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Der verlorene Kampf um die Wörter: Opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt. Ein Plädoyer für eine angemessenere Sprachführung
 
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Der verlorene Kampf um die Wörter: Opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt. Ein Plädoyer für eine angemessenere Sprachführung (Taschenbuch)

von Monika Gerstendörfer (Autor)
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 171 Seiten
  • Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (7. März 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3873876418
  • ISBN-13: 978-3873876415
  • Größe und/oder Gewicht: 24 x 16,6 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 406.138 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Kinderschänder gibt es nicht!" Was für eine provokant klingende und irritierende Aussage! Doch die wahren Provokateure sind wir. Denn wir alle benutzen solche Unwörter wie "Kinderschänder", "Sextouristen", "Triebtäter", "Sexgangster" und damit eine im wahrsten Sinne des Wortes gewalt-tätige Sprache. Wörter, Begriffe und Namenstäfelchen, die Tat und Täter nicht beim Namen nennen und so die wirkliche Problematik nicht erfassen, sondern die Opfer (nochmals) verletzen, die Taten bagatellisieren und die Täter entlasten. Sprache ist eine perfide Waffe, wenn sie sich gegen die Opfer richtet. Im Problembereich der sexualisierten Gewalt ist das leider die Regel. Die Folgen für Opfer, Täter und die ganze Gesellschaft können so nie ans Tageslicht kommen und einer Problemlösung zugeführt werden. Unsere Sprache spiegelt und schafft Wirklichkeit - eben auch Gewaltwirklichkeit. Und sie verschleiert und bagatellisiert, wenn wir von "Beziehungsdramen" oder "Familienstreitigkeiten" reden, wo es tatsächlich um brutale Morde ging. Immer an der Wirklichkeit (der Opfer) vorbei ... Diese Wirklichkeit wird im Buch ins Zentrum gerückt. So wird deutlich, dass sich Vieles ändern muss. Eben auch unsere Sprachführung. Wir alle können so zum Kampf gegen Gewalt beitragen, denn Sprache ist - genau wie die Menschen, die sie benutzen - lebendig!

Über den Autor

Monika Gerstendörfer, Jahrgang 1956, Dipl.-Psych., Menschenrechtlerin und freie Autorin, studierte Sprachwissenschaft, Psychologie und Psycholinguistik; arbeitete zunächst in der Wissenschaft und seit nunmehr 15 Jahren aktiv in Menschenrechtsorganisationen (Terre des Femmes e.V., Deutscher Akademikerinnenbund, Forum Menschenrechte, Lobby für Menschenrechte e.V.), im "Observatory against Violence on Women" der Europäischen Frauenlobby, im Europarat und als Sachverständige bei Anhörungen auf EU-, Bundes- und Landesebene. 2005 wurde sie mit den "1000 Women for Peace" für den Friedensnobelpreis nominiert.

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ein grundlegendes Lesebuch zur sexualisierten Gewalt, 21. Mai 2007
Dieses Buch gehört den Vertretern von Strafverfolgungsbehöden - insbesondere Richtern -, Politikern und Medienvertretern zwangsverordnet!

Und all denjenigen, die laut schreien oder so betroffen tun, wenn wieder einmal ein Skandal in aller Munde ist, ebenfalls. Ob aber genau diese Leute die Hintergründe so genau wissen wollen, kann bezweifelt werden.

Für Beratungsstellen, Notrufe, Frauenbeauftragte, Therapiezentren und Therapeuten ist das Buch obendrein ein wichtiges Nachschlagewerk für Daten und Fakten. Hilfreich sind hier die Kästen zur Vertiefung.

Trotz der komplexen Materie ist das Buch so geschrieben und aufgemacht, dass es auch "Fritzchen und Liese Müller" verstehen können. Die historischen und grundsätzlichen Zusammenhänge für sexualisierte Gewaltformen sind spannend und lehrreich.

Wer Lobbyarbeit macht, hat hier nun eine Fundgrube an Argumenten. Gewaltüberlebenden dürfte das Buch gut tun, da sich eine endlich einmal Autorin klar, kompromisslos sowie sachlich und fachkundig eingelassen hat. Für die Opfer!

Kritik:
Cover, Titel und Untertitel sind nicht so glücklich gewählt. In dem Buch geht es doch um mehr, nämlich um die öffentliche und mediale Wahrnehmung/Darstellung von sexualisierter Gewalt - im Verhältnis, ja Gegensatz - zur Lebenswirklichkeit Betroffener. Der Inhalt rückt genau diese Missverhältnisse zurecht! Damit sind Politik, Medienvertreter, Strafverfolgungsbehörden und viele andere Menschen angesprochen. Das hätte man via Titel auch ausdrücken sollen. Resume: Lesen Sie dieses Buch. Es erweitert den Horizont in vielerlei Hinsicht und ist trotz allem kurzweilig zu lesen. Das Text-Layout lädt zu Pausen ein. Das ist auch gut so.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der Kampf um die richtigen Worte , 26. März 2007
Ist es Ihnen auch schon so ergangen, dass Sie eine Nachricht mehrmals lesen mussten, um sie zu verstehen? Nicht, weil sie etwa in einer fremden Sprache formuliert wurde. Sie mussten sie mehrmals lesen, weil sie aus Opfern TäterInnen machte und aus Tätern Opfer werden ließ. Es dauerte, bis sie den ganzen Text gelesen hatten. Weil eine einzige Formulierung schlicht falsch gewählter Worte folglich die Tatsachen verdrehte, die eigentliche Aussage verfälschte, sogar in eine Falschnachricht verdrehte und den Nichtwissenden obendrein manipulierte und verwirrte. Sprache kann zur Verständigung und zum Verstehen beitragen, falsch gewählt kann sie verletzen, ja tödliche Missverständnisse provozieren!

Im Zeitalter der Information und Kommunikation wird es nicht nur immer schwerer, der Flut der täglichen Nachrichten und Schlagzeilen zu folgen, sondern nicht selber Opfer durch eine Manipulation, falsch angewandte Worte, Sprachschlampereien und verbale Schlammschlachten zu werden..

Sprache verrät. Den, der spricht und den, der schweigt. Den, der formuliert und den, der schreibt. Sobald es um sexualisierte Gewalt geht, setzen Schweigen und Sprachlosigkeit ein oder eine Verkehrung der Tatsachen. Ein Täter hatte eine schlechte Kindheit, die ihn zum Täter werden liess, was ihn "ent-schuldigt", während sein Opfer entwürdigt und infrage gestellt, in der Öffentlichkeit vorgeführt und zerstört wird.

Sprache ist nicht beliebig auswechselbar. Ein Wort ist ein Wort. Eine genaue Bezeichnung. Alles hat eine Bezeichnung und einen Namen.

Das Buch der Dipl.-Psychologin Monika Gerstendörfer ist mehr als ein Kampf um verlorene Worte. Es ist ein Arbeitsbuch, ein Sprachbuch, das deutliche Worte spricht und klare Botschaften vermittelt. Es ist ein Buch, das in jede Bibliothek, Schule und Redaktion, auf jeden Schreibtisch gehört. Es sollte als Sprachbibel in allen Bereichen unseres sprachlichen Alltags Pflicht werden. Überall dort, wo Menschen mit Sprache umgehen, beruflich Nachrichten formulieren müssen. In Bereichen, in denen Sprachgeübte täglich um angemessene Worte bemüht sind und manchmal nicht mehr wissen, was sie noch sagen sollen.

Es ist kein Buch, das man nebenbei durchliest. Es ist ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen wird. Das Vorwort der Psychotherapeutin Michaela Huber geht fünf komplexen Teilen voraus, die durch unseren sprachgewaltigen Alltag führen und keine Berührungsängste kennen. Anhand praktischer Beispiele sprechen die einzelnen Kapitel verschiedener Themengebiete das aus, was gesagt werden muss. Was längst überfällig ist. Ungeschönt, ja schonungslos prangern zahlreiche Beispiele die Doppelbödigkeit und Perfidität der Tages- und Sensationspresse, unseres Alltags an. Es ist ein unbequemes Buch, aber leicht zu lesen und zu verstehen.

Wer danach immernoch nichts versteht, dem wird auch kein anderes Buch helfen.


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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Sprache - eine Waffe, 24. März 2009
Was brauche ich ein Sachbuch über sexualisierte Gewalt und Sprache?", mag sich so mancher bei Ansicht des Buches gedacht haben.
Doch geschriebenes und gesprochenes Wort ist unser wichtigstes Instrument, um mit anderen zu kommunizieren, um zu lernen, Neuigkeiten zu erfahren und Wissen weiter zu geben.
Ein Kommunikationsmittel, das so enorm wichtig ist, verdient besondere Aufmerksamkeit, wenn man es richtig und kompetent verwenden möchte.
Monika Gerstendörfer präsentiert ihr sehr gut durchstrukturiertes und nach verschiedenen Themenbereichen geordnetes Buch, das wirklich wach rüttelt.
Mittels dieses Buches vermittelt die Autorin nicht nur, wie unachtsam viele mit Sprache umgehen, sondern auch, welche Auswirkungen dies hat.
- Nämlich auf alle diejenigen, die sprechen und schreiben, diejenigen, die hören und lesen und - am wichtigsten - die, um die es geht: Opfer sexualisierter Gewalt.
Auf sehr eindrückliche Art und Weise vermittelt sie, was uns Sprache nicht nur über den Sprecher verrät, sondern auch, wie Vorverurteilungen funktionieren, wie weitere Traumatisierungen der Opfer durch eine angeblich neutrale Berichterstattung passieren oder schlicht falsche Begriffe (z.B. Kinderschänder", Sextouristen", Familienstreitigkeiten") verwendet werden.
Sehr hilfreich beim Lesen des Buches sind die Kästen, in denen Beispiele oder Daten und Fakten festgehalten wurden.
Die Aufteilung des Inhalts lädt immer wieder dazu ein, etwas zu pausieren, nachzudenken und alles sacken zu lassen", auch darüber, welchen Inhalts sich die Medien bedienen, die tagtäglich auf uns einrieseln.
Auch wenn dies ein Sachbuch ist, das man nur jedem anempfehlen kann, der mit Opfern und Tätern zu tun hat oder darüber berichtet, ist es doch ein Buch, das von jedem gelesen werden sollte und auch kann!
In klarer Sprache, die wirklich jedem verständlich ist, wird man über Manipulationen - auch ganz konkreter Gerichtsverhandlungen - aufgeklärt. Die Autorin entlarvt die gewalt-tätige Sprachführung, die die Medien und auch wir selbst benutzen. Eine Sprache, die Tat und Täter nicht beim Namen nennt und die Opfer nochmals demütigt.
Man kann nur hoffen, dass dieses wichtige Buch von ganz vielen Lesern wahrgenommen und gelesen wird, die respektvolle und richtige Verwendung der Sprache gelernt und endlich auch beherzigt wird.
Für mich ein Muss!
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