Klaus Eidams Buch über das wahre Leben" von Johann Sebastian Bach stellt trotz sprachlich-stilistischer Mängel einen wichtigen Beitrag zur Bach-Forschung dar. In seinem Buch hat sich Eidam zum Ziel gesetzt, falsche Schlüsse und Fehlinterpretationen aus verschiedenen Bach-Biographien richtig zu stellen. Es verdient durchaus Anerkennung, wenn Eidam, gestützt auf sorgfältiges Studium der Archive, z.B. nicht nachvollziehbare Schlussfolgerungen von Albert Schweizers Bach-Biographie korrigiert. Insgesamt trägt Eidams Buch zu einem realitätsnäheren Bild von Johann Sebastian Bach bei und räumt dabei mit vielen Irrtümern und Vorurteilen auf. Mendelssohn mag zwar Bachs Matthäus-Passion gerettet haben. Es stimmt aber nicht, dass Bachs Werke bis dahin vergessen waren. Eidam weist darauf hin, dass z.B. das Wohltemperierte Klavier" bei Haydn, Mozart und späteren Komponisten in hohen Ehren stand.
Aus der Zielsetzung des Buches heraus ist es durchaus nachvollziehbar, wenn Eidam seinen Schwerpunkt nicht auf die musikalischen Werke von Bach legt, sondern sich hauptsächlich auf die Stationen seines Wirkens und den damit verbundenen Schwierigkeiten konzentriert. Besonders gelungen ist hier die Darstellung von Bachs Kindheit und Jugend zu bewerten. Nach Eidams These beruht Bachs Genie unter anderem auf der Tatsache, dass Bach seit frühester Kindheit einen ausgeprägten Wissensdurst für die Musik an den Tag legte. Auch Eidam arbeitet die herausragende Position Bachs in der europäischen Musikgeschichte heraus, wenn er feststellt, dass Bach zwar nicht Höhepunkt und Endpunkt des Barock" (Schweizer) darstellt, sondern in seiner Zeit unerreicht und einzigartig war. Dies gilt sowohl hinsichtlich der Melodik und Harmonik als auch hinsichtlich der handwerklichen Solidität von Bachs Werken.
Es ist schade, dass Eidams Buch in weiten Teilen stilistisch recht flapsig geschrieben ist. Das ist sicherlich unangemessen. Außerdem ist dieses Buch nicht frei von Polemik, die sich gegen Ende fast ins Unerträgliche steigert. Ein wenig mehr Nüchternheit wäre in jedem Falle angebrachter gewesen.
Fazit: Ein inhaltlich sehr lesenswertes Buch, stilistisch gleichwohl mit Mängeln behaftet.