Zuerst der Blick auf Cover und Titel, dann die Konzentration auf den Klappentext. Deckt sich das Leserinteresse mit dem durch Wort und Bild angepriesenen Inhalt, kommt es zur Kaufentscheidung.
Dieses Vorgehen dürfte bei der Buchwahl wohl üblich sein.
Nicht anders geschah es bei Weinreichs Buch "Wie zivilisiert ist der Teufel - Kurze Besuche bei Gut und Böse". Der interesseweckende Titel und das Bild eines Gargoyles lassen bereits erste Annahmen zum Buchinhalt zu. Die Lektüre der Rückseite verstärkt den Verdacht, dass es hier um Gut und Böse in ihrer literarischen Verarbeitung geht (und ähnlichen Themen).
Auch im Prolog gibt der Autor an, verschiedene Fässerdeckel, ähnliche denen von Pandoras Büchse, anzuheben. Das lässt fast keine Zweifel mehr zu: Ja, es muss ein Buch sein, das den Leser mitnimmt auf eine Reise ins Metaphysische und sich mit der Natur von Gut und Böse auseinandersetzt.
Doch die weitere Lektüre lässt den vermuteten Bezug mehr und mehr verblassen. Eine Verbindung zur Gut-Böse Thematik lässt sich oft nur deshalb erahnen, weil man selbst mit dieser Einstellung - mit dieser "Brille" - an den Text herangeht.
Die Essays beschäftigen sich häufig mit griechischer und französischer Philosophie, häufig auch mit theologischen Themen, selten explizit mit Gut und Böse. Man liest über die Frage, wie viel eigentlich die Zeit kostet ebenso, wie über den Gerichtsprozess Jesu. Auch ein Kapitel darüber, dass die Bibel nicht unkritisch historisch sondern typologisch gelesen werden sollte, findet sich. Themen wie Höflichkeit und Gastfreundschaft innerhalb der Literatur, die Ökonomie geistiger Werte sowie Beiträge über Literaten aus der Zeit des Nationalsozialismus vervollständigen das Buch.
Wo bleibt aber die Verbindung zwischen Titel, Cover, Klappentext und dem Inhalt des Buches?
Ein kurzer gleichnamiger Essay scheint hier Titelgeber gewesen zu sein. Viel mehr scheint die Beziehung zwischen Außen und Innen nicht herzugeben.
Natürlich ist die Sprache Weinreichs gegenüber jeden Zweifeln erhaben. Sie ist facettenreiche, unterhaltsam, auf einem hohen Niveau, kurz: sie wird einem Menschen, der sich sein Leben lang mit Sprache beschäftigt hat gerecht.
Dennoch bleibt am Ende der Frust. Wie immer, wenn die Erwartungen des Lesers nicht erfüllt werden.
Weinreichs Texte sind durchaus interessant und können Lust machen auf mehr, doch haben angekündigter und faktischer Inhalt fast nichts miteinander gemein.
Dies sollte man bei seiner Kaufentscheidung berücksichtigen.