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3.0 von 5 Sternen
Sommer eines Teenagers, 28. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Der wahre Präsident von Amerika (Gebundene Ausgabe)
Okay. Der Sohn von Stephen King. Talent und Phantasie des Vaters hat er geerbt, keine Frage. Dieses Buch, sein erster Roman, beschäftigt sich mit der aktuellen Politik unter Bush jr. Übernatürliches fehlt. Kein Horror weit und breit; vermutlich ist er klug genug, davon die Feder zu lassen. Die Geschichte beginnt schräg und durchaus unterhaltsam. Die zentrale Figur ist der sechszehige Teenager George, der es mit seiner Familie nicht leicht hat. Seine Mutter, die ihn allein erzieht, mutet ihm nacheinander die unterschiedlichsten Typen zu. Der neueste, ein spießiger Arzt, ist dabei, den Vogel abzuschießen. George kommuniziert ab sofort mit seiner Mutter nur noch schriftlich per Zettel. Die hat es auch sonst nicht leicht, beruflich hat sie es mit fanatischen Abtreibungsgegnern zu tun, die ihr schließlich zum Verhängnis werden. Seine Großmutter, eine beinharte Gewerkschafterin (Klagt nicht! Organisiert euch!) ist verstorben und hat Georges Großvater etwas verwahrlost, aber keineswegs orientierungslos, zurückgelassen. Der Junge kümmert sich liebevoll um ihn. In Opas Garten steht eine riesige Tafel, auf dem dieser unmissverständlich erklärt, dass Al Gore der wahre Präsident der Vereinigten Staaten ist und Bush sich die Präsidentschaft mit unlauteren Machenschaften unter dem Nagel gerissen hat. Ganz klar, dass diese Tafel schon bald heftigen Attacken ausgesetzt ist. Außerdem fehlt ständig ein Teil seiner Zeitung. Großvater rüstet sich zum Kampf und der Enkel soll ihm beistehen....... Witzig und einfallsreich entwirft der junge King sein ländliches Amerika der Außenseiter, Träumer und unerschrockener Kämpfer für die gerechte Sache. Aber. Irgendwann ist einfach die Luft draußen und das Buch geht in einem Strudel von kurz angerissenen Ereignissen zu Ende und schafft so Platz für eine Kostprobe von Kurzgeschichten, sein bisher bevorzugtes Gebiet, auf dem er auch schon ausgezeichnet wurde. Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass er irgendwann das Interesse am Erzählen dieser Geschichte in Romanform verloren hatte und das Ganze ungeduldig und schnell zu Ende bringen wollte. Vielleicht macht er es beim nächsten Versuch besser, das Potential dazu hat er ja. Die sich anschließenden Kurzgeschichten sind skurril und eigenartig. Ein Zahnarzt in der Wildnis, ein Alt-Hippie im Einkaufszentrum und ein Baseballspieler, der in die Jahre kommt, bevölkern sie. Apropos Baseballspieler: Auch bei King jr. spuken die Boston Red Sox und Fenway Park durch das Buch - ganz wie bei Papa und etlichen anderen amerikanischen Autoren. Diese uramerikanische Sportart und besonders dieses Erstliga-Team scheinen fest in den Teenagererinnerungen vieler Amerikaner verankert zu sein.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein King mit Witz und Gespür für die Mitmenschen, aber ohne Horror, 4. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Der wahre Präsident von Amerika (Gebundene Ausgabe)
Söhne erfolgreicher Eltern. Warum lies mich das nur im ersten Moment vorsichtig sein? Wie auch immer. Owen King schreibt mit der präzisen und trefflichen Beschreibungsgabe seines Vaters und hält dem spießbürgerliche Kleinstadttum der USA den Spiegel vors Gesicht. Dass dabei der Horror eines Kings fehlt, stört nicht im Geringsten. Im Gegenteil! Das Buch ist witzig und brilliant geschrieben und zeigt auf, wohin Verbohrtheit führen kann. Dabei bürgt die Geschichte immer wieder interessante Wendungen. Schmunzeln garantiert! Abgerundet wird die Story über den 'Wahren Präsidenten der USA' (nämlich Al Gore) mit einigen ausgewählten Kurzgeschichten, in denen Owen King wieder brilliert! Ein sehr empfehlenswertes Buch, das ich regelrecht verschlungen habe!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Amerikanisches Kleinbürgertum, 28. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Der wahre Präsident von Amerika (Gebundene Ausgabe)
Owen King, Sohn des Thrillerautors Steven King, stilistisch und inhaltlich jedoch ohne erkennbare verwandtschaftliche Verbindung, trifft mit seinem Debütroman satirisch den Zahn der Zeit. "Der wahre Präsident von Amerika" klagt an, was die ganze Welt vor Amerika zurückschrecken lässt, die politische Naivität, mit der das Gros der Amerikaner G.W. Bush jr. untertan ist, der sich seinen Wahlsieg erkauft, erschwindelt und erschlichen hat und mittlerweile in seiner zweiten Amtszeit ungestraft wirken darf. King zeichnet ein amerikanisches Kleinstadtleben, wie man es sich vorstellt. Mangelnde Umgangsformen, Fanatismus, bildungsferne Bürgerschichten, Verrohung und Blauäugigkeit hinter Fliegengittertüren und kurz gemähten Vorgartenrasenflächen. Zwischen den politischen und gesellschaftlichen Launen des beginnenden 21. Jahrhunderts kämpft ein 15 jähriger Junge mit Vernunft gesegnet um seine Stellung in einer Familie mit einem Großvater, der AL Gore-Fanatiker ist, einer Gewerkschaftler-Großmutter, die vor kurzem an Krebs verstorben ist, einem drogensüchtigen Vater, einer Mutter, die immer dann ihre Lebenspartner wechselt, wenn der Junge sich gerade in die neue Situation eingelebt hat und einem aktuellen Liebhaber der Mutter, der den klassischen Spießbürger verkörpert und überhaupt nicht in diesen "durchgeknallten" Reigen Angehöriger passt. Beschreibend passt hier eigentlich nur die angelsächsisch Form für total verrückt: crazy! Ein sehr gelungenes Buch mit viel Witz und Wahrheiten. Die im Anschluss folgenden Kurzgeschichten, die nicht minder "abgefahren" sind, befriedigen jedoch nur teilweise meine literarische Leidenschaft.
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