Jochen von Lang schildert in seinem Buch am Beispiel des Berliner Bezirks Wedding "Geschehnisse", die "als charakteristisch für die politische Gewalt" in der Weimarer Republik - genauer wäre in deren Endphase - betrachtet werden können (vgl. S. 15f.). Er hat dazu Polizei- und Gerichtsakten sowie zeitgenössische Zeitungsberichte und Aussagen von Zeitzeugen ausgewertet (vgl. S.16). Der Verfasser will vor Augen führen, wie "schwierig es sein kann, persönliche Beweg- und soziale Hintergründe" im "latenten Bürgerkrieg" zwischen NSDAP- und KPD-Anhängern zu unterscheiden (vgl. S.12f.). Dies umso mehr, als "Raufbolde und potentielle Totschläger so leichtfüßig von einem Lager ins andere überwechseln konnten" (S. 209). Von Lang läßt in fünf Reportagen die Eskalation des Terrors auf der Straße Revue passieren und beschreibt die Schwierigkeiten der Ermittlungs- und Gerichtsbehörden bei der Aufdeckung und Bestrafung der Täter. Insgesamt entsteht so ein durchaus aufschlußreiches Panorama des politisch motivierten Terrors zwischen linkem und rechtem Lager im Jahre 1932. Zudem gelingt dem Autor mit der Würdigung des Rechtsanwalts Hans Litten das Porträt eines mutigen Kämpfers gegen den Nationalsozialismus (vgl.z. B. S. 154ff.). Etwas zu blaß bleiben demgegenüber oftmals die Biographien der Täter und ihrer Opfer. Auch das soziale Milieu der Hauptstadt hätte besser herausgearbeitet werden können. Dies umso mehr, als im Klappentext auf die 600000 Arbeitslosen und die "organisierte Unterwelt mit verdächtig guten Beziehungen zur Oberwelt in den Amtsstuben" verwiesen wird, also einem "idealen Klima für jede Art der Illegalität", ja einem "Klima der Verzweiflung". Auch fehlen Skizzen der Tatorte und Fotos der Protagonisten völlig. So bleibt viel der Fantasie des Lesers überlassen. Schließlich wissen wohl nur wenige Leser, was "Sappen" (S. 80) sind, und der Begriff "geselbstmordet" (S. 112) ist mir unbekannt. Unter dem Strich also ein Buch, das als annehmbare Einführung in die Materie betrachtet werden sollte.