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Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
 
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Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten [Gebundene Ausgabe]

Christian Kracht
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (47 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag; Auflage: 1 (22. September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462040413
  • ISBN-13: 978-3462040418
  • Größe und/oder Gewicht: 19,4 x 12,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (47 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 7.667 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Christian Kracht
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

96 Jahre Krieg, lassen keinen Platz für Sieger. Die Soldaten der Schweizerischen Sowjetrepublik verbarrikadieren sich in einer gewaltigen Alpenfestung. Tief im Stein leben Menschen wie einst archaische Höhlenbewohner. Keiner kann sich mehr an Frieden erinnern. Nach gelungener Revolution starb Genosse Lenin vor Ort an Leukämie, nun gleichen die Berge Grabhügeln.

Die Idee, Geschichte anders weiterzudenken, als tatsächlich abgelaufen, ist nicht neu. So führt Robert Harris in Vaterland den 2. Weltkrieg zu einem völlig anderen Ende. Doch während bei ihm die erdachte Geschichte lediglich als überraschender Rahmen eines Krimis dient, inszeniert Kracht seine Figuren in einer völlig andersartigen Welt heillosen Unfriedens. Anfang und Ende der Geschichte fallen darin verstörend in sich zusammen.

Aus Sicht eines außergewöhnlichen Parteikommissärs erzählt der Autor seinen Roman. Dieser heldenhafte Offizier verfolgt den undurchsichtigen Brazhinsky -- und ist dabei schnell auf sich selbst zurückgeworfen. Christian Krachts Erzählkunst besteht darin, mittels zarter und poetischer Augenblicke ein hartes und düsteres Gesamtbild zu entwerfen. So treffen bei keinem anderen Autor derart lebendige Schneekristalle auf solch eine Form tödlicher Gewalt. --Herwig Slezak

kulturnews.de

Bis 1917 lebte Lenin im Schweizer Exil, dann wurde er vom Deutschen Reich nach Russland gebracht, um dort die Revolution voranzutreiben. Was aber, wenn das alles gar nicht passiert wäre? Wenn Lenin in der Schweiz geblieben wäre und von dort versucht hätte, den Sozialismus aufzubauen? Christian Kracht hat mit "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" eine Dystopie geschrieben, einen Science-Fiction-Roman, dessen Basis in der Vergangenheit wurzelt: Die Welt ist in einzelne Blöcke zerfallen, der amerikanische Doppelkontinent zerfleischt sich selbst, Russland ist unbewohnbar, die sozialistische Schweiz kämpft seit Jahrhunderten gegen das faschistische Deutschland. Mittendrin ein Krimi: Ein Parteikommissar soll in Neu-Bern einen Mord aufklären und verfolgt den Verdächtigen ins Gebirge, in eine sagenumwobene Alpenfestung. Kracht weiß, wo er klauen darf, die literarisch aufgeladene Kriegsberichterstattung erinnert an Ernst Jünger, das Bild der Bergfestung kommt aus Dürrenmatts "Der Winterkrieg in Tibet", der ewig währende Krieg taucht in Orvells "1984" auf, die dystopische Krimihandlung entstammt Richard Harris' "Fatherland", was zudem auf Krachts Frühwerk "Faserland" verweist. Am Ende wird fabuliert und geraunt und in den Nebel gedeutet, steinerne Riesenschiffe stehen auf norditalienischen Wiesen, die Zivilisation zerfällt in einem erschreckenden Frieden, die Schweiz wird im Wortsinn zum schwarzen Kontinent. Kracht hat nämlich auch Joseph Conrads "Heart of Darkness" gelesen; was er damit anfangen will, versteht man aber nicht. "Ich werde hier sein ..." als politisches Bekenntnis zu lesen, das funktioniert nicht, die Rettung ist nur ein langsames Irrewerden. The horror, the horror. (fis)

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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ein wortgewaltiger Abenteuerroman, 21. September 2010
»Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten« ist eine Alternativweltgeschichte, in der deutsche Selbstmordattentäter mit Gasgranaten herumrennen, Lenin in der Schweiz an Leukämie starb, nachdem ihm die Revolution gelungen war, die Schriftsprache ebenso verpönt ist wie die Religion und alle Bibeln verbrannt wurden. Jeder durchschnittliche SF-Autor hätte daraus einen siebenbändigen Zyklus gezimmert. Kracht dagegen schreibt in einem knappem Stil, ohne große Ausschmückungen, aber umso treffender in der Wortwahl. Seine Sätze sind so präzise auf dem Punkt, dass sie kein überflüssiges Wort benötigen. Es ist immer wieder faszinierend, wie das Buch die Fantasie des Lesers fordert, indem es ihm nur die Eckpunkte vorgibt. Vieles muss man zwischen den Zeilen lesen und einiges wird schlicht der Fantasie überlassen. Gerade weil man nicht jeden Schauplatz bis ins letzte Detail beschrieben bekommt und der geschichtliche Überbau nur sehr sporadisch skizziert wird, wirkt alles noch viel intensiver.
Herausgekommen ist bei Kracht eine reinrassige Abenteuergeschichte von Verfolgung, Mord und Untergang. Mitreißend und absolut fesselnd. So erinnert der Roman sehr an Cormac McCarthys »Die Straße«. Sowohl in seinem knappen, harten Stil als auch in der desillusionierenden Schilderung einer verlorenen Zukunft.
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Schönheit muss man nicht erklären können, 15. Dezember 2008
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten (Gebundene Ausgabe)
Der sperrige "Popliterat" Kracht, der kein Popliterat (mehr?) sein will und seine drei Romane "Faserland", "1979" sowie das vorliegende Buch als "Tryptichon" bezeichnet, hat für den Titel eine Textzeile aus dem britischen Volkslied "Danny Boy" gewählt. Um dieses Stück, das vom Abschied handelt, ranken sich viele Geschichten, man ist aber einhellig der Meinung, es ginge um den Auszug in den Krieg.
Krieg herrscht auch in dieser veränderten Zukunft unserer eigenen Vergangenheit, von der Kracht in "Ich werde hier sein" erzählt. Der vermutlich Erste Weltkrieg hat keinesfalls geendet, sondern währt seit nunmehr fast hundert Jahren, so dass es niemanden mehr gibt, der den Frieden noch kennt. Die Schweiz hat Afrika erobert und viele Afrikaner zu Eidgenossen umfunktioniert, einer davon ist der Held und Ich-Erzähler dieser Geschichte. In der Schweizerischen Sowjetrepublik, die entstehen konnte, weil Lenin das Exil 1917 nicht verlassen hat (Russland demgegenüber ist verstrahlt und unbewohnbar), besetzt er das Amt eines Parteikommissärs. Als der vermeintliche Systemgegner Brazhinsky die trübselige Gegend um Neu-Bern verlässt, nimmt der Kommissär die Verfolgung auf. Sie endet im "Réduit", dem gewaltigen Höhlensystem, das die Eidgenossen in das Massiv der Alpen gegraben haben, und das sich längst in ein Refugium für die restliche Intelligenz des Landes verwandelt hat, die auf steinernen Balkonen steht und das Kriegsgeschehen verfolgt. In dieser Utopie haben die allermeisten Menschen das Lesen verlernt, der Krieg hält die Blöcke (Hauptgegner ist das faschistische Deutschland) in einem depressiven Zustand der geistigen Stagnation. Technologische Entwicklungen hat es offenbar seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gegeben, man schießt mit Karabinern, reist reitend und wirft Bomben aus Luftschiffen ab.
Nicht jeder Querverweis oder Gedankengang in diesem kurzen Roman ist leichthin (wenn überhaupt) verstehbar, und auch die an zwei Stellen genannten "Steckdosen", die einige Menschen im Bereich der Achselhöhle tragen, bleiben mysteriös und wirken auf exemplarische Art befremdlich. Dies gilt auch für das kryptische Ende, als der Held die Schweiz verlässt und auf seinem Weg zurück nach Afrika beispielsweise steinernen Schiffen begegnet, die irgendwo in Norditalien mitten in der Landschaft stehen. Aber um Verständnis wirbt Kracht auch nicht. Diese originell und vortrefflich erzählte Endzeitgeschichte öffnet sich vollständig vermutlich nur für Beteiligte - und das wiederum ist eine Rekursion ohne Lösung, ohne Abbruchbedingung. Man müsste schon Kracht sein - oder eben jener Kommissär.
Im eigenen Kontext allerdings funktioniert "Ich werde hier sein" durchaus. Wer aber klare Vorgaben, in ihrer Konsequenz verständliche Andeutungen und Gedanken, einzuordnende Bezüge und Aufklärung der Zusammenhänge sucht, wird an diesem Buch keine Freude haben. Denn es spielt nicht in irgendeiner Zukunft, sondern in einer anderen Welt - auch literarisch. Ganze Kohorten von Feuilletonisten rätseln herum und bleiben wage - möglicherweise, um sich nicht lächerlich zu machen.
Es mag an Selbsttäuschung grenzen, aber ich habe die Lektüre dieses Buchs sehr genossen, wenn es mir auch nicht gelang, es jederzeit zu deuten. Was normalerweise Frustration auslösen würde, hat bei diesem Buch eine andere, bemerkenswerte Wirkung gehabt: Es endete nicht mit der Beendigung der Lektüre. Wenn man nämlich all die Fragen ausblendet, die sich aufdrängen, und sich hingibt, offenbart sich eine sperrige Schönheit, und Schönheit muss man nicht erklären können.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wunderbarer Wahnsinn, 6. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist im Sinne einer "Was-wäre-Wenn"-Geschichte zunächst storymäßig-banal hochspannend. In Wahrheit wird dieses etwas absurde Alternativuniversum von Kracht nur genutzt, um nach Faserland und 1979 dem Leser auf komödiantische, vor allem aber sprachlich und intellektuell grandiose Art und Weise erneut volles Rohr in den Magen zu boxen! Da, wo Lachen und Weinen Gleichzeitigkeit erfahrbar werden, wo man in pikierter Irritation nicht mehr sicher weiß, ob man "verarscht" oder aufgeklärt wird, wo Tarantino-Abfall auf Leipniz' Geist trifft, da explodiert die Kreativität eines Kracht. Sie wollen ihn zu einen Stuckrad-Barre reduzieren und ihn "Pop-Literaten" schimpfen, es ist Reaktion der Generation, die freiwillig Dutschke gegen Helmut Kohl tauschte und sich damit für jegliche Rezension disqualifizierte. Daher ist erst Recht die scheinbare historische Wirrung dieses Romans mit seinem grandiosen Finale (Globalisierungskritik des Jahrhunderts 21 vs. Kriegsgeneration WW2) eine Provokation, die einem für Monate zu denken gibt: Ist das "Machen" und "Schaffen" und "Wollen" und "Können" das Menschen - erst Recht in Angesicht des menschlichen Wunsches nach Kolossalität, ästhetisch beleidigend in Stein und Marmor monumentalisert, in Städten, Bauten und Krawall und Tamtam - eine Lüge??? Waren nicht vor allem die Weltkriege, die Ideologien, die Fiktionen und all das "Tun" und "Schaffen" und "Bemühen" im Angesicht des offensichtlichen Wahnsinns, der Vernichtung des Guten und des Schönen und des Menschlichen (schwachen), des Bewahrenswerten, dessen letztendlich, was jeder "wahrhaftig menschliche" Mensch als Menschsein bewerten muss, jenseits bizarrer Definitionen technokratischer Zivilisation, "Eigentlichkeit" und "Sein", letztlich ein früher Ausdruck unseres Selbstzerstörung, unserer Feindschaft gegenüber uns selbst? Bei Kracht hat der gewissenhafte Diener der Ideologie am Ende die Schnauze voll: Scheinbar befreit aus der afrikanischen Primitivität begegnet der Protagonist schließlich dem selbstreferenziellen Wahn der "zivilisierten" Insel, einem systemischen, kulturellen Ableger, einer Isolation, die in Wahrheit Wahnsinn im Kurtz'schen Sinne bedeutet... Und er wählt eine messianische Rolle, hypnotisch, weil kaum noch affektiv beschrieben durch Kracht, und beendet die Kolonialmacht der Schweizerischen SSR in Afrika mit einem Fingerschnips!!! Führt in die Primitivität!!! Befreit vom Wahnsinn!!! Dieses Buch steckt man nicht so einfach weg. Da bleibt einiges. Deshalb ist Kracht nicht Stuckrad-Barre. Kein VIVA-Clown. Sondern inspirierend.
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