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Aus der Tiefe des Raumes: Mein Leben Taschenbuch – 1. Juni 2005

4.3 von 5 Sternen 12 Kundenrezensionen

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Was alles in ihn hineingeheimnist wurde: dass er die Ideale der 68er auf dem Fußballplatz umsetze, für den gesellschaftliche Aufbruch stehe und so weiter. Es sei schon erstaunlich, kommentiert Günter Netzer trocken, "was man da alles in den Fußball hineininterpretieren kann". Aber vielleicht sei der Fußball "gerade deswegen so faszinierend, weil es eine Ebene gibt, die irgendwo hinter dem Ergebnis liegt."

Günter Netzer ist eine Projektionsfigur, an der sich die Geister scheiden. Das war schon zu seinen aktiven Zeiten so. Da galt er den einen als Vertreter einer linken Fußballästhetik, während die anderen in ihm einen disziplinlosen Lebemann sahen. Fest steht: Netzer war der erste Langhaarige in der Bundesliga und der erste Popstar Fußballdeutschlands.

Einmal bekam er sogar eine Professur angeboten, damals in den wilden Siebzigern; für "angewandte, ausübende und praktizierende Kunst", wie sich Günter Netzer amüsiert erinnert. Er verkehrte zwar in Künstlerkreisen, kannte Markus Lüpertz und AR Penck, doch sah Netzer sich weder als politische noch als künstlerische Avantgarde, geschweige denn als "Rebell". Er wollte als Fußballer wahr- und ernstgenommen werden und war zunehmend genervt von der andauernden "Bewertung des Fußballspielers Günter Netzer vor dem Hintergrund seines Lebensstils".

Man erfährt nichts wesentlich Neues aus Günter Netzers Autobiografie, was nicht so schon -- oft pointierter -- in Helmut Böttigers Biografie Günter Netzer. Manager und Rebell gestanden hätte. Von den ersten Bolzversuchen am heimischen Geroweiher über die Stationen Mönchengladbach, Madrid und Zürich wird die aktive Laufbahn abgehandelt, dann die Zeit als HSV-Manager und schließlich der Schritt ins Sportmarketing.

Der Grundton des Autors Netzer ist trocken und seine Haltung distanziert. Auch gegenüber dem Gegenstand "Netzer" selbst. Der analytische dominiert über den szenischen Blick. Vor allem persönliche Dinge werden meist summarisch erzählt. Mit Bewertungen anderer Menschen hält sich der Autobiograf -- anders als der ARD-Kommentator -- Netzer weitgehend zurück.

Der vielleicht wichtigste Satz kommt fast beiläufig daher: "Wenn ich etwas entscheide, werde ich mich nicht hinterher beschweren, wie furchtbar es ist." Dennoch liegt darin vielleicht der Schlüssel zum Verständnis der Person Günter Netzer. Obwohl er als einer der genialsten Mittelfeldspieler seiner Zeit galt, hat er nur 37 Länderspiele absolviert, war beim größten Triumph seiner Ära, dem WM-Gewinn 1974, faktisch bloß Zaungast -- und hat dennoch nie bereut, dass ihm in seiner aktiven Zeit neben dem Fußball noch andere Dinge wichtig waren: "Es ist ein schönes Leben", schließt Netzer. "Ich habe es so gewollt. Ich habe alles so gewollt. Ich bin ein Glückspilz." Und das strahlt er auch aus. Vielleicht ist das das ganze Geheimnis. --Axel Henrici -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Andere mußten jahrelang schuften, ihm genügten wenige Spiele zur Unsterblichkeit." (Frankfurter Allgemeine Zeitung) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Format: Gebundene Ausgabe
Günther Netzer beschreibt den Weg eines der ungewöhnlichsten Fussballer, die Deutschland je hatte. Seinen Weg. Diese Beschreibung ist nüchtern, klar mit einer Spur von Distanz und trotzdem konnte ich das Buch kaum zur Seite legen und habe es fast in einem Rutsch gelesen.
Da schreibt kein Verbissener, kein Besessener, da schreibt einer, der die Schönheit des Lebens zu schätzen weiß, jene, die abseits des Sports liegt und die, die im Fußball selbst zu finden ist. Netzer beschreibt seinen Hang zur Bequemlichkeit, ja zur Faulheit, seine manchmal übergroße Sorglosigkeit, seinen oft fehlenden Ehrgeiz und seine ebenso oft fehlende Kondition. Er beschreibt die Trainer, die ihn zu Anstrengungen zwingen, die er von sich aus nicht auf sich nehmen wollte und schildert Begegnungen mit Menschen in seinem Leben, die immer wieder zum rechten Zeitpunkt, gerade das in ihm entdeckten und von ihm brauchten, was er selbst noch gar nicht als eigene Fähigkeit entwickelt hatte.
Aus alldem, besonders aus den spezifischen Netzerschen Schwächen; lässt sich vielleicht verstehen, warum gerade Netzer es war, der die legendäre Gladbacher Fohlenelf und später die ebenso legendäre 72er Nationalmannschaft zu einer Spielweise führte, die seither nicht mehr erreicht wurde, zu einem leichtfüßigen, kombinationssicheren, offensiven und fast übermütigen Fußball, den zu betrachten eine reine Freude war. Damals hieß es, dieser Fußball sei Ausdruck der gesellschaftlichen Veränderungen Anfang der 70er, der Aufbruchsstimmung, der neuen Offenheit, des revolutionären Aufbruches.
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Von Ein Kunde am 5. Juli 2004
Format: Gebundene Ausgabe
Günter Netzer gilt gemeinsam mit seinem Fernseh-Gesprächspartner Delling zu recht als Fußball-Kommentatoren-Instanz des deutschen Fernsehens. Mir - als jüngeren Fußballfan und Leser, der Günter Netzer nicht aus seiner aktiven Fußballzeit kennt - war immer schleierhaft gewesen, woher das fußballerische Weltwissen des Günter Netzer denn eigentlich kommt. Nach Lektüre seines Buches weiß ich, dass die Weisheiten zu einem großen Teil dem Leben selbst entnommen sind - obwohl... man darf ja Autobiographien nie 100% für voll nehmen, schließlich sind sie seit jeher ein probates (aber natürlich auch: ein legitimes) Mittel der Geschichtsfälschung.
Vergessen darf man hier aber nicht: es erzählt ein deutsches Fußballdenkmal seine Geschichte! Und selbst wenn man nicht alles glauben darf, eines ist vollkommen sicher: Günter Netzer war und ist schon ein schweinslässiger Typ, der uns mit seinen Erzählungen noch einmal vor Augen führt, warum wir alle davon träumen, Stars zu sein.
Dass uns das von Günter Netzer vor Augen geführt wird und nicht etwa von anderen ehemaligen Fußballern, die in diversen Runden als "Fußballexperten" durch die Talkshows geistern, dafür können wir uns wirklich nur bedanken, was ich auch hiermit tue: Danke, Günter Netzer!
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Format: Taschenbuch
Der zweitberühmteste Seitenscheitel der Nation gehört Günter Netzer. In den Siebzigern waren die Haare noch länger, da rannte die coole Sau mit wehender blonder Mähne über den Platz. Obwohl „rennen" nicht das richtige Wort ist. Netzer, bekannt für seine notorische Lauffaulheit, verteilte als Mittelfeldregisseur von Borussia Mönchengladbach und später Real Madrid die Bälle an seine Mitspieler. Daher der Titel der Autobiographie: „Aus der Tiefe des Raumes". Diese Pässe waren Netzers Spezialität. Dass sie nicht immer gelangen, belegt die folgende Äußerung seines Trainers Hennes Weisweiler: „Abseits is', wenn dat lange Arschloch zu spät abspielt." Diese und andere launige Anekdoten weiß Netzer zu berichten, er erzählt mit einer charmanten Mischung aus Selbstironie und Selbstdarstellung von den drei großen F seines Lebens: Fußball, Ferraris, Fic..., äh, Frauen. Wer aufgrund seiner Nähe zur linken Boheme der Siebziger und seines Rufs als Rebell Tiefgründiges erwartet, wird enttäuscht. Netzer outet sich ganz unprätentios als ein intellektuell wie politisch vollkommen Ahnungsloser. Nach dem Ende seiner Profi-Karriere verliert auch die Autobiographie deutlich an Schwung. Dennoch ein lesenswertes, kurzweiliges Buch. Schöne Fotos sind auch drin.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Wer auf dicke Hose steht? Dann ist das die Lektüre. dann bitte lieber Sepp Maier lesen. Aber das erste von 78. Ich bin doch kein Tor.
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Format: Taschenbuch
Ich (Jahrgang 79) kannte Günter Netzer nur aus dem Fernsehen (mit Delling) und habe seine großen berühmt-berüchtigten Zeiten leider nicht miterlebt. Um so mehr habe ich die Lektüre des Buches genossen. Ob nun alles der Wahrheit entspricht, manches vielleicht ein wenig geglättet wurde, ist letztlich egal - es macht einfach Spaß, aus Netzers verrücktem Leben zu erfahren und zu glauben, dass man Netzer nun richtig gut kennt.

Obwohl Netzer schonungslos mit sich umgeht, keinen Skandal auslässt und man sich wirklich nicht wünscht, sein Trainer gewesen zu sein (Basler zu trainieren, muss dagegen erholsam gewesen sein), kann man gar nicht anders, als diesen Mann zu mögen. Was sicherlich auch durch die zeitliche Distanz erleichtert wird: Worüber in den 70er Jahren geschimpft wurde, ist dreißig Jahre später einfach amüsant.

Besonders gefallen hat mir die Geschichte von seiner Reise zur Hochzeit von Tina Sinatra und zum Comeback-Konzert ihres Vaters in Las Vegas - obwohl Netzer als Spieler von Real Madrid seinen Reisepass beim Verein hinterlegen musste. Wäre die Reise bekannt geworden, hätte er seine Koffer dort sicher endgültig packen müssen. Doch sie blieb geheim, obwohl die Ehefrau eines Spielers meinte, ihm bei der TV-Aufzeichnung des Konzerts gesehen zu haben.

Bei allem Spaß stellte sich mir v.a. eine Frage: Wären all diese Eskapaden und Erlebnisse heute noch möglich? In einer Medienwelt, in der eigentlich nichts geheim bleibt?

Ein herrliches und sehr unterhaltsam geschriebenes Buch, in dem auch die Wahrheit über das Verhältnis zwischen Netzer und Dellig verraten wird.
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