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Kundenrezensionen

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am 23. Mai 2017
Ich konnte das Buch gar nicht mehr weglegen, weil immer neue interessante Aspekte aufgetaucht sind, die in einer perfekten Reihenfolge ein rundes Bild ergeben haben. Auch der persönliche Stil hat mir sehr gut gefallen und ich finde es sehr mutig und ermutigend von Frau Teege, dass sie so offen über ihre Gefühle spricht. Die vielen Zufälle haben meine Überzeugung gestärkt, dass alles Verdrängte und Verleugnete die Tendenz hat, auf eine magische Art an die Oberfäche zu kommen, um erlöst zu werden. Das entspricht genau meinen eigenen Erfahrungen.
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TOP 500 REZENSENTam 3. Mai 2015
robbylesegern
vor 8 Monaten

Jennifer Teege, die dieses Buch zusammen mit der Journalistin Nicola Sellmair geschrieben hat, erfährt erst mit 38 Jahren, dass sie die Tochter eines KZ Aufsehers ist und zwar des KZ Aufsehers Göth,, der aus dem Film "Schindlers Liste", einem Millionenpublikum bekannt ist. Wie geht man mit solch einer Vergangenheit um ?

Jennifer wurde schon mit 4 Wochen in ein Heim gegeben, da ihre Mutter sich von dem nigerianischen Vater getrennt hatte und selbst ganze Tage arbeiten musste. Allein durch ihr exotisches Aussehen, hatte sie schon mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, aber das Schlimmste war, dass sie als sie älter wurde, ein schlechtes Selbstwertgefühl entwickelte, sie dachte, ihre Mutter lehne sie ab. Kein Kontakt in den ganzen Jahren, auch nicht als Jennifer in eine sehr liebevolle Adoptivfamilie kam und dort mit zwei Brüdern aufwuchs. Doch ihr Selbstwertgefühl stieg, vor allem auch deshalb, weil sie in stabilen Familienverhältnissen groß wurde. Und jetzt das Wissen um einen SS.Vater. In einer Bibliothek findet sie das Buch ihrer Mutter, in der sie von ihrem Vater, Jennifers Großvater erfährt. Sie begibt sich auf Spurensuche, sucht das KZ in dem ihr Großvater Leiter auf und spricht mit Betroffenen. Sie selbst hat 4 Jahre in Israel studiert und viele Freunde unter der jüdischen Bevölkerung , doch sie tut sich nach dieser Offenbarung schwer, Kontakt mit ihren Freunden in Israel zu erhalten.
Das Buch Amon wird aus zwei perspektiven geschrieben. Ein Mal aus der Sicht Jennifers, die emotional betroffen ist und aus der Sicht Nikola Sellmaiers, die die geschichtlichen Fakten und Zahlen beisteuert und das Ganze aus einer anderen Sicht beschreibt.

Was mir bei diesem Buch sehr gut gefallen hat, dass hier die Sicht der Opfer aus einer anderen Perspektive geschildert wird, nämlich aus der Sicht der Angehörigen von NZ Verbrechern. Auch sie waren Opfer, denn es gibt viele, die ein Leben lang unter diesem Trauma lebten und nicht weinige, die sich das Leben nahmen. Auch Jennifers Mutter ist eine solche Frau, die ihr Leben nicht leben konnte, da sie sich nicht von dem Schatten ihres Vaters lösen konnte. Selbst als Jennifer ihre Mutter nach Jahrzehnten wiedertrifft, fragt sie nicht nach Jennifer und ihrem Leben ohne sie, sondern erzählt nur von ihrem Vater uns seinen Taten unter denen sie heute noch zu leiden hat. Auch die Sicht vieler Angehörigen, die das Geschehene abmildern oder ganz negieren , kommen hier zur Sprache. Vielleicht weil es anders nicht zu ertragen war, eine Art Selbstschutz ? Doch die Quintessenz des Ganzen wird immer wieder klar. Nichts darf totgeschwiegen werden, denn alles worüber man nicht spricht macht krank.

Ein sehr beeindruckendes und empfehlenswertes Buch.
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am 2. Februar 2015
Nicht ohne Grund erfährt dieses Buch große Beachtung. 99 Rezensionen wurden hier bereits geschrieben. Eine weitere Inhaltsangabe wird nicht mehr nötig sein. Ich will mich kurz halten.

Jennifer Teeges Buch gehört zu jenen wenigen, die ich praktisch in einem Zug durchgelesen habe (soweit das eben möglich ist bei einem Buch dieses Umfangs). Es ist ein lebendiges Mahnmal all jenen, die meinen, die Taten und Erlebnisse ihrer Großeltern hätten keinen Einfluss mehr auf ihr heutiges Leben. Je mehr sie verschwiegen werden, desto stärker ist der Einfluss. Denn unsere Seele, aber auch unser biologisches Gedächtnis, das sich auf bisher unerklärte Weise über Generationen hinweg weitervererbt, wissen weitaus mehr als uns bewusst ist.

Dieses Buch handelt von der Macht des Hinschauens. Jennifer Teege zeigt, wie man aus dem dunklen Schatten seiner Vorfahren heraustreten kann. Indem man ihn wahrnimmt. Indem man ihn als Teil von sich selbst erkennt. Indem man sich davon distanziert, ohne dabei in eine Grundhaltung des Hasses, des Selbstmitleids oder der Überheblichkeit zu verfallen.

Zentral ist für Jennifer die Beziehung zu ihrer Großmutter, die ihr viel bedeutet. Zu ihr empfindet sie eine Nähe, die sie zu ihrer Mutter, die sich früh von ihr getrennt hat und sie schließlich zur Adoption freigab, nicht entwickeln konnte. Umso schwerwiegender ist das Entsetzen darüber, zu entdecken, welche Rolle Jennifers Großmutter als Frau des berüchtigten KZ-Kommandanten Amon Göth einst gespielt hat. Was geschehen ist, ist auf einmal ganz nah. Keine abstrakte Geschichte mehr. Zeitlich als auch menschlich nah: "Mich hätte mein Großvater erschossen. Meine Großmutter hat ihn geliebt."

Jennifer Teege thematisiert in ihrem mitreißenden Buch auch, was das Fehlen und spätere Totschweigen ihrer leiblichen Mutter mit ihr gemacht hat. Die Folgen der frühen Trennung und der Adoption sind, bei aller Dankbarkeit für ihre Adoptionsfamilie, ein prägender Faktor ihres Lebens. Dass ihre Mutter im Schatten ihres eigenen Vaters emotional gar nicht in der Lage war, für sie da zu sein, war ihr lange nicht bewusst. Erst durch einen Zufall erfährt sie, wer ihr Großvater war. Sie kannte ihn bisher nur als historische Figur aus Steven Spielbergs Schindlers Liste, für die ich kein Adjektiv finde, um sie angemessen zu charakterisieren.

So wird exemplarisch am eindrücklichen Beispiel von Jennifer Teege gezeigt, wie groß und gegenwärtig die Spuren der Nazizeit noch immer sind. Sie zeigen sich in Depressionen, in innerer Unruhe, diffusen Ängsten und hektischer Getriebenheit. Ein genauerer Blick auf die eigene Familie und Verwandtschaft lohnt sich, ganz egal, ob es sich um Täter oder Opfer handelt.

In Jennifers Fall weckt das Wissen um die Täterschaft der eigenen Vorfahren nochmals ein ganz anderes Interesse an den Opfern und deren Nachkommen. Es ist kein Zufall, dass es sie in ihrer Jugend nach Israel zog. Auch wenn ihr die Gründe dafür nicht bewusst waren. Ihre Freundschaften dort wurden auf eine harte Probe gestellt. Letztlich wurden sie bereichert.
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TOP 500 REZENSENTam 18. Januar 2014
Inhalt:
Im Alter von 38 Jahren findet Jennifer Teege zufällig ein autobiografisches Buch ihrer Mutter in einer Bibliothek. Erst da realisiert sie, dass sie die Enkelin des KZ-Kommandanten Amon Göth ist. Sie fällt anfangs in ein tiefes Loch, ist sich unsicher, wer sie ist, zweifelt an sich und an ihrem bisherigen Leben, weiß nicht, wie es mit ihr weitergehen oder wie sie mit ihren Freunden in Israel umgehen soll. Doch dann macht sie sich auf die Reise nach Krakau und Auschwitz, versucht, mehr über ihre Großeltern heraus zu finden, und nimmt wieder Kontakt mit ihrer Mutter auf, die sie als Kind zur Adoption freigegeben hatte.

Mein Eindruck:
Mir hat 'Amon' sehr gut gefallen. Das Buch ist sehr flüssig geschrieben und ist durchgehend fesselnd. Neben der Lebensgeschichte der Autorin und den Einblicken in ihre Gedanken- und Gefühlswelt erfährt man einiges über Amon Göth, was ich sehr spannend fand. Ihre eigenen Emotionen und Kognitionen schildert Jennifer Teege in sehr komplexer Weise - sie denkt nicht in simplen Kategorien wie 'gut' und 'böse', 'richtig' und 'falsch', sondern beleuchtet Dinge von mehreren Seiten, verteufelt ihren Großvater nicht, lehnt die Großmutter nicht ab.

Ich selbst kann (emotional) nicht recht nachvollziehen, wieso das Wissen um die Vergangenheit ihres Großvaters die Autorin in eine solche Sinnkrise stürzt, denn ich definiere mich weder über meine Familie noch über meine Herkunft. Dennoch empfand ich ihren Bericht (aus kognitiver und rationaler Sicht) sehr überzeugend und authentisch, und die Autorin hat mich mit ihrer Fähigkeit, die Perspektive zu wechseln und komplex zu denken, beeindruckt.

Mein Resümee:
Ein spannendes Buch.
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Als ich zum 1. Mal von diesem Buch hörte, konnte ich mir nicht so genau vorstellen, wovon uns die Autorin eigentlich erzählen möchte. Sie selbst hat ihren Großvater, der kurz nach Ende des 2. Weltkrieges hingerichtet wurde, nie kennengelernt und erfuhr erst sehr spät von dessen Identität. Ich fand es deshalb eher vermessen, ein ganzes Buch über diese Person schreiben zu wollen. Doch die Autorin legt ihre Beweggründe offen und nachvollziehbar dar, und ich habe dieses Buch wirklich verschlungen.

Die Schreibstile von Jennifer Teege und ihrer Co-Autorin Nikola Sellmair sagen mir beide sehr zu. Weder unnötig gekünstelt noch zu sehr auf Rührseligkeiten abzielend, wechseln sich die beiden ab: Jennifer Teege erzählt ihre Familiengeschichte aus ihrer Perspektive und ist für den emotionalen Teil des Buches zuständig. Nikola Sellmair versorgt den Leser mit wichtigen, interessanten Informationen, um die Zusammenhänge und Hintergründe besser verstehen zu können. Dieser Wechsel zwischen der persönlichen, emotionalen Ich-Perspektive der Autorin und der nüchternen, sachlichen Erzählerperspektive der Co-Autorin gefällt mir gut. Ich denke, Jennifer Teege hätte die harten Fakten nicht so richtig in ihre eigene Geschichte einflechten können, so dass dies eine gute Lösung war. Die abgebildeten Fotos machen Jennifer Teeges Geschichte noch etwas anschaulicher.

Das Buch ist logisch gegliedert. Zuerst die Entdeckung des Buches und was es in der Autorin ausgelöst hat. Dann ein Kapitel über ihr eigenes Leben, weitere Kapitel, in denen es jeweils um Amon Göth, Ruth Irene Kalder (Jennifers geliebte Großmutter und die Lebensgefährtin Amon Göths) und Monika Göth geht. Im Anschluss berichtet die Autorin davon, wie sie ihren jüdischen Freunden die Wahrheit sagt, ein Schritt, vor dem sie sich sehr gefürchtet hat. Das Buch schließt mit einer von Jennifer begleiteten Klassenreise israelischer Kinder nach Polen, während der Jennifer nicht nur Aufklärungsarbeit leisten, sondern letzten Endes auch mit den Dämonen ihrer Vergangenheit abschließen kann. Wer sich danach noch weiter informieren möchte, erhält im Anhang noch eine ausführliche Literaturliste an die Hand.

Das Buch hat mich emotional sehr gefesselt, wenngleich Jennifer Teege trotz aller Offenheit weder rührselig, noch verbittert oder voller Selbstmitleid wirkt. Ich fand es gut, dass sie so offen über ihre Depressionen spricht, und dass sie dazu steht, ihre Großmutter sehr geliebt zu haben, selbst wenn diese Frau an Amon Göths Seite die Augen verschloss vor dessen Gräueltaten. Viele dieser Taten wurden denn auch von Nikola Sellmair beschrieben, und selbst wenn man hier auf Details verzichtete, so musste ich mich ständig fragen, wie ein einziger Mensch so grausam sein kann. Ich habe „Schindlers Liste“ damals abgebrochen, u. a. eben wegen der eindringlichen Szenen mit Ralph Fiennes, der Amon Göth in diesem Film verkörperte. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist zu erfahren, dass man mit solch einem Menschen blutsverwandt ist. Letzten Endes hat dies auch Monika Göth, die ihren Vater ebenfalls nie kennenlernte, ihr Leben lang so beschäftigt, dass sie sich nur noch auf dieses Thema konzentrierte und darüber selbst ihr eigenes Kind vergaß. Und doch ist trotz aller Grausamkeiten und Trauer mit dem letzten Kapitel ein Punkt gesetzt, der einen versöhnt und hoffnungsvoll zurücklässt nach der Lektüre dieses Buches.
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am 15. September 2015
Amon Göth ist Jennifers Teege Großvater. Wie nun mit dieser neuen Situation umzugehen ist, das schildert Jennifer Teege einprägsam. Sie, als Tochter eines Nigerianers und Monika Göth. Sie, die hebräisch spricht und in Israel lebte. Sie, für die die NS-Zeit ein interessantes, faktisches Thema war - wie für viele tausende Schüler auch. Sie, die von ihrer leiblichen Mutter und Großmutter wohl nie erfahren hätte, wer ihr Großvater war.
An vielen Stellen sorgt die Lektüre für Gänsehaut und besonders die Ausführungen über Amon Göth lassen manchmal hoffen, dass doch bitte alles nur Fiktion wäre. Leider weiß jeder, dass es die harte Realität ist. Ein kluges, reflektiertes und sehr persönliches Buch über Vergangenheit, historische Fakten, Sichtweisen - und über die Liebe. Aus meiner Sicht ein Gewinn für jeden aus der Generation der Nachkommen, der vielem verständnislos und ohnmächtig gegenübersteht, gewisse Fakten seine Familie, seinen Ursprung betreffend nicht begreifen will, es gar nicht kann, denn erstens zeigt uns Jennifer Teege, dass es gar keine optimale, sondern nur eine sehr persönliche Herangehensweise, ein individuelles Begreifen, eine individuelle Verarbeitung gibt. Es gibt auch andere Stimmen, so werden bspw. Stellungnahmen ihrer Adoptivmutter, ihres Adoptivbruders eingeblendet, historische Tatsachen werden mitgeteilt. Was mir bei diesem Buch sehr gut gefallen hat, dass hier die Sicht der Opfer aus einer anderen Perspektive geschildert wird, nämlich aus der Sicht der Angehörigen von NZ Verbrechern. Auch sie waren Opfer, denn es gibt viele, die ein Leben lang unter diesem Trauma lebten und nicht wenige, die sich das Leben nahmen.
Fazit:
Ein berührendes Buch, in dem sich Jennifer Teege intensiv mit ihrer Familie, allen voran ihrem Großvater, auseinandersetzt.
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am 10. Juli 2015
Mit 38 Jahren erfährt Jennifer Teege, die bei einer Adoptivfamilie aufwächst, das sie die Enkeltochter von KZ-Kommandanten Amon Göth ist. Amon Göth ist den meisten Menschen durch den Film "Schindlers Liste" bekannt und er verkörpert alles was Jennifer Teege ablehnt.

Dieses Buch hat zwei Autorinnen, Jennifer Teege, die hier hier ihre Familien- und Lebensgeschichte erzählt und Nikola Sellmair, die die notwendigen Fakten und Hintergrundinformationen liefert.

Mit 38 Jahren zu erfahren das der rigene Großvater ein Sadist und Psychopath ist, der aus Spaß Menschen tötete und ein KZ leitete wird wohl jeden erstmal aus der Bahn werfen. Jennifer Teege schreibt über ihr Gefühlschaos und das tiefe Loch in das sie fiel nach der Entdeckung, sowie in Rückblenden ihre Lebensgeschichte. Nach und nach setzt sie sich mit ihrer leiblichen Familie auseinander.

Am Anfang fand ich dies wirklich interessant, leider hatte ich bald das Gefühl mich im Kreis zu drehen, immer wieder werden die gleichen Fragen behandelt und gab mir das Gefühl von Wiederholung. Wer hier eine Aufarbeitung der Vergangenheit in einer Familie erwartet wird enttäuscht werden, hier hatte ich mehr oder besser gesagt anderes erwartet.

Interessant für mich waren die Abschnitte von Nikola Sellmair, die mit einem angenehm zu lesenden Stil Informationen zur Nazi-Zeit liefert um Zusammenhänge zu erklären. Auch erläutert sie Situationen und Fakten als unbeteiligte dritte Person, als bloße Beobachterin. Zum Schluss haben mir diese Passagen sehr viel besser gefallen als der Teil von Jennifer Teege.

Mein Fazit :
Ein interessantes Buch zweier Autorinnen, welches mich ein wenig zwiegespalten zurücklässt, manchmal hätte ich mir hier mehr Tiefe gewünscht, es plätscherte doch ein wenig vor sich hin. Punkten kann es durch den Anteil von Nikola Sellmair bei mir. Für Einsteiger in diese Thematik ist das Buch gut geeignet.
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am 22. September 2013
Viele Millionen Menschen haben in dem Spielfilm "Schindlers Liste" Amon Göth gesehen, der von seinem Balkon aus zum Zeitvertreib jüdische Lagerinsassen erschießt. Wie Amon Göth seinen Sadismus und seine Bestialität als Lagerkommandanten des Lagers in Plaszow hemmungslos auslebt, hat sich den meisten Zuschauern tief ins Gehirn gebrannt.

Jennifer Teege entdeckt 2008 zufällig bei einem Bibliotheksbesuch mit 38 Jahren, dass Amon Göth ihr Großvater ist. Diese Erkenntnis wirft sie aus der Bahn, ihre schon früher auftretenden Depressionen brechen wieder hervor. Dieses Buch schildert, wie sie ihre Biographie vor diesem Hintergrund aufarbeitet.

Täter- wie Opferfamilien ist in den meisten Fällen gemein, dass sie in der ersten und zweiten Generation das Thema totgeschwiegen und/oder bagatellisiert haben. Erst die dritte Generation fängt zaghaft mit einer Aufarbeitung an. Doch die zweite und dritte Generation ahnten, dass etwas nicht stimmte, sie spürten das Schweigen, die Spannungen und oftmals war auch bekannt, dass der eigene Angehörige in die Verbrechen in irgend einer Weise verstrickt war, doch thematisiert wurde es auch dann nicht.

Bei Jennifer Teege ist das anders, sie kam einen Monat nach ihrer Geburt in ein Kinderheim und mit drei Jahren in eine Pflegefamilie. Sie war nicht nur ahnungslos, sie war zudem den Familieneinflüssen weitgehend und ab ihrem siebten Lebensjahr durch ihre Adoption ganz entzogen.

Teege beschreibt in diesem Buch, wie sie die Entdeckung erlebt, wie es ihr dadurch geht und wie sie Schritt für Schritt um die Aufarbeitung kämpft. Dabei kommt ihre gesamte Lebensgeschichte, die sehr stark geprägt ist, dass ihre Eltern sie verlassen und sie adoptiert wird, zur Sprache. Die gut geschriebenen Abschnitte von Teege werden durch Erklärungen der Stern- Redakteurin Nikola Sellmair unterbrochen.

Diese Unterbrechungen habe ich an den meisten Stellen als störend empfunden. Die sehr persönlichen Abschnitte von Teege waren sehr bewegend und wurden häufig durch die sachlichen Einschübe von Sellmair zerhackt. In den Momenten wollte ich einfach wissen, was Teege zu sagen hat.
Die Ausführungen von Sellmair sind äußerst interessant, zumal wenn sie auf die Person Teege oder die Menschen eingehen, die eng mit Jennifer Teege verbunden sind. Dann sind sie auch an den jeweiligen Textstellen angebracht. Alles andere hätte man etwas mehr vom fließenden Text trennen sollen. Die Beschreibungen über die Lage in Israel fand ich regelrecht störend, nicht dass es nicht interessant wäre, doch in dem Buch geht es um Jennifer Teege und ihren Weg, auch wenn der mit Israel stark verbunden ist.

Die Beschreibungen von Teege fand ich äußerst interessant und bewegend. Die transgenerationelle Weitergabe von Traumata, Taten und Erlebnissen der Vorfahren ist ein höchst wichtiges Thema. Nur die Aufarbeitung verhindert die Weitergabe an die folgende Generation. Gerade da Teege so lange ahnungslos und von ihrer Familie weitgehend isoliert war. Sie sagt, sie habe immer gespürt, da ist noch etwas, was ihr Leben negativ beeinflusst, etwas Unbekanntes, etwas Großes. So zeigt diese Lebensgeschichte besonders deutlich, wie stark das Leben der Vorfahren auf uns wirkt.

Doch es ist in diesem Fall vermutlich auch schwer zu trennen, was wie gewirkt hat, denn Jennifer Teeges Leben ist durch seit frühster Kindheit durch dramatische Ereignissen und Traumata schon schwer belastet. Was gibt es schlimmeres für ein Kind, von den Eltern im Stich gelassen zu werden. So ist nicht leicht zu trennen, was hat damit zu tun und was mit der Zugehörigkeit zu einer Täterfamilie.

Teege schafft es, ihre Lebensgeschichte aufzuarbeiten. Ihr Weg dahin ist sehr beeindruckend und äußerst lesenswert. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen und die Analyse ist höchst interessant. Auch die Auseinandersetzung mit der Großmutter, der Geliebten von Ammon Göth in Plaszow, ist sehr berührend, zeigt sie doch wie groß der Konflikt ist, dass ein Mensch den man liebt (Teege hatte bis zu ihrem siebten Geburtstag Kontakt zur Großmutter) Dinge getan hat, die einem selbst zutiefst zuwider sind und die man nicht nachvollziehen kann.

Die Auseinandersetzung mit der Mutter, die als Nachgeborene ebenfalls mit der Bürde versucht zu leben und oft genug daran verzweifelte, ist insofern weitaus schwieriger, weil diese Auseinandersetzung durch die Tatsache belastet ist, dass die Mutter ihr Kind verließ. Mutter und Tochter leiden an den Taten ihres Vaters/Großvaters und können doch nicht zusammenfinden.

Amon Göth schwebt durch seine unmenschlichen Taten über der Familie. Sellmair beschreibt ihn detailliert, doch Teege setzt sich im Buch nur sehr wenig mit ihm und ihren Gefühlen ihm und seinen Taten gegenüber auseinander. Sie betont, wie sehr sie seine Taten verabscheut, aber wie sie lernt, mit diesem Großvater zu leben, hat sich mir nur sehr begrenzt erschlossen. Ich akzeptier, wenn jemand über diesen schweren Prozess nicht im einzelnen sprechen kann. Doch wenn Teege eine Weg gefunden hat, damit umzugehen und es für sich zu klären, wäre es sicher eine große Hilfe für andere Betroffene.

Das Buch zeigt wie die anderen auch zu diesem Thema deutlich, wie schwer sich Nachfahren von Tätern tun, ihr Leben zu meistern, mit den Taten ihrer Vorfahren zu leben und die von ihnen übernommene Schuld zu bewältigen. Sie leben mit dem eigenen Impuls und dem Impuls der anderen, die Täter waren die Verbrecher und so hätten die Nachkommen kein Recht auf Leiden oder Verständnis. So tragen die meisten an der vom Täter übernommenen Schuld, kämpfen mit schweren Problemen im Leben und begeben sich selbst in eine Art Sippenhaft der Täterschaft.
1111 Kommentare| 90 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. Februar 2016
Das Buch erzählt Dinge die man vorher so nicht wusste.
Es ist erschreckend was alles passiert ist und lässt verstehen , warum so viele Menschen nicht geholfen haben.
Die Geschichte fesselt einem beim Lesen.
Das Buch ist für jeden interessant, der etwas persönliches aus der Nazizeit wissen möchte.
Auch für Jugendliche geeignet.
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am 16. November 2014
Die ganze Zeit über, hatte ich das Gefühl-das die Autorin mir gegenüber sitzen würde und meine gute Freundin wäre.
Es berührt zutiefst, erschüttert sehr und lässt einen den Kopf schwirren- weil es so unverständlich ist, wie unfassbar schrecklich die Zeit damals gewesen ist. Die Emotionen, die Sie als Kind vermisst , aber auch die Sehnsucht die Sie noch weiter in sich trägt sind deutlich präsent und Die Dramatik ihrer Geschichte wurde mir ehrlich gesagt erst so nach und nach bewusst-nämlich selbst in einer anderen Hautfarbe geboren worden zu sein und Freunde in Israel zu haben-und zu erfahren das ihr Großvater ein so großer Verbrecher war.
Dadurch, das ich auch ein Kind der 70 ger Jahre bin und selbst auf der Suche nach Wahrheiten innerhalb meiner Ahnenfamilie bin, bei uns Vieles totgeschwiegen worden ist, hat mich dieses Buch natürlich gleich angesprochen. Auch bestärkt es mich darin, das wir als nachfolgende Kriegsenkelgeneration das Los haben Vieles aufzuarbeiten, was emotional auf uns gelegt worden ist, wie z.B. Schuld oder Scham....usw.
Ein buch was inspiriert und in den Sog mitreißt.
Fazit: sehr empfehlenswert
Teilweise geht die Autorin mit sich und Anderen aber doch sehr ins Gericht und wird bewertend.
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