...so möchte ich den Einstieg in meine Rezension beginnnen. Klaus Hoffmann war für mich immer mehr als ein Musiker. Das Begleiten seiner Karriere war ein ständiger Wegbegleiter von den 70er Jahren an bis vor ein paar Jahren. Egal, ob als Edgar Wibeau in Plenzdorfs -Die neuen Leiden des jungen W.- oder als rebellisch, singender Berliner Barde bei -Was fang ich an in dieser Stadt?-. Hoffmann brachte vor allem Ecken und Kanten mit, die ihn so interessant machten. Wer ihn dann noch live sehen, vor allem aber hören konnte, der wußte, dass hier ein ganz Großer der Zunft am Singen war. Ich kann mich noch heute an jede Sekunde einer Zugabe erinnern, die Hoffmann vor 1000 Menschen, völlig ohne Mikro und Technik, im Aegi Theater Hannover gab. Das war Gänsehaut pur vom Allerfeinsten.
Hoffmann hat sich in seiner Karriere gehäutet wie eine Schlange. Immer wieder veränderte er seine Musik und seinen Stil. Auch heute hat er seine Fans. Die Tourneen sind nach wie vor gut besucht und Hoffmann ist noch immer ein absolutes Live-Erlebnis. Die Anhänger der ersten Stunden sind jedoch nicht mehr alle dabei. Der Hoffmann heute hat mit dem jungen Rebellen nicht mehr all zu viel gemein.
Auf -So wie ich bin- hat man die einmalige Chance, die Karriere Hoffmanns zu begutachten, ohne sich gleich einen Stapel CDs zulegen zu müssen. 35 Titel für einen absolut fairen Preis. Da gibt es wirklich nichts zu meckern.
Und glauben sie mir: Sollten sie Klaus Hoffmann noch nicht kennen, hier werden sie ihn kennenlernen. Den jungen Straßensänger, der die -Mittelmäßigkeit- herausschreit und anprangert, der seiner Stadt Berlin im -Kreuzberger Walzer- eine wunderbare Liebeserklärung macht, nur um ihr kurze Zeit später mit -Was fang ich an in dieser Stadt?- gnadenlos den Spiegel vorzuhalten. Den Hoffmann, der uns zu den Wurzeln Brels und des französischen Chansons führt und dabei -Die alten Weiberlein- intoniert, wie kein zweiter Sänger. Danach springen wir über die Jahre und verlieren uns in -Eine Insel- und -Flügel- zwei Liedern, die vor Poesie schier überborden. Zum Schluss bleibt dann noch die Erkenntnis -Jedes Kind braucht einen Engel- und ein -Ciao Bella- das tief bewegt und dabei doch so treffend getextet ist.
-So wie ich bin- gewährt einen genialen Blick in die vielleicht kreativsten Schaffensphasen von Klaus Hoffmann; einem Liedermacher, wie es in den letzten Jahren nur wenige gab. Wer ist übrig geblieben, aus dem großen Haufen der singenden Poeten? Vielleicht noch ein Reinhard Mey oder ein Hannes Wader, und dann? Hoffmanns Musik hebt sich deutlich von allen anderen Sängern seiner Zeit ab; jedenfalls in diesen ersten Jahren.
Wenn sie das selbst überprüfen wollen, lege ich ihnen -So wie ich bin- wärmstens ans Herz. Die Zeiten kommen nicht wieder...aber das ist nicht schlimm, denn auch heute gibt es jede Menge gute deutsche Musik. Und die alten Zeiten, die sind auf CD noch immer taufrisch und prickelnd. Mit -So wie ich bin- können sie das problemlos nachprüfen.