Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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87 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ausbruch aus dem Hühnerstall, 4. August 2008
Als Balram Halwai via All India Radio vom bevorstehenden Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao erfährt, erzählt er diesem in Form eines in sieben Nächten entstehenden Briefes seine Geschichte und damit auch in gewisser Weise, die Geschichte Indiens. Eine Geschichte, die sich so wohltuend von den Klischees abwendet (Aravind Adiga scheut sich nicht, die dunklen Seiten Indiens hervorzukehren), dass es eine wahre Freude ist, Aravind Adigas Erstlingsroman und seinem sympathischen Helden, Protagonisten, der als Figur ein charismatischer und philosophischer Diener, Großunternehmer im Taxibereich, aber auch Mörder ist, gebannt zu folgen.
Im Dorf Laxmangarh (Bezirk Gaya) als Munna (Junge) in einer Kaste von Zuckerbäckern geboren, ist er der klügste Schüler in seiner Klasse, darf aber, da er zusammen mit seinem Bruder die Familie ernähren muss, die Schule nicht abschliessen, und das, obwohl der besuchende Schulinspektor Munna als großes Talent und einmaligen Schüler dieser Schuler erkennt (dieser Schulinspektor ist es auch, der Munna den Namen Balram gibt und Balram mit dem weißen Tiger vergleicht).
In diesem "ländlichen Paradies" Laxmangarh sind: "Strommasten - unbrauchbar, Wasserleitungen - kaputt und die Kinder - zu dünn und zu klein für ihr Alter, mit zu großen Köpfen, aus denen lebhafte Augen leuchten, so groß wie das schlechte Gewissen der indischen Regierung".
Balram arbeitet zuerst in einem Teehaus, bevor er als Taxifahrer den großen Aufstieg schafft und nach einer Zeit als zweiter Chauffeur der Familie des Storchs, Privatchauffeur von Mr. Ashok wird, mit dem er nach Delhi geht. Aravind Adiga überzeugt in seinen Schilderungen der fast peinlichen Treue Balrams dem Arbeitgeber gegenüber, obwohl er von diesem eigentlich nur ausgenutzt wird und als Mensch dritter oder vierter Klasse gesehen wird.
Ständige Erniedrigungen führen letzendlich zu Balrams Ausbruch aus dem Hühnerstall: "Gehen Sie ins alte Delhi, auf den Markt hinter der Jama Massjid, und schauen Sie sich an, wie dort die Hühner angeboten werden. Hunderte blasser Hennen und leuchtend bunter Hähne sind dicht and dicht in Drahtkäfige gestopft, so eng wie die Würmer im Darm, sie hacken nacheinander und scheißen aufeinander, sie kämpfen um ein bisschen Luft zum Atmen; der ganze Käfig stinkt fürchterlich nach verängstigtem, gefiedertem Fleisch... Die Hühner im Käfig riechen das Blut von oben... Sie wissen, sie sind als Nächste dran. Dennoch rebellieren sie nicht. Sie versuchen nicht, aus dem Käfig auszubrechen. Und genau dasselbe passiert mit den Menschen in diesem Land."
Balram bricht aus, gewinnt im Kampf des Stärkeren und wird selbst menschlicher Unternehmer. Ein Buch, das wie Indien in ein Indien der Finsternis und ein Indien des Lichts geteilt ist, zwei Seiten hat (Dunkel - Hell), ein zutiefst menschliches Buch, ein überzeugend leuchtender Erstlingsroman des jungen, 1974 in Madras geborenen Schriftstellers, eine absolute Empfehlung. Die Nominierung in die Longlist des diesjährigen "Booker Prize" ist mehr als gerechtfertigt, ein würdiger Sieger wäre Aravind Adigas "Der weiße Tiger" auch. Ein Buch, das ich sicherlich wieder lesen werde.
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57 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein fulminanter Debütroman über das Leben in Indien heute!, 9. August 2008
Aravind Adiga Der weiße Tiger C.H. Beck
ISBN 3406576915
Der Debütroman von Aravind Adiga entführt uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Indien.
Ein Junge mit Namen Balram, auch weißer Tiger in Anlehnung an den König der Wildnis genannt , kommt aus einem kleinen indischen Dorf, in dem primitivste Lebensbedingungen herrschen. Er ist arm und intelligent, vorwitzig und neugierig. Sein Weg führt ihn heraus aus der Enge seiner Familie und fort aus seinem armseligen Leben.
Als Fahrer des reichsten Mannes im Dorf gelangt er nach Delhi und lernt Indien mit seinen Gegensätzen kennen, von denen er in seinem abgelegenen Heimatort niemals etwas erfahren hätte! Hier zeigt sich die ganze Sprachgewalt des Autors: wie er durch die Augen Balrams dem Dorf und seinen Bewohnern, seiner Familie und der armseligen Abhängigkeit von den reichen und großspurigen Grundbesitzern mit seinen Beschreibungen Leben einhaucht. Ironisch, geistreich und sarkastisch ist der Ton, mit dem Balram, ein Held aus der Kaste der Zuckerbäcker, den chinesischen Ministerpräsidenten, dessen Besuch in Indien demnächst ansteht, über seinen Werdegang unterrichtet. In langen Nächten schreibt er Episteln an ihn, die von aufreizender Vieldeutigkeit und detailliertem Wissen über sein Land nur so strotzen.
Korruption und Unterwerfung bestimmen den Alltag. Die Rechtlosigkeit der Armen steht gegen die Herrschaftsansprüche der Reichen, die ihre Diener nicht wie Menschen sondern wie Warengut behandeln. Der Dreck und die Niedertracht sind Begleiterscheinungen eines Lebens, in der es riesige Klassenunterschiede gibt. Eindringlich werden die Gegensätze im Vielvölkerstaat Indien beschrieben. Die Probleme im Land gründen auf religiösen, mentalen und Besitzunterschieden, wobei die Zugehörigkeit zu einer Kaste auch heute noch den Platz eines jeden in der Gesellschaft mit bestimmt. Allgemein herrscht das Gesetzt des Dschungels: nur, wer gerissen und durchtrieben ist, kann sich aus der Armut befreien und zur Klasse der Herrschenden und Unternehmer aufsteigen. Aravind Adiga zeigt in seinem Roman die Gegensätze eines kapitalistischen Systems, in dem unter Verletzung von Moral und Anstand der Gauner zum Gewinner werden kann, denn auch die Rechtsorgane sind bestechlich.
Balram ist der Held, der über den Weg der Gesetzlosigkeit sein Glück macht und über dessen Erlebnisse sich das Gesellschaftsbild Indiens öffnet. Er ist der weiße Tiger, der alle Bindungen und angelernten Verhaltensweisen des Dienens hinter sich lässt und zum Mörder und Spieler wird, um den gesicherten Status eines Unternehmers zu gewinnen.
Auch der Unmoralische aber kann mit gesichertem Einkommen wieder zum Wohltäter der Gesellschaft werden!
Gegenwart und Vergangenheit, Fortschritt und Aberglaube, Reichtum und Armut, Bildungsmangel und niedrigstes Kastendasein bieten ein Bild Indiens, das überwältigend ist. Es wäre bedrückend, wenn der Autor seine Schilderung nicht mit den Mitteln des Humors in eine geistreiche, amüsante und äußerst unterhaltsame und prächtige Lektüre verwandelt hätte! Die Erzählung behält ihre Leichtigkeit und bleibt famos in der phantastischen Vielfarbigkeit bis zur letzten Seite. Ein hoch zu lobender Debütroman!
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Von der "Finsternis" ins "Licht", 20. Oktober 2008
Anlass für Balram Halwai seine Lebensgeschichte zu erzählen, ist die Ankündigung, dass der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao das indische Bangalore Besuchen will.
In sieben Nächten erzählt Balram in einem Brief an Jiabao, wie aus ihm, dem Jungen Munna aus dem Dorf Laxmangarh, der Unternehmer Ashok Sharma aus Bangalore wurde.
Der Autor lässt uns direkt teilhaben am Indien des 21. Jahrhunderts. Schonungslos, offen, aber mit viel Ironie schildert er die Abgründe, die sich auch im heutigen Indien zwischen Arm und Reich, zwischen "Finsternis" und "Licht" auftuen.
Die Kasten spielen dabei immer noch eine wichtige Rolle.
Balram Halwai, geboren in der Kaste der Zuckerbäcker, war eigentlich ein Leben als Diener in einem Teehaus bestimmt. Er tut sich jedoch schon früh als Ausnahme hervor, weil er als Dorfjunge lesen kann (daher der Name 'weisser Tiger', da dieser eine Ausnahmeerscheinung ist). Balram kommt als Fahrer und Diener eines Großgrundbesitzers seiner Region mit dessen jüngerem Sohn Ashok nach Dehli, die Stadt, in der "Finsternis" und "Licht" aufeinander treffen.
In Dehli lernt Balram schnell, dass man nur durch Korruption und Gewalt ins "Licht" kommen kann. Er befreit sich aus dem "Hühnerkäfig" und steigt in kurzer Zeit vom ausgebeuteten Fahrer zum Chef eines großen Taxiunternehmens in Bangalore auf.
Adiga erzählt spannend, amüsant und realitätsnah die abenteuerlich anmutende Geschichte von Balram, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, um ins "Licht" zu kommen. Ich konnte mich dabei sehr gut in die Gefühle und Gedanken des Aufsteigers Balram hineinversetzen.
Der Autor liefert trotz vieler Fakten einen lebendigen Roman ab, der ganz auf Handeln und Denken der Protagonisten beruht. Trotz des großen wirtschaftlichen Aufschwunges herrschen in Indien weiterhin Ungerechtigkeit und Ungleichheit.
Aravind Adiga hat für seinen Debütroman zu Recht den diesjährigen Booker Prize erhalten.
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