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31 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gegen die menschliche Natur, 15. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Wenn Gott würfelt oder Wie der Zufall unser Leben bestimmt (Gebundene Ausgabe)
Die Unsitte, Manager mit absurden Boni zu belohnen, werden Leser dieses Buch noch absurder finden. Denn mathematisch betrachtet, können selbst ausgewiesene Erfolge nicht auf das eigene Konto verbucht werden, wenn man die Resultate von Entscheidungen nicht über sehr lange Zeiträume hinweg betrachtet. Und wie alle anderen Behauptungen in diesem Buch wird auch diese mit harten Formeln und zahlreichen Beispielen belegt. Auch wenn man den Namen des Autor im deutschen Sprachraum weniger kennt als in den Vereinigten Staaten, merkt man schnell, dass hier kein gewöhnlicher Physiker schreibt. Ich war jedenfalls nicht überrascht, dass eines der Vorbilder von Leonard Mlodinow der Nobelpreisträger Richard Feynman ist und Mlodinow an den Drehbüchern für "MyGyver" und "Star Trek - The Next Generation" schrieb. Denn wie Feynman versteht es auch Mlodinow hervorragend, Unterhaltung und Wissenschaft unter ein Dach zu bringen, ohne dass die Konstruktion zusammenfällt. Da die meisten Werke der Ratgeberliteratur die Irrlehre verbreiten, komplexe Systeme ließen sich steuern, ist jedes Buch über den Zufall wichtig. Und wenn es so gut geschrieben ist wie dieses, dann liegt das Wort Pflichtlektüre schon beinahe auf der Zunge. Doch ich spreche es deshalb nicht aus, weil ich niemandem zur Beschäftigung mit einem Thema verdammen möchte, das von Dingen spricht, die gegen die menschliche Natur sind. Aber das ist bei dieser Materie dummerweise der Fall, da unser Gehirn darauf programmiert ist, Muster zu erkennen. Selbst dort, wo es keine gibt oder wo sie unserer Wahrnehmung nicht zugänglich sind. Fragt sich also, wer sich die Lektüre trotzdem antun soll. Ich meine alle, die ihren Theorien einen wissenschaftlichen Anstrich geben wollen oder nach Argumenten für ihren Unglauben suchen. Verständlich finde ich die Kritik, der Autor würde seine Leser letztlich im Regen stehen lassen, nachdem er ihnen den Glauben an bisherige Erklärungsmodelle geraubt hat. Tatsächlich geht Leonard Mlodinow wenig bis gar nicht auf die Frage ein, wie man das Gelesene nun in den Alltag einbauen soll. Doch so verständlich der Wunsch nach solchen Ratschlägen ist, so verständlich ist das Konzept des Autors, sich mit der Entzauberung zu begnügen. Zumal er ja nicht gänzlich auf Hilfereichungen verzichtet. Nur muss sie der Leser selber aus den vielen Beispielen extrahieren und immer auch zwischen den Zeilen lesen. Das war und ist ja mit anderen Entzauberung ebenfalls so. Wer Religionskritik übt, verpflichtet sich damit nicht zur Lieferung einer Ersatzreligion. Es ist legitim und hat eine lange Tradition, Mythen zerstören zu dürfen, ohne die Verletzung heilen zu müssen. Dass unser Leben zum größten Teil vom Zufall bestimmt wird, ist schwer verdaubare Kost. Und es wird noch viele Bücher wie dieses brauchen, bis alle ohne Bauchschmerzen am Tisch sitzen. Lesen dürfen dieses Buch selbstverständlich auch alle, die durch ihre Ausbildungslehrgänge dazu verpflichtet sind, Kombinatorik, Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung zu begreifen. Denn sie werden mit Genugtuung feststellen, dass es noch Fachlehrer gibt, die ihnen komplizierte Formeln mit anschaulichen Beispielen erklären können. Ganz in der Tradition von Richard Feynman und anderen kreativen Wissenschaftlern. Spaß an diesem Buch werden Smalltalker auf gehobenem Niveau haben, die ihre Geschichtensammlung durch einige Neuigkeiten ergänzen wollen. Denn auch wenn Mlodinow zahlreiche alt bekannte Beispiele bringt, wartet er mit so vielen Überraschungen auf, dass die Lektüre immer spannend bleibt. Mein Fazit: Unter den zahlreichen Büchern, die zu diesem Thema verfasst wurden und in meiner Sammlung sind, gehört dieses klar zu meinen Favoriten. Der Autor versteht die Materie selber so gut, dass er sich voll und ganz auf die möglichst anschauliche Vermittlung konzentrieren kann. Und das gelingt ihm durch gezielte Vereinfachungen, passende Geschichten und unterhaltsame Beispiele.
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Nicht ganz einverstanden, aber trotzdem gutes Buch, 8. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Wenn Gott würfelt oder Wie der Zufall unser Leben bestimmt (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch gerade zuende gelesen. Es ist sehr spannend geschrieben, mit zahlreichen Anekdoten aus der Welt der Wirtschaft, des Sports, der Politik und der Wissenschaften, tief in die Geschichte hinein bis zurück zu den alten Griechen. In den ersten zwei Dritteln ist es eine Art Einführung in die schliessende Statistik in Romanform und ohne Formeln. Was das Verstehen der Konzepte allerdings nicht in allen Fällen einfacher macht. Es gibt allerdings ein paar Dinge, die mich stören oder die ich vermisse. Mich überzeugt die Anwendung des Konzepts "Zufall" in diesem Buch überhaupt nicht. Für Mlodinow scheint "Zufall" mit "gleichverteiltem Zufall" gleichbedeutend zu sein. Da geht er allerdings der umgangssprachlichen Verwendung des Worts etwas auf den Leim. In zahlreichen Beispielen demonstriert er, wie Ausgängen von Wirtschaftserfolgen, Schauspielerkarrieren etc. keinerlei Gesetzesmässigkeit zugrundeliegen würde und viel eher Produkte des Zufalls wären. Doch nur im alltagssprachlichen Umgang sind diese beiden Dinge - Zufall und Gesetz - ein Gegensatz, nämlich genau dann, wenn wir es mit gleichverteiltem Zufall, 50 zu 50-Situationen zu tun haben. Das ist aber in komplexen Systemen so gut wie nie der Fall. Der Statistiker ist gerade durch die Tatsache, daß solche rein stochastischen Komponenten, solche "White Noise"-Ereignisse eher selten sind, immer wieder vor Herausforderungen gestellt. Wo auch immer er hinschaut: Überall ist Systematik im Spiel, die ihm - sofern es sich um unbekannte Zusammenhänge handelt - die saubere Statistik "verschmutzt". Ich finde die Richtung, in die Mlodinows Botschaft geht, nicht verkehrt: "Gebt acht. Die Welt ist alles andere als so ein einfaches Schalter-Licht-System, wie Ihr (Manager, Politiker, Leser) sie immer haben wollt." Soweit so gut. Aber die Botschaft, die er dann suggeriert: "Fast alles ist beliebig (nur der Ehrgeiz nicht)",halte ich für ebenso falsch. Es gibt viele Dimensionen, die unsere Welt der einfachen Mechanik von Ursache und Wirkung entheben: Nichtlinearität (Rückkopplungen), Mikro-Makro-Wechselwirkungen, mangelnde Inforrmation über Anfangszustände und Zusammenhänge, gefilterte Wahrnehmung und eben Stochastik. Vielleicht mag es manchem als Haarspalterei vorkommen, zwischen diesen Dimensionen zu unterscheiden, nach dem Motto "Hauptsache unvorhersagbar". Aber vom philosophischen Standpunkt aus macht es für mich schon einen Unterschied, ob man die Welt quasi-nihilistisch als eine Art Lotteriespiel betrachtet oder als ein System mit mehr oder weniger zahlreichen, sich überlagernden, scharf oder unscharf wirkenden Wechselwirkungen grösstenteils unbekannter Provinienz. Im Fall des ersteren werde ich apathisch. Im letzteren Fall demütig. Es gibt aber noch etwas, das mich stört: Sein Hang, seine Lotterietheorie ohne das kleinste Fragezeichen allen möglichen Szenarien als universale Theorie überzustülpen. Es ist ja erlaubt, Theorien zu bilden, aber er wäre es dem Leser schuldig, klarzustellen, dass es eine Theorie ist. Gerade, wenn man ein Buch über diejenige Wissenschaft schreibt, in der die Wissenschaftler wie nirgendwo anders Theorien hinterfragen. Zum Teil sind es sogar, mit Verlaub, ziemlich abenteuerliche Theorien, die aus seiner Generalthese entspringen. z.B. das Entstehen von Microsoft als pure Brownsche Bewegung darzustellen und dabei in der Darstellung einige sehr entscheidende Fakten einfach mal unter den Tisch fallen zu lassen, verlangt schon eine gewisse Dreistigkeit. Mlodinow macht es sich zu einfach und verfällt dabei einer weiteren sehr menschlichen Neigung: Die Welt auf einen einzigen plausiblen Reim bringen zu wollen. Trotzdem: Wahrt man beim Lesen etwas Distanz, lohnt sich die Lektüre allemal und man lernt sicher etwas Neues hinzu.
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3.0 von 5 Sternen
Zufallsforschung, 1. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Wenn Gott würfelt oder Wie der Zufall unser Leben bestimmt (Gebundene Ausgabe)
Der Autor beschreibt die Zufallsforschung auf eine relativ interessante und verständliche Art und Weise. Der Schwerpunkt, im Vergleich zu anderen Büchern zu diesem Thema, liegt sicherlich in der Darstellung der historischen Entwicklung dieses Forschungszweiges einschließlich der entsprechenden Persönlichkeiten. Die Beispiele kommen dabei leider etwas zu kurz und hätten auch noch verständlicher sein können. Sofern man sich bereits mit dem Thema beschäftigt hat, sind einem außerdem viele der aufgeführten Beispiele bereits bekannt. Fazit: Durchaus lesenswert aber für meinen Geschmack etwas zu langatmig geschrieben.
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