In vergangen Jahrhunderten wuchs die Bevölkerung quasi mit Tod und Sterben auf. Es war schlicht noch nicht möglich, diese deprimierende Wirklichkeit in Klinken und Friedhofskapellen zu verbannen. Heute besucht der Angehörige den schwer Erkrankten in der Klinik und nimmt, wenn dort nicht geholfen werden konnte, an einer stimmungsvolle Trauerfeier teil - das alles wird mit einem gewissen Abstand wahrgenommen. Ob das die Hinterbliebenen immer gut verkraften?
Jedoch wird in den letzten Jahren der Themenkreis "Sterben und Tod" nicht zuletzt durch die Hospizbewegung wieder verstärkt wahrgenommen. Aus deren Handbuch zitiert, werden die Strategien Vermeidung, Distanzierung, Ignorierung als unbrauchbar bezeichnet, wenn es "soweit" ist.
Man könnte sich eine stärkere Straffung und Strukturierung sowie auch mehr Infos zu den Autoren wünschen. Dabei wäre das letztere nur möglich auf Kosten der großen Zahl an Beiträgen.
Andererseits ist es gerade dieser Reichtum, der dem Buch seinen eigenen Stil gibt. Die zusammengetragenen Texte vermitteln Zugang zu der Vielzahl von Geisteshaltungen und Wertvorstellungen, die es früher gab und heute gibt. Die Bandbreite reicht vom Theologen und Philosophen zum Atheisten Es kommen auch Autoren wie Mark Twain zu Wort sowie Praktiker wie die Angestellte eines Bestattungsunternehmens.
Die unaufdringliche Struktur führt dazu, daß der Leser völlig unbefangen die für ihn wichtigen Themen suchen kann und sich nicht durch ein starres Schema daran gehindert fühlt.
Es kann wohl davon ausgegangen werden, daß der Leser für die Wahl eines Buches mit dem Thema "Endlichkeit unseres Lebens" einen Grund hat, z.B. starb ihm ein geliebter Mensch oder er muß sich mit einer lebensbedrohenden Krankheit auseinandersetzen Ohne einen realen Anlaß wird sich so schnell niemand mit dem Thema Vergänglichkeit befassen.
Jedenfalls ist "Ich weiß nicht, ob ich bange" ein im guten Sinne praktisches Buch, das die Möglichkeit eröffnet, sich einem schwierigen Thema schmökernd zu nähern.