Hier klicken May Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Jetzt informieren Book Spring Store 2017 Cloud Drive Photos Learn More Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimited SUMMER SS17

André Georgi

André Georgi


Sind Sie ein Autor?

Author Central
Helfen Sie uns Ihre Autorenseite zu verbessern. Sie können uns Daten zu Ihrer Bibliografie, Bilder von sich oder Ihre Biografie schicken.

Erfahren Sie mehr darüber


Bücher von André Georgi

Suchergebnisse für Autor "André Georgi" in Bücher anzeigen

Interview mit André Georgi im Rahmen von Entdeckt! Der Amazon Autoren-Preis


In Ihrem Thriller Tribunal schicken Sie eine Ermittlerin des Internationalen Gerichtshofs ins ehemalige Jugoslawien, um einen Kriegsverbrecher nach Den Haag zu holen. Nun liegt der Jugoslawienkonflikt schon zwanzig Jahre zurück. Warum müssen wir uns auch heute noch mit in diesem Konflikt beschäftigen?
Es stimmt, zwanzig Jahre erscheinen als eine sehr lange Zeit! Ich war Mitte zwanzig, als der Konflikt ausgebrochen ist, aber das Entsetzen über die damaligen Ereignisse hat mich nie wirklich losgelassen: Scharfschützenangriffe auf Sarajewo, die Hilflosigkeit der UN in Srebrenica, in Lagern eingesperrte Serben auf der einen oder Kroaten auf der anderen Seite – das sind Bilder und Ereignisse, die man nicht vergisst. Ein Genozid, erst recht am Rande Europas, schien damals völlig undenkbar, sehr viel mehr noch als heute. Aus der Distanz können wir heute klarer sehen, was damals wirklich passiert ist und den manchmal verzerrten ersten Blick des Zeitzeugen korrigieren. Denn das Jugoslawientribunal in Den Haag hat eine unglaubliche Ermittlungsarbeit geleistet, wir kennen jetzt die Zeugenaussagen, die Fakten, die Täter und die Urteile. Ich weiß, es ist fragwürdig, aus der Geschichte lernen zu wollen. Aber ich glaube, dass es wichtig ist, die Erfahrungen des Jugoslawienkrieges (auch literarisch, auch im Thriller) wach zu halten – in der Hoffnung, doch etwas aus diesem Konflikt zu lernen. Im Grunde ist mein Buch eine einzige Verbeugung vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, dem wir – trotz mancher Einschränkung – nicht genug danken können.

Obwohl Tribunal gut zehn Jahre nach dem Ende des Kriegs in Jugoslawien spielt, ist es ein Buch, das sich nicht grade vor Gewaltschilderungen scheut.
Ich brauche keine Bücher, die in Gewaltschilderungen schwelgen, weil sie vielleicht Genrekonventionen bedienen wollen, oder weil Gewalt "zieht". Solch ein Ansatz wirkt wie ein leeres Ausstellen von Gewaltexzessen, eine Gewaltdarstellung um der Gewalt Willen. Natürlich sind gerade Thriller nicht frei davon. Ich lese so etwas aber nicht gerne und schreibe es noch weniger gerne. In Tribunal geht es mir um etwas anderes. Das Buch erzählt seine Geschichte vor einem höchst gewalttätigen Hintergrund, der Kriegsverbrechen und einen Genozid hervorgebracht hat. Welche Persönlichkeitstypen hat dieser Krieg nach oben gespült? Und wie spuckt er diese unterschiedlichen Persönlichkeitstypen wieder aus, wie lässt er sie zurück? Auch davon wollte ich – im Rahmen eines Thrillers – erzählen. Es ist mir wichtig darüber zu schreiben, was Gewalt aus Menschen macht. Und aus der Recherche zu Tribunal kann ich sagen, dass die Wirklichkeit die Fiktion noch um einiges übertroffen hat.

Ihr Roman erzählt auffällig schnell und aus vielen verschiedenen Erzählperspektiven. Warum haben Sie diese Erzählweise gewählt?
Ein Thriller braucht Tempo und Atemlosigkeit, sonst zündet er nicht, jedenfalls für mich nicht! Thriller sind nicht das Genre, in dem ich als Leser dem Erzähler beim gemütlichen Joggen durch einen frühsommerlichen Park zusehen will. Ich will meinen Erzähler jagen oder hetzen sehen, innerlich und äußerlich getrieben, so wie meine Figuren auch. Natürlich schließt das Situationen nicht aus, in denen die Erzählung mal runter vom Gas muss, Luftholen, ihren Figuren – und Lesern – einen Moment Ruhe gönnt.

Tribunal ist Ihr erster Roman. Sie sind eigentlich Drehbuchautor und schreiben für den Tatort und sind an Verbrechen und Schuld, den Verfilmungen der Bücher von Ferdinand von Schirach, beteiligt. Was hat Sie bewogen, diesen Stoff in einen Roman zu packen und nicht in ein Drehbuch?
Ursprünglich war Tribunal tatsächlich ein Drehbuch, und ich glaube, dass man das dem Buch vor allem in der Szenenführung anmerkt. Insofern hat mir mein eigenes Drehbuch beim Romanschreiben ein bisschen auf die Sprünge geholfen. Bei der Umarbeitung in ein Buch habe ich aber sehr darauf geachtet, dass der Roman sich nicht einfach wie ein aufgeblasenes Drehbuch liest. Wenn ich ein Drehbuch schreiben will, schreib ich ein Drehbuch – Prosa hat ganz eigene Stärken, eigene Möglichkeiten mit Perspektiven und Zeit zu spielen, einen eigenen Sound.

Wird Tribunal eher ein Einzelstück bleiben? Oder planen Sie weitere Fälle mit Ihrer Ermittlerin Jasna Brandič?
Lassen Sie sich überraschen. Zu viel will ich nicht verraten, aber Sie können sicher sein: Jasna Brandič aus Berlin-Wedding lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Sie werden Sie mögen, wenn Sie sie kennenlernen!