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Kundenrezensionen

4,0 von 5 Sternen
1

am 13. Oktober 2002
Das Buch macht es einem nicht gerade einfach, einen Einstieg zu finden. Es dauert schlappe 44 Seiten, bis die Autoren ihr wissenschaftsmethodisches Geplänkel hinter sich lassen (mit drohendem Zeigefinger verkünden sie z.B., ihr Buch sei kein historischer Roman, S.27) und zu ihrem eigentlichen Anliegen kommen: einer präzisen und kritischen Bestandsaufnahme ausgewählter archäologischer Funde aus der bronzezeitlichen Ägäis, und vor allem aus Kreta.
Nachdem ich mich durchgekämpft habe, stelle ich fest, dass ich einiges gelernt habe. Die Stärke des Buchs liegt in der gründlichen Auseinandersetzung mit der Architektur und auch in der Quellenkritik. Ein interessanter Fall dubioser Quellen ist der "Lilienprinz", ein minoisches Fresko, das es immerhin auf das Buch-Cover eines anderen guten Buches über dieses Thema (Castleden, Minoans) gebracht hat. Ein Priester-König mit Federkrone, der ein heiliges Tier zum Opferaltar führt? Oder aber Fragmente von mehreren Bildern, die unter anderem eine Sphinx, eine Frau oder einen Gott mit Szepter darstellen? Wenn wir ehrlich sind, wir wissen es nicht, und Arthur Evans hat einfach eine gute Geschichte erzählt.
In der Auseinandersetzung mit der Bauwerken bringt der Text etliche interessante Details: dass die Proportionen der West-Fassade des zweiten Palastes von Phaistos nach den Zahlen der Fibonacci-Folge gestaltet sind und welche topologischen Gemeinsamkeiten sich bei den sprichwörtlich labyrinthisch-verwirrenden Bauplänen der minoischen Gebäude­komplexe ausmachen lassen: das ist alles überzeugend und kompetent dargestellt.
Der wirkliche Skandal ist ja, dass wir immer noch so wenig über das Leben dieser Menschen wissen und ihre Schrift nicht lesen können. Und auch Preziosi/Hitchcock können gar nicht anders, also dort, wo sie wirklich in ihr Thema einsteigen, Vermutungen und Vergleiche anzustellen, die aus unserer heutigen Zeit gespeist sind ("the palace compound looks very much like the headquarters of the town's evidently quite prosperous import-export business", S.109). Für mich fängt es gerade an diesem Punkt an, spannend zu werden.
Zum Schluss meine Empfehlung: Wer sich tiefergehend mit den Bauwerken der Minoer auseinandersetzen will, sollte das Buch unbedingt lesen. Als Einstieg in die Auseinandersetzung mit der bronzezeitlichen ägäischen Zivilisation ist es bedingt geeignet, vom Begriffspaar "Kunst und Architektur" des Titels ist eigenlich nur die Architektur systematisch behandelt, und im Gegensatz zum Werbetext möchte ich es Urlaubsreisenden nicht ins Reisegepäck geben.
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