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Die Idee zum vorliegenden Buch entstand Anfang Dezember 2003 unter dem Eindruck des bevorstehenden 70. Jahrestages der Februarereignisse von 1934 und der zu befürchtenden Relativierung des Austrofaschismus durch die derzeitige christlichkonservativ-nationale Bundesregierung zusätzlich zu der von ihr verursachten regierungsnahen rückwärtsgewandten Stimmung. Die Aufgabe, die wir uns stellten, war eine weitere Annäherung an die Jahre von 1934 bis 1938 abseits der oft durch politische Rücksichtnahmen geprägten Historisierungsversuche. Eine "Annäherung" deswegen, da zum Austrofaschismus im Gegensatz zu anderen Epochen der österreichischen Geschichte vergleichsweise wenige Arbeiten, geschweige denn eine allgemein gültige Gesamtdarstellung, vorliegen.
Unserer Ansicht nach ist die Wahrheit keine Tochter der Zeit, wie sich der Nationalratspräsident aus den Reihen der größeren der beiden Regierungsparteien, Andreas Khol, seit Antritt der konservativen Regierung im Frühjahr 2000 gerne ausdrückt. In diesem Sinne wollen unsere Beiträge ein Schlaglicht auf spärlich bedeckte politische Abgründe werfen, die als Erbe des Austrofaschismus bis heute überdauert haben, und sich schon bald wieder öffnen könnten, wenn nicht wir wir alle als demokratisches Ganzes Acht geben. Deshalb versuchen wir in unseren Beiträgen, die sich bewusst mit bislang weniger beachteten Aspekten des austrofaschistischen Regimes befassen, den Bezug zur Gegenwart herzustellen.
Die Autorinnen und Autoren, die in diesem Buch zu Wort kommen, sind Fachleute, die wissen, wovon sie sprechen. Bewußt haben wir auf Beiträge von PolitikerInnen bzw. HistorikerInnen, die sich im Rahmen parteipolitischer "Akademien" positionieren, verzichtet. In diesem Buch befassen sich JuristInnen mit Rechtsfragen, HistorikerInnen mit historischen Entwicklungen und Kontinuitäten, Freidenker mit Gedankenfreiheit, eine Künstlerin mit Jura Soyfer und ein Wirtschaftshistoriker mit der austrofaschistischen Wirtschaftspolitik. Alle AutorInnen engagieren sich übrigens aktiv in verschiedenen Organisationen der Gegenkultur, die erfreulicherweise auch in Österreich immer stärker wird. Zusätzlich zu den oben stehenden Beiträgen wurde Anfang 2004 von den beiden Autorinnen Edith Gagern und Christine Werner aus den verschiedenen Texten eine Collage erstellt (nicht Teil dieser Publikation), die am 29. Februar 2004 von jeweils zwei Schauspielerinnen und zwei Schauspielern des Ersten Wiener Lesetheaters vorgetragen wurde.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fundiert und trotzdem leicht verständlich,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wir werden ganze Arbeit leisten... - Der austrofaschistische Staatsstreich 1934: Neue kritische Texte (Taschenbuch)
Dem Historiker Stephan Neuhäuser ist mit "Wir werden ganze Arbeit leisten" eine äußerst lesenswerte Zusammenstellung wissenschaftlicher Texte zur in Österreich oftmals verdrängten Zeit des Austrofaschismus gelungen. Das Thema wird von VertreterInnen unterschiedlicher Fachrichtungen beleuchtet, woraus sich ein breites Spektrum an Betrachtungsweisen ergibt. Die Aufarbeitung erfolgt nicht nur historisch, sonder auch aus juristischer, kulturpolitischer, linguistischer und soziologischer Sicht. Es versteht sich von selbst, dass die Beiträge von Experten und Expertinnen aus dem jeweils behandelten Gebiet verfasst wurden - unter ihnen die Juristinnen Neda Bei und Edith Gagern sowie der Wirtschaftswissenschaftler Gerhard Senft. Besonders lesenswert sind die Beiträge über die Wiedereinführung der Todesstrafe unter Engelbert Dollfuß sowie die Texte die sich mit der das System unterstützenden Haltung der Katholischen Kirche und des Österreichischen Cartellverbands beschäftigen.Alles in Allem liefert "Wir werden ganze Arbeit leisten" sowohl einen guten Überblick für EinsteigerInnen als auch neue Perspektiven für jene, die sich schon intensiver mit der Geschichte Österreichs zwischen den Jahren 1933 und 1938 beschäftigt haben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Den Diskurs nicht den anderen überlassen...,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wir werden ganze Arbeit leisten... - Der austrofaschistische Staatsstreich 1934: Neue kritische Texte (Taschenbuch)
Die Regierungsbetiligung der populistischen Rechten in Österreich führt schön langsam zur Ermüdung - insbesonders, weil die christlich-soziale ÖVP, die ja angeblich eine Partei der bürgerlichen Mitte sein soll, immer unverblümter und offensichtlicher auf demokratische und rechtsstaatliche Grundsätze pfeift und sich so zur "besseren" populistischen Rechten macht.Die politische und die Definitionsmacht machen die ÖVP ganz trunken vor Glück. Eben weil der "linke Gesinnungsterror" ja nichts als ein bürgerliches Phantasma ist, kann er nunmehr mit allen Mitteln zugleich beschworen und thetralischest bekämpft werden. Das zeigte sich wieder beim Gedenken an die Februarkämpfe des Jahres 1934, als Österreich von einem Bürgerkrieg erschütert wurde, der bis heute seine Spuren in die Innenpolitik einschreibt. Der antidemokratische, antisoziale "austrofaschistische" Kanzler Engelbert Dollfuß, der die Kelsen-Verfassung und damit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit außer Kraft setzte und autoritär mit Hilfe des Bundesheers und der Heimwehr-Freikorps regierte, wurde zum Helden und Opfer stilisiert. Richtig ist, dass er in seiner oprerettenhaften Schwäche den nationalsozialistischen Umstürzlern nicht entgegen zu setzen hatte und von ihnen ermordet wurde. Aber reichen Erfolglosigkeit und Scheitern sowie größere Skrupellosigkeit der faschistischen Umstürzler bereits aus, um einen autoritären Diktator zu exkulpieren? Diese Frage vermeidet die ÖVP in ihrem unreflektierten "Helden"gedenken beharrlich. Im Frühkahr 2004 konnte man fast den Eindruch gewinnen, Dollfuß habe die Nazis allein aufgehalten, so energisch polierten führende ÖVP-Politiker sein öffentliches Bild auf und so verschleiernd wurde die offizielle Seite des Gedenkens an den Februar 1934 begangen. Den AutorInnen des vorliegenden Sammelbandes ist es hoch anzurechnen, dass sie sich die Mühe gemacht haben, andere Seiten, neue Blickwinkel auf die Ereingisse beizusteuern und damit dem Mainstream ein wenig das Wasser abzugraben. Den Beiträgen ist - in unterschiedlicher Weise - anzumerken, dass sie unter Zeitdruck fertig gestellt wurden. Manche Argumentationen scheinen nicht ganz zu Ende geführt zu sein, es gibt einige Redaktionsfehler. Aber insgesamt steuern die Beiträge dazu bei, die Ereignisse des Februar 1934 besser und richtiger einordnen zu können. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Informativer Reader,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wir werden ganze Arbeit leisten... - Der austrofaschistische Staatsstreich 1934: Neue kritische Texte (Taschenbuch)
Ein informativer Reader über eine der am stärksten verdrängten, tabuisierten und zugleich verharmlosten Epochen der österreichischen Geschichte: 1933 bis 1938. Die Gegensätze aus dieser Zeit zwischen den beiden großen politischen Lagern Österreichs, den Christlich-Sozialen und der Sozialdemokratie, wurden im Nachkriegsösterreich verleugnet, um die "Gräben" des Bürgerkriegs im Februar 1934 "nicht aufzureißen". Der erste - beklemmende - Beitrag beschreibt die Einführung des Standrechts in Österreich. Die Autoren und auch Autorinnen schreiben unter verschiedenen fachlichen Aspekten sehr verständlich. Sie sind um einen genauen Blick bemüht. Das Buch ist trotz einiger unübersehbarer Flüchtigkeitsfehler und Typos gut lesbar. Interessante Quellenzitate! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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