Der bereits 1986 erschienene Roman von Leavitt gehört sicher zu den Klassikern der schwulen Literatur und wurde sogar bereits in den 90er Jahren verfilmt.
Der Roman wirkt heute noch erstaunlich frisch, auch wenn sich seiher vieles in Richtung einer schwulen Emanzipation verbessert hat. Bei nähere Betrachtung müsste man jedoch sagen "scheinbar verbessert". Denn die Probleme für das Individuum sind ziemlich gleich geblieben. Der direkt Betroffene will seine Veranlagung zunächst mal nicht wahrhaben, die Verdrängung beginnt auf eine qualvolle Weise. Die Umgebung ist sehr oft ahnungslos oder verdrängt die Wahrheit ebenfalls und so beginnt eine Spirale der Selbstverleugnung, die oft zu heftigen Verletzungen und Vernarbungen führt. Das Coming out wird von den Beteiligten extrem unterschiedlich wahrgenommen. Schuldgefühle plagen nicht nur den, der es als Befreiungsschlag empfinden wollte, sondern auch die Eltern und die besten Freunde. Die nämlich fühlen sich plötzlich hinters Licht geführt, weil sie belogen wurden oder sie wollten es im Prinzip nie erfahren, nach dem Motto " was ich nicht weiss macht mich nicht heiss". Eine natürliche, entspannte Reaktion auf das Coming out gibt es nur selten und wenn, dann wird es oft gespielt. Es findet in Wahrheit eine totale Überforderung des Menschen statt, sobald sie in einer emotionalen Nähe zueinander stehen. Ausserdem werden gerne zwei Begriffe miteinander verwechselt, die nicht zusammengehören, nämlich Toleranz und Duldung. All das wird in diesem ungewöhnlich gut erzählten Roman thematisiert. Leavitt versteht, sicher auch aus eigener Erfahrung, ein sehr authentisches Bild zu zeichnen. Die inneren Konflikte der Protagonisten werden sehr glaubwürdig und nachvollziehbar beschrieben, aber auch die Welt der "schwulen Subkultur", ohne die oft üblichen Details aller sexuellen Handlungen. Doch er verschweigt sie auch nicht und hier zeigt sich der Unterschied von Literatur und Pornographie auf verblüffende Weise. Der Roman versöhnt den Leser mit dem Thema nicht wirklich, weil es in der Realität eben auch immer Verlierer gibt, die auf der Strecke bleiben.