Da haben wir Ihn: den absoluten Antihelden. Biff. Tollpatschig, dumm, sexbesessen, sarkastisch. Er läßt kein Fettnäpfchen aus. Und ausgerechnet diese Nullnummer wird von den Toten wieder ins Leben gerissen und dazu gezwungen die Lebensjahre Jesu mit Inhalten zu füllen, über die sich die Bibel ausschweigt.
Heraugekommen ist ein humorvoller Rückblick auf das Leben Jesu, eingerahmt von historischen Details, Biblischen Fakten und immer nah am Klamauk.
Der Antiheld Biff ist quasi das genaue Gegenteil von dem, wie man sich einen Heiland vorstellt. Umso mehr verwundert es, dass gerade so jemand der beste Freund vom Christus wird. Doch genau diese Mischung macht dieses Buch so lesenswert. Auf der einen Seite der nach Vollkommenheit strebende Jesu, der zu verstehen versucht wie er seine Aufgabe als Christus meistern soll. Auf der anderen Seite Biff, der in jeder Situation die Welt geraderückt und klarer Beweis dafür ist, dass der Großteil der Menschheit eben aus Schwachköpfen besteht.
Während die beiden also die 33 Lebensjahre Jesu inhaltlich mit Leben füllen, darf sich unser Antiheld rühmen die Gravitation, die Evolution, den Bleistift und den Sarkasmus erfunden zu haben. Zudem hält er als Entdecker der Rundheit der Erde her und ist verantwortlich dafür, dass die westliche Welt mit dem Kama Sutra in Kontakt kommt.
Ein Roman mit derart abstrusen Ideen muss einfach nur saukomisch sein. Und genau das ist er. Das Buch ist mit derart lustigen Ideen gespickt, dass die knapp 570 Seiten wirklich im Flug durchgelesen sind und man zwischendurch immer wieder Tränen lacht.
Allerdings kämpft Christopher Moore mit einem Umstand, der dazu führt, dass ich den 5. Stern verwehre. Je stärker Moore die biblischen und/oder historischen Gegenheiten in die Geschichte einspinnt, desto platter und öder wird die Story. Stellenweise merkt man der Geschichte an, dass der Plott so zurechtgeschrieben wird, dass ein weiterer biblischer Hinweis integriert werden kann. Da wird mal eben das Turiner Grabtuch eingesponnen, erklärt, wie die Speisung der 5000 überhaupt möglich war und warum die Qumran-Rollen relevant sind.
Je weiter der Roman auf die Kreuzigung Jesu hinausläuft und je stärker sich deshalb an die biblischen Evangelien gehalten werden muss, desto ernsthafter und platter kommt der Roman daher. Das führt dazu, dass dieses historische Korsett, mit dem Moore fertig werden muss, zum Schluß hin so eng gezogen werden muss, dass der Witz förmlich ausgequetscht wird.
Das ist letztendlich die Miesere von Moore, dass genau das Grundgerüst (die Bibel), ohne dessen dieser Roman niemals entstanden wird, später zum Fallstrick wird.
Moore hätte diese Klippe umschiffen können, wenn er sich ausschließlich auf die ersten 30 Jahre von Jesu Leben konzentriert hätte. Genau dieser Zeitabschnitt ist in der Bibel derart offen gehalten, dass hier der Fantasie freien Lauf gelassen werden kann. Für die gäbe es dann auch zweifelsohne 5 Sterne! Das abwürgen des Humors durch die letzten 3 Jahre Jesu relativiert meine Wertung dann doch auf insgesamt 4 Sterne.
Trotzdem: SIE MÜSSEN DIESES BUCH EINFACH LESEN!