Das Buch beschreibt in Form von Tagebucheinträgen und Briefen an Frau und Kinder die innere Entwicklung von Wilm Hosenfeld, vor allem durch seine Beobachtungen und Gedanken zu den Zeitgeschehnissen von den ersten Kriegseindrücken im Ersten Weltkrieg über die Zeit der Weimarer Republik bis hin zu seinen Erlebnissen im besetzten Polen und der folgenden Kriegsgefangenschaft, wo er 1952 stirbt.
Das Spannende an dem Buch ist vor allem, daß hier nicht ein Historiker während oder nach den Ereignissen beschreibt und analysiert, sondern daß ein junger Mann, der dann heiratet und mit seiner Familie auf einem Dorf lebt, seine Gefühle, Beobachtungen, Gedanken und Wünsche zu Papier bringt, ohne zu ahnen, daß diese einmal in einen Zusammenhang gebracht werden: Da sind Tagebucheinträge, einfache Notizen, wunderschöne Liebesbriefe an die Frau in der Ferne, liebevoll-väterliche Briefe an das ein oder andere Kind.
Aus all dem spricht mit zunehmendem Klarblick ein tiefreligiöser und geistig freier Mensch, der sich, vor allem als Deutscher und somit Angehöriger des Volkes, das vor seinen Augen himmelschreiendes Unrecht begeht, gegen den Haß stemmt und selber unter Lebensgefahr vielen hilft und viele rettet: Polen, Juden, Kleriker. - Doch von denen liest man in den Briefen kaum etwas - nicht wenige von ihnen hätten ihn leicht das Leben gekostet, wären sie entdeckt worden. Nein, von seinen guten und mutigen Taten schreibt er nicht gern. Erst als er in russischer Kriegsgefangenschaft dringend Fürsprecher braucht, nennt er seiner Frau Namen. Doch das half ihm leider auch nicht, aus der Gefangenschaft herauszukommen. Dieses letzte bittere Los trug er dann wieder mit jenem umwerfenden Gottvertrauen, das ihm wohl der letzte und sicherste Halt war.
Alles in allem ein äußerst empfehlenswertes Buch, das aber vor allem unter dem Aspekt einer menschlichen Entdeckung als einer historisch brisanten Offenbarung gelesen werden sollte, da es ansonsten langweilen würde (wenn es in den Briefen lange nicht um Kriegserlebnisse, sondern das innere Leben und die Familie geht).
Sicher eines der besten Bücher, die ich gelesen habe!