Die Texte intervenieren in verschiedensten Themen: Kultur, Politik, Management, Krieg, Soziologie, Erziehung, Theater, natürlich immer wieder auch die Kommunikation, Heinz von Foerster oder Niklas Luhmann. Das sind aber nur einige wenige behandelte Themen.
Mit aller Schärfe setzt sich Baecker für einen differenzierten und ironischen Blick ein. So wirft er dem Erziehungssystem vor, dass es seine Ansprüche zugleich inflationär - möglichst die Erziehung der ganzen Gesellschaft - als auch deflationär - allzu scharfe Beschränkung der Lehre - handhabt. Die Erziehung kenne ihre eigenen Grenzen nicht und schafft es daher auch nicht, innerhalb ihrer Grenzen an einem problemgenauen Ausbau ihrer Möglichkeiten zu arbeiten."
Oder er polemisiert gegen (und deshalb natürlich für) die Kreativität: Wir reden von Kreativität, weil wir sehen, dass sich vieles ändern muss, aber nicht wissen, wie es sich ändern kann." Kreativität sei eine Übergangssemantik; vor allem sei sie auf andere bezogen. Wenn die Kreativen sich die Finger verbrennen, kann man sich immer noch vornehm zurückziehen; und im Falle des Erfolges kann man sich anschließen. Stellvertretendes Lernen" und heimlichen Konformismus" nennt Baecker deshalb dieses Lob der Kreativität. Künstler und Wissenschaftler - so schreibt er weiter - kennen die Kreativität allerdings nicht: Sie wissen nur etwas von Arbeit.
Zum Thema Selbstentfaltung schreibt Baecker: (...) man könnte dieser Entfaltung mit einem Managementbegriff zu Hilfe kommen, der eher als Suchbegriff (...) denn als triumphaler Begriff [zu verstehen ist]".
Und so fort ... Baecker analysiert, erzählt, spitzt in aufregender Art und Weise zu, und dies alles in kleinen, rasch zu lesenden Texten. Obwohl sie eingängig sind, spürt man dahinter eine mächtige Theorie wirken, die hier und da auch explizit auftaucht. Theoriegeleitete Beobachtung hier als Suche zu verstehen, die sich nicht auf einen dogmatischen Standpunkt bezieht, den Text als Experiment und Intervention zu begreifen, das lehrt Baecker den Leser nicht nur inhaltlich, sondern vor allem auch von der Form her. So könnte man - mit Baecker - die Gesellschaft verstehen, wie Benjamin - wiederum in der »Einbahnstraße« - beschrieb: Im Spalt des kaum geöffneten Speiseschranks dringt seine Hand wie ein Liebender durch die Nacht vor."
Nie wieder Vernunft! - ruft Baecker. Aber das heißt noch lange nicht, dass er auf Spaß und Theorie, Pointe und Lehre verzichtet. Ein großartiges Buch!