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Allerseelen: Roman (suhrkamp taschenbuch) Taschenbuch – 23. Oktober 2000

3.8 von 5 Sternen 30 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Cees Nooteboom wurde am 31. Juli 1933 in Den Haag geboren. 1955 erschien sein erster Roman (Philip en de anderen), der drei Jahre später auch in Deutschland unter dem Titel Das Paradies ist nebenan veröffentlicht wurde (und 2003 in der Neuübersetzung von Helga van Beuningen unter dem Titel Philip und die anderen erneut eine große Lesergemeinde fand). Nooteboom berichtete 1956 als junger Autor über den Ungarn-Aufstand, 1963 über den SED-Parteitag, und fünf Jahre später über die Studentenunruhen in Paris (gesammelt in dem Band Paris, Mai 1968). Seine inzwischen in mehreren Bänden gesammelten Reiseberichte, die weniger Reportagen als vielmehr von genauer Beobachtung getragene, reflektierende Betrachtungen sind, festigten Nootebooms Ruf als Reiseschriftsteller. 1980 fand Nooteboom zurück zur fiktionalen Prosa und erzielte mit dem inzwischen auch verfilmten Roman Rituale (Rituelen) große Erfolge. Sein umfangreiches Werk, das in viele Sprachen übersetzt ist, umfaßt Erzählungen, Berichte, Gedichte und vor allem große Romane wie Allerseelen (Allerzielen). Die neun Bände seiner Gesammelten Werke enthalten neben den bereits publizierten Büchern zahlreiche erstmals auf deutsch vorliegende Texte. Der Quarto-Band Romane und Erzählungen versammelt die gesamte fiktionale Prosa des Autors.
Cees Nooteboom lebt in Amsterdam und auf Menorca.


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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Format: Taschenbuch
Erst läuft ein Mann durch Berlin, dann einer Frau nach. Ab und zu arbeitet Arthur als Kameramann, aber nur wenn ihm der Auftrag gefällt. Sein Freundeskreis ist klein, aber fest wie eine Burg. Wer würde da nicht neidisch? Der Neid verwandelt sich in Mitleid, sobald man weiß, dass Arthurs Rastlosigkeit durch den Unfalltod seiner Familie entstanden ist. Er ist auf der Suche nach dem, was verschwindet, was niemand vermisst, nach der Unschärfe. Auf seinen Streifzügen durch Berlin begegnen ihm immer wieder die Geister der Vergangenheit, und einige reale Begegngen haben etwas Allegorisches. Eine dieser Begegnungen wird zur Obsession und heißt Elik. Sie promoviert über die Geschichte einer vergessenen Königin. Aus Emanzipation und Protest hält sie daran fest. Es ist eine schmerzhafte Liebesgeschichte. Aber beide merken, dass sie noch mehr fühlen können, als sie sich zugetraut haben.
Symathisch ist die Abwegigkeit der Tätigkeiten. Wer wird Arthurs Film je sehen oder Eliks Dissertation lesen, falls sie fertig werden? Wenn es ihnen egal ist ...
Die Dämmerungen, die Arthur sammelt, entsprechen irgendwie den Quellenverweisen, denen Elik hinterherreist, und die sie mit dem gleichen Respekt behandelt, wie er gefrorene Fußabdrücke. Arthurs Foto von Frau und Kind sind wie die Narbe auf Eliks Wange. In ihm bricht bei den Stadtspaziergängen erlebte Geschichte wieder auf. Sie setzt ihre Ansicht von Geschichte entgegen, nach der in seinen Erinnerungen die Geschichte noch zu frisch ist, um sich nicht an ihr zu überheben.
Dieses Buch strömt über vor Geistern. Eine Freundin von Arthur sammelt Fotos von Wolken und Strandformationen aus den 1920er Jahren.
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Format: Taschenbuch
Der Kameramann Arthur Daane, der seine Frau und seinen Sohn bei einem Unfall verlor, zieht mit seiner Kamera durch die verschneite deutsche Hauptstadt. Er versucht all das festzuhalten, was er "die anonyme Welt" nennt, also Dinge die alltäglich sind, die aber anscheinend niemand wahrnimmt, so wie Fußspuren im Schnee, Bäume aus verschiedenen Sichtweisen uvm. Dabei kommt es immer mal wieder vor, das er sich vergangener Situationen besinnt und dies mit soviel Hingabe, dass ihm alles Gegenwärtige wie Schein vorkommt. Warum filmt er? Es ist sein Projekt, er weiss es selbst nicht, aber er ist sich sicher das sich diese filmischen Fragmente irgendwie irgendwann mal zu einem grossen Puzzle zusammenfügen und dadurch die Antwort auf so viele Fragen geben werden.
Zwischen seinen Streifzügen trifft er sich mit Freunden mit denen über Dinge wie Vergangenheit, Metaphysik, Mystik, Kunst, Religion, Musik, Politik (vordergründig natürlich deutsch-holländische) uvm diskutiert wird. Der eine Freund ist Philosoph, der andere Künstler, die dritte Physikerin. Vier Freunde aus drei verschiedenen Ländern und jeder bringt von sich und seiner Vergangenheit, seinem Land, seinem Beruf etwas mit ein in diese Diskussionen. Doch eigentlich ist Arthur nie wirklich dabei, nie sagt er viel, ist immer gleich wieder mit der Kamera unterwegs.
Bis er schließlich die Studentin Elik trifft. Auch sie muss mit ihrer Vergangenheit fertig werden. Und plötzlich "scheint" alles so anders zu sein...
Und die ganze Geschichte erzählt mit der typischen "Nooteboom-Melancholie".
Dies ist ein Buch was man immer wieder lesen kann, eben weil es soviel darin zu entdecken gibt.
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Format: Taschenbuch
Der holländische Dokumentarfilmer Arthur Daane wandert durch das Berlin der späten Neunziger, beobachtet Menschen, sich selbst, sucht nach Szenen im Dämmerlicht, anonymen Spuren der anderen, seiner selbst, des Lebens, der Vergangenheit.
Der Mann hat Frau und Kind verloren, im Austausch gegen die Freiheit, sich beliebig auf der Welt zu bewegen, und er hat sich das zerrissene, vergangenheitsschwangere Berlin als einen der Hauptsitze für sein Dasein gesucht, zumal er hier Freunde hat, Künstler wie er, selbstverständlich - den eloquenten und genau beobachtenden Schriftsteller Arno Tieck, den scheu-originellen Bildhauer Victor etwa. Und dann trifft er auf die junge Elik Oranje, eine Geschichtsstudentin, die sich exzessiv mit einer mittelalterlichen Königin befaßt, zu der es sehr wenig Material gibt. Eine ganz seltsame Romanze beginnt. Auch Elik ist auf der Suche nach glaubhaften Spuren der Vergangenheit.
"Allerseelen" dreht sich um die Bedeutung des Menschen, seinen Nachlaß, um die Nichtexistenz von Zukunft, die Schwierigkeiten bei der Betrachtung der Vergangenheit. Es geht um die Reduktion, die jede Art von Geschehenem erfährt, um die Ausweglosigkeit jedes Rekonstruktionsversuches, es geht um Hoffnung, Selbsterkenntnis und nicht zuletzt Liebe.
Das Buch beginnt spröde, vereinnahmt aber rasch, bietet viele wunderschöne Bilder, intelligente Diskussionen und warmherzig gezeichnete Figuren.
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Format: Taschenbuch
Cees Nooteboom kennt die Deutschen so gut, daß man über der Lektüre neidisch und vornehm blaß werden muss.
Wie kann es einem Niederländer gelingen, derart tief in die seelischen Irrungen und Wirrungen der Neudeutschen einzutauchen? Er beschreibt die Befindlichkeiten der Berliner Gesellschaft um das Jahr 2000 herum, die Geburt einer neuen Nach-Mauer-Epoche und die ihr zugrundeliegenden philosophischen und Politischen Haltungen und Standpunkte. In der Figur eines befreundeten Philosophen beleuchtet der Schriftsteller das Befremden des klassisch Gebildeten in einer neuen, oberflächlichen, ein wenig strukturlosen Zeit des gegenseitigen Nebenander. Ein Philosoph, der in seinem Unbehagen in und mit der aktuellen Kultur nicht versteht, warum es heute möglich sein kann, daß Menschen, die niemals wirklich ein Buch gelesen und hinreichen verstanden haben, akademisch geprägte, gesellschaftliche Rollen spielen dürfen.
Nooteboom beschreibt die Teilung, die Mauer so plastisch, daß man unmittelbar an seine letzte Interzonenreise per IC durch Betonschleusen samt Lokfahrerwechsel erinnert wird, längst Vergessenes drängt sich auf. Er beschreibt die spezifisch Berlinerische, grotesk unfreundliche, halbrussische Menschenspezies der bundesrepublikgeschädigten KDV, Intellektuellen, Linken, Aussteiger, allesamt grundlegende Elemente des sich um die Jahrtausendwende entwickelnden neuen Soziotopsmit Sicht auf Polen. Wo Herr Lehmann im Grotesken seiner Zeit verbleibt, gelingt Nooteboom die kulturell-wissenschaftlich-historische Sicht der Dinge in klar gefaßten, greifbaren, nachvollziehbaren Gedankengängen. Nun gut, eine Liebesgeschichte ist auch dabei, es handelt sich schließlich nicht um Politologie, sondern um einen Roman.
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