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am 17. April 2007
Klaus Eidams Buch über das wahre Leben" von Johann Sebastian Bach stellt trotz sprachlich-stilistischer Mängel einen wichtigen Beitrag zur Bach-Forschung dar. In seinem Buch hat sich Eidam zum Ziel gesetzt, falsche Schlüsse und Fehlinterpretationen aus verschiedenen Bach-Biographien richtig zu stellen. Es verdient durchaus Anerkennung, wenn Eidam, gestützt auf sorgfältiges Studium der Archive, z.B. nicht nachvollziehbare Schlussfolgerungen von Albert Schweizers Bach-Biographie korrigiert. Insgesamt trägt Eidams Buch zu einem realitätsnäheren Bild von Johann Sebastian Bach bei und räumt dabei mit vielen Irrtümern und Vorurteilen auf. Mendelssohn mag zwar Bachs Matthäus-Passion gerettet haben. Es stimmt aber nicht, dass Bachs Werke bis dahin vergessen waren. Eidam weist darauf hin, dass z.B. das Wohltemperierte Klavier" bei Haydn, Mozart und späteren Komponisten in hohen Ehren stand.

Aus der Zielsetzung des Buches heraus ist es durchaus nachvollziehbar, wenn Eidam seinen Schwerpunkt nicht auf die musikalischen Werke von Bach legt, sondern sich hauptsächlich auf die Stationen seines Wirkens und den damit verbundenen Schwierigkeiten konzentriert. Besonders gelungen ist hier die Darstellung von Bachs Kindheit und Jugend zu bewerten. Nach Eidams These beruht Bachs Genie unter anderem auf der Tatsache, dass Bach seit frühester Kindheit einen ausgeprägten Wissensdurst für die Musik an den Tag legte. Auch Eidam arbeitet die herausragende Position Bachs in der europäischen Musikgeschichte heraus, wenn er feststellt, dass Bach zwar nicht Höhepunkt und Endpunkt des Barock" (Schweizer) darstellt, sondern in seiner Zeit unerreicht und einzigartig war. Dies gilt sowohl hinsichtlich der Melodik und Harmonik als auch hinsichtlich der handwerklichen Solidität von Bachs Werken.

Es ist schade, dass Eidams Buch in weiten Teilen stilistisch recht flapsig geschrieben ist. Das ist sicherlich unangemessen. Außerdem ist dieses Buch nicht frei von Polemik, die sich gegen Ende fast ins Unerträgliche steigert. Ein wenig mehr Nüchternheit wäre in jedem Falle angebrachter gewesen.

Fazit: Ein inhaltlich sehr lesenswertes Buch, stilistisch gleichwohl mit Mängeln behaftet.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Januar 2014
Ich will eine Lanze brechen für dieses Buch - was hier so inbrünstig von selbsternannten Fachleuten verrissen wird...
Ja - gerade dies bewog mich zu seinem Kauf! Und ich wurde nicht enttäuscht.
Es ist zwar ein eigenwilliger und emotionaler Stil in dem es geschrieben ist - doch gerade das macht seinen Charme aus.
Wie hier einer dazu geschrieben hat: Bach als menschliches Wesen !
Das war es, was mich interessierte.
Mit Infos über seine Taten und Werke wird man überall "zugeschmissen" - doch was "der Bach" für einer war - und mit welchen Problemen er kämpfen musste - das verschwindet hinter einem geradezu monströsen Personenkult.
Wer alles, was Quellen minutiös hergeben können, (z.B. wer den Abtritt der Bachs reinigte, etc!) wissen muss, kann ja andere Bücher lesen!
Es ist geradezu absurd, einem ausübenden Musiker und Drehbuchautor eines mehrteiligen Bach-Films mangelnde Sachkenntnis und mangelnde Recherche zu unterstellen! Der Mann MUSSTE gründlich recherchieren, damit sein Film glaubwürdig wird.
Und stieß dabei offensichtlich auf etliche Ungereimtheiten...
Da wäre ich auch sauer, wenn ich schließlich feststellen müsste, dass sogenannte Fachleute ihre eigenen Märchen über den GROSSEN Bach in die Welt setzen.
Allen voran mal die Kirchen, bzw. deren Protagonisten, die Bach gleich für sich vereinnahmt haben.
Einer der Orgel spielt, Kantaten schreibt und Thomaskantor ist, MUSS ja zwangsläufig ein Gottesmann sein...
Ein Glück, dass Bach nicht katholisch war - sonst hätte man ihn wohl heiliggesprochen..
Für Bach ging es einzig und allein um die Musik - und er war so fromm, wie man es damals eben war!
Und wenn man Orgelvirtuose ist, dann muss man sich mit der Kirche arrangieren. Immerhin lebte er davon.
Und so wird ein Bild zementiert, das dem wahren Menschen nicht gerecht wird.
Dieses Bild findet dann schließlich seinen Niederschlag beim "gemeinen Volk" und prägt die allgemeinen Vorstellung von Bach als gestrengem Frömmler, das wir alle so gut kennen...
Lebendiges und selbst erlebtes Beispiel,
Originalton eines solchen "Unbedarften", der zufällig rein kam, als Bach lief:
"Iss einer gestorb ??"
Das sagt doch schon alles.
In Wirklichkeit ist Bach alles andere als ein Trauerkloß - im Gegenteil, er ist verspielt, experimentierfreudig und lustig!
Ich spiele selber Orgel - und bei meinen Bach-Übungen habe ich mehr als einmal laut aufgelacht angesichts mancher skurrilen Wendungen...
Kein Wunder, dass man sich damals über seinen zu "flotten" Stil aufgeregt hat...
Manchmal habe ich den Eindruck, er lacht sich musikalisch eins...
Oder wie soll man ein Stück wie "Wachet auf, ruft uns die Stimme" auffassen ? Bei uns hat es den Spitznamen "Bärenmusik" schon weg.
Und der sich nicht zu schade war, lose Lieder zu verfassen, was von den Heiligen-Verehrern am liebsten indigniert weggeschwiegen würde...
Was den musikalischen Unverstand auf Pennäler-Niveau betrifft, der so leichthin dem Autor bescheinigt wird - so kann ich da nur gesunden musikalischen Menschenverstand entdecken! Und Liebe zum Sujet.
Er hat völlig Recht, wenn er Musik als "selbstredend" darstellt - und nicht als Sezier-Objekt für sogenannte Fachleute.
Im Grund ist es mit jeder Kunst so. Kunst, die man erklären muss, ist für mich keine.
Der kreative Prozess - das weiß ich aus eigener Erfahrung - ist etwas zutiefst Emotionales, das nicht planbar ist.
Man kann dem Autor wohl eine gewisse Subjektivität und Polemik - und auch einige Wiederholungen vorwerfen - doch das verzeihe ich ihm angesichts des ansonsten sehr menschlichen Bildes, das er entwirft.
Zum Schluß möchte ich mit Bach sagen: "Der Geist hilft unserer Schwachheit auf" !
(Sehr fröhliche Motette anläßlich einer Beerdigung..)
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. September 2007
Eidams Buch verleitet beim ersten Durchblättern aufgrund seines unkonventionellen und jedenfalls nicht langweiligen Sprachstils zum Kauf, zumal der erste Eindruck einen neuen und unverstellten Blick auf die Persönlichleit Bachs sugeriert. Leider entpuppt sich vieles als Allgemeinplatz oder stimmt so nicht (z. B. war Bach nicht der erste, der temperierte Stimmungen beschrieb, doch Eidam stellt es so dar, als wäre es so; zudem ist höchst umstritten, ob Bach für sein "Wohltemperiertes Klavier" tatsächlich mit der gleichstufigen oder vielleicht eben doch mit einer nichtgleichstufig-temperierten Stimmung rechnete). Noch ärgerlicher sind die fortwährenden Seitenhiebe auf andere Bach-Autoren; erstens sind die Zitate, mithilfe derer Eidam anderen Autoren Irrtümer oder gar fachliche Schwächen unterstellt, in keinem einzigen Fall sauber bibiographiert (mit Seitenangaben), und zweitens sind diese Zitate gar keine im eigentlichen Sinne, sondern es handelt sich um - wie konkrete Überprüfungen ergeben - verzerrte bis sinnentstellende sowie aus ihrem Kontext herausgerissene Scheinzitate. Alles in allem darf man daher diesem Buch keinen wissenschaftlichen und auch keinen populärwissenschaftlichen Rang zusprechen; in der Bachforschung der Zukunft wird dieses Opus wohl bestenfalls als Kuriosität überleben. Erstaunlich, dass es das Lektorat des Piper-Verlages, von dem man ganz andere Qualität gewohnt ist, passieren konnte.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Juli 2007
Es mag ja sein, dass er die ein oder andere neue Erkenntnis hinzugewinnt. Aber dass man Absatzweise Zitate aus Bach-Büchern um die Ohren gehauen bekommt, die nach Meinung des Autors das Unverständnis seiner Kollegen belegen sollen, das ist auf Dauer nur schwer erträglich.
Kommt man also mal zu dem Punkt, dass man einen neuen Gedanken Eidams findet, so gönnt man ihm das gar nicht, sondern möchte ob so viel Kollegenneid, Besserwisserei und Prahlerei mit der eigenen (vermeintlichen) Klugheit doch lieber den anderen Büchern recht geben.
Eine ganze Disziplin (Musikwissenschaft) direkt zu diskreditieren ist völlig fehl am Platz. Nur weil man Herrn Eidam sein mangelndes Musikverständnis in jedem Satz, den er direkt über Bachs Musik schreiben will, anmerkt, kommt er zu Pauschalurteilen wie dem Klischee, man könne über Musik sowieso nicht schreiben. Stattdessen entgeht er sich in Verbalverblümelungen Bachsche Meisterwerke, wie Sie in örtlichen Dorfblättern als Konzertrezensionen des Männergesangsvereins zu finden sind.
Das Buch scheint mir für Leute geschrieben zu sein, die zwar keine Ahnung von Musik haben, dabei aber gelehrt darüber reden wollen (also Leute wie der Autor selbst). So weiß man nach Lektüre dieses Buches nicht nur (zugegebenermaßen) mehr über Bach als vorher (vorausgesetzt man wusste vorher eben nix), sondern hat gleichzeitig auch noch die Namen der wichtigsten Bachbiografen parat (sie werden im Buch oft genug erwähnt, keine bange...) und kann vom Stapel lassen, was die alles nicht erkannt haben...
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Juni 2006
Eidams Beschreibung Bachs ist ein anachronistiches Echo des "Geniekults" des 19. Jahrhunderts. Ein Genie also, dass seiner Zeit voraus war und sich stets gegen sein unverständiges Umfeld, geprägt durch Kleingeister und Neid, durchsetzen musste. Wenn eine Begebenheit Interpretation zulässt, also eigentlich immer, wird sie selbstverständlich im positiven Sinn für Bach gedeutet. Andere Möglichkeiten werden entweder nicht erwähnt oder verächtlich gemacht. Mag sein, dass er dadurch Bach geschmeichelt hätte, ihm wirklich näherzukommen taugt das Buch wenig. Und tatsächlich ist die Kunsthistorik über derartige Hagiographien längst hinaus. Soweit wäre das Buch zwar nicht auf den Stand der Forschung, aber vielleicht wenigstens amüsant. Leider verdirbt der gallige Stil sehr bald auch diesen Spass. Dem Naturwissenschaftler werden Argumentationsmuster und -stil vertraut vorkommen: Sie lassen sich auch in Beiträgen zu Urknall, Relativitätstheorie und Evolution finden, also immer dann, wenn das Unverständnis der neueren Forschung mit Polemik überspielt wird. Der schlimmste Fehlkauf seit Langem.
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2 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. April 2007
Diese Biographie ist wohl so ziemlich das Überflüssigste, derzeit zu Habende auf dem Buchmarkt. Es macht keinerlei Spaß ständig mit Besserwisserei konfrontiert zu werden, alle anderen liegen falsch, nur ich (Eidam) habe recht. Dahinter stecht wohl ein frustrierter Lebenslauf.
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