Jeroen, ein etwa 11-jähriger Bub aus Amsterdam, wird ein Jahr vor Ende des Zweiten Weltkriegs allein aufs Land geschickt, wo er in einer friesischen Fischerfamilie lebt, sich anfangs sehr fremd und verlassen fühlt. Nach der Befreiung durch die "Amerikaner" (eigentlich Kanadier, wie sich später herausstellt) trifft er auf den Soldaten "Wolt", der ihn bei mehreren Gelegenheiten zu sexuellen Handlungen nötigt. Der Autor schildert in diesem stark autobiopraphischen Roman im Prinzip seine eigenen Erfahrungen (anders ist diese Genauigkeit auch unvorstellbar). Eben diese Schilderungen sind es, die das Buch so fesselnd und authentisch machen. Minutiös wiedergegeben erfährt man die Ängste, Gelähmtheit, Abscheu, aber auch Faszination und Sehnsüchte des Kindes, was es bei jedem Blick, Geruch, bei jeder Berührung fühlt, denkt, interpretiert. Das reißt einen unmittelbar mit. Die Soldaten sind eines Tages plötzlich nicht mehr da und Jeroen wird von seiner Mutter abgeholt und nach Hause nach Amsterdam gebracht, wo er sich nun erneut fremd fühlt und zudem allein ist mit der Verwirrung seiner erwachten Gefühle. Die in einigen Rezensionen geäußerten Bedenken bezüglich der Art und Weise, wie in diesem Roman mit der Thematik Kindesmissbrauch umgegangen wird (besonders zur Verfilmung, die ich selbst aber nicht kenne) sind durchaus verständlich. Dass sich kranke Köpfe hier eine Art Rechtfertigung für ihr abartiges Verhalten zurechtspinnen, mag gut möglich sein. Ich glaube aber nicht, dass man dieses Buch anders hätte schreiben können, denn worauf es dem Autor tatsächlich ankam, das erfährt man im kurzen Schlusskapitel, welches ihn 35 Jahre später zeigt: Man spürt, wie stark die damals begründete Sehnsucht ihn geprägt und durch sein Leben begleitet hat. Das Buch hinterließ bei mir nach dem Lesen einen Abglanz dieser unerfüllbaren Sehnsucht und Trauer zurück. Das unterscheidet wahre Literatur von Lektüre. Auch deshalb finde ich es unerklärlich, dass es zur Zeit, in der ich dies schreibe, out-of-print zu sein scheint ... Zum Glück gibt es im Internet ja mittlerweile genügend Bezugsquellen für solche Fälle.