Neue Zürcher Zeitung
Dumme und andere Fragen zur Bioethik hof. Ein pädagogisches Prinzip lautet: Es gibt keine dummen Fragen. Lehrer versuchen mit dieser Formel jeweils die Hemmschwelle für Schüler zu senken, überhaupt Fragen zu stellen. Lehrer wie Schüler wissen allerdings nur zu gut, dass es sehr wohl «dumme» oder besser: schlechte Fragen gibt. Unabhängig vom Aspekt der Motivation, sich am Denken zu beteiligen, steckt aber noch eine tiefere Einsicht hinter dem genannten Prinzip, nämlich: Am Anfang aller Erkenntnis steht eine Frage. Die deutsche Sozialorganisation «Aktion Mensch» hat in den vergangenen Monaten die Kultur des Fragens exzessiv betrieben und dabei sowohl «dumme» wie auch gute Fragen provoziert. Viele davon könnten durchaus der Beginn eines Erkenntnisfortschritts sein. «Aktion Mensch» startete im Herbst 2002 das Projekt «1000 Fragen» zur Bioethik. Auf der Homepage 1000fragen.de war man eingeladen, Fragen und Kommentare zur künstlichen Befruchtung, zur Stammzellenforschung, zur Sterbehilfe usw. zu hinterlegen. Nach zehn Monaten waren über 8500 Fragen und über 35 000 Kommentare eingegangen. Alle diese Fragen und ein kleiner Teil der Kommentare liegen nun in Buchform vor. Auch wenn die Lektüre Einblick in typische Denkmuster gibt, ist sie ermüdend. Viele Fragen würden sich mit einem Blick ins Lexikon beantworten lassen (sinnigerweise ist ein Glossar angefügt), und viele Fragen ähneln sich (immer wieder wird die Einzigartigkeit des Menschen hervorgehoben). Eine Zusammenfassung wurde absichtlich nicht erstellt, um den Charakter eines offenen Forums zu bewahren. Viel Erkenntnis ist also nicht zu finden, ausser einer statistischen: Am meisten Fragen wurden im Internet jeweils am Mittwoch und in der Zeit von 16 bis 17 Uhr gestellt. Und die mit Abstand fleissigsten Fragesteller stammen aus der Kategorie «Wehrpflichtige, Zivildienstleistende». Diese haben bekanntlich genug Zeit, Fragen zu stellen.
Kurzbeschreibung
Hinter dem Begriff „Bioethik“ verbergen sich hart umstrittene Fragen nach der Zukunft des Menschen: Gentechnik, Präimplantationsdiagnostik, Künstliche Befruchtung, Klonen... Die sind die Themen, die nicht nur unser Land in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen werden.
Dieses Buch ist Bestandteil des 1000-Fragen-Projektes der Aktion Mensch, zu dem bundesweite Plakataktionen, Kinowerbung, ein Internet-Portal und dutzende unterschiedlicher Veranstaltungen zählen. Die Bioethik-Debatte sammelt zunächst die Fragen nach dem richtigen Umgang mit den Möglichkeiten der Biotechnologien in Biologie und Medizin. Hier sind mehr als 8500 Fragen dokumentiert, die die Menschen bewegen – und ein Teil ihrer Ansichten und Kommentare, die zeigen, auf welch hohem Niveau über die Zukunft des Menschen debattiert wird. Dieses einzigartige Buchprojekt in ungewöhnlich aufweniger und ansprechender Ausstattung lädt zum Verweilen ein, gibt Anstöße und animiert, weiterzudenken.
Aus den gesammelten Fragen:
Gibt es ein Recht auf ein gesundes Kind?
Ist der Mensch bald selber die Bio-Waffe?
Kann man die Seele des Menschen klonen?
Sind Behinderte die Kinder eines bösen Gottes?
Warum darf man todkranke Menschen auf ihren Wunsch nicht von ihrem Leiden erlösen?
Wo wären wir heute, wenn sich immer die Zweifler durchgesetzt hätten?