Das Thema, vermeintlich autobiographische Aufzeichnungen Hadrians in Briefform, ist schon gewagt. Trotzdem beweist Yourcenar, dass es mit enorm viel Recherche und Phantasie gelingen kann. Fakten über Hadrians Leben werden von ihr gekonnt in die Handlung eingeflochten und wissen zu überzeugen. Eine grundlegende Zähigkeit liegt dem Text allerdings zu Grunde. Zum einen erscheint Hadrian oft unrealistisch gelassen, ja fast gelangweilt. Es scheint alles sehr selbstverständlich zu sein, wie sein Leben verläuft. Dass er zum Kaiser gekrönt wird, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Kein Anflug von Hochmut, Wahn, Machtgefühl oder Angst kennzeichnen ihn, sondern eine gelassene, fast gelangweilt wirkende Grundhaltung (die auf den Leser manchmal zu überspringen droht).
Trotzdem: Das Buch vermag den Zauber einer vergangenen Zeit wieder aufleben zu lassen und das Gefühl einer Zeitreise ist immer ein guter Grund, ein Buch gelesen zu haben.