Viktor Mann, letztgeborenes Kind des Lübecker Kaufmanns und Senators Thomas Johann Heinrich Mann, hegte keine schriftstellerischen Ambitionen. In jungen Jahren studierte er Agrikultur, später war er Angestellter des Landesamtes für Milchwirtschaft, noch später Sachverständiger bei der Bayrischen Handelsbank: offensichtlich ein ganz anderer Lebensentwurf, als der seiner weltbekannten Brüder Thomas und Heinrich.
Aber ein Buch schrieb er doch, nämlich diese Autobiographie und Chronik seiner Familie, die manchmal ein klein wenig eitel (welche Biographie ist davon frei) daherkommt, aber auch auf vielen Seiten zu unterhalten weiß - und dabei überraschendes (?) schriftstellerisches Talent verrät.
Anekdote wird an Anekdote gereiht, oft auch im Bezug auf das spätere Schaffen der beiden großen, von Viktor von Pike auf bewunderten, Brüder "Onkel Ommo" und "Onkel Heini". Nebenher erfährt man manches über die verschrobene Bohème Schwabings um die vorletzte Jahrhundertwende, lernt fast vergessene Schriftsteller und Maler kennen - und erfährt Details aus dem frühen, großbürgerlichen Familienleben der Manns, die sich später in "Der Untertan", "Joseph und seine Brüder" - oder natürlich den "Buddenbrooks" - wiederfanden.
Nach Lektüre der ersten Seiten von "Wir waren fünf" war ich mir noch nicht gewiss, ob ich mir auch diese Mann-Biographie zu Gemüte führen muss, wenig später war ich mir sicher...