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Abendland: Roman Taschenbuch – 1. November 2008

3.6 von 5 Sternen 43 Kundenrezensionen

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Der 58-jährige österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier ist mit Kurzgeschichten und mit Nacherzählungen antiker Mythenstoffe bekannt geworden: mit der kleinen, dramatischen Form, in der von der Entstehung der Gewalt und der Liebe, aber auch vom Werden der Welt die Rede war. Jetzt hat er sich der großen, epischen Form verschrieben, dem gesamten Abendland zudem -- Weltgeschichte, verknüpft mit einer Biografie.

Auf dem Sterbebett erzählt der greise Mathematiker Carl Jacob Candoris, der immer wieder nur knapp am Nobelpreis vorbeigeschliddert ist, dem befreundeten Schriftsteller Sebastian Lukasser seine Geschichte. Candoris ist Zahlenjongleur und Musikfan, er hat gegen die Nazis gekämpft und war bei den Nürnberger Prozessen anwesend, war befreundet mit der Mathematikerin Emmy Noether und der später heilig gesprochenen Edith Stein. Er hat also viel zu erzählen, und die rund 800 Seiten von Abendland nutzen den Stoff, um die Zeit der K.u.K.-Monarchie, des ersten und zweiten Weltkriegs, des Kalten Kriegs und des deutschen Herbstes am geistigen Auge des Lesers vorbeiziehen zu lassen. Verknüpft hat Köhlmeier die Geschichte Candoris’ mit der Autobiografie seines Biografen Lukasser, vor allem aber mit der Geschichte von dessen Vater Georg, der Alkoholiker und begnadeter Musiker gewesen ist, ein Genie des Jazz und einer, der der elektronischen Musik die Wege wies.

Nebenaspekte des Abendlands im 20. Jahrhundert werden Nebenfiguren, Freunden und Geliebten angedichtet, und es ist schon erstaunlich, wie bei einer derart ungeheuerlichen, ja fast schon künstlichen erzwungenen Konstruktion ein derart lesenswertes Panorama des letzten Jahrhunderts entstanden ist. Köhlmeier ist das Unmögliche gelungen. Vielleicht ist Abendland kein Jahrhundertroman, aber er ist der kluge und lesenswerte Entwicklungs-, Familien- und Künstlerroman eines ganzen Jahrhunderts. -- Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Michael Köhlmeier wurde 1949 in Hard am Bodensee geboren und lebt heute in Hohenems/Vorarlberg. Er studierte Germanistik und Politologie in Marburg sowie Mathematik und Philosophie in Gießen und Frankfurt. Michael Köhlmeier schreibt Romane, Erzählungen, Hörspiele und Lieder und trat sehr erfolgreich als Erzähler antiker und heimischer Sagenstoffe und biblischer Geschichten auf. Er erhielt für seine Bücher zahlreiche Auszeichnungen, u.a. mit dem Rauriser Literaturpreis, dem Johann-Peter-Hebel-Preis, dem Manès-Sperber-Preis, dem Anton-Wildgans-Preis und dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur.

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Format: Gebundene Ausgabe
Es ist jetzt ca. fünf Jahre her, da habe ich von Richard Powers "Der Klang der Zeit" gelesen. Ein wunderbares Buch über eine weite Strecke des 20. Jahrhunderts vornehmlich in den USA, aber nie kommt die Welt außerhalb zu kurz. Es geht um die Geschichte zweier Brüder mit außergewöhnlichen Talenten, der eine Pianist und er andere noch ausgestattet mit einer klassischen Gesangsstimme, die auf der ganzen Welt für Furore sorgte. Eine Mischung aus Zeitgeschichte und Fiktion, Rassenhass und Familienbande und Musikbeschreibungen, ach, was weiß ich - eben ein außergewöhnliches Buch. Und nun bin ich wieder bei so einem Buch gelandet, wo die Musik und die Zeitgeschichte, eine große Rolle spielt, "Abendland", ein Buch was mich sprachlos macht. So viele Geschichten in der Geschichte, in der Geschichte, in der Geschichte - und es wird nie zuviel. Zwei Handlungsstränge überwiegen, zum einen die Lebensgeschichte des Carl Jakob Candoris und zum anderen die, ich sage mal vorsichtig, seines Biographen Sebastian Lukasser. Sebastian ist vom hoch betagten Carl gebeten worden, sein Leben zu notieren. Und das birgt schon so viel, dass es für ein eigenes Buch gereicht hätte.
Die Musik, hier ist es der Gitarren - Jazz, spielt eine große Rolle denn Sebastians Vater George Lukasser, galt in den "einschlägigen Kreisen" als Gitarrenvirtuose, bekannt wie Chet Baker oder Barney Kessel. Carl war sein Mäzen, und so eine Art Übervater, schließlich auch für den jungen Sebastian. Hier versteht Michael Köhlmeier alles zu verbinden: ich bin einfach nur begeistert, so viel 20. Jahrhundert geliefert zu bekommen, und das fast gar nicht auslässt.
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Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENTTOP 1000 REZENSENTVINE-PRODUKTTESTER am 30. Oktober 2007
Format: Gebundene Ausgabe
Der im Vorarlberg lebende Autor Michael Köhlmeier ist ein brillanter Fabulierer, ein Geschichten-Erzähler par exellence. Natürlich kommt es bei 776 Seiten auch vor, dass die eine oder andere Seite nicht so gelungen ist, aber entscheidend ist, die Sogwirkung des Buches hält während der ganzen Lektürenlänge an.

Zum Plot: "Abendland" beschreibt das bewegte Schicksal des Mathematikprofessors Carl Jacob Candoris, der im Alter von 95 Jahren in seiner Innsbrucker Villa gestorben sein soll. Candoris, ein Zahlenjongleur und Musikfan, der aus vermögendem Hause stammte, entdeckte im Nachkriegswien den Vater des Ich-Erzählers, Georg Lukasser. Er fand in dem zum Alkohol neigenden Gitaristen, einen begnadeten Musiker, ein Genie des Jazz, dessen begnadete Begabung er fortan als Mäzen und Mentor fördern wollte. Nach dem Selbstmord des Musikers kümmerte sich die Familie Candoris um den Sohn und so schmelzen die Biographien von Carl Georg Candoris und Sebastian Lukasser zusammen. Nun sitzen sich die beiden gegenüber, der greise Candoris, ein Weltbürger und Gelehrter, der in der Lage war Geschichte zu machen und sein Taufkind und Ziehsohn, der auch schon Anfang fünfzig ist und mit den Folgen einer Prostataoperation zu kämpfen hat. Candoris hat Lukasser ausgewählt, seine Lebenserinnerungen aufzuschreiben. Sie umspannen das gesamte 20. Jahrhundert, wobei die Wurzeln der Familiengeschichte weit ins 19. Jahrhundert zurückreichen.

Es entsteht ein Bildungsroman, in dem der Autor mit beeindruckender Leichtigkeit und der Weite seines Wissens, einen weiten Bogen spannt und an die unterschiedlichsten Schauplätze der Welt- und Geistesgeschichte führt.
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Format: Gebundene Ausgabe
"Abendland" ist die Lebensgeschichte und auch Lebensbeichte des Mathematikers, Wissenschaftlers, Universitätsprofessors, Weltenbummlers, Dandys und Jazz-Liebhabers Carl Jacob Candoris, der 1906 geboren und 2001 gestorben ist. Eng verwoben mit dieser Biographie ist jene des Ich-Erzählers, Sebastian Lukasser. Candoris ist aber nicht nur ein überdurchschnittlicher Wissenschaftler, sondern auch begeisterter Jazz-Kenner. Als solcher lernt er Sebastians Vater, Georg Lukasser, in einem Wiener Jazz-Club kennen. Georg Lukasser ist ein hochbegabter Gittarist und findet in Carl Jacob Candoris seinen Förderer und Mäzen, nicht nur im Musischen, sondern auch im Privaten. Candoris verkuppelt Agnes, eine Servierkraft des Hotel Imperial, mit Georg und wird zum Patenonkel für deren gemeinsames Kind, besagten Sebastian Lukasser.

Im Zuge von mehreren Interviews, die Sebastian Lukasser mit Candoris in seiner Villa in Lans, nahe Innsbruck, kurz vor seinem Ableben führt, hält Sebastian in Stichworten und auf Tonbändern das bewegte und ereignisreiche Leben von Candoris fest. Der Roman ist die Bearbeitung der Lebensgeschichte durch den Schriftsteller Sebastian Lukasser. Der Leser erfährt über Candoris' Leben hauptsächlich aus der gefilterten Perspektive des Sebastian Lukasser. Über Sebastian Lukasser erfährt der Leser auf diese Weise ebenso viel wie über den Carl Jacob Candoris. Sebastian ist Schriftsteller, gerade an der Prostata operiert worden und zur Rekonvaleszenz auf Besuch bei Candoris. Im Sinne der Doppelbiographien, mit denen der Schriftsteller Sebastian Lukasser berühmt geworden ist, entsteht in "Abendland" selbst eine solche Doppelbiographie.
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