einen Versuch darstellt, „die Ausnahme in die Rechtsordnung selbst einzuschließen“ . Jedoch gilt für „die topologische Struktur des Ausnahmezustands“, dass sie dadurch charakterisiert ist, „Außerhalb der Rechtsordnung zu stehen und doch zu ihr zu gehören“ . Agamben spricht auch von rechtsfreiem Raum und einer „Zone der Anomie“ bzw. der „Anomie des Souveräns“ . Diese Anomie ist nach Agamben verknüpft mit dem Begriff moderner Souveränität:

„Die Gleichsetzung von Souverän und Gesetz stellt sozusagen den ersten Versuch dar, die Anomie des Souveräns auszudrücken und damit zugleich seine wesentliche Bindung an die Rechtsordnung zu bestätigen. [...] Insofern der Souverän ein lebendes Gesetz ist, ist er zuinnerst ànómos. Auch hier ist der Ausnahmezustand das – geheime und wahrere – Leben des Gesetzes.“

Der Ausnahmezustand besteht in der „Indifferenz zwischen Anomie und Recht“ . Agamben spricht von einer „anomischen Tendenz“, die als eine Seite des Rechts zu verstehen ist, die in den Ausnahmezustand mündet. Die andere Seite, die „normative Tendenz“, zeichnet sich dadurch aus, dass sämtliche Bereiche durch Normen geregelt werden. In der „biopolitischen Maschine“ sind beide verbunden: „Das nackte Leben ist ein Produkt der Maschine [...] Leben und Recht, Anomie und nómos [...] sind das Ergebnis eines Bruchs von etwas, zu dem wir keinen anderen Zugang haben als über die Fiktion ihrer Verbindung.“
Aus den Ausführungen Agambens lässt sich folgern, dass nacktes Leben stets aus der Beziehung von Anomie und Gesetz hervorgeht – Tendenzen, die sich in der Debatte um den Hirntod zeigen, erweisen sich hier als besonders interessant: Durch die Normen der spezifischen Diagnostik geregelte Bereiche der Medizin überschneiden sich mit Regelungen im Bereich der Organtransplantation. Es stellt sich die Frage, ob Organe beim Leichnam, den der Hirntote darstellt, entnommen werden können oder nicht. Zweifelhaft ist diese Fragestellung vor allem deshalb, weil das Leben des Hirntoten (noch) als Leben gelten kann, solange die Apparate (der modernen Medizin) nicht vollständig abgeschaltet sind. Handelt es sich um Vivisektion, wenn die Organe dann entnommen werden oder besteht das Recht der auf Spendeorgane wartenden Personen auf Organe vor dem Lebensrecht des Patienten? Ausnahmezustand stellt für die vorliegende Arbeit eine nutzbringende Erkenntnis bereit: Die Zone des Anomischen wird freigelegt, wenn die biopolitische Maschine in Gang gerät – nacktes Leben präsentiert sich als Leben im Zustand der Ausnahme. Das Leben des homo sacer ist Ausnahme-Leben im rechtsfreien Raum und untersteht den Bedingungen desselben.
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