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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine seltsame Liebe,
Rezension bezieht sich auf: Der verschlossene Garten: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der verschlossene Garten ist in meinen Augen eine hoch reflektierte Liebesgeschichte, psychologisch-philosophisch fein beobachtet und durchdacht.Die Sprache ist poetisch und läßt an impressionistische Bilder denken. Ein Mann von 55 Jahren, Redakteur eines Vierteljahresheftes über Philosophie(!), begegnet und heiratet eine 19 jährige. Sie wollen beide ein abgeschiedenes Leben vor der Stadt(?) leben, in einem Haus mit einem schönen, wilden und romantischen Garten. Sie erstreben die vollkommene Liebe: Sie soll autark, unabhängig, frei von Zwängen, erotisch und nur von der vollkommenen Zuneigung ohne Trübung getragen sein. Die Erzählung wird von vielen Gedanken um die Möglichkeiten dieser autonomen Liebesform begleitet. Nach einigen Jahren des stillen und zufriedenen Glücks taucht ein etwas jüngerer Mann mit Namen Saint -Polar auf. Er beginnt ein intensives Liebesverhältnis mit Equilibre, wie die junge Frau genannt ist. Ich empfinde den Stil des Buches als still und ruhig mit langsam sich entwickelnden Gedanken um das vollkommene Glück. Cl.B. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Auch ein Garten Eden kann einengen!,
Von Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der verschlossene Garten: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein sechzigjähriger Journalist verbringt seine Tage mit einem fünfundzwanzigjährigen, nicht ungebildeten Mädchen und finanziert dessen Leben. Der Garten des Hauses, in welchem die Verliebten wohnen, wird ihr Versteck, oder besser ihr Paradies aus dem sie sich schließlich selbst vertreiben. Dies geschieht, nachdem ein vierzigjähriger Anwalt den Weg des Paares kreuzt und die junge Frau ganz allmählich in seinen Bann zieht.Gemeinsames Wohnen zu dritt, zu dem man sich aus vielschichtigen Motiven entscheidet, findet sein Ende als die junge Frau sich von beiden Männern zu sehr eingeengt fühlt. Sie packt ihre Koffer und entflieht dem vermeintlichen Paradies. Beim vorliegenden Buch handelt es sich um einen intellektuellen Roman, der den Begriff der Liebe reflektiert und sich mit den Tücken des Zusammenlebens auseinandersetzt. Gefragt wird, wie es sich mit der Leidenschaft im Hinblick auf die freie Wahl des Willens verhält. Oder es wird konstatiert:" Wie schön klingen Reden von einer offenen Beziehung, wenn archaische Strömungen immer wieder gegen alle vernünftige Einsicht revoltieren und uns in mittelalterliche Gefühlszustände zurückversetzen, in denen es um Sieg und Tod, um Kampf und Rache geht." Nicht zuletzt befasst sich die Autorin auch mit dem Verrat, der nach ihrer Ansicht nicht gleichgesetzt werden darf mit sexueller Untreue, sondern sich darstellt " als Preisgabe von Geheimnissen, in Indiskretionen oder einfach in einem dahingesagten Satz, der über den Geliebten ein Urteil fällt." Über Liebe, Untreue, Schuld, über viele nicht definitive Definitionen wird in diesem Buch gesprochen und über das Unvermögen der Menschen sich dauerhaft im Paradies einzurichten und zwar ganz gleich welchen Alters sie sind. Ein Roman, der nachdenklich stimmt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Poem der behutsamen Liebe,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der verschlossene Garten: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Sie haben gelernt, dass ihre Ehen Scheininszenierungen sind oder zur Dauertherapie ihres Verhaltens wurden. Sitzung für Sitzung nehmen sie ihr falsches Verhalten unter die Lupe und hoffen auf Verständigung, ein perpetuum mobile der Selbstbefragung. Alles muss doch zu lösen sein, und keiner darf sagen, dass es Dinge gibt, die nicht zu lösen sind. Keiner darf sagen, dass die Liebe längst verschwunden ist unter dem Vergrößerungsglas."(S.99) Gegenüber diesem Pejorativ der bürgerlichen Gegenwartsehe setzen Soudain und Equilibre ihre eigene Inszenierung, eine Inszenierung, deren Kraft und Dauer sich aus der Imagination speist ohne genau überprüfen zu wollen, ob diese Imagination auch den Tatsachen entspricht. Ohne dass dieses Bild in dem Buch bemüht wird, sind sie einander Blumen, die sich an ihrem Aussehen und ihrem Duft erfreuen ohne einander zu pflücken. Die idealisierende Imagination, die von einer Projektion nur mit Mühe zu unterscheiden ist, wird jenseits der Stadt in „einem verschlossenen Garten" ausgelebt, den der sechzigjährige Soudain für die 25jährige Equilibre eingerichtet hat und in dem es sich eine Zeitlang trefflich lieben und philosophieren lässt - bis Saint Polar auftaucht, ein Dritter, genau in der biographischen Mitte zwischen Soudain und Equilibre, und entschlossen, die Probe auf die Haltbarkeit dieser Konstruktion zu machen. Natürlich besteht die Beziehung diese Probe nicht - Equilibre erkennt den käfigartigen, surrogativen Charakter ihrer Beziehung zu Soudain, um sich bei Saint Polar den Wonnen des Gepflücktwerens hinzugeben - mit anderen Worten, sie kostet von der besitzergreifenden Leidenschaft, die alles verschlingt und am Ende wie die Flamme die brennende Kerze auch die Liebe selbst aufzehrt. Am Ende sieht sich Equilibre ins Leben geworfen, reifer unglücklicher, lebendiger, ohne dass sie mit einem der beiden Männer weiter zusammenleben kann. Zurück bleibt Soudain mit gebrochenem Herzen aber der noch immer unbeirrten Überzeugung, dass seine eigene, vornehm-zurückhaltende Art der Liebe die einzige Art der Hingabe ist, die auf Dauer sich selbst erhalten kann, weil sie dem anderen nicht zu sehr auf die Pelle rückt - eine Schlussfolgerung, über die sich streiten lässt, die aber auf jeden Fall die Probleme ihres Gegenkonzeptes - eben der alles verschlingenden romantischen Liebe um so stärker hervortreten lässt. Ein meisterhaftes Werk, ein Poem der behutsamen Liebe, ausgebreitet in einer poetischen Sprache, die jeden bereichert, der sie versteht.
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