In 5 Monaten zog die 31jährige Hamburger Journalistin Astrid Vits durch 9 Städte und traf 34 deutsche Bands und Solo-Künstler zum ausführlichen Gespräch. Das Ergebnis dieser intensiven Arbeit liegt nun auf 527 Seiten im Format 17 x 24 cm. vor: Das Buch "Du und viele von Deinen Freunden" - angelehnt an einen Album-Titel der Band Kettcar - ist ein Meisterwerk! Einzige Voraussetzung an den Leser ist eine recht ausgeprägte Musik-Affinität, die dann aber auch aufs Angenehmste befriedigt wird.
Den Einstieg in das jeweilige Kapitel einer Band oder eines Künstlers bildet ein zweiseitiger Überblick über das musikalische Schaffen bestehend aus bisherigen Album-Covern (s/w), Kurzbio, Line-Up, Diskographie und Homepage. Unmittelbar vor den Gesprächsprotokollen ist ein Songzitat gesetzt, gefolgt von Informationen rund um das eigentliche Gespräch, also Datum, Ort, Zeit, Gesprächspartner, Speisen und Getränke (meistens Zigaretten und Sekt).
Dann beginnt das, was jeder kennt, und was seltsam schwer zu beschreiben ist. Es ist eben kein Interview, sondern eine lockere, fast private Konversation, das von Astrid Vits nicht streng geführt wird. Mal wirft sie nur ein Wort in die Runde, mal fragt sie journalistisch nach, mal erzählt sie von sich. Es sind Gespräche, die ganz natürlich auch mal abflachen oder albern werden, dann aber wieder gehaltvoll werden, Einblicke gewähren. Die Musikerinnen und Musiker erzählen von damals, heute und morgen, über Hass und Liebe, Banalitäten des Alltags und sorgenvolle Gedanken. Wenn man beim Lesen die Augen schließen könnte, würde vor dem inneren Auge sofort das vertraute Bild einer entspannten Runde unter Freunden entstehen. Astrid Vits hat zwar nicht jedes "ähm" und "also" mitgenommen, aber kursiv gedruckte Einschübe wie "lacht", "überlegt" oder "singt" sorgen für sinnliche Aspekte.
Die Auswahl der Bands und Solo-Künstler ist sehr gut geworden, auch wenn sie sich auf die deutsche Gitarren- und Elektro-Popszene beschränkt. Es sind alte Bekannte genauso dabei wie junge Unbekannte und dazwischen einige Konsens-Künstler, die von allen anderen gelobt werden. Von A wie Angelika Express bis Z wie Zinoba.
Astrid Vits hat in ihrer Kompetenz mehr zu bieten als Zeitgeist, schafft mehr als eine Bestandsaufnahme oder ein Nachschlagewerk. Dieses Buch ist ein Freund.