Alle erfolgreichen Menschen außerhalb der Motivationsindustrie, deren persönliche Geschichte ich kenne, haben nie ein Motivationsbuch gelesen. Sie haben einfach eine bestimmte Sache angefangen und sie stetig und konsequent immer weiter betrieben. Dabei ging es ihnen nicht vordergründig um den Erfolg, sondern um die Sache, an der sie einfach Spaß hatten. Die meisten Autoren von Motivationsbüchern waren, bevor sie auf diese Schiene kamen, wenig erfolgreich. Viele von ihnen hatten sogar eine heftige Bruchlandung hingelegt. Dann lasen sie die Motivationsbücher anderer Bruchpiloten und beschlossen, dass sie nun ihre Mitmenschen darüber aufklären werden, wie man erfolgreich wird. Und damit sind sie selber erfolgreich geworden. Seltsam, oder?
Der Jurist Dr. Marco Freiherr von Münchhausen verspricht uns, dass wir mit seinem Buch lernen unseren "Inneren Schweinehund" zu zähmen. Übrigens ist auch ihm aufgefallen, dass der "Innere Schweinehund" eine Erfindung der Wehrmachtspropaganda ist. Die übrige Welt kennt ein solch martialische Begriffsbildung glücklicherweise nicht.
Die ersten zwei Teile dieses Werkes sind ein ziemliche Fleißarbeit. Dort werden wahrscheinlich alle gängigen Ausreden und Tricks zusammengestellt, mit denen wir uns selber sabotieren. Tabellen und Checklisten helfen uns, die Übersicht zu bewahren. Der Schreibstil des Autors, seine Tabellen, die "Merksätze" und die in Öl gemalten Illustrationen unserer Inneren Schweinehunde, die wir natürlich auch als Poster in unser Wohnzimmer hängen oder als Postkarten an unsere Freunde verschicken können, haben mich an meine Schulbücher aus der sechsten Klasse erinnert.
Im dritten Teil kommt der Autor dann zur Sache und bietet uns eine durchaus hilfreiche Zusammenfassung dessen, was andere Autoren vor ihm bereits an nützlichen Methoden und Verfahren zur Verbesserung unseres Selbstmanagements, zur Stressbewältigung und zur Verbesserung unserer Motivation herausgefunden und aufgeschrieben haben. Insbesondere greift er auf Birkenbihl, Csikszentmihalyi, Damasio, DeMarco, Goulding und Seiwert zurück. Die Originalliteratur findet man am Ende des Buches aufgelistet.
Fazit: Der Autor hat aus vielen Vorgängerbüchern durch Zusammenfassen und Verdichten ein neues geschaffen. Damit das nicht gar so sehr auffällt, hat er den Inneren Schweinehund, den es nur in der deutschen Kopfwelt, aber nicht wirklich gibt, als Marketing-Objekt für sich entdeckt. Das ist das einzig Neue an diesem Werk. Für Menschen, denen dieses Buch tatsächlich hilft, ist das sicher egal. Die Methoden funktionieren. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass sie nur der generelle Trainingsplan sind. Wer nicht die Energie findet, durch Einschleifen neuer Vorgänge alte Gewohnheiten zu überwinden, dem werden auch die nächsten zehn neuen Motivationsbücher nichts nützen.