Amazon-Fashion Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Lego City Bestseller 2016 Cloud Drive Photos LP2016 Learn More StGermain naehmaschinen Hier klicken Mehr dazu Fire Mehr dazu AmazonMusicUnlimitedFamily GC HW16

Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
35
4,3 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:10,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 31. Januar 2014
Jared Diamond ist ein konsequenter geographischer Determinist. Darin liegt die größte Stärke seines Buches und zugleich seine größte Schwäche.

Zur Stärke wird dieser Umstand dort, wo eine deterministische Erklärung der Geschichte weitgehend plausibel ist: im Frühstadium des Überganges zur Seßhaftigkeit und zur Landwirtschaft. Diamond arbeitet überzeugend heraus, daß die ökologischen Voraussetzungen für diesen Schritt (große Anzahl domestizierbarer Pflanzen und Tiere, günstige Ausbreitungsbedingungen von landwirtschaftlichen und sonstigen Techniken, günstige klimatische und geographische Bedingungen usw.) nirgendwo besser waren als in Eurasien, und hier vor allem im Nahen Osten. Zu recht verweist er auf den kaum einholbaren Vorsprung, den eurasische Gesellschaften aufgrund dieser Vorteile bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Geschichte (vor etwa 8000 Jahren) gegenüber ihren Konkurrenten auf anderen Kontinenten gewannen.

Insgesamt hinterläßt der erste Teil des Buches, in dem Diamond auf über 400 Seiten das zu diesen Fragen gehörende Material ausbreitet, einen positiven Eindruck, wenngleich einige kleinere Bedenken das Gesamtbild trüben. Es befremdet doch ein wenig, wie achtlos Diamond mit seinen intellektuellen Vorläufern umgeht. Der durchschnittliche Leser dürfte seiner Bibliographie jedenfalls kaum entnommen haben, daß Marvin Harris bereits 1978 (in dem Buch 'Könige und Kannibalen') und damit zwanzig Jahre vor Diamond auf die Bedeutung der Ausrottung der großen Säuger Nordamerikas für das langsamere wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungstempo dieses Kontinents gegenüber Eurasien hingewiesen hat. Ferner ist Diamonds Erklärung für die Entstehung von Staaten nur eine Zusammenfassung der Theorie Robert Carneiros; usw. Hinzu kommt eine unglückliche Gliederung, die bewirkt, daß Diamond viele Informationen und Gedankengänge gleich dutzendfach wiederholt und dadurch seine Leser unnötig ermüdet. Das Buch hätte ohne Schaden für den Inhalt um mindestens 150 Seiten gekürzt werden können.

Überraschend nimmt Diamond auf den letzten 20 Seiten (!) seines Buches einen radikalen Themenwechsel vor. Nun geht es auf einmal um die Frage, warum von den großen eurasischen Kulturen (Europa, der islamische Raum, Indien, China) es gerade die europäische war, die sich an die Spitze setzen und als erste modernisieren konnte. Diamonds geographischer Determinismus, der sich im ersten Teil des Buches als hilfreich erwies, erleidet an diesem Problem völligen Schiffbruch. Schnell spitzt sich das Thema auf die Frage zu: Warum Europa und nicht China? Diamond antwortet mit einem Gedankengang von Eric Jones (der in seinem Buch 'Das europäische Wunder' allerdings sehr viel differenzierter argumentiert hatte und jeden Determinismus vermied): Europa war geographisch vielfältiger als China, daher blieb es politisch zersplittert, so daß ein Staatensystem entstand, in dem Wettbewerb für Offenheit sorgte und sichergestellt war, daß Innovationen, die an einer Stelle unterdrückt wurden, sich anderenorts entfalten konnten.

Diese Erklärung enttäuscht schon im Ansatz.

Zunächst einmal lassen sich die politischen Unterschiede Europas und Chinas nicht monokausal auf geographische Faktoren zurückführen. Viele geographische Eigenheiten Europas, wie z. B. seine langen und verschlungenen Küsten, die einen Transpost auf dem Wasserweg außerordentlich erleichterten, sprachen FÜR eine politische Vereinigung und erleichteten das Werk jedes Eroberers. Das Beispiel der Römer zeigt, wie diese natürlichen Vorteile genutzt werden konnten.

Zweitens erklärt Diamond mit seiner Überlegung nur Europas Vorteile im Bereich der INNOVATION, also in der wirtschaftlichen VERWERTUNG einer Erfindung, nicht aber seinen Vorsprung bei den Erfindungen selbst. Wichtige grundlegende Neuerungen, wie z. B. die Begründung der modernen Wissenschaft, sind in China nie erfolgt. Die Frage, warum gewisse ERFINDUNGEN und geistige Entwicklungen außerhalb Europas überhaupt ausblieben, ist historisch gesehen wichtiger, weil grundlegender, als die nach der mangelnden Innovationsfreudigkeit außereuropäischer Gesellschaften.

Drittens wird Diamonds Erkärung durch seine eigenen Beispiele widerlegt. China war, wie er ausführt, Europa für mehr als 1000 Jahre technologisch überlegen, und dies trotz der von Diamond festgestellten angeblichen geographischen Nachteile. In wenigen Jahrzehnten wird es Europa und Amerika wissenschaftlich und technologisch eingeholt haben, so daß sich die Zeit seines Rückstandes auf kaum mehr als 500 Jahre belaufen haben wird. Wenn geographische Unterschiede in diesen Dingen wirklich etwas zu sagen haben, dann spricht diese Bilanz wohl eher für einen geographischen VORTEIL Chinas.

Ganz offenkundig hat sich Diamond bei seinem Versuch, die historische Entwicklung der Hochkulturen über die neolithische Revolution hinaus zu erklären, übernommen. Der wesentliche Grund für dieses Scheitern scheint mir methodischer Natur zu sein: mit dem Auftreten größerer Gesellschaften entsteht ein vielfältiges System von WECHSELWIRKUNGEN zwischen einer Kultur und ihrer natürlichen Umwelt, deren Komplexität ein monokausaler Ansatz wie der Diamonds in keiner Weise gerecht werden kann.

Diamonds Buch wäre ohne die letzten zwanzig Seiten besser. Sein Ehrgeiz, alles erklären zu wollen, hat ihn leider zum Musterbeispiel eines Autors werden lassen, der nicht spürt, wann es Zeit ist, die Feder aus der Hand bzw. die Schutzhülle auf die Tastatur zu legen.
11 Kommentar| 52 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Diamond beschäftigt sich in diesem Buch mit der Entwicklung der Völker über die Jahrtausende. Um 11.000 v.Chr. war seinen Ausführungen zufolge die ganze Erde mit Jäger- und Sammler-Stämmen auf etwa dem gleichen technischen Niveau besiedelt. Diamond fragt nun durchgehend bis zur Kolonialisierung der letzten Urvölker im 18. Jahrhundert, warum einige Völker bedeutend schneller waren als andere. Wieso ging z.B. der historische Zusammenstoß zwischen Alter und Neuer Welt einseitig zugunsten der Europäer aus?

In seinen Analysen sieht der Evolutionsbiologe die Umweltbedingungen als entscheidend für die Entwicklung der Völker an, etwa im Fruchtbaren Halbmond. Diamonds Kernaussage ist, dass prinzipiell alle Völker gleich erfindungsreich sind, es also keine Rassenunterschiede gibt, sondern die Entwicklung auf den Einflüssen und Möglichkeiten der jeweiligen Umwelt beruht hat.

Die Ausführungen fand ich einleuchtend und zum Teil erstaunlich, z.B. Faktoren wie die Ausrichtung der Kontinente oder die Ausrottung domestizierbarer Großtiere bereits in der Steinzeit, die Tausende Jahre später zum Untergang von Kulturen führen sollten. Das Buch aus dem Jahr 1998 wurde nach Diamonds Erfolg "Kollaps" neu aufgelegt. Es ist mit 560 Seiten recht dick und es könnte viel kürzer sein - Diamond erklärt gern ausführlich und er wiederholt sich. Das Buch ist nicht perfekt, aber ich fand die ganzheitlichen Gedanken zur Entstehung der Menschheit sehr interessant.
0Kommentar| 50 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 27. Oktober 2006
Jarred Diamond unterhielt sich eines Tages mit einem Melanesier auf Papua Neuguinea über dies und das wurde plötzlich gefragt, warum die westliche Welt so viel höher entwickelt sei als die Heimat der Melanesier. Das ist "Yalis Frage", die der Autor am Beginn des Buches formuliert und deren Beantwortung ihn zu einem Galoppritt durch die menschliche Evolution veranlasst. Dieser Galoppritt beginnt immerhin vor etwa sieben Millionen Jahren, als sich in Afrika der Urahn des Menschen aus dem Primatenbaum separierte, ehe er vor zwei Millionen Jahren mit Hilfe des Feuers auch in Gebiete außerhalb Afrikas vordrang. Doch erst mit dem Auftreten des homo sapiens bzw. des sprachbegabten Cro Magnon Menschen ging es vor etwa 50.000 Jahren so richtig los: Der homo sapiens kennt Behausungen und Kleidung und weitet er seine Lebensräume bis nach Sibirien, Amerika und Australien aus. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass er, wohin er auch kommt, die Großtierarten ausrottet. Dodo, Vogel Rock, das amerikanische Mammut ' ab in den Orkus der Schöpfung. So weit so schlimm, doch was ist mit Afrika passiert? fragt der Autor. Hatte denn Afrika als die Wiege des Menschen nicht einen ungeheureren Vorsprung und wieso konnten die Menschen in Afrika diesen Vorsprung nicht halten?

Die Antwort ist, dass nur die Ehtnien denen es gelang, die Landwirtschaft zu entwickeln soziokulturell abgehen wie die Raketen - die anderen müssen in den Gesäßfalten der Naturgeschichte verharren. Wie sich nun dieser Übergang vom Nomadentum zur Landwirtschaft in den verschiedenen Weltteilen ökologisch gestaltet, gehört zu den interessantesten Passagen des Buches. Der erste Schritt war die Verwertung von Wildpflanzen, wobei sich zunächst 90 % aller Wildpflanzen als ungenießbar erwiesen. Doch alles das, was dem Menschen nicht schmeckt verschwindet, die Biomasse wird domestiziert, und schnell bedecken die 0,1 % der sehr gut verwendbaren Pflanzen den allergrößten Teil der Anbauflächen. So geht das mit zuerst mit Weizen, Geste und Erbsen, später mit Obst, Oliven, Feigen Datteln, danach mit Äpfel, Birnen und Pflaumen und so weiter. Parallel dazu treten auch Rind, Schaf, Schwein Pferd, Huhn und Ziege (wo ist der Hund?) als domestizierte Wesen in das Haus des Menschen ein. Ihre Haltung als Fleisch- und Milchlieferant und als Zugtiere erhöhte die Möglichkeiten der Feldbestellung und damit die sesshaften Perioden. Sesshaftigkeit steigert wieder die Fruchtbarkeit, denn nun müssen die Frauen den Balg auf der Wanderung nicht immer mit sich rumschleppen sondern könne ihn auch mal hinter die Feuerstelle zum Trocknen legen. Von den vier Gebieten, in denen die Landwirtschaft unabhängig voneinander erfunden wurde (der fruchtbare Halbmond, China, die Ostküste der USA und Mittelamerika) könnten nun die "Bipopakete" in alle Welt exportiert werden. Doch leider gelang das nur in Eurasien, weil sich die Nehmerkulturen der Ägypter, Inder, Iraner und Griechen auf einem ähnlichen Breitengrad der Ost-West Achse befanden. Eine analoge Verbreitung auf dem amerikanischen und afrikanischen Kontinent war (abgesehen davon, dass die Erfindungen erst viel später gelangen) wegen der Nordsüdausdehnung und dem Wechsel der Klimazonen nicht in vergleichbare Weise möglich.

Doch kaum hat der Mensch in großer Zahl Tiere domestiziert, wird er von Seuchen befallen, denn was sind Seuchen anderes als mutierte Übertragungen von Schädlingen vom Tier auf den Menschen ( siehe Aids). Was sich als eine Plage der sesshaften Viehbesitzer anhört, ist jedoch in Wahrheit eine Stärkung: denn nun werden innerhalb der Agrargesellschaften die Schwachen die Seuchen ausselektiert, es überleben die Starken, die gegen die Schädlinge eine Art Resistenz entwickeln. Der Erfindung der Landwirtschaft und der Resistenzenbildung gegen Seuchen folgte die Entstehung differenzierter und arbeitsteiliger Gesellschaften, politischer Organisationen (Staat) und die Entwicklung einer Produktivität, die die Unterhaltung stehender Heere gestattete. Bei Zusammenprall der Kulturen im 16. Jahrhundert und später gaben dann die Seuchen der eurasischen Völker den bis dahin weltabgegelenen verspäteten Kulturen den Rest. Was für ein Glück, denkt man als Europäer unwillkürlich, dass wir in den alten Zeiten so tolle Biopakete von den Orientalen erhalten haben und dadurch so reich geworden sind, dass wir uns solche Bücher leisten können. Aber im Ernst: das vorliegenden Buch, dessen Facettenreichtum hier noch nicht einmal angedeutet werden konnte, ist ein intellektuelles Abenteuer, eine ökologische Weltgeschichte der Extraklasse, für die fünf Sternchen fast noch zu wenig sind. Unbedingt vor dem Bestseller "Kollaps" vom gleichen Autor zu lesen.
0Kommentar| 76 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Es ist ein Lieblingsthema der Stammtische: Wie funktioniert das denn nun wirklich mit der Biologie und der Gesellschaft? Wird man als Land, Staat, Nation, Volk oder so nun erfolgreicher, wenn sich die richtigen Menschen fortpflanzen? Kann man Reichtum und Wohlstand aus deterministischen, naturwissenschaftlichen Zusammenhängen, möglicherweise sogar als biologisch bestimmt, erklären? Jared Diamond setzt hier in diesem Buch zum großen Wurf an: Man kann. Allerdings nicht so einfach, wie es ein Thilo Sarrazin tut. Denn das mit den Erbanlagen sieht Diamond als durchaus flexibel - es braucht nämlich nur Zeit, um sich an neue Anforderungen, veränderte Voraussetzungen anzupassen. Und da wären wir genau bei der Kernthese, mit der der Autor den Unterschied zwischen erfolgreichen, also überlebensfähigen Gesellschaften und deren dem Untergang geweihten Pendants erklärt. Früh dran muss man sein. Geschichte läuft berechenbar ab, und wenn man auf dem falschen Kontinent wohnt, dann wird das schwer mit der neolithischen Revolution.

Diamond ist ein Meister der gut erzählten Details. Dass Krankheiten sich aus dem engen Kontakt von Menschen mit domestizierten Tieren entwickeln, ist eine wichtige Erkenntnis. Dass Menschen, die gegen solche Krankheiten immunisiert sind, sich gegenüber Gesellschaften durchsetzen, denen Abwehrmöglichkeiten fehlen, ist anhand vieler Beispiele im Buch gut erklärt. Auch Unterschiede in den natürlichen Ressourcen verschiedener geographischer Einheiten - insbesondere der Eignung von vorhandenen Tier- und Pflanzenarten zur wirtschaftlichen Nutzung - vertieft das Verständnis des Lesers von den ganz großen, historischen Zügen der menschlichen Entwicklung. Das alles ergibt denn ein gut erzähltes Weltbild, ein geschlossenes System, was Geschichte aus Biologie erklärt, aber ohne rassistisch zu sein. Diamond sieht sich, man merkt es an mehreren Formulierungen im Buch, als einer von den Guten. Dass seine Sicht durchaus amerikanisch geprägt ist, merkt man dabei auch. Dem Sozialdarwinismus scheint mir seine historische Analyse nicht immer völlig fern zu stehen.

Vielleicht bildet sich aber dieser Eindruck auch deshalb, weil begriffliche Schärfe nicht immer die Stärke von Diamond ist. Und weil dann eben doch Details nicht stimmen, manchmal zu kurz und schnell gedankliche Brücken gebaut werden müssen, wo tieferes Nachfragen und Nachdenken besser gewesen wäre. Warum ist der Nahe Osten heute nicht mehr kulturell führend, obwohl er das ein paar tausend Jahre lang war? Hängt es wirklich vom sensiblen Ökosystem ab? Oder doch von den politischen Dauerkonflikten in der Antike zwischen Römern und Parthern, gefolgt von der mongolischen Invasion im Mittelalter? Gerade den Aufstieg Europas, um den es hier oft geht, kann ein Francis Fukuyama in "The Origins of Political Order" weit besser erklären. Mit dem Menschen ist eben doch eine Spezies in die Geschichte dieser Welt eingetreten, deren Schicksal gerade nicht so biologisch determiniert ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Dass Columbus die Kolonialisierung Amerikas einleitete und nicht bereits die Wikinger mag im Rückblick gut erklärbar sein. In Wirklichkeit kann es aber auch daran gelegen haben, dass ein paar wirklich clevere Normannen gerade anders beschäftigt waren. Menschen leisten manchmal doch überraschendes, nicht vorhersagbares. Und manches davon bleibt. Auch in der Geschichte.

So wirkt das Buch insgesamt durchaus als eine unterhaltsame Globalgeschichte der Menschheit, mit durchaus provozierenden Thesen, die viel Stoff für eine gute Diskussion beim Abendessen bieten. Ein Meilenstein für die Geschichtswissenschaft sollte man vom Lesen besser nicht erwarten. Und sollte man sich selbst über seine Handlungen in dieser Welt Gedanken machen, so würde ich dazu raten, ein paar weitere Bücher zu rate zu ziehen. Auch wenn diese sich dann nicht ganz so flüssig lesen lassen.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. November 2014
Wirklich sehr schlüssig und erkenntisfördernd.
Hier und da etwas langatmig aber das muss man angesichts der Thematik einfach akzetieren.
Sehr gute Bewertung der situationd er verschiedene völker welche sich auch mit eingien Beobachtungen die ich in Mittelamerika machen konnte decken.
vor allem rückt es die Leistungen dieser völker ins rechte Licht und korriiert einige der vorurteile die viele Europäer haben.
meiner Meinung nach sollte es Lehrbuch für Geschichte oder Politik an deutschen Schulen sein!!!!!!!!!!!!!!!!!
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 31. Oktober 2014
Warum haben eigentlich nicht die Indianer, die Inkas oder die Aborigines im 15. oder 16. Jh. Europa erorbert?

Mit dieser zentralen Frage beschäftigt sich das Buch und gibt sehr spannende und interessante Antworten.

Keine leichte Kost aber sehr zu empfehlen.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. September 2016
Das zentrale Werk zur Erklärung langfristiger Entwicklungsunterschiede aus geografischer Perspektive. Kritische Gegenposition beziehen Landes einerseits sowie Acemoglu und Robinson, während Galor (Unified Growth Theory) teilweise auf den Arbeiten von Diamond aufbaut.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. Oktober 2014
Revolutionäre Theorien sind es, die sich dem Leser auftun und die mit alten, rassistischen Konzepten über die Entstehung von Hochkulturen und Staaten den Boden aufwischen. Anhand unabstreitbarer geografischer und biologischer Fakten ermöglicht der Autor eine Sichtweise, die sich nur den kreativsten Köpfen ohne derartige Darstellung eröffnet hätte.

Aufgrund des Umfangs und der teilweisen Länge des Werks würde ich angehenden Sachbuchfetischisten empfehlen, den Blick für die teilweise autobiografisch gefärbten Einschübe und trockenen statistischen, beziehungsweise sehr fachbezogenen Ausführungen zu schärfen, um diese bei Zeitmangel oder Unlust überlesen und die Filetstücke dafür noch umso besser genießen zu können. Es darf selbstverständlich auch das gesamte Menü genossen werden, nur die Längen werden meinem gutgemeinten Rat wohl das eine oder andere Mal Recht geben und gerade bei so hervorragender Literatur wie der vorliegenden wäre es eine Schande, wenn das Leseerlebnis dadurch geschmälert oder im schlimmsten Fall gar vorzeitig beendet wird.

Neben der eigentlichen Flora und Fauna der verschiedenen beschriebenen Weltgegenden bildet als primäre geologische Schicksalsinstanz die West-Ost- beziehungsweise Nord- Südachse den entscheidenden Faktor über Aufstieg und Fall der Völker. Das Glück oder Pech mit gut domestizierbaren Tieren oder aufgrund großer Halsstarrigkeit zur Viehzucht absolut ungeeigneten Vertretern der Herbivoren beziehungsweise ertragreichen, widerstandsfähigen oder wenig abwerfenden, empfindlichen Pflanzen spielt eine weitere wichtige Rolle.

Betrachtet man sich die Kontinente, so ergibt sich einzig in Eurasien eine auf etwa den gleichen Breitengraden und ähnlichen Klimazonen gelegene West-Ostachse, die den Austausch von Pfanzen und Tieren über Handelsrouten wesentlich erleichtert, da diese in ähnlichen Umgebungen wesentlich bessere Überlebensbedingungen vorfinden, als wenn man sie über eine Nord- Südachse von Norwegen nach Südafrika oder von Chile nach Kanada transportieren würde. Dadurch wurde der Übergang zu Ackerbau und Viehzucht sowie die damit einhergehende Möglichkeit, durch Überschuss an Nahrung Spezialisten wie Handwerker, Krieger und Wissenschaftler zu ernähren und auf den Zug zum Großstaat aufzuspringen, wesentlich erleichtert. Als wäre das nicht genug der vorgegebenen Ungerechtigkeit, befinden sich auch noch die meisten der ertragreichsten Saatpflanzen und Nutztiere im eurasischen Raum, während selbige auf anderen Kontinenten rar gesät sind. In Lateinamerika sowie Afrika sind sowohl gut für den Hausgebrauch geeignete Großsäuger als auch ertragreiche Pflanzensorten relativ selten. Und selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte ein Austausch über die verschiedenen Klimazonen hinweg kaum funktionieren können.

So sind in Afrika sowohl extrem aride Gebiete als auch tropische Dschungel oder schlichte Savanne für keinen Tiertransport zu empfehlende Besichtigungspunkte und auch den Zimmerpflanzen dürfte es übel bekommen. In Lateinamerika verhält es sich ähnlich, wenn auch nicht ganz so extrem. Dass sich das militärisch einst unersetzliche Pferd auch noch just der südlichen Hemisphäre entsagen musste war ein weiterer wesentlicher Nachteil. Wie der Autor so treffend anführt, hätte nur ein gutmütigeres Wesen von Bisons oder Nashörnern vonnöten sein müssen, um den Lauf der gesamten Weltgeschichte zu verändern. Wenn Hunnenheere und Mongolen auf, im Vergleich zu den potentiellen und wesentlich robusteren Reittieren des Südens, schlichten Pferden Weltreiche errichten konnten, wäre das kriegerische Potential von bis zu fast einer Tonne schweren Bisons und bis zu über drei Tonnen schweren Nashörnern noch wesentlich durchschlagender gewesen. Man stelle sich diese Tiere zu Tausenden und im Stil eines Paladinpferds gepanzert mit Pfeilhagel schwirren lassenden Reitern vor.

Es erschließen sich anhand der minutiösen Schilderungen verschiedener Sachverhalte noch diverse Ideen für Uchronien, die schöner nicht sein könnten, da sie im Gegensatz zu weit hergeholten, unwahrscheinlichen Vermutungen und Lehrmeinungen auf nachweisbaren Grundlagen beruhen.
Dem Autor gebührt, nicht nur aufgrund seines beeindruckenden bisherigen Werks, zu Recht der Ruf eines Wissenschaftsautors der Spitzenklasse, sondern auch und gerade für die Serie an Hammerschlägen, die er auf die, als fleischgewordene Anachronismen längst durch einen Paradigmenwechsel in das intellektuelle Nirwana zu schickenden, Vertreter seiner Zunft niederprasseln lässt, die seinen Denkansetzen wenig entgegenzusetzen haben. Außer irgendjemand aus dem Universitätsbetrieb entblödet sich wirklich noch, etwas von kultureller Überlegenheit oder anderer rassistischer, verbaler Diarrhöe zu halluzinieren.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. Dezember 2013
Selten hat mich ein Buch derart angeregt, das Geschriebene zu Hinterfragen und eigene Überlegungen anzustellen. Aber auch die grösste Schwäche des Buches entspringt diesem Punkt - der Leser wird keineswegs dazu motiviert, zu hinterfragen. Die meisten Punkte werden als unumstössliche Tatsachen präsentiert, deren Richtigkeit durch sehr ausführliche Textpassagen belegt werden sollen (die unnötigen Wiederholungen haben andere ja schon kritisiert).

Sieht man über diese stilistischen Schwächen hinweg, bietet das Buch eine überaus spannende Sichtweise auf die Entwicklung menschlicher Kulturen. Zweifellos stimmt es, dass die Voraussetzungen in der Umwelt das Schicksal der Kulturen prägte, also das Klima, das Vorhandensein von nutzbaren Pflanzen und Tieren, der Austausch mit anderen Kulturen und so weiter. Diese Aspekte werden üblicherweise in Geschichtsbüchern kaum behandelt, es ist zu hoffen, dass das Buch von Jared Diamond zu einem Umdenken führt.

Dem aufmerksamen Leser werden immer wieder Ungereimtheiten und Widersprüche auffallen. Dass die Landwirtschaft den Menschen robuster macht und an Krankheiten gewähnt ist plausibel. Doch bleibt ungeklärt, warum die Amerikanischen Ureinwohner von eingeschleppten Krankheiten dahin gerafft wurden, während in Afrika die Eroberer an Krankheiten starben - trotz ähnliche entwickelter Landwirtschaft auf den 2 Kontinenten. Die wiederholte Aussage, auch die moderne Pflanzengenetik habe es nicht geschafft, weitere Afrikanische Pflanzen nutzbar zu machen (als Beweis, dass es keine solchen Pflanzen gibt), verkennt wie komplex und zeitraubend Züchtungen sind. Die Erklärungen, warum die Papua in Neuguinea und die Aborigines in Nordaustralien sich nicht stärker vermischten, trotz sehr ähnlicher Umwelt, wirken bemüht. Immer wieder wird erklärt, wie die Sahara als Barriere wirkte so dass die Entwicklung südlich der Sahara praktisch unabhängig von derjenigen Europas verlief - umso überraschender die Aussage ganz am Schluss, die Sahara sei während langer Zeit eine fruchtbare Gegend gewesen, in der sogar Landwirtschaft betrieben wurde.

Dies sind nur einige der Punkte, die mich gestört haben. Daneben gibt es natürlich sehr vieles, was sehr plausibel und gut dokumentiert ist. Ich empfehle das Buch absolut zur Lektüre - und das Gelesene in Frage zu stellen!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Oktober 2013
"Gewöhnliche" Werke über die Entwicklung der menschlichen Zivilisation stellen die diversen Stufen zur Entstehung einer fortschrittlichen Gesellschaft (zum Beispiel Einführung von Ackerbau und Viehzucht, Schrift) sowie deren unterschiedliche Verläufe in den verschiedenen Regionen der Erde dar, wobei das Hauptaugenmerk normalerweise auf den Gesellschaften des Mittelmeerraumes liegt. Eine Erklärung für diese Unterschiede fehlt aber meist.
Jared Diamond geht in diesem Werk von einem neuen Ansatz aus: Er untersucht, inwieweit die geographischen Gegebenheiten eines Kontinents sich auf das Schicksal der dort lebenden Bevölkerung auswirkten und geht der Frage nach, warum beispielsweise Europäer Amerika besetzten und nicht umgekehrt. Dabei stellt sich heraus, dass die Bewohner Eurasiens(das Diamond zusammen mit Nordafrika als einen Kontinent auffasst) von vorneherein begünstigt waren: In ihrem Lebensraum fanden sich die meisten domestizierbaren Pflanzen- und Tierarten, die sich - wie auch die hier gemachten Erfindungen - wegen der in Ost-West-Richtung verlaufenden Hauptachse des Kontinents auch besser ausbreiten konnten. Aus diesen Gründen entstanden die ersten Hochkulturen in Eurasien, aus denen sich in weiterer Folge die ersten Staaten und Reiche entwickelten.

Der wahre Grund für die Vorherrschaft eurasischer Völker liegt also in der unterschiedlichen geographischen Ausgangsposition, nicht in Unterschieden der Bevölkerung. Diese Theorie untermauert Diamond mit eindrucksvollen Belegen aus diversen Bereichen der Naturwissenschaften. Sein Buch ist darüber hinaus spannend und flüssig geschrieben, sodass es völlig zu Recht mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde.

Schade nur, dass die mindestens genauso interessante Fragestellung, warum innerhalb Eurasiens gerade die europäischen Länder (und nicht etwa China oder Arabien) ab dem Ende des Mittelalters die Vorreiterrolle übernahmen, nicht näher behandelt, sondern nur im Epilog kurz angesprochen wird.

Nichtsdestotrotz ist dieses Buch schon allein auf Grund seiner innovativen und fächerübergreifenden Herangehensweise absolut lesenswert. Nach der Lektüre wird man die Menschheitsgeschichte mit anderen Augen sehen.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden