Pressenotiz zu : Die Zeit, 06.07.2000
Ludger Lütkehaus widmet sich in einer Sammelrezension jener Sorte von Literatur, gegen die, wie er sagt, "kein intellektuelles Kraut gewachsen ist": der Esoterik. Gewachsen ist es freilich schon, wie man den ausführlichen Adorno- und Blochzitaten zu Beginn der Rezension entnehmen kann - nur müsse die vollständige Wirkungslosigkeit noch der brillantesten Attacken attestiert werden.
1) Markus Hammerschmitt: "Instant Nirwana" (Aufbau Verlag)
Der "Ex-Tarot-Gläubige" Marcus Hammerschmitt hat eine Abrechnung mit allem Esoterischen geschrieben, die, so Lütkehaus, wenigstens in ihrem Anfangs-Furor mit Adornos Aphorismen wider den faulen Zauber durchaus mithalten kann. Genauso aber wie dieser spreche der Autor zu sehr von außen, um das von der "Geisterkrankheit" befallene Publikum erreichen zu können. Der Rezensent rät, am Phänomen wenigstens Seufzen und Sehnsucht nach "metaphysischem Bedürfnis" ernst zu nehmen.
2) Janwillem van de Wetering: "Reine Leere" (Rowohlt Verlag)
De Wetering, exzellenter Krimiautor mit vierzigjähriger Buddhismuserfahrung, ist über dem Meditieren die "freundlich-ironische Heiterkeit" nicht abhanden gekommen, versichert Lütkehaus. Dieser Erfahrungsbericht aus der Welt buddhistischer Erleuchtung ist denn auch, so Rezensent Lütkehaus, ein "herrliches Buch", aus dem zuletzt tatsächlich so etwas wie Weisheit spreche.
3) Alexandra David-Néel: "Im Banne der Mysterien" (Nymphenburger Verlag)
Dieses nachgelassene Buch der Tibetforscherin Alexandra David-Néel, mustert, so der Rezensent, mit "sarkastischem Mutterwitz" die esoterischen Gemeinschaften aller (Gesellschafts-)Klassen in England und Frankreich. Die in den Schilderungen zutage tretende Leichtgläubigkeit der Anhänger könne beim Leser durchaus "psychohygienische" Effekte zeitigen.
4) Alexandra David-Néel: "Unsterblichkeit und Wiedergeburt" (Nymphenburger Verlag)
Gar nicht peinlich findet der Rezensent, ganz im Gegensatz zur Autorin die "Vorstellung vom Aufhören des Daseins". Entsprechend hat er wenig Verständnis für das Wohlwollen, das sie den tibetanischen, chinesischen und indischen Wiedergeburtslehren entgegenbringt. Zusätzlich wendet er ein, dass der ursprüngliche Therevada-Buddhismus gerade vom vollständigen Erlöschen "aller Daseinsfaktoren" im Nirwana ausgeht.
5) Martin Brauen: "Traumwelt Tibet" (Verlag Paul Haupt)
"Maßstab setzend", so Rezensent Lütkehaus, ist dieses Tibet-Kompendium. Die historische Darstellung positiver wie negativer Tibet-Trugbilder sei verdienstvoll - nicht zuletzt in der Schilderung der nazistischen "Ariosophie", die in einer gegenwärtig erstarkenden "braunen" Esoterik wieder auflebe.
6) James Hilton: "Der verlorene Horizont" (Arche Verlag)
James Hiltons Bestseller "Der verlorene Horizont" aus dem Jahr 1933 hat den Mythos vom Land Tibet als dem "Shangri-La", dem Paradies der Weisen erschaffen. Der Bericht von dieser friedlichen und maßvollen herbeigeträumten Weltgegend, so der Rezensent, ist "nach wie vor faszinierend und überaus spannend zu lesen."
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Die Mönche im Lama-Kloster von Schangri-La, im »Tal aller heiligen Zeiten«, halten ihre Gemeinschaft für die letzte Oase, in der die geistigen Schätze der Menschheit aufbewahrt und lebendig erhalten werden, geschützt vor Kriegen und Katastrophen und vor der Hast und den Zwängen der technischen Welt. Durch eine List wollen sie ihr einsames Kloster im Himalaya vor dem Aussterben bewahren und entführen mit Hilfe eines Flugzeugs eine kleine Gruppe von Engländern und Amerikanern in diesen entlegenen Winkel Tibets ... James Hiltons Klassiker liest sich spannend wie ein Kriminalroman. In den unsicheren Jahren zwischen den beiden Weltkriegen geschrieben, entspricht seine romantische Utopie dem Wunsch nach Frieden und hat bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.
»Hilton hat sich eine Zuflucht erdacht, wo Auserwählte ein dunkles Zeitalter von Krieg und Haß überleben können, bis die Menschheit bereit ist für ein Leben in Frieden.« Süddeutsche Zeitung