Schon das Cover des Buches, mit dem Bild einer schönen jungen Frau, die harmloser nicht aussehen könnte, hat mich seinerzeit in den Bann gezogen. Als ich dann die Inhaltsangabe las, wußte ich, dieses Buch muss ich lesen.
Das Buch beschäftigt sich mit Karla Faye Tucker, welche in den 80'er Jahren im Drogenrausch zusammen mit ihrem Freund bei einem Bekannten einbrach, um Motorradteile zu stehlen. Als sie dabei von dem Bekannten überrascht wurden, entschlossen sie sich, diesen umzubringen. Die zum Einbruch mitgenommene Spitzhacke wurde nun zu einem brutalen Mordwerkzeug. Zu dieser Zeit befand sich auch noch eine junge Frau in der Wohnung, die Zeugin dieses Mordes wurde und deshalb ebenfalls von Karla und ihrem Freund brutal getötet wurde.
Doch dies ist nur ein Teil der Geschichte. Man erfährt auch, wie Karla Faye Tucker aufgewachsen ist und kann aus ihrer Biographie erkennen, dass sie eigentlich nie wirklich eine Chance zu einem "normalen" Leben erhalten hat.
Obwohl Karla Faye Tucker zum Zeitpunkt des Mordes unter Drogen stand, wurde ihr dies nicht als tatmindernd angerechnet. Ebenso spielte auch ihre Biographie keine Rolle im Gerichtsverfahren. So konnte am Ende eigentlich nur die Todesstrafe ( im Bundesstaat Texas,der ja berüchtigt ist für die vielen Todesstrafen, welche dort regelmäßig ausgesprochen und letztlich auch durchgeführt werden)als Urteil stehen.
Die Schriftstellerin stellt in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob die Todesstrafe grundsätzlich berechtigt ist. Darüber hinaus beschäftigt sich dieses Buch auch mit der Frage, inwieweit Karla letztlich auch ein Opfer des Systems ist, welches es versäumt hat, sie als Kind aus dem Umfeld einer drogensüchtigen Mutter herauszuholen.
Karla Fay Tucker hat im Verlauf ihres Gefängisaufenthaltes einen großen inneren Wandel vollzogen. Von der einst kaltblütigen Mörderin hin zu einer bezeugenden Christin.
Das Buch zeigt in aller Deutlichkeit, dass Mörder nicht die Monster sind, für die viele sie halten, sondern ganz normale Menschen.
Mich hat diese Geschichte tief bewegt. Als einige Jahre nachdem ich dieses Buch gelesen hatte Karla Faye Tucker hingerichtet wurde und ich im Fernsehen die aktuellen Bilder von ihr sah, war ich tief betroffen.
Das Buch ist nur zu empfehlen. Darüber hinaus kann ich in diesem Zusammenhang auch den Film "Noch 24 Stunden bis zur Hinrichtung" empfehlen. Er beschäftigt sich mit der Wandlung von Karla Faye Tucker von der Mörderin hin zur Christin und mit der Wandlung des Bruders eines der Opfer, der Karla letztlich nicht nur verzeihen konnte, sondern am Ende sogar ein Freund von ihr wurde.