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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
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Über Rechtfertigung, eine Versuchung
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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am 30. November 2016
Literaturkritik:
Martin Walser versteht es, den Leser zu interessieren,für das was er schreibt.Er wagt sich an
Themen heran, gut überlegt und vor allem gut vorbereitet. Er setzt sich auseinander mit Nietzsche
und Barth,wie der Erst-Rezensent schon schrieb,ertraut sich was.Er hinterfragt,bemerkt, vertritt
eigene Vorstellungen und dies überzeugend.Trotzdem überlässt er dabei immer dem jeweiligen
Leser,sich seine persönlichen Vorstellungen machen zu können.Walser legt sich also nicht fest,
es lässt vieles bewusst offen.Er möchte damit dem Leser zum Nachdenken anhalten,ermuntern.
Das ist typisch für Martin Walser.Er schreibt seine Bücher stets Leser - interessierend.Das macht
seine Werke aus.
Solange aber die Unantastbarkeit der Würde eines Menschen in unserm Land nur eine Zielsetzung
ist,ist das ein Mangel gegenüber der Liebe zu den Menschen.
Da stellt sich die Frage? Ist die Würde des Menschen in unserem Land wirklich unantastbar?
Das mag bezweifelt werden!
So ist das auch mit dem Glauben an Gott.oder seine tatsächliche Existenz.Selbst wenn,lässt er
dabei offen, dass wenn es ihn nicht geben würde,er den Gläubigen Menschen fehlen würde.Es
wird nicht umsonst gesagt: "Allein der Glaube versetzt Berge." Es ist also der rechtfertigende
Glauben, der uns mit Gott verbindet und uns damit sehr nahe ist. In den schwersten Sunden wird
oft von Menschen gesagt,wenn es einen Gott gibt, so möge er helfen. Das ist das wirklich "Schöne
am Glauben.
"Wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht,
wäre ich nichts.
Dies hat Martin Luther z. B. bei seiner "Übersetzung" einfach hinzugefügt. Welch eine Krone für den Glauben!
Noch einmal,das ist das wirklich "Schöne" am Glauben.Allein die Rechtfertigung der Versuchung "Liebe".

Fünf Sterne für das Buch von Martin Walser.
Dazu eine besondere Leseempfehlung.
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VINE-PRODUKTTESTERam 27. März 2012
Wer Walser als Schriftsteller mag, wird es auch mögen, wie er sich an die Schrift aller Schriften heranwagt und sich zu Fragen von Religion und Glaube zwar behutsam aber doch auch bedeutsam äußert. Äußerlich wirkt das Buch eher bescheiden, doch am Inhalt des Buches können sich die Geister scheiden, gerade wenn es um Friedrich Nietzsche und Karl Barth geht.

Es ist erstaunlich, wie Martin Walser seine eigene Ansichten, Anmerkungen und Anfragen angenehm ansprechend verpackt und doch den Lesern eine Freiheit lässt, einen eigenen Standpunkt zu entdecken.
Hierzu passt, dass Martin Walser keine Theologie treibt, dass es ihm aber ein Antrieb ist, einem leidenschaftslosen Atheismus die Existenz abzusprechen: Es genüge nicht zu sagen, dass es Gott nicht gebe. Wer sagt, es gebe Gott nicht, und nicht dazusagen kann, dass Gott fehlt und wie er fehlt, der hat keine Ahnung. Einer Ahnung allerdings bedarf es. Dies erinnert an Matthias Claudius, der mahnte, etwas Festes müsse der Mensch haben ...

Besonders beachtlich finde ich, wie Martin Walser die Schönheit des Glaubens und insbesondere des Kirchenjahres vor Augen führt.

Sehr lesefreundlich, lesenswert und empfehlenswert!
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am 11. März 2012
"Wenn ein Mensch im Traum das Paradies durchwanderte, und man gäbe ihm eine Blume als Beweis,
daß er dort war, und er fände beim Aufwachen diese Blume in seiner Hand - was dann?"
(Jorge Luis Borges: Inquisitionen, 19)

"- Hat jemand, Ende des neunzehnten Jahrhunderts, einen deutlichen Begriff davon, was Dichter starker Zeitalter Inspiration nannten? Im andren Falle will ich's beschreiben. Mit dem geringsten Rest von Aberglauben in sich würde man in der That die Vorstellung, bloss Incarnation, bloss Mundstück, bloss medium übermächtiger Gewalten zu sein, kaum abzuweisen wissen. Der Begriff Offenbarung, in dem Sinn, dass plötzlich, mit unsäglicher Sicherheit und Feinheit, Etwas sichtbar, hörbar wird, Etwas, das Einen im Tiefsten erschüttert und umwirft, beschreibt einfach den Thatbestand. Man hört, man sucht nicht; man nimmt, man fragt nicht, wer da giebt; wie ein Blitz leuchtet ein Gedanke auf, mit Nothwendigkeit, in der Form ohne Zögern, - ich habe nie eine Wahl gehabt."

Friedrich Nietzsches (1844-1900) Aussage im ECCE HOMO ist eine dichterische Eingebung und spiegelt in gewisser Weise Martin Walsers (1927- ) Gedanken über die "Rechtfertigung". Walser beweist sich als Literat, seine Suche nach Rechtfertigung ist mehr als ein Versuch, für ihn ist es eine Versuchung und damit meint der Titel mehr, als nur die expressionistische Art einer Darstellung, sondern verweist schon in aller Deutlichkeit auf die innere Beschaffenheit, auf die gespürte Leere, die es zu füllen gilt, wenn die heutige Rechtfertigung Abschied genommen hat zu Gunsten des normalen, von außen zugestimmten Recht-Habens. Gerechtfertigt sein zu können, ist ein wohlwollendes Zugeständnis aus dem Glauben in die herrschende Moral und Ethik und geht über Recht haben hinaus. Rechtfertigung braucht ein absolutes Gegenüber, eine Richtschnur, ein gerechtes Gesetz, wie in den Römerbriefen (Röm 2,13; 3,10; 3,22) formuliert. Rechtfertigung fordert eine Position wie "6000 Fuss jenseits von Mensch und Zeit", von der aus die Grundkonzeption der Rechtfertigung beginnen kann, damit der Mensch im Sinne und vor dem Absoluten gerechtfertigt sein wird. Es ist jener Ort, ein mythischer Ort und der Ort eines inneren Zustandes, der mit der Inspiration korrespondiert, die Nietzsche im ECCE HOMO so eindrucksvoll sein eigen nennt und hier nun bei Walser mit den Nietzsche Worten gelten kann: "es ist auch die meine". Walsers Inspiration in dieser Rede zum 9. November, gehalten in Harvard.

Walsers Gedankenwelt zur Rechtfertigung entspringt einer Epiphanie, die er in den Werken von Augustinus Gnadenlehre, Luthers Interpretation des "sola fide, sola gratia" (Anlass der Reformation), Kafka, Nietzsche, Barth etc entdeckt. Seine Suche nach Rechtfertigung in der heutigen Zeit beginnt eindrucksvoll und zu Recht im Kafka Roman: Der Prozeß. Josef K.s unerbittliche Suche nach den Gründen der Verhaftung wird zur reinen Gewissenserforschung und damit zur Suche nach der Rechtfertigung des bisherigen Lebens. Kafka, so Walser, ist auf der Suche seines eigenen Lebens und nicht nur hier sucht er nach der Rechtfertigung, wie er es lebt. Walser verbindet die verschiedenen Stränge innerhalb der Literatur von Dostojewski bis Thomas Mann und findet in nahezu allen Texten einen erlebten Mangel an eigener Bestätigung. Wie z.B. Robert Walser sich klein schreibt, lässt er seinen Jakob von Gunten sagen: "Klein sein und bleiben" und weiterhin Kafka, der in der Rechtfertigung seiner Selbst vor dem Gesetz auch den Prozess des Lebens sieht und in diesem wie im Schloss-Roman scheitert.

Säkularisierte Rechtfertigung ist der Blick in die Spuren des aktuellen Lebens zwischen Wohlstand, Freiheit und Sattsein im Verhältnis zu Armut, Zwang und Hunger. Der Aufstand des Gewissens fordert die Freiheit der Verantwortung. Und darin sieht Walser die Frage, ob ein Leben so gerechtfertigt ist und wie es zu rechtfertigen sei. Das Gewissen als tiefste menschliche Einsamkeit führt er zu Buche, um dann, sehr ausführlich, die Hoffnung des Paulusbriefes an die Römer zu Rate zu ziehen. Wie die päpstliche Enzyklika SPE SALVI (Auf Hoffnung hin gerettet) sich an den Römerbrief, insbesondere Röm 8,24, orientiert, so findet auch Walser Orientierung in den Schriften des Theologen Karl Barth und dem großen Philologen und Philosophen Friedrich Nietzsche. Dessen Zarathustra wird in beredter dialektischer Korrespondenz mit dem Barthschen Wesen des Christentums in Hinblick auf Paulus' Römerbrief belichtet.

Walsers Epiphanie ist eine Leere, die gefüllt sein will durch eben jenes Wort GOtt, welches aus der Sprache heraus bereits einen Maßstab setzt, sein Leben im Blick auf diesen rechtfertigen zu lernen oder möglicherweise als gerechtfertigt zu begreifen. Jeder, ob gläubig oder nicht, wird ob des engen Zusammenhangs von Barth und Nietzsche seine Augen verwundert reiben. Jeder Leser wird spüren, dass die Dialektik in beiden Schriften eine besondere Form der Selbstwiderlegungspraxis ist, um sich zu vergewissern. Walser kann somit nur vorschlagen, diese Praxis gegen die Rechthaberei einzusetzen, um erneut Rechtfertigung seiner selbst zu ermöglichen. Rechtfertigung ohne Religion, so Walser, sei verarmt. Und doch liest er die Bibel wie Literatur und die Erzählung um Esau und Jakob wie Nietzsches ringen um das Apollinische und das Dionysische. Dialektische Dissonanz bereitet den Weg.

Walser lotet geschickt und voller Empathie die Wirksamkeiten aus. Barth und Nietzsche vor allem begleitet er in den Versetzungen zwischen Erfolg und Scheitern. Mit der Verbindung zum Römerbrief finden beide, und Walser zitiert hinreichend viel, eine Art von Synthesis, die Paulus nach Bitte an den Messias selbst erfahren hat. Seine Bitte, ihn vom "Dorn des Fleisches" zu befreien erhält eine einfache Antwort: "die Kraft wird in der Schwäche vollendet." Diese Position findet Walser auch bei Nietzsche und Barth, die Vereinigung der Dissonanzen zum Ganzen, die notwendigerweise eben auch als Teil der Geschichte zur Wahrheit wird, die nicht davon läuft, weil im Bild der Vergangenheit die Gegenwart sich erkennt (vgl Benjamin, Über den Begriff der Geschichte). Gerade in einer Gesellschaft, die den Wert eines Menschen weithin begründet in dem, was er leistet, stellt sich die Frage nach dem Umgang mit Misserfolg, Niederlagen, Krankheit, Behinderung; die Frage nach dem Wert und der Würde eines Menschen jenseits seiner erbrachten Leistungen. Ein gerechtfertigtes Leben ist im protestantischen bzw. calvinistischen Sinne ein prädestiniertes. Gerade daraus konnte Max Weber die Grundsätze des Kapitalismus ableiten. Und mit Jesaja wissen wir, "der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Gerechtigkeit Nutzen wird ewige Stille und Sicherheit sein" (Jes 32,17).

Der Leser erkennt den Autor Walser als religiösen Menschen. Man muss nicht "gläubig" sagen, aber es lässt sich zusätzlich vermuten. Diese Position kann a priori dazu verleiten, sich dem Buch nicht anzunehmen. Dass wäre schade, denn die Hauptsache als Leser ist nicht zu wissen, sondern zu wollen, nicht fertiges Urteil, sondern Empfänglichkeit, Ehrlichkeit und Unbefangenheit. Von einer gewissen Lebenshöhe, so Hesse, zerrinnen die Grenzlinien der Künste und Wissensgebiete zu Kunstwerken, die etwas Schönes sagen oder es nur bedeuten im Sinne einer Bereicherung. Was ein Autor dem Leser sagen will, was sagenswert und doch nie ganz sagbar ist, bleib ewig eins. Unter diesem Blick entdeckt man einen Walser, der nach dem Roman: "Muttersohn" nun einen Versuch über die Versuchung zur ernsten paulinischen Rechtfertigung uns mitgibt, als Leser der Zeugen und Zeugnisse und deren Interpret.
~~

PS
Franz Kafka; Der Prozeß: Roman (Suhrkamp BasisBibliothek)
Friedrich Nietzsche; Ecce homo: Wie man wird, was man ist.
Walter Benjamin; Illuminationen: Ausgewählte Schriften (suhrkamp taschenbuch)
Giorgio Agamben; Die Zeit, die bleibt: Ein Kommentar zum Römerbrief (edition suhrkamp)
Benedikt XVI; Auf Hoffnung hin gerettet - Spe Salvi
Karl Barth; Der Römerbrief
Max Weber; Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
33 Kommentare| 29 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Mai 2012
Obwohl Walser behauptet, dass sein Buchregal mit Weltliteratur gefüllt sei, ist davon wenig in seiner Arbeit zu sehen: sein Buch kreist um Kafka, Nietzsche und Barth, gelegentlich mit Zitat und Nennung einiger anderer deutscher oder Deutsch-affiner Literaten und Philosophen, als ob diese der Schluss aller Weisheit wären. Philosophische und wissenschaftliche Ideen und Quellen außerhalb dieser inzestuösen intellektuellen Familie scheinen in Walsers beschränkten Erkenntnishorizont nicht eindringen zu können. Aus rein literarischer Sicht ist es zudem schon erstaunlich, dass ein renommierter deutscher Schriftsteller sprachlich so unbeholfen ist, dass er seinen Text mit unvollständigen Sätzen spickt und des öfteren zu typographischen Mitteln greifen muss, um den Sinn seiner Sätze zu klären. Egal, wonach man sucht-Denkanstöße, Lebenshilfe, Literatur-gibt es weitaus bessere Bücher zu diesen Fragen, als das von Martin Walser.
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