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4 3 2 1 Gebundene Ausgabe – 31. Januar 2017
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Paul Auster, der bekannte amerikanische Bestsellerautor, legt in Gestalt eines Rätselspiels sein bisher umfangreichstes Werk und Opus magnum vor: die vierfach unterschiedlich erzählte Geschichte eines jungen Amerikaners in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts – ein Epos voll mit Politik, Zeitgeschichte, Liebe, Leidenschaft und dem wechselvollen Spiel des Zufalls.'4 3 2 1' – das sind vier Variationen eines Lebens: Archibald Ferguson, von allen nur Archie genannt, wächst im Newark der fünfziger Jahre auf. "Was für ein interessanter Gedanke", sagt er sich als kleiner Junge, "sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er selbst immer derselbe bliebe. Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen konnte." Im Verein mit der höheren Macht einer von Paul Auster raffiniert dirigierten literarischen Vorsehung entspinnen sich nun vier unterschiedliche Versionen von Archies Leben: provinziell und bescheiden; kämpferisch, aber vom Unglück verfolgt; betroffen und besessen von den Ereignissen der Zeit; künstlerisch genial begabt und nach den Sternen greifend. Und alle vier sind vollgepackt mit Abenteuern, Liebe, Lebenskämpfen und den Schlägen eines unberechenbaren Schicksals … '4 3 2 1' ist ein faszinierendes Gedankenspiel und ein Höhepunkt in Austers Schaffen. Seine großen Themen, das Streben nach Glück, die Rolle des Zufalls, Politik und Zeitgeschichte von Hiroshima bis Vietnam – alle sind hier versammelt und verdichtet in den hoffnungsvollen Lebenswegen eines jungen Mannes, der sein Glück in der Welt zu finden sucht.
- Seitenzahl der Print-Ausgabe1264 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberRowohlt Buchverlag
- Erscheinungstermin31. Januar 2017
- Abmessungen15.3 x 5.27 x 22 cm
- ISBN-109783498000974
- ISBN-13978-3498000974
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Produktbeschreibungen
Pressestimmen
Paul Austers Roman erweist sich als Triumph des Erzählens in Form eines mit beeindruckender epischer Gelassenheit entworfenen Sittenbildes eines versunkenen Amerikas. '4 3 2 1' beschwört noch einmal dessen Größe. Und damit den Ur-Gedanken des amerikanischen Selbstverständnisses, demzufolge alles möglich ist - und sei es ein anderes, besseres Leben! ― Spiegel Online
Auster schuf eine Sinfonie in vier Sätzen – über sein eigenes Leben. Dabei genügt ihm ein einziges Instrument: Erzählkunst. ― Süddeutsche Zeitung
Ich habe seit langem keinen so guten, so anrührenden, so verspielt leichten und zugleich philosophisch ambitionierten Roman der Gegenwart gelesen wie diesen. ― Die Zeit
Das ist '4 3 2 1' auch: ein großartiger New-York-Roman, in jeder Hinsichtig gewichtig. Zum siebzigsten Geburtstag hat Auster sich selbst das schönste Geschenk gemacht: diesen Roman. Und uns als seine Leser beschenkt er mit. ― FAZ.NET
Paul Auster hat sein größtes Werk vorgelegt: eine Beschwörung der Fünfziger- und Sechzigerjahre, als sich jenes offene Amerika gefunden hat, das nun untergegangen ist. ― Der Spiegel
Paul Austers Great American Novel trifft mit der Antizipationskraft großer Literatur auch tief ins Herz der Gegenwart. ― Der Tagesspiegel
Als würde man in eine magische Kugel blicken: Ein Buch über die Zufälle des Daseins – und was wir daraus machen. Paul Austers vielleicht bestes Buch. ― ARD "Titel, Thesen, Temperamente"
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Thomas Gunkel, 1956 in Treysa geboren, arbeitete mehrere Jahre als Erzieher. Nach seinem Studium der Germanistik und Geografie in Marburg begann er, englischsprachige literarische Werke ins Deutsche zu übertragen. Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören u.a. Larry Brown, John Cheever, Stewart O’Nan, William Trevor und Richard Yates. Thomas Gunkel lebt und arbeitet in Schwalmstadt (Hessen).
Werner Schmitz ist seit 1981 als Übersetzer tätig, u. a. von Malcolm Lowry, John le Carré, Ernest Hemingway, Philip Roth und Paul Auster. 2011 erhielt er den Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis. Er lebt in der Lüneburger Heide.
Nikolaus Stingl, geb. 1952 in Baden-Baden, übersetzte unter anderem William Gaddis, William Gass, Graham Greene, Cormac McCarthy und Thomas Pynchon. Er wurde mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Übersetzerpreis, dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Stuttgart, dem Paul- Celan-Preis und dem Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW ausgezeichnet.
Produktinformation
- ASIN : 3498000977
- Herausgeber : Rowohlt Buchverlag; 4. Edition (31. Januar 2017)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 1264 Seiten
- ISBN-10 : 9783498000974
- ISBN-13 : 978-3498000974
- Originaltitel : 4 3 2 1
- Abmessungen : 15.3 x 5.27 x 22 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 99,630 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 551 in Politische Romane
- Nr. 1,096 in Coming-of-Age-Romane
- Nr. 7,164 in Gegenwartsliteratur
- Kundenrezensionen:
Informationen zum Autor

Paul Auster wurde 1947 in Newark, New Jersey, geboren. Er studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University und verbrachte nach dem Studium einige Jahre in Frankreich. International bekannt wurde er mit seinen Romanen Im Land der letzten Dinge und der New-York-Trilogie. Sein umfangreiches, vielfach preisgekröntes Werk umfasst neben zahlreichen Romanen auch Essays und Gedichte sowie Übersetzungen zeitgenössischer Lyrik.
Foto: © Spencer Ostrander
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Zumindest ging es mir so.
Ich habe es bereits beim Erscheinen Interesse an dem Buch gezeigt, es allerdings nicht gekauft. Jetzt über Medimops war der Zeitpunkt und der Verkäufer perfekt. Das Buch ist gebraucht, man merkt es allerdings nicht an. Der Verkäufer ist definitiv eine sichere Bank was den zustand des Buches betrifft; wurde noch nie enttäuscht.
Fazit: Guter Verkäufer. Empfehlenswertes Buch - wenn man sich 1250 Seiten zutraut ;-)
4321 greift ein zentrales Motiv Austers auf, zufällige Ereignisse nehmen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf unseres Lebens, und buchstabiert es durch wie nie zuvor. Der Autor erzählt die Lebensgeschichte, genauer gesagt Kindheit, Jugend und frühe Erwachsenenjahre, von Archibald Ferguson in 4 Varianten. Vier Leben die sich in einigen entscheidenden Details unterscheiden und dem Leben des Protagonisten eine andere Richtung geben. Eltern trennen sich oder eben nicht, die Umstände ergeben das der Vater reich ist, sich so durchschlägt oder einfach gut situiert ist, die große Liebe entscheidet sich für Ihn, gegen Ihn, für Ihn aber die Beziehung endet usw.
Die Änderungen sind dabei ebenso bedeutsam wie die Konstanten. Als da wären: die oben besagte große Liebe in Gestalt von Amy Schneidermann, Archies Interesse an Sport (Baseball, Basketball), die Liebe zur Literatur und vor allem zum Schreiben (sei es als Romanautor oder Journalist), das Kino als Traumfabrik und andere Form des Geschichten erzählens, die Familienmitglieder und deren Freunde die aber in jeweils veränderten Beziehungen zueinander auftauchen.
Konstant bleibt natürlich auch das zeitgeschichtliche Umfeld von ca. 1950 bis zum Beginn der 70iger Jahre.
So entwickelt sich eine Mischung aus Coming of Age, Familienroman, Zeitportrait und philosophischer Biographie, die ohne Frage auch stark autobiographisch ist.
Auster hat dem Roman eine Struktur gegeben die sich im 4321 des Titels wiederfindet. Bestimmte Lebensabschnitte werden in den jeweiligen Versionen durchdekliniert (1.1, 1.2, 1.3, 1.4; 2.1, 2.2…….). Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.
Das klingt soweit nach einem Prima Konzept. Was soll da schief gehen beim Meister des What If ? Paul Austers Sprache ist klar und einfach, aber keineswegs simpel. Das Buch liest sich erfrischend zügig, nicht obwohl sondern teils weil Sätze sich über Viertel, halbe, ja ganze Seiten schlängeln. Das gibt dem Erzählten etwas Treibendes. Nur ist das Buch eben lang. Die unterschiedlichen Lebensabschnitte haben Konstanten, die Hauptfigur bleibt sich in vielerlei Hinsicht treu, aber ganz ehrlich, so spannende Dinge geschehen in diesen Leben nicht, dass vier unterschiedliche Varianten nicht eben vier unterschiedliche Varianten des irgendwie Gleichen sind. Zeitweilig fällt es da schwer sich klarzumachen welche der Lebensvarianten man gerade liest. Die Interessanteste ist die des homosexuellen Archies, dessen Leben eben deutlich anders ist, aufregender und abwechslungsreicher als das seiner alternativen Ichs.
Da immer gleiche Lebensabschnitte in Varianten nacheinander erzählt werden, ermüdet die Detailversessenheit des Autors. Tatsächlich wird das Dilemma dieser verschränkten Lebensentwürfe nirgends so deutlich wie in einer Binnenerzählung, die erfrischend kurz das Konzept von 4321 darlegt. In dieser wird am Beispiel eins Mannes der an einer Wegkreuzung mit drei Gabelungen gelangt dargelegt, was geschieht als er jeweils einem der Wege folgt. Stets etwas anderes, erlebt vom gleichen Menschen mit unterschiedlichen Folgen. Das ist spannend, es passiert tatsächlich unterschiedliches, es ist prägnant und auf den Punkt.
Auster ist in 4321 leider selten kurz und auf den Punkt. Er buchstabiert die Varianten in allen Details aus, ohne dass die Informationsfülle zum Erkenntnisgewinn beiträgt. Das langweilt bei allem erzählerischen Können auf Dauer, denn intellektuelle Ansprüche, Geldknappheit bei Studenten, Liebesleid heranwachsender Feingeister in den 60iger Jahren und abhaken gesellschaftlicher Probleme dieser Zeit sind nicht so interessant, Austers Variationen nicht unterschiedlich genug um dauerhaft zu fesseln. Seitenlanges nacherzählen von Filmhandlungen und Buchzusammenfassungen tragen eben so wenig zur Abwechslung bei. Mitunter wirkt es schlicht geschwätzig, wenn Auster Filme, Bücher, Schauspieler und Autoren auflistet, als wollte er alles festhalten was er selbst je gelesen und gesehen hat.
Die gesellschaftlichen und politischen Konflikte der Zeit sind selten mehr als bloße Dekoration. Wie das „Bücher die man gelesen haben sollte Name-Dropping“ wird hier die USA 60iger Jahre Liste durchgenommen (Kennedy, Vietnam, Rassenunruhen, Sex usw.). Diese Konflikte, die natürlich auch ein Spiegel heutiger US Konflikte sein könnten, bleiben bloße Hintergrundmalerei. Archie ist einfach viel zu wenig in sie eingebunden oder an ihnen interessiert als dass sie zu tragenden Bestandteilen der Geschichte werden. Die gesellschaftspolitischen Ereignisse der Zeit lesen sich wie Nachrichtenüberschriften, nicht wie erlebtes.
Die Erzählhaltung und der Ton Austers passen nicht zu dieser Mischung aus Familiengeschichte, Zeitgeschichte, Biographie und Entwicklungsroman. Sein auktorialer Erzähler der in anderen Büchern distanziert Handlung und Zeit elegant rafft, lässt den Personen in 4321 zu wenig Raum und sie erhalten keine eigene Stimme die sie lebendig werden lassen würde. So wirkt vieles lediglich behauptet, bleibt zu nüchtern und nicht beim Lesen erfahrbar. Durch Austers ausuferndes Erzählen bleibt dem Leser nichts zu imaginieren, kein Freiraum den Lesen auch braucht.
Auster hat sich mit 4321 offenbar sein Traumbuch selbst geschrieben. Nur wie heißt es doch: Hüte dich vor Deinen Wünschen, Sie könnten in Erfüllung gehen. In 4321 erweist sich, dass aus einer guten Idee kein brillantes Buch werden muss. Jedes der geschilderten Leben wäre ein lesenswertes Buch gewesen, auseinandergerissen und zu einem einzigen Buch zusammengefügt trägt das Konzept leider nur bedingt. Es mag wahr sein, dass das Leben eines Menschen im ganz großen Überblick trotz veränderter Randbedingungen gar nicht so drastisch anders verlaufen wäre. Nur liest sich das in dieser epischen Breite nicht fesselnd genug und verliert bei einer Länge von 3 normalen Paul Auster Büchern einfach an Reiz.
Wenn Auster die Zeit großer Umwälzungen heraufbeschwört, eine Zeit in der alles möglich schien, dann könnte das als politisches Statement zur heutigen US Gesellschaft erscheinen. Tatsächlich ist es aber wohl bloß so, dass Auster aus der Zeit erzählt in der er erwachsen wurde. Er ist wie sein Held 1947 geboren. Die sich daraus ergebenden Parallelen und Gegensätze zwischen damals und heute: Zufall.
So bleibt als Fazit dass Paul Auster das Thema „wie Zufälle den Verlauf des Lebens bestimmen“ in anderen Büchern eindringlicher und interessanter beschrieben hat. Das vorliegende Werk ist unendlich breit, aber keinesfalls tiefer als etwa „New York Trilogie“, „Die Musik des Zufalls“, „Moon Palace“ oder „Unsichtbar“. Sprachlich gefällt er mir dort ebenfalls besser, weil er disziplinierter ist. Hier redet er viel, dort sagt er viel. Insgesamt wirkt 4321 überfrachtet. Auster hätte mehr Mut zum Wesentlichen haben sollen. Oder einfach drei Bücher schreiben sollen. Kennt man kein anderes Buch von Paul Auster ist dieses mit Gewinn zu lesen. Ein besserer Startpunkt und auch die interessantere Lektüre sind dennoch die oben genannten Romane.
Dies ist das neueste Buch des Schriftstellers Paul Auster. Jeder hat sich schon einmal gefragt, was wäre gewesen, wenn ein schicksalhaftes Ereignis anders oder nicht eingetreten wäre. Welche Auswirkungen hätte das gehabt? Diese interessante Frage macht sich Auster in seinem Buch zu Eigen. Die zunächst verwirrende Zahlenfolge als Titel hängt damit zusammen, dass der Autor den Versuch unternimmt, das Leben des Archie Ferguson in vier Varianten zu erzählen.
Der Familienlegende nach verließ Fergusons Großvater Ike, versehen mit hundert Rubeln, zu Fuß seine Heimatstadt Minsk, gelangte über Warschau und Berlin nach Hamburg und buchte dort die Überfahrt auf einem Schiff zu den USA und lief am 1. Januar 1900 im New Yorker Hafen ein. Als Witz über den Großvater wurde in der Familie erzählt, dass ihm ein Mann auf Ellis Island beim Warten auf die Befragung durch einen Einwanderungsbeamten gesagt habe, er solle seinen Namen Isaac Reznikoff – so hieß er nämlich – vergessen. Er brauche einen amerikanischen Namen, der sich gut amerikanisch anhörte. Der Mann riet ihm zu Rockefeller. Damit könne er nichts falsch machen. Als Isaac Reznikoff müde vom langen Warten vor dem Einwanderungsbeamten stand, hatte er den Namen längst wieder vergessen. Der Beamte fragte: Ihr Name? Der Großvater schlug sich verzweifelt an die Stirn und platzte auf Jiddisch heraus: Ich hob fargessen! So begann dem Witz nach Isaac Reznikoff sein neues Leben in Amerika als Ichaod Ferguson.
Ichabod Ferguson kam in Amerika nur schwer zurecht. Dennoch fand er mit Fanny eine Frau, die ihm drei stramme und gesunde Söhne gebar. Ansonsten schlug er sich mit vielen Arbeiten durch. Mit 43 Jahren ereilte er ihn ein früher Tod. Seine Frau Fanny zog mit ihren Jungen nach Newark, New Jersey. Ihre Söhne Louis, längst Lew geworden, Aaron, umbenannt in Arnold, und Stanley, von Allen Sonny genannt, waren vierzehn, zwölf und neun Jahre alt. Der familiäre Hintergrund von Stanley und Rose, seiner Frau, wird beleuchtet. Stanley, ein alter Junggeselle, hatte Rose nach seinem dreißigsten Geburtstag am 6. April 1944 geheiratet, exakt zwei Monate vor der Landung der Alliierten in der Normandie. Lew und Arnold heirateten beide mit Anfang zwanzig. Stanley arbeitete mit seinen Brüdern zusammen. Die Radioreparaturwerkstatt von Stanley wurde zu Three Brothers Home World, einem ansehnlichen Geschäft für Möbel und Haushaltsgeräte, für die alle drei tätig waren. Das Geschäft wurde erfolgreich. Stanley, der cleverste unter ihnen, leitete das Unternehmen.
Ihre Schwägerinnen Millie und Joan waren für Rose neue Freundinnen geworden, die sie nach ihrer Hochzeit als gleichwertiges Mitglied in ihrem Stamm aufnahmen. Millies zwei Kinder waren Andrew und Alice. Joan hatte drei Kinder, nämlich Jack, Francie und Ruth. Am meisten hing sie an ihrer Nichte Francie; nachdem sie sich kennenlernten, war es eine Liebe auf den ersten Blick.
Rose wollte Mutter werden. Stanley trug das Seine dazu bei und schwängerte sie dreimal in den ersten achtzehn Monaten ihrer Ehe. Alle dreimal erlitt Rose einer Fehlgeburt im dritten Monat der drei Schwangerschaften. Beim vierten Mal und mit viel Ruhe vor der Entbindung klappte es und Archie wurde geboren.
Am 5. Mai 1945, drei Tage vor dem Ende des Krieges in Europa, starb Onkel Archie unvermittelt an einem Herzinfarkt. Mit neunundvierzig Jahren. Deswegen erhielt der Sohn von Rose den Namen des verstorbenen Onkels Archie.Archie wuchs normal auf. Zwei Monate, nachdem Ferguson ins erste Schuljahr gekommen war, eröffnete seine Mutter in Montclair, wo sie sich ein Haus gebaut hatten, ein Fotoatelier: Roseland Photo. Die ersten Fotos machte Rose von ihrem Sohn und stellte sie im Schaufenster aus.
Durch die Haushälterin Cassie wurde Ferguson zum Baseballfan. Eines Tages wurde das Lagerhaus seines Vaters bei einem Einbruch leer geräumt. Die Polizei ermittelte, dass der Täter ein Insider gewesen sein musste. Auf Arnold fiel der Verdacht. Deswegen musste sein Vater, Stanley, die Anzeige und den Versicherungsanspruch zurückziehen oder Arnold ins Gefängnis schicken. Er hat die Anzeige zurückgezogen. Bereits vor der Einschulung brachte seine Großmutter ihm Lesen und Schreiben bei.
Eines Tages brannte das Geschäft des Vaters ab; es war der Versuch eines Versicherungsbetruges, weil der Bruder Lew bei einer Baseballwette alles auf eine Karte gesetzt und verloren hatte. Dies hatte Auswirkungen auf die Finanzen der Firma, an denen Lew sich schon vorher kräftig bedient hatte. Lew’s Gläubiger Bernstein schlug den Versicherungsbetrug vor, damit aus der Versicherungssumme die hohen Schulden von Lew beglichen werden konnten. Stanley wollte da nicht mitmachen. Es ging um sein Lebenswerk. Am Abend, an dem das stattfinden sollte, ging er früh ins Geschäft, um den Brand zu verhindern, setzte sich auf einen günstigen Platz - und schlief ein. Er bekam nichts mit, als die Ganoven Feuer legten. Die Flammen verschlangen ihn bei lebendigem Leibe.
Im Frühjahr des folgenden Jahres saß sein Onkel Lew ebenso im Gefängnis wie zwei Gehilfen und der Auftraggeber Bernstein.
Ferguson hatte mit seiner Mutter New Jersey verlassen, sie lebten in New York in einer Vierzimmerwohnung am Central Park West. Das Fotoatelier war verkauft, die Lebensversicherung seines Vaters hatte seiner Mutter zweihunderttausend steuerfreie Dollar ausbezahlt.
Dann beginnt eine weitere Variante des Lebens von Archie Ferguson. Der verstand nicht, warum sie in derselben Stadt in ein größeres Haus ziehen sollten. Und warum Onkel Lew und Onkel Arnold New Jersey verlassen hatten, um in Kalifornien ein neues Leben anzufangen. Sein Vater habe sie ausbezahlt, sagte ihm seine Cousine Francie.
Als das Schuljahr endete, kam er für acht Wochen in ein Feriencamp im Bundesstaat New York. Es war das erste Mal, dass er von zu Hause wegging. Er fühlte sich dort wohl und nahm in den folgenden Jahren immer wieder an dem Sommercamp teil. Die Kinder waren alle jüdisch, die Betreuer ebenso. Auch dies erlebte er zum ersten Mal.
Die Umstände hatten sich geändert. Die beiden Onkel Fergusons wurden aus dem Familienkreis gerissen. Onkel Arnold lebte im fernen Kalifornien, Onkel Lew war bei einem Autounfall verstorben.
Tante Mildred überhäufte ihren Neffen in jedem Alter mit Büchern und Schallplatten. Daneben wurde er ein Sportsmann. Besonders Baseball hatte es ihm angetan. Ferguson bewunderte als Fünfzehnjähriger John F. Kennedy. Auf ihn konzentrierte sich die Hoffnung der jungen Generation. Am Morgen des 20. Januar 1961 sah er sich in ihrem Wohnzimmer die Antrittsrede von John F. Kennedy im Fernsehen an und sog sie in sich auf.
Er lernte ein Mädchen kennen, eine Belgierin, die nach den USA gekommen war und die aus der Sicht des Rezensenten zweifelhafte These aufstellte, Belgien habe das beste Bier. Sie wurde seine erste große Liebe, die aber nicht hielt. Martin Luther King und sein Marsch auf Washington wird vom Autor ebenso erwähnt wie seine große Rede „Ich habe einen Traum…“. Dann begegnete ihm Amy Schneiderman. Sie wurde zur großen Liebe seines Lebens, die allerdings auch nicht von Dauer war. In Dallas wurde Präsident Kennedy erschossen. Es war ein Schock für Ferguson, für Amy und für viele Menschen in den USA, und nicht nur dort. An diesem Abend schliefen Ferguson und Amy zum ersten Mal miteinander.
Sein Vater hatte die Branche gewechselt. Er zog eine Tennishalle hoch, das South-Mountain-Tenniscenter und hatte damit Erfolg. Das Schuljahr war die Hölle für ihn. Die Klassenkameraden ärgerten ihn, wo sie nur konnten. Nur die Mädchen seiner Klasse hielten zu ihm. Er hatte zu ihnen viele Kontakte. Eine Liebe folgt der anderen. Sein Unterleib hatte die Herrschaft über seinen Körper angetreten. Er ging im Sommer wieder ins Camp Paradise. Dort war er glücklich. Beil einem ungeheuerlichen Gewitter ging er hinaus. Das Wasser prasselte auf ihn in Sturzfluten ein. Ein abgebrochener Ast erwischte ihn am Kopf. Damit war sein aufstrebendes Leben in dieser Version der Geschichte am 10. August 1960 beendet.
Die wunderbare Zeit der zwei Monate ohne Schule ging vorbei und Ferguson kam auf Rat seiner Tante Mildred auf eine Knabenschule. Es war eine durch und durch christliche Schule, von der Ferguson bald erfuhr, dass er von über 600 Schülern einer von 11 jüdischen Schülern war. Dies und viele Reaktionen der christlichen Schüler verwirrten ihn. Seine Leistungen fielen radikal ab.
Seine Mutter fing wieder an zu fotografieren und erledigte einzelne Aufträge. Ihre Bilder wurden in Büchern veröffentlicht. In seiner vielen Freizeit lernte Ferguson die alten Laurel-und-Hardy Filme kennen und schätzen. Mit seiner Mutter ging er oft ins Kino und sah sich die Filme der damaligen Zeit an. Dann kam er auf eine neue, gemischte Schule für Jungen und Mädchen. Dort blühte er wieder auf.
Seine Mutter heiratete einen Mann namens Gilbert Schneiderman, den Sohn ihres früheren Chefs, der ihr die Geheimnisse des Fotografierens beigebracht hatte. 1960 bekam sein Großvater einen Herzinfarkt und verstarb; ebenso verstarb 1961 seine Großmutter an einem Schlaganfall.
Er kam gut mit seinem neuen Stiefvater zurecht und mit seinen neuen Verwandten. Mit den einen mehr, mit den anderen weniger.
Die Adlers, die Familie seiner Mutter, schrumpften. Entweder sie starben nacheinander oder sie waren weggezogen. Ferguson und seine Mutter waren als Einzige von den Adlers in New York übrig geblieben. So konzentrierten sie sich auf ihre neue Familie. Mit Jim, seinem neuen Stiefbruder, freundete er sich an. Und auch mit seiner Cousine Amy. Die war seine Verwandte, also Tabu für ihn im Hinblick auf sexuelle Gelüste. Als Amy ihm dann einen intensiven Zungenkuss verpasste, kam Ferguson endgültig zu dem Schluss, dass sie gar keine richtigen Verwandten waren.
Seinen Wunsch, auf ein Internat gehen zu dürfen, um der häuslichen Enge zu entgehen, lehnte der Vater ab. Die Mutter gab zum Leidwesen von Ferguson ihren Fotoladen auf. Im Laufe der Zeit erkaltete die Ehe seiner Eltern. Jeder scherte sich nur um den eigenen Kram.
In einem der Sommercamps lernte er Artie Feldman kennen, der ihm ein guter Freund wurde. Leider starb Artie im Sommercamp vor seinen Augen an einem Hirnaneurysma. Das war das Schlimmste, was ihm jemals passiert war, und traumatisierte ihn. Die Trauerfeier für Artie war eine reine Verzweiflung. Danach schrieb er eine Kurzgeschichte über zwei Schuhe; zwei „Sohlenverwandte“.
Am 19. Dezember meldete die New York Times, amerikanische Gis seien in das südvietnamesische Kriegsgebiet einmarschiert und hätten die Anweisung zu schießen, wenn sie beschossen würden. Insgesamt befänden sich jetzt zweitausend amerikanische Soldaten in Südvietnam.
Amy und Ferguson gingen zum ersten Mal miteinander ins Bett. Es war aber ein ängstlicher und schmerzhafter Beischlaf an dem Wochenende, als Johnson zum neuen Präsidenten der USA vereidigt wurde. Und als Oswald, der angeblich Kennedy ermordet hatte, ebenfalls erschossen wurde.
Seine Lieblingscousine Francie rief an, ob er zu einem Wochenende zum Skilaufen mitkommen würde. Er konnte Amy mitnehmen und sie gaben sich laut den Freuden der Liebe hin. Am nächsten Morgen fuhr Francie mit ihm einkaufen und machte ihm Vorwürfe. Einmal blickte sie ihn wuterfüllt an. Dieser Blick war ein Fehler. Der Wagen rammte einen Baum. Damit war ihre Fahrt zu Ende. Sie kamen Beide ins Krankenhaus.
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Sie wurden beide verletzt. Francie hatte eine Gehirnerschütterung und einen Bruch des linken Schlüsselbeins. Ferguson war bewusstlos und blutend an Kopf, Armen und der linken Hand. Zwei Finger der linken Hand wurden vom Glas der Windschutzscheibe abgetrennt; der Daumen komplett und vom Zeigefinger die oberen Zweidrittel. Die Finger wurden nicht mehr aufgefunden. Francie erlitt im Krankenhaus einen Nervenzusammenbruch. Dann musste er nach einigen Wochen in die Schule zurückkehren. Das Leben ging weiter.
Am 3. März wurde er siebzehn. Ferguson machte seinen Führerschein und seine Eltern schenkten ihm ein eigenes Auto. Am 16. Juli wurde Barry Goldwater in San Francisco zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten nominiert. Amy war froh, dass Ferguson nicht eingezogen wurde. Weil Männer mit nur einem Daumen nicht eingezogen wurden.
Doch dann wurde die Liebe beendet. Amy mochte ihn nicht mehr. Er lernte einen Jungen kennen, der ihn in die Geheimnisse gegenseitigen Onanierens einführte. Als der ihm seine Liebe gestand, verließ Ferguson fluchtartig das Haus.
Mrs. Schneiderman, die Mutter von Amy, starb an Bauchspeichelkrebs. Seine Mutter teilte Ferguson mit, dass sein Vater und sie sich trennen und scheiden lassen wollten. Er zog zur Mutter. Die Schneidermans kamen aus Europa zurück und wurden von Ferguson’s Mutter eingeladen. Amys Vater und Fergusons Mutter heirateten nach elf Monaten.
In den USA wurde stark und kontrovers über den Bericht der Warren-Kommission zur Ermordung von John F. Kennedy diskutiert. Johnson siegte bei der Präsidentenwahl über den noch schlimmeren Goldwater. Amy brauchte eine Pause von ihrem Liebesverhältnis zu Ferguson und genehmigte sich diese vier Monate lang. Durch Zufall erhielt er einen Job als Sportreporter der örtlichen Times. Mit Begeisterung widmete er sich der neuen Aufgabe. Dann fertigte er Portraits von einzelnen Trainern und Spielern an. Am 7. Februar wurden bei einem Angriff der Vietcong auf einen Militärstützpunkt in Pleiku acht amerikanische Soldaten getötet und einhundertsechsundzwanzig GI’s verwundet. Malcom X wurde von einem Attentäter erschossen. US-Marines landete in Vietnam. Ende Juli waren hundertfünfundzwanzigtausend amerikanische Soldaten in Vietnam stationiert. Eine Mutter von fünf Kindern wurde in ihrem Wagen von Mitgliedern des Ku-Klux-Klan erschossen, weil neben ihr auf dem Beifahrersitz ein Schwarzer saß. Ferguson war entsetzt. Sein Amerika, in dem er leben wollte, existierte nicht.
Amy kam zurück. Viereinhalb Wochen machten sie eine Tour nach Frankreich. Als sie zurückkamen, war sein zu Hause nicht mehr das Haus in Montclair, sondern eine Wohnung im Newarker Stadtteil Weequahic.
Im nächsten Kapitel macht Ferguson zwei Reisen nach Kalifornien und nach Paris. Sein erster Flug nach Kalifornien war enttäuschend. Die Reise mit seiner Mutter nach Paris machte ihm großen Spaß.
Zwischen den beiden Reisen lag der große heiße Sommer in New York. Ferguson widmete sich dem Basketballspielen. Er hatte seine erste Filmkritik veröffentlicht, seine erste Zigarette geraucht und suchte zum ersten Mal in seinem Leben ein Bordell auf. Er klaute klammheimlich Bücher, um durch ihr Verscherbeln das Geld zu haben, zu einer Prostituierten zu gehen. Dabei wurde er erwischt und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das College, dessen Aufnahmeprüfung er zweimal versäumt hatte, verlor seinen Reiz für ihn. Zum Militär wurde er nicht eingezogen.
In den letzten drei Jahren seiner Schulzeit schrieb Ferguson viele Kurzgeschichten. Er wollte Schriftsteller werden.
Fergusons Vater strich den gesamten Erlös aus dem Verkauf des alten Hauses ein. Seine zweiten Eltern mieteten ein neues großes Haus für die gesamte Familie. Er begann ein neues Techtelmechtel mit einer weißen Südamerikanerin; das zerbrach, als sie nach Israel ging.
Ferguson wurde als Student in Princeton angenommen und erhielt ein begehrtes Stipendium der Walt-Whitman-Stiftung. Währenddessen begann der Einmarsch der USA in Vietnam. Er hörte auf, Gedichte zu schreiben, und versuchte stattdessen, mit der Übersetzung von Gedichten sprachlich zu reifen. Gleichzeitig fragte er sich, wie lange der Vietnam-Krieg noch dauern würde. Auch nahm er regen Anteil an dem Leben in New York. Ferguson war aufmerksam Amy gegenüber. Zum Anfang seines zweiten Semesters bezog er mit Amy zusammen eine geräumigere Bude außerhalb des Campus.
Vivian Schreiber, eine Freundin seiner Mutter, lud ihn ein in ihre Wohnung nach Paris. Er schrieb ein Buch, von dem Vivian Schreiber nach Fertigstellung begeistert war und dessen Veröffentlichung sie sofort organsierte. Währenddessen gewann de Gaulle in Frankreich wieder die Wahlen. Und Ferguson betrieb Sex mit einem älteren Mann, den er angeekelt beendete.
Er kümmerte sich weiter um Celia, die kleine Schwester seines verstorbenen Freundes. Die dann aber auch einen Freund hatte, womit er aus dem Rennen war. Dann verliebte er sich erneut. Er war achtzehn und sie einunddreißig Jahre alt. Einige Freunde wussten um das Verhältnis der Beiden, Familienmitglieder nicht. Sie wollte ein Kind von ihm. Deswegen verzichteten sie auf Verhütung – nichts passierte. Ferguson ließ sich zähneknirschend untersuchen. Das Ergebnis war für ihn niederschmetternd.
Fergusons Großvater starb 1966 an einem Herzinfarkt, seine Großmutter 1967 an einem Schlaganfall. Im Juni 1967 fand der Sechstagekrieg des Israelis statt. Rassenunruhen in Newark fanden statt. Sein Vater geriet in Panik. Nach dem Tod des Großvaters stellte die Familie fest, dass der noch eine Vollzeitgeliebte gehabt hatte, die halb so alt war wie er. Deswegen fand nur eine kleine Beerdigung mit acht Personen statt.
Nach dem Tod der Großmutter, die viel Geld hinterlassen hatte, gaben seine Eltern ihm einen Batzen Geld davon. Anfang 1968 waren fünfhunderttausend amerikanische Soldaten in Vietnam. Napalm und brennende Dörfer beherrschten die Bilder in der Welt. Johnson gelang es nicht, den Krieg zu gewinnen; seine Gegner schafften es nicht, Johnson zur Beendigung des Krieges zu zwingen. Martin Luther King wurde in Memphis ermordet. Dies war ein Schlag gegen das „kollektive Nervensystem“ der USA. Hunderttausende stürmten auf die Straßen, warfen Fernster ein und setzten Gebäude in Brand. Eugene MacCarthy und Robert Kennedy bewarben sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Amy war auf Seiten der Kritiker der USA. Sie war Gläubige, Ferguson war Agnostiker. Dann begann wieder eine Abkühlungsphase zu Amy. Es kam zu Unruhen auf dem Campus, Amy war mittendrin. Ferguson fand, es handelte sich um eine Revolution in der Puppenstube. Es kam zu blutigen Polizeieinsätzen. Siebenhundertzwanzig Personen wurden verhaftet. Amy konnte Ferguson nicht mehr ertragen, trennte sich und zog aus.
Wieder zu der anderen Fassung: Nachdem er den Sex mit dem älteren Mann gehabt, dessen Geld nicht angenommen und die Scheine aus dem Fenster geschmissen hatte, war er stolz auf sein erstes selbst geschriebenes Buch.
Ferguson las wieder viel und schaute sich viele Filme an. Er lernte in Paris seinen Verleger kennen, der sein Buch in Großbritannien veröffentlichen wollte. Schon am Tag ihres Kennenlernens landeten sie im Bett. Seine Mutter und sein Stiefvater Gil kamen ihn in Paris auf ihrer verspäteten Hochzeitsreise durch Europa besuchen. Es war eine schöne Woche. Aber auch eine Woche, in der er seine Geheimnisse vor ihnen verbarg. Bei ihrem Abschied berührten sie sich zum letzten Mal. Ferguson sah sie nie wieder. Denn er hatte nach der Verabschiedung nur noch dreihundertvier Tage zu leben. Bei einem Verkehrsunfall während eines Besuches in London anlässlich der Veröffentlichung seines Buches sollte er sterben.
Doch zunächst lernte er durch Vivian Alfred Dufresne kennen und lieben, der zehn Jahre älter war als er. Zwei Monate lebten die Beiden im Himmelreich. Seinen zwanzigsten Geburtstag feierte er mit einem kleinen Essen in der Wohnung von Vivian mit ihr und ihrer Geliebten Lisa. Dann machte er sich per Zug auf nach London. Albert war auch gekommen, um die Buchvorstellung mit zu erleben. Ferguson spazierte nachmittags allein durch das neblige London. Bei Überqueren einer Straße schaute er instinktiv nach links statt nach rechts, wie es in London wegen des Rechtsverkehrs der Autos notwendig gewesen wäre. So sah er einen weinroten Wagen nicht. Der traf ihn mit voller Wucht, er flog wie eine menschliche Rakete durch die Luft und landete mit dem Kopf auf der Bordsteinkante. Sein Schädel brach und sein Leben war ausgelöscht. Das war das Ende des aufstrebenden 20jährigen Schriftstellers Archie Ferguson in dieser Version.
Es geht weiter mit der nächsten Fassung. Der notorisch geldklamme Ferguson arbeitete weiterhin als Möbelpacker. In einer peinlichen Situation erwischte er seinen Großvater mit heruntergelassenen Hosen. Als Schweigegeld erhielt er von ihm eine ansehnliche Geldsumme. Davon konnte er erst einmal leben, schreiben, lesen und Filme schauen. Und last not least seinen sexuellen Neigungen nachkommen. Dies waren seine Leidenschaften in allen vier Varianten des Buches.
Er studierte weiter in Princeton. Auch kümmerte er sich in der ihm eigenen Art um Celia. Mit der er natürlich auch im Bett landete. Celia haute dann ab - es war gerade Mitte des Sechstagekrieges der Israelis. In den USA gab es den Rassenkrieg. Auch in seiner Geburtsstadt Newark wütete dieser Krieg . Ferguson geriet mit Freunden in einem zweifelhaften Lokal in eine Keilerei, die Polizei kam und sie wurden angeklagt. Der Richter, auch ein ehemaliger Student von Princeton, sprach ihn vom Vorwurf wurde der Körperverletzung frei und unterrichtete die Walt-Whitman-Stiftung von dem Vorfall. Diese teilte ihm mit, dass man ihm ab sofort das Stipendium kündigte, weil er sich die freiwillige Selbstverpflichtung zum Verhalten als Gentleman nicht eingehalten hatte. Er war kein Vorbild für tadelloses Benehmen.
Im nächsten Kapitel studierte Ferguson weiterhin in Columbia. In der zweiten Hälfte von 1968 bis in der ersten Hälfte 1969 ging die Polizei dort mit großer Brutalität gegen die Studenten vor, die sich gegen den Vietnamkrieg engagiert und eine Bürgerbewegung organisiert hatten. Im September 1969 hatten sowjetische Panzer die Grenze zur Tschechoslowakei überquert. Niedergeschlagen kehrte Ferguson zum letzten Semester zurück. Aufs Graduiertenkolleg wollte er nicht weitergehen. Vom Studium hatte er die Nase voll.
Wieder half ihm der Zufall. Carl McManus, ein Verantwortlicher einer Zeitung in Rochester, rief junge Redakteure aus dem Studentenmagazin zusammen, die alle im letzten Semester waren, und bot ihnen einen Job bei der Times-Union in Rochester an, die eher dem liberalen Lager in den USA zuzuordnen war. Ferguson sagte zu, nachdem er sich mit dem Mann unterhalten und eine gleiche Wellenlänge festgestellt hatte.
So zog er nach Rochester, bekam eine eigene Wohnung und arbeitete zunächst in der Lokalredaktion. Vom Militär bekam er eine Untauglichkeitsbescheinigung. Der Chef in der Lokalredaktion malträtierte ihn, hatte stets etwas auszusetzen, schrieb seine Texte um. Daneben hatte er wieder Weibergeschichten. Die Massaker von My Lai wurden bekannt. Siebenhundertfünfzigtausend Menschen nahmen am Marsch auf Washington teil, um ein Ende des Krieges zu fordern. Manson hatte Sharon Tate und andere getötet.
Eines Tages beauftragte ihn McManus mit einer Artikelserie über die letzten zehn Jahre der USA. Er sollte ca. zehn Stories von zweitausendfünfhundert Worten erstellen. Seine Artikel darüber kamen an und wurden heftig kontrovers diskutiert. In den USA fanden
Rassenunruhen statt und Tumulte in New Yorker Gefängnissen.
Fergusons Tante Mildred erreichte es mit ihren Beziehungen, dass er das Brooklyn College besuchen konnte. Er studierte weiterhin mit Erfolg, schrieb und erhielt einen ansehnlichen Vorschuss für drei Bücher. Weiterhin kümmerte er sich um Celia, bis auch dies Verhältnis auseinanderging.
Dann starb sein Vater an einem Herzinfarkt im Alter von 54 Jahren. Sein Vater hatte ihm einhunderttausend Dollar vermacht.
Fergusons Bücher wurden rezensiert. Er erhielt ebenso viel Lob wie Tadel. Richard Nixon wurde Präsident. „Onkel“ Ho Chi Minh starb. Sein Studium näherte sich dem Ende. Weiter studieren wollte er nicht. Jetzt drohte die Faust des Militärs. Ferguson musste zur Musterung. Präsident Nixon hatte ein absurdes Einberufungsverfahren eingeführt. Sie beriefen ihn nicht ein. Er war sowieso gegen diesen sinnlosen Krieg. Nach der guten Nachricht fand ein arges Besäufnis mit seinen Freunden statt, die ebenfalls nicht zum Militär mussten. Am Tag danach verlor er auf einer Leiter beim Anstreichen – er war beruflich unter die Anstreicher gegangen - das Gleichgewicht, stürzte und brach sich den linken Fußknöchel und das linke Handgelenk. Nach dem Unfall verbrachte er sechs Wochen in dem Haus der Mutter und ihrem Mann. Zum Ende dieser Zeit beschloss er, nach Paris zu gehen.
An 1.Januar 1970 erzählte ihm seine Mutter den alten Witz über einen jungen russischen Juden mit dem langen, unaussprechlichen Namen, der auf Ellis Island eintraf und dann auf so seltsame Art zu einem neuen Namen kam: Der Witz gefiel Ferguson, und er lachte darüber. Er dachte später intensiv darüber nach und machte sich seine immer wiederkehrenden Gedanken über: „Was wäre, wenn….“?“ So wurde sein nächstes Buch geboren. Es begann mit dem Witz über den Namen eines Mannes. Ihm kam der Gedanke, über vier Jungen mit denselben Eltern, demselben Körper und demselben genetischen Material, aber jeder mit seinem je eigenen Gefüge von Umständen in einem anderen Haus in einer anderen Stadt lebend, zu schreiben. So kam er zu dem Titel 4 3 2 1.
Ferguson flog nach Paris, lebte fünfeinhalb Jahre dort in einer Zweizimmerwohnung und arbeitete an seinem Roman über die vier Fergusons. 1974 war Richard Nixon wegen der Watergate-Affäre von seinem Amt als Präsident der USA zurückgetreten. Sein Vizepräsident Gerold Ford wurde nunmehr Präsident. Er ernannte Nelson Rockefeller zu seinem Vizepräsidenten. „Er war verheiratet mit einer Frau namens Happy.“ Mit diesem letzten Satz endet dieses wundervolle Buch.
Der Autor kann exzellent schreiben, und die vier Übersetzer können ebenso herausragend übersetzen. Dies ist ein Buch voller Leben und Tod, voller Sex und Einsamkeit, voller Himmelhochjauchzen und zu Tode betrübt, voller Krieg und voller Frieden. Es ist ein lesenswertes Buch.
Einfach herrlich ist es, zum Beispiel über die achtzehn Gründe zu lesen, warum Rose zu Beginn ihren Stanley heiratete. Dies ist sprachlich mit großem Humor gelungen wie so Vieles in diesem Buch. Er schreibt Kaskadensätze von eigener Qualität. Das Buch ist eine Fundgrube für hervorragende, eigenwillige Formulierungen, die zu lesen Freude machen. Die langen Sätze ermüden nicht, weil sie sprachliche Feuerwerke sind mit immer neuen Bildern; der Leser wartet schon auf die nächsten. Das ist spannend und erfreut den Leser. Übrigen ist dieses Buch erkennbar ein US-amerikanisches Buch. Der Autor baut allgemeine politische Ereignisse in seinen Roman mit ein. Das Vermischen von Privatem und Politischem macht das Buch zusätzlich interessant und ist für Zeitzeugen eine gute Sache, zumal zu den Stichworten plötzlich eigene Gedankenfragmente einfallen.
Dennoch ist das Buch zu lang. Teilweise verfällt der Autor zu sehr in auswalzende Formulierungen, die er hätte sich sparen können. Zum Beispiel mit dem langen Bericht über Ferguson’s ersten Kurzgeschichte, „die Sohlenverwandten“.
Doch alle Kritik sind peanuts im Hinblick auf das Gesamtwerk. Insgesamt war die Lektüre dieses Buches für den Rezensenten ein Genuss. Wer wissen will, was ein Autor mit Sprache anstellen kann, welch herrliche Formulierungen möglich sind, was eine gute Übersetzung ist, der sollte dies Buch lesen. Die Lektüre wurde trotz des Buchumfangs nie langweilig durch die Kraft der Sprache. Der Leser wartet auf die nächsten Einfälle des Autors. „4 3 2 1“ ist große Literatur, die bleiben wird.
Anmerkung zum Schluss: Mit diesem Buch wird dem Leser auch klar, dass in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg die Bevölkerung tief gespalten war in einen konservativen und einen eher liberalen Teil. Das hat Ursachen, die weit in die Geschichte der USA hineinreichen. Damit wird klarer, warum die beiden Teile so verbissen und oftmals chaotisch mit allen Mitteln gegeneinander kämpfen. Das ist in Deutschland, einem harmoniesüchtigen Land, nie so recht offenbar geworden. Auch von daher ist die Lektüre dieses Buches zu empfehlen. Ich kann die Lektüre dieses Buches bestens und uneingeschränkt empfehlen und vergebe dafür die Höchstzahl an möglichen Sternen.






