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Ich weiß keine bessere Welt: Unveröffentlichte Gedichte
 
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Ich weiß keine bessere Welt: Unveröffentlichte Gedichte [Gebundene Ausgabe]

Ingeborg Bachmann , Isolde Moser , Heinz Bachmann , Christian Moser
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 195 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 2 (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492042554
  • ISBN-13: 978-3492042550
  • Größe und/oder Gewicht: 23 x 17 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.145.601 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ingeborg Bachmann
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Die Schnäppchenjäger

Ingeborg Bachmanns umstrittene Gedichte aus dem Nachlass

Natürlich sind das Gedichte. Und nicht einmal die schlechtesten ihrer Zeit. An Ingeborg Bachmanns zu Lebzeiten veröffentlichte Lyrik reichen sie freilich nicht heran, aber Papier hat schon Schlimmeres erduldet. Was diesen Band der «Unveröffentlichten Gedichte» so ärgerlich macht, ist nicht die mangelnde Qualität und nicht die Indiskretion. Es ist seine willkürliche Unvollständigkeit, sein nichtssagender Anmerkungsteil, sein Vorwort, dem es auf wenig mehr als einer Seite gelingt, phrasenhaft geschwätzig zu sein. Das Unheil, das für gewöhnlich Dichterwitwen anrichten, wird hier von den Bachmann-Geschwistern gestiftet. Und doch ist dieses Buch aus dem Nachlass besser als gar nichts. Die Kontroverse, die es ausgelöst hat («Die Zeit», Nr. 41 und 46), zeigt, dass die Autorin noch zu erregen vermag wie vor fünfzig Jahren.

Der gigantische Zettelsalat, den die Dichterin hinterlassen hat, schlummert in der Österreichischen Nationalbibliothek. Ein guter Teil davon ist auch jetzt, nach diesem umstrittenen Gedichtband, nur durch Gemunkel bekannt. Er sei «gesperrt», heisst es lapidar. Den rechtlichen Schlüssel haben die Erben, den fachlichen hätten die Literaturforscher, aber der sperrt nicht. Der Piper-Verlag steht dazwischen und bringt, was kommt, editorische Meilensteine ebenso wie dreiste Mogelpackungen: 1995 hat er das «Todesarten-Projekt» als kritische Ausgabe herausgebracht, vorbildlich kommentiert, durch die endlich die ganze Bachmann-Prosa in ihrem geplanten Zusammenhang gelesen werden kann. 1996 waren die «Briefe an Felician» dran, ein pubertärer Liebesschwulst, gerichtet an einen ältlichen Lehrer – ohne Herausgeberwort der Erklärung, dafür mit überflüssigen Lithographien. 1998 folgten die sogenannten «Römischen Reportagen» mit einem euphorisch falschen Nachwort zu dieser «Wiederentdeckung» – die Autorin hatte als junge Frau zum Broterwerb für eine deutsche Zeitung und einen Radiosender gearbeitet, ganz nach dem Geschmack der Auftraggeber und unter ihrer sprachlichen Würde, wohlweislich ohne mit ihrem Namen zu zeichnen. Und nun also «Unveröffentlichte Gedichte», zwar keine «Worthappen erster Güte», aber immerhin ein Teil des begehrten Nachlasses, also doch eine vermeintliche Delikatesse.

Zeit für eine Gesamtausgabe

Statt dieser Schnäppchentaktik wäre es längst Zeit für eine textkritische Gesamtausgabe, in der alles Platz haben müsste: von den gesammelten Küchenzetteln bis zu den berühmten Gedichten; Erzählungen und Romanfragmente, auch Splitter und Abfall zur Erklärung des Gesamtwerks. Selbst jene Arbeiten, die Bachmann nicht «unterschrieb», gehören dazu, kommentiert, aber ungeschönt, ebenso die Backfischbriefe. Und natürlich die Gedichte und Entwürfe, die immer noch «gesperrt» sind, auch wenn sie den Bewunderern der makellosen Bachmann zu hässlich sind. Und irgendwann auch die Briefe. 27 Jahre nach dem Tod – da gab es von Kafka schon vieles aus dem Nachlass zu lesen, auch die Tagebücher, bald darauf die Milena-Briefe. Kein «Lebensschlamm» kann die Bedeutung von Ingeborg Bachmann trüben, keine noch so peinliche Zeile, wenn sie in ihrem Kontext steht.

In einem Nachwort zum «Todesarten-Projekt» schreiben die akkuraten Bearbeiter, dass der unzugängliche Nachlass «mindestens 200 Gedichtentwürfe sowie eine grosse Zahl von Briefen und privaten Aufzeichnungen» enthält. In dem vorliegenden Schnäppchen-Band sind 106 solche Entwürfe veröffentlicht, es fehlt also noch etwa die Hälfte der Texte, die vermutlich alle in Beziehung zueinander stehen, so wie sie thematisch auf die spätere «Todesarten»-Prosa verweisen. Was fehlt, ist eine Gesamtausgabe dieses Splitterwerks nach dem Vorbild der «Todesarten»-Edition oder nach der Methode des von Hans Höller 1998 bei Suhrkamp edierten und kommentierten Bandes «Letzte, unveröffentlichte Gedichte, Entwürfe und Fassungen». Da wird gezeigt, wie Bachmann sich schrittweise ihre Verse abgerungen hat: Bis zu 14 Varianten gehen den Endfassungen voraus. Blatt um Blatt hämmerte sie ihre Verbesserungen in die Maschine, bis die Sprachfurie langsam auch die Tippfehler verscheuchte.

Natürlich sind das keine rechten Bachmann-Gedichte. Wie sie hier in diesem neuesten Band schutzlos neben ihren Faksimiles stehen, konfus angeordnet und ohne die geringste Erklärung, nur mit sinnlosen Buchhalterschnörkeln im Anhang. Nur eine vage Angabe zur Entstehungszeit, 1962 bis 1964 und später. Kein Wort über diese Zeit in der Hölle, die Bachmann nach der Trennung von Max Frisch durchgemacht hat. Kein Hinweis auf den Zusammenhang von Lebenskatastrophe und Schreibaffekt, auf den unkontrollierten Hassimpuls. Doch selbst in einer so verständnislosen Edition tragen diese Texte zum besseren Verstehen ihres Gesamtwerkes bei: Die Abkehr von der Lyrik war keine leichte Trennung, die Notate aus dem intimen Inferno machte sie immer noch in Versform. Nur dem geringsten Teil davon hat sie jede private Kenntlichkeit ausgetrieben, so dass grosse Gedichte daraus wurden, die letzten, die sie freigab (für das berühmte «Kursbuch» 15/1968, das den Tod der Literatur dekretierte). Den Rest dieses schauerlichen, ergreifenden Wortschlamms aus dem Orkus verwandelte sie nach jahrelangen Häutungen in die «Todesarten»-Prosa.

Worum geht es in diesen Gedichtfetzen? Zunächst um persönliche Qualen, den Bruch einer vier Jahre langen Liebesbeziehung, mit seinem ganz gewöhnlichen Schmutz und Hader. Eine Frau wird von einem Mann abgewiesen, sie fühlt sich erniedrigt, ausgenützt und ausgeweidet, jetzt geht es um ihr Überleben. Das «Stichwort Tod» ist immer präsent. Im Hintergrund dieses Gestammels zeichnen sich aber schon jene Themen ab, die sich in der späteren Bachmann-Prosa finden: die schwierige Vereinbarkeit von Frauenglück in «Kopf und Körper», das ewige Damenopfer, die Männerherrlichkeit, die Feindeswelt in allen ihren Spielarten. Manche dieser Schnipsel sind kaum Skizzen, sind geheulte Briefe, gelallte Verwünschungen. Fast immer ist der vergötterte Mann gemeint, den sie zu ihrem «Papst» gemacht hatte, dessen Opfer sie nun ist. Selten kommt sie in diesen gejammerten Versen von ihrer persönlichen Schmach los und bringt es zu Zeilen allgemeiner Desolation, noch seltener wird, wie in «Werbung», fast ein gutes Gedicht daraus.

Ingeborg Bachmann und Max Frisch lernen einander 1958 kennen. Bis 1962 dauert die Verbindung mit vielen Turbulenzen, bis Frisch sich mit einer Studentin liiert. Für diese Tragödie ist Bachmann nicht gewappnet, es verschlägt ihr das Wort: 1961 ist die Erzählsammlung «Das dreissigste Jahr» erschienen, nun klafft eine Lücke (mit geringen Ausnahmen) von zehn Jahren, bis 1971 der Roman «Malina» erscheint. Das schwarze Loch, in das sie gefallen ist, versucht sie mit den verzweifelt persönlichen Vers-Notaten auszufüllen. Das Schreiben wird dabei zur Überlebenskunst. Als sie sich 1964 mühsam erholt hat, auch durch die Ägyptenreise und den Büchnerpreis, da erscheint Frischs Roman «Mein Name sei Gantenbein», dieses «Blutbuch», in dem sie sich in einer Figur wiedererkennt. Sie braucht Jahre, bis sie darauf reagieren kann, dann aber tut sie es souverän: «Malina» ist (auch) eine Antwort auf Frischs Roman, ein Dialog mit ihm (sowie mit Paul Celan), ganz ohne den Hass der verheulten Sprachfetzen in den Gedichtentwürfen aus jener schlimmsten Zeit. Schon deshalb sind diese Texte interessant, weil sie der Urschleim für ihre zukünftige Prosa sind.

Bestürzend menschlich

Die chaotischen Zettel aus diesen «Trauerjahren» mögen peinlich berühren. Persönliches, Allzupersönliches kommt vor: eine Abtreibung, die «Julikinder», die man «herausgerissen hat aus mir»; und immer wieder der Selbstmord, mit Tabletten oder durch einen «Fenstersturz»; Sex und Blasphemie, als «Hostie, in den Mund geschoben / das Glied»; junge schwarze Männer, die sie sich «von der Strasse» holt. Und die Schmach der körperlichen Abweisung durch den «Papst», dem «mein Geruch nicht gefallen hat»; und ständig der Terror des Alterns, mit 38, «die faltigen Hände, über Nacht gekommen». – Das bestürzend Menschliche an solchen Konfessionen macht diese nicht automatisch zu Literatur, es spricht aber auch nicht dagegen. Daran stösst sich wohl eher das hedonistisch männliche Denken, das um die schöne Seele und die elegante junge Frau trauert, das sich «eine sechzigjährige Bachmann nicht vorstellen kann».

Viele dieser Texte sind primär aus Rotz und Tränen, sprechen von realen Orten, vom Tessin und von Zürich, von Rom und Berlin, von Klinikaufenthalten unter der «Gnade Morphium». Über einem steht «Frau Bachmann», vermutlich von Krankenschwesternhand. Daneben gibt es jedoch eine Gruppe von Versuchen, dem Unglück Kunst abzutrotzen. Die Autorin spiegelt sich dabei in liebeskranken Figuren der Kulturgeschichte, in der rachsüchtigen Medea (ohne Kinder), in der zu tausendjährigem Leben verdammten Sibylle. «Lasst mich sterben», flehen auch die Opernheroinen, die verschmähte Tosca und die betrogene Traviata. Schamlos konkurrieren Melodrama und Schwulst auf diesen konfusen Zetteln, aber es zeigt sich schon eine Art Dialog, wenn auch noch in Form von plumper Intertextualität.

Einmalige Urschriften sind diejenigen Skizzen, in denen es Bachmann langsam gelingt, den überdeutlichen Zusammenhang mit ihrem persönlichen Jammer zu vermeiden, wo die allgemeinen Motive ihrer späteren Prosa auftauchen: Da tut sich erstmals in Berlin eine «Mauerritze» auf, mit einem schwarzen Käfer drin, von dem sie lernt, sich tot zu stellen. Jahre später verschwindet die erzählende Frau im Roman «Malina» in so einem Riss in der Mauer.

Franz Haas

Pressestimmen

"Sie hat ihre Gedichte größtenteils nicht abgeschlossen, aber sie hat sie auch nicht vernichtet. Dafür können wir ihr nicht genug dankbar sein." (Die Welt)

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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Editorisch unzulänglich, literarisch unbefriedigend, 27. Januar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Ich weiß keine bessere Welt: Unveröffentlichte Gedichte (Gebundene Ausgabe)
„Ist denn ein Mensch nichts unter Brüdern wert ?" Mit dieser Zeile beginnt der Band der Nachlassgedichte, den Isolde Moser, Heinz Bachmann und Christian Moser unter dem Titel „Ich weiß keine bessere Welt" im Piper-Verlag veröffentlicht haben. Ob die HerausgeberInnen die Doppelbödigkeit selbst erkannt haben ? Setzen sie doch die eigene Schwester ohne Rücksicht voyeuristischer Betrachtung aus. Die Betroffene selbst kann sich nicht mehr wehren und wird Opfer einer sicher gut gemeinten Publikation, die aber völlig unbefriedigend ist. Es gab zu Recht heftige Reaktionen in der Presse (ZEIT, FAZ etc.). Besonders hart ging Peter Hamm mit dem Buch ins Gericht. Meine Meinung: „Ich weiß keine bessere Welt" ist ein Buch, das editorisch unzulänglich, biografisch unzureichend erläutert und literarisch unbefriedigend ist.
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4.0 von 5 Sternen Nichts wird mehr kommen?, 4. März 2009
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Als 1998 "letzte, unveröffentlichte Gedichte" der Ingeborg Bachmann (1926-1973) - hervorragend editiert und kommentiert von Hans Höller - erschienen sind, mussten wir annehmen, dass damit wirklich letzte, unveröffentlichte Gedichte gemeint waren. "Nichts mehr wird kommen", hat die Dichterin uns in einem der schönsten Gedichte ("Enigma" - für Hans Werner Henze) wissen lassen. Und dann ist doch wieder noch etwas gekommen - aus dem eigentlich bis 2025 gesperrten Nachlass: ein Band unveröffentlichter Gedichte unter dem Titel "Ich weiß keine bessere Welt".

Die Herausgeber, die Geschwister der Ingeborg Bachmann Isolde Moser und Heinz Bachmann, geben als Erklärung für die vorzeitige Publikation an, dass "das Wiederlesen nach fast drei Jahrzehnten...faszinierend, berührend und so beeindruckend" war, "dass der Gedanke aufkam, diese Texte nicht länger unter Verschluß zu halten...". Faszinierend, berührend und beeindruckend - ohne Zweifel. Ob das allerdings im Sinne der Dichterin wäre, bleibe dahingestellt. Schließlich hat sie 1968 der Lyrik abgeschworen, für sich selbst postuliert "Aufhören ist eine Stärke, nicht eine Schwäche". Und sie wusste wohl sehr genau, warum. Sie genügte ihren eigenen, sehr hohen Ansprüchen nicht mehr. Nichts also sollte mehr kommen.

Man kann sich natürlich auch fragen, ob jede beschriebene Zeile, jeder auf eine Papierserviette gekritzelte Vers, jedes Fragment veröffentlicht werden muss. Bestenfalls kann man mit dem berühmten Blick in die Werkstatt des Dichters argumentieren. Und unveröffentlichte Gedichte sind es auch nicht durchgängig. Schon bei Höller waren längst nicht alle Gedichte "unveröffentlicht". In der Edition der Bachmann-Geschwister tauchen schon bekannte Gedichte auf. So "Schallmauer", "In Feindeshand",. Und die Prag-Gedichte "Jüdischer Friedhof", "Wenzelsplatz" und "Poliklinik Prag", die zusammen mit dem Gedicht "Heimkehr über Prag", das wir allerdings erst jetzt lesen können, einen kleinen Prag-Zyklus bilden. Ingeborg Bachmann war 1964 zweimal in Prag, so dass diese Gedichte sehr genau datiert werden können.

Was in diesem Band an Texte, Gedichten und Fragmenten vorliegt, stammt weitestgehend aus der Zeit von 1962 bis 1964, sie gehören in das Werkumfeld der "Todesarten"-Texte, sie wurden geschrieben in Zürich, Berlin und Rom. Eine chronologisch präzise Zuordnung ist nicht möglich, biografisch aber stehen sie im Kontext zur Trennung von Max Frisch, eine der schlimmsten Phasen im Leben der Ingeborg Bachmann. Das alles ist aus den meist unfertigen Zeilen und Abschnitten herauszulesen: Depression und Todessehnsucht, Todesahnung, Verzweiflung. Immer wieder ist es die Vokabeln "Tod", die aufhorchen lässt: "Ich bin ganz wild von / Tod...", "Geschenkt ist / der Tod". In "Gloriastraße" ist von einem Ort die Rede, "in dem / die Dame des Hauses / Tod heißt...". In dem Gedicht "Mit einem Dritten sprechen" stehen die Zeilen "und ich habe den Tod / gewählt...hab ihm / erzählt, diesem wahnwitzigen / Tod, den ich nicht vor- / stellen kann, den ich / rasch herbeiführen, aber / nie vorstellen kann, hab / ihm erzählt...". "Mild und leise", aber gerade deshalb so eindringlich der Aufschrei "Laßt mich sterben". Denn "Ich weiß keine bessere Welt...".

Oder - wir dürfen es einmal so vermuten - die Versuche, dichtend mit der Trennung von Max Frisch fertig zu werden: "Ich habe mich eingeschrieben für dich für Lebzeiten / das ist nicht auszutragen,". Dann wieder: "Ich hab keinen Flaum den / Schutzfilm nichts, nichts / bekommen, hättest Du mich / verkauft, anstatt verraten, geduldet irgendwie, anstatt / Dich zu verweigern" ("Wiedersehen"). So greift die Bachmann in ihrer Not zur "Gnade Morphium", weil ihr "die Gnade eines Briefs, / die Gnade Menschen..." verweigert wird. Dies alles sind Dokumente des Schmerzes, der Seelenpein und unbeschreiblicher Qualen.

Diese Interpretationsversuche ließen sich fortsetzen, der Leser aber befindet sich auf sehr dünnem Eis. Kaum etwas ist fertig, vieles unverständlich, wie auch die Faksimiles der handschriftlichen Texte zeigen. Anderes wieder ist im Versuchsstadium, immer wieder Änderungen unterworfen, um dann als von der Dichterin wohl als nicht publizierbar abgelegt zu werden. Aber auch "Vollendetes" gibt es - wie "Nacht der Liebe", wie "Dein Tod, und wieder".

Wenn also gefragt wird, ob diese Veröffentlichung sein musste, kann die Antwort nur ein eindeutiges Ja sein. Allerdings kann man sich heftig streiten über die Art der Publikation, die mit sehr dürftigen Kommentaren ausgestattet ist, unter falschem Etikett verkauft und vermarktet wird. Wie viele "letzte, unveröffentlichte" Texte wird es bis 2025 noch geben, und was bleibt von dem Nachlass dann eigentlich noch übrig? Fragen, die uns die Nachlass-Verwalter beantworten sollten.
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2.0 von 5 Sternen ...dafür wissen wir einen besseren Verlag..., 22. August 2008
Ich kann mich Franz Haas's Rezension nur anschliessen:
Es bleibt fragwürdig, wie gerechtfertigt eine unkommentierte, unkritische Sammlung von "Wäschezetteln" der wahrscheinlich größten deutschen modernen Dichterin ist.
Was aber will man von einem Verlag erwarten, den Bachmann selbst zu Lebzeiten wegen seiner politischen Gesinnung abgelehnt hatte, ein Verlag der seit Jahrzehnten einfach nicht aufhört zu knausern mit seinem Kulturgut...
Etwas Dankbarkeit dürfen wir natürlich abgeben, aber an sich nur Bachmans Erben gegenüber, die die Tür zum Nachlass geöffnet haben. Wo aber all unsere großen Dichter eine würdige "Bibliothek", eine würdige Werkausgabe bekommen haben, klafft bei Bachmann ein editorisches Loch.
Ihre Manuskripte gehörten in die Hände eines würdigen und fähigen Verlegers. Zu Suhrkamp oder zu dtv!
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