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Die Insel des zweiten Gesichts. Aus den angewandten Erinnerungen des Vigoleis
 
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Die Insel des zweiten Gesichts. Aus den angewandten Erinnerungen des Vigoleis [Gebundene Ausgabe]

Albert Vigoleis Thelen
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 915 Seiten
  • Verlag: Claassen Verlag (1992)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3546000137
  • ISBN-13: 978-3546000130
  • Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 13 x 4,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 695.885 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Albert Vigoleis Thelen
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die Insel des zweiten Gesichts
OA 1953 Form Roman Epoche Moderne
Die Synthese aus Autobiografie und modernem Schelmenroman (Stichwort R S. 1064) hat Albert Vigoleis Thelen einen singulären Platz in der deutschen Nachkriegsliteratur gesichert.
Entstehung: 1942 hatte der Verleger Meulenhoff Thelen angeregt, seine mallorquinischen Erfahrungen zu Papier zu bringen. Es dauerte aber zehn Jahre, bis er nach dem Umzug aus Portugal nach Amsterdam das Buch in nur neun Monaten niederschrieb. Im Oktober 1953 wurde es mit dem Untertitel Aus den angewandten Erinnerungen des Vigoleis publiziert.
Inhalt: Der Ich-Erzähler Vigoleis schildert, wie er mit seiner späteren Frau Beatrice 1931–36 auf Mallorca lebt. Als ihre Geldmittel erschöpft sind, ziehen sie in eine ärmliche Pension, später in die Torre del Reloj, wo sie, umgeben von Schmugglern, in absoluter Armut vegetieren. Endlich geht es aufwärts: Beatrice gibt Sprachunterricht, Vigoleis wird Fremdenführer, rezensiert deutsche Exilliteratur und übernimmt Sekretärsaufgaben für Harry Graf Kessler (1868 bis 1937) und Robert von Ranke-Graves (1895 bis 1985). Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und nach Ausbruch des Bürgerkriegs müssen Vigoleis und Beatrice auf einem britischen Schiff fliehen.
Die Insel des zweiten Gesichts ist zugleich Zeitroman und Autobiografie, vereint bunte Abenteuer mit Weltschmerz, Not und Bohèmeleben, bietet ein Gesellschaftspanorama des Exils. Thelens eigenbrötlerische Sprache neigt zu oft komischen, immer aber den Kern einer Sache ins Licht stellenden Neologismen, vom »Unglimpf« bis zur »Häufzeit des Mords«, und bringt die Tragikomik seiner Existenz so auf den Punkt: »Unbeholfen im Leben, in das ich mich immer noch nicht eingelebt habe, des Lebens Untüchte wie ein Zeichen an der Stirn«.
Aufbau: Das mit über 700 engzeiligen Druckseiten äußerst umfangreiche Werk, das ursprünglich noch um 500 Manuskriptseiten länger war, ist episodisch gegliedert und bietet deshalb eine kurzweilige Lektüre. Es besteht aus vier sehr unterschiedlich langen Büchern sowie einem Epilog. Darin mischt Thelen Ereignisse aus der berichteten Zeit mit solchen aus seiner Jugend, Erlebtes mit Erfahrenem. Er betont, dass er nicht »ins Blaue hinein schreibe«, daher fügt er späteren Auflagen sachliche Korrekturen an. Das Prinzip der permanenten Abschweifung unterläuft alle Lesererwartungen und schafft einen Traditionsbezug zum ironischen Erzählen etwa von Laurence R Sterne einschließlich des metafiktionalen Vorbehalts (»Wäre dies ein Roman und ich sein Verfasser«).
Zahlreiche literarische Reminiszenzen durchziehen den Text, von der Übernahme des Ritternamens Vigoleis (aus dem mhd. Epos Wigalois des Wirnt von Gravenberg, entst. um 1210), den auch Thelen seit dem Studium führte, bis zur Selbstidentifikation mit der literarischen Figur des Don Quijote.
Wirkung: Als Dokument der Literaturgeschichte ist das Werk von Bedeutung, da Thelen im Exil in intensiven Kontakt mit Persönlichkeiten wie dem Grafen Keyserling (1855–1918) oder Franz Blei (1871–1942) trat. Das Buch wurde im Feuilleton lebhaft begrüßt, 1954 mit dem Fontane-Preis ausgezeichnet und genießt bis heute Kultstatus. A. H. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Man muss sich wirklich weithin umtun, um ein Buch zu finden, das mit diesem vergleichbar wäre. Wenn ein Buch wirklich verdient, ein Ereignis genannt zu werden, so dieses." (Siegfried Lenz in der "Welt am Sonntag")

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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die farbigen Merkwürdigkeiten des Don Vigo, 19. Dezember 2004
Von 
Ein niederrheinischer Troubadour beutet in diesem Buch in unnachahmlicher Weise seine Erlebnisse im Spanien der 30er-Jahre aus. Der Text ist von einer schwer beschreibbaren Witzigkeit, in der sanfte Spuren von Zynik, Ironie und Polemik vorkommen, in dem Skurriles ausgebreitet und Urteilsfreudigkeit sprudelt. Mit einer bewussten und gepflegten Sprache und einer stabilen Ausrichtung legt der Autor eine gewisse Distanz zwischen sich und die Geschehnisse.

Und es geschieht viel, Geschichte reiht sich an Geschichte, immer wieder betreten neue, interessante Figuren sein Kabinett. Nebenbei spielen die Tagesaktualität und die Geistesgeschichte eine Rolle, denn Don Vigo ist enorm belesen und informiert. Deutsche Erfahrungen fliessen ein und die Zeit in der Schweiz. In der reichen Sprache schwimmen neben wunderlichen Neologismen reizvoll einige Helvetismen mit, nicht zuletzt, weil Don Vigos Frau Beatrice, auch Bé genannt, aus Basel kommt. (Später hat Thelen auch im Tessin gelebt, in Auressio.)

Der Text ist getragen von einem scharfen Verstand, einem breiten Wissen, einer stupenden Wahrnehmungsfähigkeit und nicht zuletzt einer oft abgedeckten, zugeneigten Menschenfreundlichkeit.

Ich gebe zu, dass ich das Buch schwer beschreiben kann. Aber es ist eine hoch vergnügliche, reizvolle und spannende Lektüre.

Ich besitze die teure, aber sehr solide und gepflegte Ausgabe von Claassen. Für die über 900 Seiten empfiehlt sich eine gebundene Ausgabe unbedingt.

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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein autobiographischer Schelmenroman, 20. April 2000
Von Ein Kunde
Ganz untypisch für einen deutschen Schriftsteller beschreibt A.V.Thelen in der Tradition des Schelmenromanes sein Exil auf Mallorca. Mit seiner Lebensgefährtin Beatrice kommt er, auf einen Hilferuf von deren Bruder, Anfang der 30er Jahre auf Mallorca an. Nach vielen tragisch-komischen Abenteuern mit Huren und Schmugglern, Schriftstellern und dem örtlichen Adel werden sie von den Briten evakuiert und landen in Portugal. Neben diesen Abenteuern findet A.V. Thelen "seinen Meister", den portugisischen Mystiker Pascoaes, dessen Übersetzer ins Deutsche er wird. Thelen kommt Hundertsten ins Tausendste, findet aber immer den Bogen an den Anfang zurück. Es ist, als säße er in einem Sessel vor dem Kamin und erzählt seine Abenteuer mit einem leisem Schmunzeln und einer gehörigen Portion Selbstironie.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein vergessener Leseschatz!, 16. Dezember 2007
Wie soll man ein Buch rezensieren, beschreiben oder auch kritisieren, welches einen so einmaligen Stellenwert in der deutschen Literatur hat?

Wie soll man eine derartig kraftvolle Sprache darstellen und einordnen?

Wie beschreibt man die vielen skurrilen Einfälle, Ideen und Wortschöpfungen, die sich dieser Mann hat einfallen lassen? Nebenbei darf der historische Aspekt des Buches nicht übersehen werden!

Eigentlich ist es unmöglich und man ist geneigt doch einfach die Empfehlung zu geben: Lest einfach dieses Buch! Und tatsächlich, dieses reicht. Der Leser bekommt ein Werk vorgesetzt, welches wohl einmalig in der deutschen Literatur ist. Vergleiche braucht es nicht zuscheuen, es ist ein Werk, das einen unvergleichlichen Stellenwert hat!

Eine barocke Sprache trifft zusammen mit skurilen Charakteren, die wie erfunden erscheinen, aber es teilweise wohl nicht sind!

Der Schrecken des Faschismus schleicht sich in ein Leben, das weit entfernt von Deutschland auf Mallorca gelebt wird! Dennoch läßt sich der 'Vigoleis', das Alter Ego des Schriftstellers Thelen, die Lust am Leben nicht nehmen. Die Armut und der Kampf um das nackte Überleben hat auch immer heitere Seiten, auch wenn der Leser den Eindruck hat, nun kann es im Leben des 'Vigoleis' und seiner Beatrice einfach nicht mehr weiter gehen. Aber es geht weiter! Betracht man nur die, tragischkomische Tätigkeit des 'Vigoleis' als Reiseführer für die Volksdeutschen, die mit 'Kraft durch Freude'-Schiffen in Mallorca vor Anker gehen und dort von dem bekennenden Nazigegner 'Vigoleis' über die Insel zu den Sehenswürdigkeiten geführt werden. Wie herrlich ist es, diese Gespräche zu lesen, in denen 'Vigoleis' die deutschen Touristen an der Nase herumführt!

Für einen kleinen Augenblick wird dieser fürchterliche Faschismus ad adsurdum geführt und der Leser ist tatsächlich geneigt zu lachen.

Und warum auch nicht, der 'Vigoleis' erzählt uns schließlich die Geschichte so und nicht anders! Er will uns teilhaben lassen an seinem Leben und verschont uns dabei nicht!

Dieses macht das Buch so wertvoll, ohne aber moralisch daherzukommen!

So bleibt nur, dieses Buch absolut zu empfehlen mit der Maxime Thelens: 'In Zweifelsfällen entscheidet die Wahrheit.'
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