Das sehr übersichtlich geschriebene Buch "Auf der Suche nach der verlorenen Seele" von Sandra Ingermann stellt eine gute Einführung in das Thema Seelenrückholung auf schamanische Weise da. Ingerman's psychologische Ausbildung ist dabei nicht zu übersehen - in vielen Fallbeispielen demonstriert sie Ablauf und Nachbereitung der Seelenrückholung, wobei sie zahlreiche Informationen, leicht verständlich formuliert, hinzufügt. Das Buch eigenet sich für den Leser/die Leserin, der/die sich mit diesem Thema vertraut machen will, sei es, um mehr über Trauma, das Wesen der menschlichen Seele und Seelenverlust zu erfahren, sei es, um sich die Hilfe eines in der schamanischen Arbeit erfahrenen(!) Menschen zu suchen.Die Lektüre eröffnet uns neue Möglichkeiten der spirituellen Erfahrung. Neu bezüglich des doch recht begrenzten Wissens der "modernen" Gesellschaft, welche diese schon aus vorhistorischen Zeiten bekannte Heilmethode, bzw. Erfahrungswelt, aus dem allgemeinen Bewußtsein verbannt hat. Sandra Ingerman bezieht ihr schamanisches Wissen aus verschiedenen traditionellen Quellen, aus Arbeit mit/in der Foundation for shamanic studies( Michel Harner) und natürlich aus unzähligen schamanischen Reisen, die sie seit Jahrzehnten unternimmt. Dabei verbindet sie die schamanischen Erfahrungen mit psychologischer Arbeit, was auch sehr sinnvoll zu sein scheint, ist es doch wünschenswert, daß die teilweise enormen Veränderungen nach einer Seelenrückholung liebe- und verständnisvoll in das Leben des Klienten integriert werden. In der starken psychologischen Betrachtungsweise liegt aber auch eine subjektiv empfundene Schwäche des Buches. Psychologische kurze Fallstudien in Büchern amerikanischer Psychologen kenne ich schon zur Genüge, das fühlte sich etwas zu umfangreich, teilweise überflüssig an - was all die Johns,Sarahs,Stevens und Carols in Briefen und Tagebucheinträgen berichteten, kam mir irgendwie schon recht bekannt vor.
Trotz dieser vielleicht typisch us-amerikanisch-literarischen Schwäche des Buches möchte ich es doch der/dem geneigten LeserIn empfehlen, nicht zuletzt aufgrund der freundlichen und deutlichen Einladung der Autorin, sich selber auf den Weg schamanischer Erfahrung und Bewußtheit und Aufmerksamkeit zu machen.
Nicht unerwähnt bleiben sollte auch Sandra Ingerman's Hinweis auf die enorme Wichtigkeit von Gemeinschaft. Dies gilt sowohl für die körperliche, emotionale und spirituelle Gesundheit der Menschen, als auch hinsichlich der heutigen Gesellschaftsstruktur, die durch Vereinzelung/Vereinsamung gekennzeichnet ist und so zu immer neuen Seelenverlusten der Menschen führt. Ingerman's deutliches Plädoyer für gemeinschaftliche Lebensprojekte, für ein Zusammenrücken der Menschen, hat mich sehr angesprochen.
Selber habe ich durch die Hilfe einer Schülerin der Autorin eine Seelenrückholung erleben dürfen und kann auch im Hinblick auf meine eigene wunder-volle Erfahrung dieses Buch jedem Menschen,der spirituelle Heilung und Erweiterung sucht,wärmstens ans Herz legen.